Die Bundesliga glänzt mit Rekorden

Wieder Unterbrechung in der Fußball-Bundesliga. Dem einen kommt die Länderspielpause gelegen, dem anderen wiederum überhaupt nicht. Beispiele: Der VfB Stuttgart hat einen Lauf, den er wohl ebenso wie Tabellenführer Leverkusen nur ungern unterbricht. Dagegen braucht der FC Augsburg die Ruhe, um für Ordnung in Verein und Mannschaft zu sorgen. „Analyse“ heißt das Zauberwort, Trainerwechsel wohl bald die branchenübliche Tatsache. Allerdings wurden auch Fehler in der Zusammenstellung der Mannschaft gemacht. Als Schuldiger könnte auch der Ex-Sportdirektor Stefan Reuter ausgemacht werden, heute nur noch Berater. Unter Enrico Maaßen spielte der FCA im Frühjahr aber eine katastrophale Rückrunde (nur 16 Punkte in 17 Spielen) und außer dem glücklichen 2:1 über Mainz gab es in dieser Saison wieder erschreckend schwache Leistungen mit dem Höhepunkt jetzt beim 1:2 gegen Aufsteiger Darmstadt. Ziel war das Mittelfeld, dafür droht der Abstieg. Schlusslicht ist allerdings der 1. FC Köln, dort steht Trainer Steffen Baumgart noch nicht zur Debatte. Baumgart gilt als Kultfigur, doch dieser Schutz hält nicht ewig.

Was auffällt, Köln hatte bisher mit Ausnahme von Bremen ausschließlich Gegner aus der ersten Hälfte der Tabelle. Weiter geht es mit Gladbach und in Leipzig, dann aber kommen die entscheidenden Duelle im Abstiegskampf mit Augsburg und Bochum. Auch der FCA steht vor einer wegweisenden Partie: Am 22. Oktober (17.30 Uhr) im Nachbarduell bei Neuling Heidenheim. Der machte bisher eine bessere Figur und hat schon zwei Siege auf seinem Konto. Auch der Vorletzte Mainz hatte sich mehr erwartet, startet aber dann gleich wieder gegen die Bayern. In der unteren Tabellenhälfte taucht überraschend auch Union Berlin auf, bei den „Eisernen“ ging es bisher nur aufwärts, wann können sie den Abwärtstrend stoppen? Die Mannschaft von Urs Fischer hat mit dem 2:4 in Dortmund die letzten sieben Pflichtspiele alle verloren. Urs Fischer ernüchtert: „Es wird eine ganz schwierige Spielzeit, so haben wir uns das nicht vorgestellt.“

Auch in Stuttgart haben sie sich die Saison so nicht vorstellen können, allerdings läuft es gegenüber Union auf das Gegenteil hinaus. Der VfB befindet sich dank Torjäger Serhou Guirassy weiter im Aufwind, ist Zweiter vor Bayern München. Zur Erinnerung: Stuttgart schaffte im Frühjahr den Klassenerhalt nur über die Relegation. Sebastian Hoeneß kam als Retter, in einer „Hoeneß-Tabelle“ ist Stuttgart nach 15 Spielen Vierter (hinter Dortmund, Leipzig und Bayern), also auf einem Platz für die Champions League! Ob der Lauf anhält? Das liegt vor allem an Guirassy, 13 Tore in sieben Spielen hat noch keiner in der Bundesliga erzielt! Das Sahnehäubchen war der Hattrick innerhalb von 15 Minuten beim 3:1 gegen Wolfsburg. Damit holte der VfB in sieben Spielen 18 Punkte – Vereinsrekord.

Und damit wären wir bei den Rekorden, mit der die Bundesliga vor der Länderspielpause noch glänzen konnte. Mit 15 Punkten führt Guirassy auch die Scorerliste an, vor Harry Kane, der neben seinen acht Toren vier Vorlagen lieferte. 12 Punkte hat bisher aber noch kein Spieler in seinen ersten sieben Bundesligaspielen erreicht. Auffallend: Beim 3:0 gegen Freiburg wirkte Kane als Spielmacher in zweiter Reihe und mit dem formstarken Leroy Sané bildet er ein kongeniales Duo. Der kicker sieht das Paar schon in der Reihe der Vereinsgrößen Ribery/Robben und Lewandowski/Müller. Apropos Thomas Müller, der schaffte seinen 322. Sieg in der Bundesliga und das im 448. Spiel. Torhüter Manuel Neuer hielt bisher allein diesen Rekord, allerdings in 478 Spielen. Vielleicht kann er nach der Länderspielpause wieder spielen und die Zahl seiner Siege erhöhen. Von Neuer wird immer gesprochen, von Vertreter Sven Ulreich weniger, doch der war im Champions-League-Spiel beim 2:1 in Kopenhagen mit einer Superparade in letzter Sekunde der Matchwinner.

An Siege kann man sich auch bei Hoffenheim gewöhnen, beim 3:2 in Bremen gab es einen doppelten Rekord, 15 Punkte in sieben Spielen erreichte die TSG noch nie und vier Siege in Folge auswärts gab es ebenfalls noch nie. Rekordhalter ist auch Bochums Torhüter Manuel Riemann als „Elfer-Killer“. In Leipzig hielt er gleich zwei Elfmeter und damit 12 von 23 Strafstößen gegen ihn! In Bochum heißt es angeblich, „foult ruhig im Strafraum, der Manuel hält ihn schon“.

Alle Augen auf Julian Nagelsmann

Mit seinem ersten Aufgebot als Bundestrainer hat Julian Nagelsmann durchaus für Aufsehen gesorgt. Überraschung Nummer 1: Routinier Mats Hummels ist zurück. Nagelsmann sieht den Dortmunder sogar als Führungsspieler, als Organisator in der Abwehr. Dazu kommen die Neulinge Robert Andrich (Leverkusen), Chris Führich (Stuttgart) und Kevin Behrens (Union). Die Zeit der Experimente ist also nicht vorbei, jetzt richten sich alle Augen auf Nagelsmann, wie er die Nationalmannschaft spielen lässt. „Die aktuelle Form war ausschlaggebend“, sagte der Bundestrainer zum Kader von 26 Spielern, aber Andrich ist in Leverkusen meist nur Ersatz, Behrens traf zuletzt nicht mehr, nur Führich ist wirklich in Form und hat eine Chance verdient.

Die USA-Reise, die am Montag begann, ist mit den Spielen gegen die USA am Samstag (21.00 Uhr) in Hartford und gegen Mexiko am Mittwoch (2.00 Uhr) in Philadelphia nicht unumstritten. Der Zeitpunkt mitten im stressigen Herbst mit zusätzlichem Zeitunterschied stößt vielen sauer auf, selbst den Spielern. Vor allem Dortmund ist betroffen, muss es doch gleich am Freitag (20.) spielen. Nagelsmann hat einen Blick darauf und will Rücksicht nehmen. Seine Aufgabe machen diese Umstände nicht unbedingt leichter, zumal er auch darum kämpft, verspielten Kredit der Nati wieder zurück zu gewinnen. „Julian ist die beste Lösung“, stärkt ihm sein Vorgesetzter Rudi Völler den Rücken.

Das Aufgebot: Tor: ter Stegen (Barcelona), Trapp (Frankfurt), Baumann (Hoffenheim), Leno (Fulham), – Abwehr: Hummels, Süle (beide Dortmund), Gosens (Union), Raum (Leipzig), Rüdiger (Real Madrid), Tah (Leverkusen), Thiaw (AC Mailand). – Mittelfeld: Goretzka, Kimmich, Musiala, Sané (alle Bayern), Andrich, Hofmann, Wirtz (alle Leverkusen), Brandt (Dortmund), Führich (Stuttgart), Groß (Brighton), Gündogan ( Barcelona). – Angriff: Behrens (Union), Füllkrug (Dortmund), Havertz (Arsenal London), Müller (Bayern).

Horst Hrubech als Helfer

Auch die Frauen-Nationalmannschaft hat einen neuen Bundestrainer. Die Notlösung kann sogar eine Ideallösung sein, denn die Mädchen des Nationalteams sind vom „Kopfballungeheuer“ Horst Hrubesch begeistert. Der 72-jährige, heute Nachwuchsdirektor beim HSV, das er auch bleiben will, sprang schon einmal vor fünf Jahren ein, bevor Martina Voss-Tecklenburg Ende 2018 begann. Hrubesch brachte damals die Mannschaft wieder auf Erfolgskurs und hielt bis heute Kontakt mit der damaligen Mannschaft. Die Zukunft der erkrankten Voss-Tecklenburg ist weiter ungewiss, doch Hrubesch will keine Dauerlösung sein. Für die bevorstehenden wichtigen Spiele in der Nations League am 23. Oktober in Sinsheim gegen Wales und am 31. Oktober in Island wurde ein Helfer gesucht, nachdem Britta Carlson nicht in der ersten Reihe stehen will.

Die Begeisterung für die Frauen-Bundesliga hält unterdessen an, bei allen Begegnungen gab es vierstellige Zuschauerzahlen, mit den 4600, die das Duell Essen gegen Bayern (0:2) sahen, an der Spitze. Die Bayern hatten Pech mit der Verletzung von Weltstar Pernille Harder, die zuvor noch das 1:0 erzielt hatte. Am Samstag (17.55 Uhr, die ARD überträgt) wollen die Bayern-Frauen die Allianz Arena füllen, wenn sie dort erstmals ein Bundesligaspiel austragen. Gegner ist Eintracht Frankfurt, der Vorjahresdritte, der mit einem 3:1 gegen Leipzig wieder in die Erfolgsspur fand.

Eine besondere Aufgabe hat Tabellenführer VfL Wolfsburg in diesen Wochen. Am Dienstag geht es in der Qualifikation zur Champions League zum FC Paris, der zuvor Arsenal London ausgeschaltet hatte. Das Rückspiel ist am 18. Oktober. Allerdings müssen die Wölfinnen auf Nationaltorhüterin Merle Frohms verzichten, die bei einem Zusammenprall im Training eine Gehirnerschütterung erlitten hat.