Die ersten Titel sind im Visier
Die Fußball-Bundesliga startet erst am 18. August, aber vorher gibt es noch einen besonderen Appetithappen, traditionell wird eine Woche vor dem Saisonstart im Oberhaus die erste Runde im DFB-Pokal ausgespielt. Es ist immer ein Festwochenende für die Amateure, aber nicht immer ist es leichte Kost für die Profiteams. Manch einer verschluckt sich an den Häppchen und nicht von ungefähr fragt der kicker seine Leser: „Welcher Bundesligist scheidet aus?“ Im Vorjahr hat es den 1. FC Köln in Regensburg (2:2 n. Verl., 3:4 im Elfmeterschießen), Bayer Leverkusen in Elversberg (3:4) und Hertha BSC Berlin in Braunschweig (4:4 n. Verl., 5:5 i.E.) erwischt.
Ein echtes Schlagerspiel fehlt in der ersten Runde, aber dennoch sind attraktive Paarungen dabei, schließlich haben auch unterklassige Teams oft einen guten Namen nach Erfolgen in der Vergangenheit. Bekanntlich werden die Bundesligisten den Amateuren zugelost, die immer Heimrecht genießen. Viele wollen den Heimvorteil auch auf die 2. Bundesliga gegenüber den Erstligisten ausweiten. 32 Paarungen gibt es von Freitag bis Montag, die nächste Runde wird dann am 31. Oktober/1. November ausgespielt. Erfreulich in dem Jahr, dass es mehr Spiele im Free-TV gibt, der Bezahlsender Sky überträgt alle Spiele live. Mit Blick auf Braunschweigs Coup im Vorjahr, Gegner Schalke 04 und der Tradition beider Klubs hat sich das ZDF wohl entschieden, die Übertragungen mit einem Spiel ohne Erstligisten zu beginnen. Am Wochenende fehlt ein Live-Spiel im Free-TV, am Montag, 14. August, ist die ARD mit VfL Osnabrück – 1. FC Köln dabei und alle können sehen, ob sich Köln erneut blamiert. Doch zweimal hintereinander erwischt es die Bundesligisten kaum einmal.
Rekordsieger Bayern München
Ein Spiel stiehlt dem DFB-Pokal allerdings die Show: Aus Termingründen wird der – DFL-Supercup erneut am Pokal-Wochenende ausgetragen. Bekanntlich stehen sich immer Meister und Pokalsieger gegenüber, ein bisschen Pokal ist also doch dabei. Es wird deutlich: Die ersten Titel sind im Visier. Diesmal hat Meister Bayern München gegen Pokalsieger RB Leipzig am Samstag Heimrecht, mit SAT.1 ist ein Free-TV-Sender live dabei. Ihre Pokalspiele tragen die Kontrahenten im September aus, die Bayern gastieren am Dienstag, 26., bei Preußen Münster, einen Tag später tritt Leipzig bei Wehen-Wiesbaden an. Dann greifen sowohl der Rekordsieger (Bayern 20 Titel, zuletzt 2020), als auch der Titelverteidiger ein.
Auch im Supercup sind die Bayern mit zehn Erfolgen Rekordsieger. Im Vorjahr war ebenfalls RB als Pokalsieger der Gegner, die Münchner gewannen in Leipzig mit 5:3 und waren die Jahre zuvor zweimal gegen Borussia Dortmund erfolgreich, haben also wieder einmal ein Triple hingelegt. Für beide Teams geht es im Supercup zwar auch um den ersten Titel, aber das Duell gilt wohl vor allem als ernsthafter Formtest vor dem Start der Bundesliga. Beide Vereine haben so ihre Probleme, basteln an ihrer Mannschaft. Die Bayern sind noch mit dem Kane-Poker beschäftigt, buhlen weiter um Verteidiger Kyle Walker von Manchester City, der am Wochenende beim englischen Supercup als Kapitän auflief (City verlor im Eltmeterschießen gegen Arsenal). Außerdem stehen die Bayern ohne Neuer-Ersatz da, denn Yann Sommer unterschrieb bereits bei Inter Mailand. Die Bayern wollen ihm offensichtlich keine Steine in den Weg legen. Ein erster Test ist es auch für die neue Abwehr mit Kim und de Light.
In Leipzig hat es einen gewaltigen Umbruch gegeben, die Stars Nkunku (Chelsea), Szoboszlai (Liverpool), Laimer (Bayern) und Halstenberg (Hannover) sind bereits weg, jetzt wurde auch noch Abwehr-As Josko Gvardiol für 90 Millionen zu Manchester City verkauft. Durch die Verletzung von Lukas Klostermann wird es vor allem in der Abwehr knapp. Gut, dass die Bayern außer Talent Tel derzeit keinen Mittelstürmer haben. Trainer Marco Rose will aber auch das Handicap meistern, schließlich hat er Leipzig auf den Erfolgsweg geführt und in einer Rose-Tabelle liegt RB sogar einen Punkt vor München. Allerdings beendeten die Bayern die Saison als Meister mit vier Punkten Vorsprung vor dem Dritten Leipzig. Marco Rose und Manager Max Eberl wollen aber angreifen und mit RB nicht nur Pokalsieger, sondern endlich auch mal Meister werden. Über dem Supercup liegt also eine Menge Spannung.
Elfmeter-Dramen bei den Frauen
Die Frauen-Weltmeisterschaft in Australien und Neuseeland befindet sich in der K.o.-Phase und das erstmals ohne Deutschland. Erstmals wird es am Ende auch ein Finale geben, in dem weder die USA noch Deutschland stehen. Die Favoriten haben es überhaupt schwer, aber das Turnier macht jetzt Schlagzeilen mit Elfmeter-Dramen. Besonders krass war es beim 0:0 von Schweden gegen die USA, denn für die Amerikanerinnen als Titelverteidiger stürzte fast die Welt ein. Im Elfmeterschießen schoss Superstar Megan Rapinoe vorbei, die damit ihre erfolgreiche internationale Karriere mit einem Fehlschuss beendete. Ende der USA-Saison wird die 38-Jährige überhaupt die Schuhe an den Nagel hängen. Schweden, das vor allem die überragende Torhüterin Musovic im Spiel hielt, ist also im Viertelfinale und trifft am Freitag auf Japan, weil der entscheidende Schuss von Lina Hurtig um Millimeter hinter der Linie war. 0:0 hieß es auch zwischen England und Nigeria am Ende, wieder gab es diese Nervenschlacht, welche die bei Bayern spielende Georgia Stanway nicht bestand, sie schoss ebenso vorbei wie zwei Nigerianerinnen. Die restlichen Engländerinnen trafen. Das lässt für den Rest des Turniers noch einiges erwarten, ein echter Favorit ist nicht auszumachen. Gastgeber Australien ist nach dem 2:0 gegen Dänemark noch dabei, was gut für die Stimmung ist.
Die deutschen Mädchen sind inzwischen wieder in der Heimat gelandet und vor allem Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg muss ihren Job verteidigen, hat aber im Verband und in der Mannschaft trotz vieler Anfeindungen Rückhalt. Eine Analyse zum deutschen Team im nächsten Blog „Das Missverständnis Weltmeisterschaft“.