Bei Bayern heißt es jetzt „Yes, we Kane“
Bisher war Bayern München durch sein Motto „mia san mia“ aufgefallen, es scheint, der Dauermeister hat zumindest für einige Zeit ein neues Motto gefunden und das heißt in Abwandlung des Obama-Spruches „Yes, we Kane“. Beim Start der Fußball-Bundesliga drehte sich alles um den Rekordeinkauf, doch nicht der Engländer allein sorgte für neue Aufmerksamkeit, sondern das Geschehen insgesamt macht Appetit auf die neue Saison. Es gab Tore satt, Tragödien und Überraschungen, so liegt nicht Bayern nach dem 4:0 in Bremen auf Platz eins, sondern der eigentliche Abstiegskandidat VfB Stuttgart nach dem 5:0 gegen Bochum. Doch Vorsicht VfB: Es gab Zeiten, da stieg der erste Tabellenführer der Saison am Ende ab!
Aber so einen Einstand wie ihn Harry Kane hatte, wünscht sich jeder Neuzugang, egal, mit welchem Ablösepaket er auf dem Buckel herumläuft. Bereits in der 4. Minute leitete er mit einem Traumpass das 1:0 durch Sané ein, in der 74. Minute traf er selbst zur Vorentscheidung und zwischendurch rettete er per Kopf vor dem eigenen Tor. Harry Kane überall – auch auf dem Spielfeld. Nicht unbedingt spektakulär, aber effektiv. Die Lobeshymnen reißen nicht ab, „netter Kerl“ (er gibt den Fans geduldig Autogramm und gewährt Selfies), „ein Gewinn für die Kabine“ (er kümmert sich um jeden), „er macht die Mannschaft besser“ (Trainer Tuchel), „er tut uns sehr, sehr gut, weil er sowohl andere in Szene setzt, als auch selbst trifft“ (Joshua Kimmich). Und damit genug von Kane, zumal sich offensichtlich noch ein anderer im Formhoch befindet: Leroy Sané, der zweifache Torschütze. Er will es wissen und lobt Thomas Tuchel: „Der Trainer macht mich besser.“
Wo Sonne ist, da ist auch Schatten. Die Mannschaft der Bayern ist noch nicht komplett. Sven Ulreich soll bis zum Neuer-Comeback Nummer 1 bleiben, eine neue Nummer 2 soll mit dem 23-jährigen Israeli Daniel Peretz kommen, doch dessen Verein Maccabi Tel Aviv fordert zu viel Geld. Paretz gilt als Talent und Mann für die Zukunft. Tuchels Wunsch nach einem echten Abräumer im Mittelfeld wird wohl nicht erfüllt, der geeignete Sechser wird nicht gefunden oder ist zu teuer. Die alte Lösung mit Kimmich/Goretzka war jetzt wieder die neue und nicht so schlecht. Erstaunlich aber, dass die Bayern Abwehrtalent und -Allrounder Josip Stanisic zu Titel-Konkurrent Bayer Leverkusen ausleihen. Sonst schwächen sie die Konkurrenz, hier helfen sie Bayer eine Lücke zu füllen. Für Benjamin Pavard bedeutet das, dass der abwanderungswillige Franzose wohl bleiben muss. Ein unzufriedener Spieler im Kader könnte sich als Zeitbombe entpuppen.
Aber es gibt nicht nur die Bayern. Es tat sich ja Erstaunliches und schon am ersten Spieltag wurden Tendenzen deutlich. Erstaunlich der VfB, verliert mit dem Japaner Endo den Kopf und Kapitän des Teams für gutes Geld an Liverpool und trumpft dann gegen Bochum auf. Das Problem: Auch der zweifache Torschütze Serhou Guirassy befindet sich im Visier einiger Klubs und könnte noch wechseln. Gegner Bochum musste dagegen feststellen: „So reicht es für die Bundesliga nicht.“ Und jetzt kommt am Samstag Dortmund zum Revier-Derby.
Die Dortmunder machten deutlich, dass sie auf Meister-Ambitionen haben. Nicht durch das magere 1:0 gegen Köln, sondern durch die Tatsache, dass sie nicht aufgegeben haben, keinen unnötigen Punktverlust erlitten haben und Spielglück hatten, weil Torschütze Malen eigentlich schon ausgewechselt werden sollte. Da kam einiges zusammen, was oft bei der Borussia fehlte.
Auf Kurs auch Leverkusen, das mit dem 3:2 gegen RB Leipzig das erste Schlagerspiel für sich entschied und deutlich machte, dass es diesmal vorn dabei sein will. RB wiederum befindet sich auf dem Boden der Tatsache wieder nach dem Supercup-Triumph über die Bayern.
Das torreichste Spiel fand in Augsburg statt, beim 4:4 gegen Gladbach sah man starke Stürmer und schwache Abwehrreihen, am Ende waren beide eigentlich genauso klug wie zuvor. Jetzt folgen große Aufgaben: Der FCA muss nach München, Gladbach erwartet Leverkusen. Union Berlin meldet auch Ansprüche an, vor allem dann, wenn Kevin Behrens immer so trifft. Nach drei Kopfballtoren könnte er fragen: „Kann das auch Harry Kane?“ Mainz zeigte beim 1:4 allerdings Entgegenkommen, Ludavic Ajorque verschoss auf klägliche Art gleich zwei Elfmeter. Union sorgte aber auch für Beachtung mit den Zugängen der Nationalspieler Robin Gosens und Kevin Volland. Eigentlich untypische Einkäufe für die Berliner.
Die Neulinge mussten zunächst einmal Lehrgeld bezahlen, schossen kein Tor. Darmstadt hat sich aber beim 0:1 in Frankfurt gut verkauft, Heidenheim war ein bisschen naiv beim 0:2 in Wolfsburg, aber der Lernprozess geht erst los. Hoffenheim kommt jetzt ins Schwäbische zur Bundesliga-Heimpremiere und hat sich beim 1:2 gegen Freiburg ebenfalls ziemlich naiv verhalten. Frankfurt wiederum war glücklich über den Sieg im Hessen-Derby, jetzt folgt das Rhein-Main-Derby in Mainz. Ob da Torschütze Randal Kolo Muani noch an Bord ist, muss sich zeigen.
Gewinner Frauen-Fußball
Die Fußball-Frauen haben einen neuen Weltmeister: Spanien reihte sich im 9. WM-Turnier nach einem hochklassigen 1:0-Finalsieg über England in die Liste der Titelträger ein, auf der bisher die USA (4), Deutschland (2), Norwegen und Japan stehen. Australien und Neuseeland sahen dabei eine Weltmeisterschaft, die vor Ort für Begeisterung und in aller Welt für große Aufmerksamkeit sorgte. Da brauchte es nicht einmal die übertriebenen Lobeshymnen des FIFA-Präsidenten um festzustellen, dass der Frauen-Fußball ein großer Gewinner war. Gianni Infantino sprach „von der größten und besten Frauen-WM aller Zeiten“ und hier wird ihm sogar niemand widersprechen, er verstieg sich in seiner Übertreibung auch zu dem Urteil, das Turnier habe nicht nur „Australien und Neuseeland, sondern die ganze Welt verändert“. Die ganze Welt, darunter macht es der Fußball-Präsident nicht, der sich als wichtigste Person der Welt sieht. Rund zwei Millionen Besucher waren in den Stadien, rund zwei Milliarden waren es an den Bildschirmen weltweit. In Deutschland sahen 5,6 Millionen Zuschauer das Finale, ein gigantischer Marktanteil von 41,8 Prozent.
Richtig gehandelt hat die FIFA mit der Aufstockung des Teilnehmerfeldes auf 32, die sogenannten kleine Nationen haben aufgeholt und die Großen geärgert. Spanien und England waren würdige Finalteilnehmer, Schweden als Dritter und der Vierte, Gastgeber Australien, haben ebenfalls eine gute Zukunft vor sich. Das sieht für Deutschland und Brasilien aus dem ursprünglichen Favoritenkreis anders aus, während man der USA zutrauen darf, mit jungen Spielerinnen wieder vorne mitzumischen. Für die nächste WM 2027 sind jetzt nicht die gemeinsamen Bewerber Deutschland mit Niederlande und Belgien die Favoriten, sondern Südafrika, denn da sind schon die Strippenzieher am Werk, die dafür sorgen wollen, dass auch der Frauen-Fußball in Afrika die notwendige Aufmerksamkeit für einen Aufschwung erhält.
In Spanien hatten vor dem Turnier viele keinen Pfifferling auf die Mannschaft gegeben, denn zwischen Verband, Trainer und Team herrschte Streit. 15 Stammspielerinnen traten gegen Trainer Jorge Vilda in den Streik und Verbandspräsident Luis Rubiales wollte lange Zeit nichts vom Frauen-Fußball wissen, sprang aber über seinen Schatten. Vilda konnte dann doch auf drei Abtrünnige zurückgreifen und vertraute auf vielversprechende Talente. Der Verband sorgte für finanzielle und moralische Unterstützung, die Familienangehörigen wurden zum Finale nach Sydney geflogen, wo sie den WM-Titel zusammen mit Königin Letizia und Prinzessin Sofia bejubekln durften (Prinz William hat seine Engländerinnen nicht unterstützt, verzichtete aus Umweltschutzgründen auf den Flug). Die Spielerinnen selbst dürfen mehr Geld als ihre männlichen Kollegen kassieren. 250.000 Euro erhalten sie von der FIFA und dazu 300.000 Euro vom Verband, das ist mehr als die Männer je erhalten haben. Vor allem die FIFA kann sich die Ausschüttung leisten, meldete Infantino doch Einnahmen von über einer halben Milliarde Dollar.
Übrigens: Der DFB hätte für seine Mannschaft bei einem Titelgewinn die eigene Kasse nicht zusätzlich geöffnet. Dennoch dürfte die WM mit guten Zuschauerzahlen im Fernsehen und großem Interesse in den Medien dafür gesorgt haben, dass die Euphoriewelle in Deutschland auch nach der sportlich missglückten WM nicht abebbt. Das wird sich zeigen, wenn am 15. September die Frauen-Bundesliga in die neue Saison startet.
Noch ein kleiner Hinweis in eigener Sache: Stolz kann der Sport-Grantler berichten, dass er heute ein Jubiläum feiert, seit zehn Jahren gibt es diesen Blog im Netz. Er bedankt sich bei seinen treuen Lesern in der ganzen Welt und hofft, er kann sie noch eine Weile erfreuen.