Die Verstappen-Festspiele gehen weiter

Die Formel 1 hat in Deutschland Fans verloren, in aller Welt aber mehr Fans gewonnen, befindet sich insgesamt also auf einem guten Weg, trotz aller Kritik von Klimaschützern. Sollte es allerdings sportlich so weiter gehen, dann könnte das Interesse wieder erlahmen. Es hat zwar schon immer dominierende Teams gegeben und Seriensieger, es sei nur an Michael Schumacher mit Ferrari erinnert und auch Sebastian Vettel war einige Jahre lang kaum zu schlagen, aber Red Bull und der Holländer Max Verstappen könnten noch alles toppen.

Am Sonntag gastiert die Formel 1 nach der Sommerpause ausgerechnet in Verstappens Heimat und deshalb ist sicher: Die Verstappen-Festspiele gehen weiter. Die Fans rund um Zandvoort befinden sich schon in Feierlaune und alle warten auf den neunten Sieg in Folge des Weltmeisters, der damit die Bestleistung von Sebastian Vettel einstellen würde. Ein neuer Rekord ist für ihn also greifbar nahe und könnte beim nächsten Rennen am 3. September in Monza gefeiert werden. Auch Verstappens persönliche Bestleistung mit 15 Siegen in einer Saison wird 2023 fallen, denn wer soll den Holländer stoppen? Ganz im Gegenteil, eine gar fürchterliche Bilanz droht der Konkurrenz: Red Bull ist auf dem besten Weg alle Rennen in einer Saison zu gewinnen. Danach kann es nur heißen „Gute Nacht Formel 1“, schlaft weiter.

Da stellt sich doch jeder die Frage, was ist mit den anderen Teams los? Vor allem Mercedes kann den Rennsport nicht mehr als Werbung für sich nutzen. Und Ferrari muss sich Hohn und Spott gefallen lassen, dass die Italiener halt nicht seriös und erfolgreich arbeiten können, obwohl sie das Gegenteil in der Vergangenheit schon bewiesen haben. Der einzige Gewinner in diesem Jahr war bisher Aston Martin, das mit Altmeister Fernando Alonso die Bullen ein bisschen ärgerte, dazu überraschte McLaren mit Talent Lando Norris. Aber bei Max Verstappen weiß man gar nicht, wie gut er wirklich ist, sein Auto ist einfach zu überlegen. Erst starke Konkurrenz könnte sein wahres Können offen legen – oder eben das Gegenteil. So kann er sich für den Größten halten, zum Beispiel, wenn er am Ende der Saison bei allen Rennen auf dem Podest gestanden ist. Das hat auch noch niemand geschafft.

Für die Formel 1 gibt es nur eine Hoffnung: Die Konkurrenz ist gefordert und muss für das nächste Jahr bessere Boliden auf die Strecken bringen. Vor allem Mercedes sollte das Knowhow haben, um endlich die Wende zu schaffen. Mit Lewis Hamilton hat man ja einen Fahrer, der bewiesen hat, dass er es kann und der auch mit 38 immer noch vor Ehrgeiz brennt. Er will sich noch den achten WM-Titel holen, um alleiniger Rekordhalter zu sein, bisher steht er mit Michael Schumacher auf einer Stufe. Max Verstappen wird auch davon träumen, doch für ihn ist der Weg ein bisschen weiter und die Siegesserie von Red Bull kann so lange nicht anhalten, irgendwelche Regeltricks werden die Besitzer der Formel 1 finden, um die Übermächtigen zu stoppen. Aber die Verstappen-Festspiele sind vorerst nicht stoppen. Neun Rennen stehen bis zum Saisonende am 26. November in Abu Dhabi noch aus. Einer wird sie besonders beschwingt angehen: Nico Hülkenberg hat seinen Vertrag bei Haas verlängert. Der Lohn dafür, dass er mit dem unterlegenen Auto einige Male in der Qualifikation überraschte.