Basketball-WM: Mit NHL-Stars zu einer Medaille

Das passte ja wie die Faust aufs Auge: Erst vor kurzem wurde Dirk Nowitzki gefeiert, als der große deutsche Star in die Basketball-Ruhmeshalle aufgenommen wurde. Er bestimmte über Jahre hinweg das Geschehen bei den Dallas Mavericks, führte die Texaner 2011 zur einzigen NBA-Meisterschaft und wurde als erster Europäer als wertvollster Spieler der NBA ausgezeichnet. Mit der Nationalmannschaft holte er 2002 WM-Bronze und erhielt außerdem die Ehrung zum MVP des Turniers. Es ist die bisher einzige WM-Medaille Deutschlands. Doch das soll nicht so bleiben.

Am 25. August beginnt die nächste Weltmeisterschaft, die in Japan, Indonesien und auf den Philippinen ausgetragen wird. Am Ende des Turniers am 10. September soll wieder einmal ein Medaillengewinn der deutschen Mannschaft stehen. Hoffnungsträger sind vier NBA-Stars, vor allem Kapitän Dennis Schröder, der vor lauter Ehrgeiz sogar einen Streit mit dem Teamkameraden Maxi Kleber ausfocht, so dass der auf eine Teilnahme verzichtete. Der 29-jährige Schröder von den Toronto Raptors will die Chance WM zudem nutzen, um aus dem Schatten von Dirk Nowitzki zu treten. Doch dessen Beliebtheit wird der extrovertierte Star wohl nie erreichen.

Aber Dennis Schröder steht nicht alleine da als Hoffnungsträger, wohl noch nie hatte Deutschland so eine starke und ausgeglichene Mannschaft. Hoffnungsträger sind auch die Wagner-Brüder Franz und Moritz, die bei den Orlando Magic auftrumpfen. Mit Daniel Theis von den Indiana Pacers steht ein weiterer NBA-Spieler im Kader. Überhaupt gehören mit Isaac Bonga, Niels Giffey, Andreas Obst (alle Bayern München) und Johannes Thiemann (Alba Berlin) und nur vier Bundesliga-Spieler zum Aufgebot. Maodo Lo und Johannes Voigtmann spielen bei Olimpia Milano, Justus Hollatz in Ljubljana und David Krämer bei Granada. An Bundestrainer Gordon Hebert wird es nun liegen, aus der bunten Mischung ein eingespieltes Team zu machen.

Der Kanadier scheint aber auf einem guten Weg zu sein, denn in der Vorbereitung zeigte das Nationalteam bereits gute Leistungen, schlug unter anderem den Mitfavoriten Kanada und unterlag den oft übermächtigen USA nur knapp. Bei den USA fehlen allerdings die größten NBA-Stars, auch der Serbe Jokic und der Grieche Antetokounmpo sind nicht dabei. Den größten Namen hat wohl der Slowene Lukas Doncic, bei den Dallas Mavericks der Nowitzki-Nachfolger. Die Gruppengegner des DBB-Teams haben es durchaus in sich, Japan gilt zwar als Außenseiter, ist aber nicht zu unterschätzen, Australien gehört zu den Mitfavoriten mit einer gesunden Mischung aus Routiniers und Hoffnungsträgern und Finnland vertraut auf die Scoring-Machine Lauri Markkonen. Platz zwei in der Gruppe ist zum Weiterkommen notwendig.

Deutschland will Geschlossenheit entgegensetzen und mit gutem Mannschaftsgeist den bösen Geist der Niederlage vertreiben, so wie es bei der letztjährigen Europameisterschaft geklappt hat und Bronze geholt wurde. „Das wollen wir wiederholen“, ist der allgemeine Tenor im Team und deshalb zettelte Schröder auch den Streit mit Kleber an, dem er vorwarf, dass er aus fadenscheinigen Gründen abgesagt hätte und jetzt nicht die Harmonie stören sollte. Am Team ging dieser Streit wohl spurlos vorüber, Maodo Lo betont, „die Chemie ist hervorragend“. Die Basis für einen Erfolg ist also gegeben, es gilt schließlich auch, sich das Ticket für die Olympischen Spiele 2024 in Paris zu sichern.

Das schwere Jahr des THW Kiel

„Die stärkste Liga der Welt, jeder kann jeden schlagen“, so heißt es allgemein über die Handball-Bundesliga, die am Donnerstag startet – und dann ein Dauermeister wie im Fußball? Das passt nicht zusammen, allerdings ist der THW in der Handball-Bundesliga schon so etwas wie ein Abonnementmeister, mit 23 Titeln liegt er für lange Zeit uneinholbar vorn, die Altmeister Gummersbach (12) und Göppingen (9) folgen, die aktuell stärksten Konkurrenten müssen da noch viele erfolgreiche Jahre hinter sich bringen. Die SG Flensburg-Handewitt hat es dreimal geschafft, zuletzt 2018 und 2019, jetzt will sie wieder an der Reihe sein.

In der Tat wird es wohl ein schweres Jahr für den THW Kiel, der Titelverteidiger, der nach dem Zwischenspiel des SC Magdeburg den Thron zurückeroberte. Allerdings haben die Kieler ihre Mannschaftsstützen verloren, vor allem der überragende Torhüter Niklas Landin, Rückraumspezialist Sander Sagosen und Spielmacher Miha Zarabec haben den Verein verlassen. Ein bisschen ausgleichen sollen den Verlust Frankreichs Nationalkeeper Vincent Gerard und Eduardo Gurbindo im Rückraum. Bangemachen gilt nicht für Trainer Filip Jicha, seit 2019 Cheftrainer, denn er sagt: „Kiel kein Meister? Wenn sich da die Experten nur nicht vertun!“ Er schwärmt vor allem vom Talent von den Färöer Inseln, Elias Ellefsen a Skipagötu. „Ihm gehört die Zukunft“. Die Saison hat sich für Kiel auch schon ganz gut angelassen, gegen die Rhein-Neckar Löwen haben sie den Supercup trotz vieler Ausfälle mit 37:36 (33:33) nach Siebenmeterschießen erfolgreich verteidigt, es war der vierte Sieg in Folge und damit neuer Rekord.

Hauptgegner wird nach Meinung der Experten vor allem der Landesrivale Flensburg sein, scherzhaft ist jetzt auch von der „SG Dänemark“ die Rede. Nach Querelen gab es einen Umbruch, Trainer Maik Machulla ging ebenso wie Vereinsikone Lars Christiansen. Jetzt aber wird die Dänemark-Karte gespielt, mit Trainer Nicolej Krickau und den Weltmeistern Simon Pytlick und Lukas Jörgensen, dazu kam noch Kay Smits aus Magdeburg. Sie wollen die Liga aufmischen. Allerdings darf man den SC Magdeburg und die Füchse Berlin als Titel-Anwärter nicht vergessen. Und ja, auch der Rest des 18er-Feldes wird nicht einfach die Segel streichen.

Eine Neuerung gibt es, die Rechte für die TV-Übertragungen hat nach Sky nun der neue Streamingdienst Dyn, der alle Spiele live überträgt und auch die Rechte für 2. Bundesliga und die Frauen-Bundesliga erworben hat. Ob dies für den Handball-Bund wirklich ein Gewinn ist, muss sich erst zeigen.