Nagelsmann und sein Team sorgen für gute Laune
Frischer Wind bei der Fußball-Nationalmannschaft! Mit dem neuen Bundestrainer Julian Nagelsmann kehrte auch das Lachen bei den Spielern zurück. Zusammen mit seinen Assistenten Benjamin Glück (37 Jahre alt und alter Kumpel von Nagelsmann) und Sandro Wagner (35, wenig Trainer-Erfahrung, erfolgreicher Torjäger) sorgte der 36-jährige Bundestrainer für gute Laune. Vor allem Sandro Wagner kommt mit seiner Lockerheit bei den Spielern gut an. Dabei ist „sein Team“ doppelt zu verstehen, denn für gute Laune sorgte auch die Mannschaft beim 3:1-Sieg gegen die USA. Auch auf dem Feld war alles anders, mit Schwung und viel Willen wurde die Aufgabe angegangen und so gab es ebenfalls gute Laune bei den Fans. Und wer bremst, nach dem Motto „wer ist schon die USA?“, dem sei gesagt, die USA ist Elfter der Weltrangliste und liegt vor Deutschland (15).
Auffällig war, dass die Lockerheit im Team frühzeitig bei der Vorbereitung zurückkehrte. Die Spieler schwärmten von Nagelsmann und seinen Assistenten, wobei der neue Bundestrainer auch im Umfeld für Veränderungen sorgte. Der eine oder andere Mitarbeiter aus dem Team von Vorgänger Hansi Flick ist nicht mehr dabei, die neuen Zeiten werden deutlich. Auch einige neue Spieler im Aufgebot sorgten für bessere Stimmung. „Wenn du das Leuchten in den Augen der Neulinge siehst, dann bekommst du auch gleich bessere Laune“, freute sich Kapitän Ilkay Gündogan. Als Chefs in der Kabine haben sich sofort wieder Thomas Müller und Mats Hummels bewährt.
Was vom ersten Auftritt vom „Team Nagelsmann“ zu erwarten ist, wollten auch die Fans in der Heimat in Deutschland sehen, der TV-Sender RTL verzeichnete mit 7,4 Millionen Zuschauern im Schnitt und über acht Millionen in der Spitze eine Rekord-Zuschauerzahl bei seinen bisherigen Übertragungen (10 Millionen sahen damals das Völler-Comeback in der ARD). Die Fans wurden nicht enttäuscht, zwar konnte auch der neue Trainer Unzulänglichkeiten in der Abwehr, vor allem bei schnellen Gegenstößen, nicht sofort ausmerzen, aber der Schwung war zu spüren und zu sehen, vor allem die Talente Jamal Musiala und Florian Wirtz agierten mit viel Spaß und Tempo. „Wir verstehen uns bestens und spielen gern zusammen“, machte Musiala deutlich. Dazu kam, dass sich Ilkay Gündogan endlich auch im Nationalteam als Führungsspieler zeigte und seiner Rolle voll gerecht wurde. Keine Rolle spielte so, dass Joshua Kimmich wegen einer Erkältung ausfiel (er reiste vorzeitig nach München zurück). Pascal Groß ersetzte ihn überraschend und könnte ihm den Platz an der Seite von Gündogan streitig machen. Groß sorgte nämlich für Sicherheit. Vorne zeigte Niclas Füllkrug, dass er der richtige Stürmer ist, Leroy Sané bewies seine gute Form. Die Tore durch Gündogan, Füllkrug und Musiala waren nach schönen Kombinationen sehenswert. Da merkte man nicht, dass mit dem Durchschnittsalter von 28,97 Jahren die älteste Mannschaft seit Start der Bundesliga begann. Alles gut also? Noch nicht ganz, aber ein Anfang ist gemacht.
Weiter geht es am Mittwoch (2.00 Uhr MESZ/ARD) in Philadelphia gegen Mexiko, das mit einem 2:0 über Ghana ebenfalls gute Form zeigte. Die deutsche Mannschaft wird dabei ein anderes Gesicht haben, weil Nagelsmann einige Spieler schonen wird. Vor allem die Dortmunder, die danach mit einem vom Verein gestellten Privatjet sofort nach Deutschland fliegen werden, weil bereits am Freitag das Bundesligaspiel gegen Bremen ansteht. Dafür darf sich sicherlich der eine oder andere Neuling zeigen und in der Abwehr stehen Experimente an, Talent Thiaw wird wohl getestet. Nur eines soll bleiben: Der Schwung und die gute Laune. Danach geht es am 18. November in Berlin gegen die Türkei weiter und am 21. November gibt es das letzte Testspiel des Jahres in Wien gegen Österreich.
Über die Teilnahme an der Europameisterschaft 2024 muss sich Deutschland als Gastgeber keine Gedanken machen, sechs Nationen haben am Wochenende aber bereits das Ticket gelöst, Frankreich, Belgien, Portugal, Spanien, Schottland und die Türkei sind dabei, 17 freie Plätze gibt es noch. Die Gruppenauslosung findet am 2. Dezember statt.
Warten auf Manuel Neuer
Am Wochenende geht es mit der Bundesliga weiter, die nächsten stressigen Wochen stehen bevor, denn unter der Woche sorgen die internationalen Wettbewerbe und der DFB-Pokal bei vielen Vereinen für eine zusätzliche Belastung. Schon bisher kommen viele Spieler an ihre Belastungsgrenzen und zahlreiche Verletzungsausfälle sind die Folge. Ein Akteur, der über Monate wegen Verletzung ausfiel, könnte am Wochenende in den Mittelpunkt rücken: Nationaltorhüter Manuel Neuer. Der 37-jährige wird sehnlichst zurück erwartet, obwohl ihn Yann Sommer und Sven Ulreich gut vertreten haben. Ärzte und Trainer gaben Neuer bereits grünes Licht, doch die letzte Entscheidung liegt beim Torhüter selbst. Entweder Samstag in Mainz, Dienstag in Istanbul oder dann Samstag gegen Darmstadt wird Neuer wohl im Tor stehen. Risiko will er sicher keines eingehen.Besondere Beachtung finden wird am Samstag zudem die Partie Wolfsburg – Leverkusen. Können die Kovac-Schützlinge den Tabellenführer stoppen?
Nur ein Verein hat die Länderspielpause zu einem Trainerwechsel genutzt, nämlich der FC Augsburg, der nicht einmal auf einem Abstiegsplatz steht. Aber Enrico Maaßen fehlten die Erfolge, in den letzten 19 Spielen gab es nur zwei Siege und die extrem schwache Leistung beim 1:2 gegen Darmstadt brachte das Fass zum Überlaufen. Der Nachfolger heißt Jess Thorup – und das darf als Überraschung gelten. Damit haben die Vereinsbosse sogar die Medien überrascht, denn gehandelt wurden Namen wie André Breitenreiter (ohne Verein), Stefan Kuntz (gilt aber eher als Favorit als nächster Frauen-Bundestrainer) oder zuletzt Peter Zeidler (St. Gallen). Es wurde aber der 53-jährige Däne, der bisher eher mit Meisterschaften denn mit Abstiegskampf zu tun hatte. Er wurde in Dänemark 2018 Meister mit dem FC Midtylland, 2022 mit FC Kopenhagen und holte 2013 mit Esbjerg den Pokal. 2015 erreichte er mit der U21 Dänemarks das EM-Halbfinale. Thorup gilt vor allem als Talente-Entwickler, so förderte er u. a. Jonas Wind (Wolfsburg), Yussuf Poulsen (Leipzig) und Pierre-Emil Höjbjerg (Tottenham, früher Bayern). Eine Aufgabe, die er in Augsburg in einem Team mit viel Talent, aber wenig Erfolg, weiter fortführen soll. Thorup, der Erfahrung auch im Europapokal sammeln konnte, geht die Aufgabe mit Begeisterung an: „Es ist eine große Freude für mich, in der Bundesliga zu arbeiten.“ Mit Maaßen setzte der FCA zunächst auf einen jungen Trainer, nun soll es Erfahrung richten.
Rekord bei den Frauen
Der Boom im Frauen-Fußball hört nicht auf. Jetzt meldete die Frauen-Bundesliga einen neuen Zuschauerrekord, der möglich wurde, weil gleich in drei großen Stadien gespielt wurde. Damit kamen zu den bis Sonntag fünf Spielen schon über 50.000 Zuschauer, die bisherige Bestleistung waren 43.667 am 18. Spieltag des Vorjahres. Den Vogel schoss Werder Bremen ab, das 21.000 Zuschauer im Weser-Stadion anlockte und mit einem 3:0 gegen Köln erfreute. Kein Tor fiel dagegen in der Allianz Arena, in die die Bayern-Frauen erstmals umzogen, aber damit kein Glück hatten. Zwar sorgten 19.000 Zuschauer für beste Stimmung, aber mit dem 0:0 gegen Frankfurt endete ausgerechnet in der Allianz Arena die Serie von 19 Heimsiegen in Folge. Damit wird nach zwei Unentschieden in vier Spielen der Rückstand auf den VfL Wolfsburg immer größer. Wolfsburg musste vor 10.000 Zuschauern in Leipzig zwar harten Widerstand brechen, siegte aber nach Toren von Pajor und Endemann mit 2:0. Am Sonntag (18.30 Uhr) werden jetzt die Münchnerinnen in Leipzig geprüft – wieder eine harte Nuss.
Wolfsburg und Frankfurt richten ihren Blick dagegen auf den Mittwoch mit den nächsten Spielen in der Qualifikation zur Champions League. Die Eintracht sollte nach dem 5:0 im Hinspiel bei Sparta Prag allerdings keine Probleme haben, Wolfsburg verspielte dagegen beim 3:3 beim FC Paris den möglichen Sieg und ist jetzt zu Hause gefordert.
Neuigkeiten gibt es auch von der Nationalmannschaft, da hat die einstige Torjägerin Birgit Prinz ihren Job als Teampsychologen hingeworfen. „Ich habe das Gefühl, dass die Mannschaft einen Neustart benötigt, um wieder zu alter Stärke zu finden“, erklärte Prinz ihre Entscheidung. Bei den nächsten Spielen am 27. Oktober in Sinsheim gegen Wales und vier Tage später in Island ist Interimstrainer Horst Hrubesch jetzt doppelt gefordert.