Beste Werbung mit Torflut und Rekorden

Die Fußball-Bundesliga kämpft immer darum, international gegenüber den anderen Top-Ligen in Europa nicht den Anschluss zu verlieren. Die Premier League in England schwimmt im Geld, Real Madrid und dem FC Barcelona sind in Spanien Schulden egal, sie locken ebenfalls mit Millionen, Frankreich und Italien können da nicht mithalten, haben aber großzügige Sponsoren wie zum Beispiel Paris St. Germain mit den Scheichs aus Katar. In der Bundesliga gibt es keine Freizügigkeit für Sponsoren, die Regelung 50+1 sorgt dafür, dass der Verein die Entscheidungsfreiheit behält. Doch das kostet finanzielle Unterstützung über einen bescheidenen Rahmen hinaus. Dennoch lässt es sich auch in Deutschland gut leben und mit einer Torflut und einer Reihe von Rekorden machte die Bundesliga am 9. Spieltag beste Werbung für sich, nach dem Motto: Schau an, mit der Bundesliga wirst Du gut unterhalten. Das sollte vor allem auch ein Anreiz für den internationalen Markt sein.

Mit der Torflut waren natürlich nicht alle Vereine glücklich, Darmstadt litt beim 0:8 in München, Köln ging in Leipzig 0:6 unter. Insgesamt fielen in den neun Spielen 42 Tore, da tippt man spontan darauf, dass damit ein neuer Torrekord aufgestellt wurde. Weit gefehlt! In der 60-jährigen Geschichte hält immer noch der 32. Spieltag der Saison 1983/84 den Rekord, damals fielen 53 Treffer! 42 Tore gab es sogar schon an weiteren 12 Spieltagen und im Gesamtranking ist das nur Platz 19! Das ist schon überraschend, hat der Zuschauer doch oft den Eindruck, dass mit Toren gegeizt wird. Noch nie gab es allerdings drei Rote Karten in der ersten Halbzeit wie diesmal in München. Das 8:0 wird also mehrfach in Erinnerung bleiben.

Wenn es um Rekorde geht, sind die Bayern natürlich vorne dran. Mit der Torflut gegen Darmstadt wurden auch neue Bestleistungen erzielt. Noch nie schoss eine Mannschaft in den ersten neun Spieltagen 34 Tore, zum 200. Mal schafften die Bayern in der Bundesliga in einem Spiel mehr als fünf Treffer, Platz zwei hält in dieser Rangliste Borussia Dortmund mit 99 Treffern! Hundert-Millionen-Mann Harry Kane ist sein Geld wert, er glänzt als Spielmacher, mit Toren und mit Vorlagen, diesmal aber auch mit einem Kunstschuss ins Netz aus 55 Metern. Zwölf Tore in seinen ersten neun Bundesligaspielen hat noch keiner vor ihm erzielt, in den letzten sechs Spielen holte er sagenhafte 13 Scorerpunkte und löste den verletzten Stuttgarter Guirassy an der Spitze ab. Aber er ist nicht allein im Verein mit Rekorden, Thomas Müller gesellt sich hinzu, er durfte nach einigen Spielen Pause wieder einmal mitwirken, erzielte prompt das 6:0, gab dazu noch zwei Vorlagen zu Toren und knackte damit in seiner Karriere die Marke von 500 Scorerpunkten (502). Zudem ist er der erste Bayern-Spieler, der in 15 Saisons für den Verein getroffen hat, übertrumpfte die Bayern-Ikonen Gerd Müller, Klaus Augenthaler und Mehmet Scholl (alle 14).

Tore, Tore, Tore – dabei stand eigentlich zunächst ein Torhüter im Mittelpunkt: Nationaltorhüter Manuel Neuer feierte nach fast einjähriger Pause sein Comeback und wirkte, als wäre er nie fort gewesen. Es begann mit einem leichtsinnige Pass auf Joshua Kimmich, der diesen nicht gut aufnahm, bedrängt wurde und den Gegenspieler foulte. Die Rote Karte war die Folge, er fehlt am Samstag beim Schlagerspiel in Dortmund. Neuer aber glänzte wie in alten Zeiten bei einer Eins-Eins-Situation, er ist also wieder da. Ansonsten durfte er Tore bejubeln. Wie wichtig ihm das Comeback war, zeigt sich daran, dass er sein Trikot nicht tauschen wollte, sondern ihm ein besonderen Platz in seiner Sammlung der Erinnerungsstücke geben will.

Aber auch acht Tore reichten nicht, dass die Münchner wieder die Spitze übernehmen konnten. Nur eine Nacht waren sie Erster, dann siegte Leverkusen mit 2:1 gegen Freiburg. Keine Torflut, aber ein Zaubertor von Florian Wirtz mit einem Dribbling mit 14 Ballkontakten. Mit Leverkusen, Bayern und Dortmund sind drei Teams noch ungeschlagen, das gab es auch noch nie. Bayer sorgt dafür, dass die Bayern hinterher hecheln und Harry Kane muss sich wie im falschen Film vorkommen. Er sorgt für Tore, will endlich Meister werden, was mit Tottenham nie klappte. Aber kaum ist er weg, ist Tottenham Tabellenführer in England! Damit der Rückstand gegen Leverkusen nicht größer wird, stehen die Bayern und Dortmund im Zugzwang. Kimmich fehlt, die Borussia hat Verletzungssorgen, die Mannschaftsstützen Kobel und Hummels schieden beim 3:3 in Frankfurt verletzt aus. Zumindest Gregor Kobel, der bestes Torhüter dieser Saison, sollte aber am Samstag wieder spielen können. Die Bayern wiederum hoffen auf Leon Gorotzka als Kimmich-Ersatz. Beim Duell Dortmund – Bayern ist immer was los, insgesamt ist die Bilanz für die Bayern positiv bei 53 Siegen und 30 Unentschieden in 108 Vergleichen, in Dortmund gab es am häufigsten ein Remis (30), Dortmund behielt in 16 Spielen die Punkte, die Bayern entführten sie aber 18mal. In der letzten Saison hieß es 2:2 und 2:4 aus Borussia-Sicht.

Interessant noch eine andere Zahl: Augsburgs 3:2 gegen Wolfsburg war in dieser Saison der erste Sieg eines Teams aus unteren Tabellenhälfte gegen eines aus der oberen und das in 42 Vergleichen! Für den FCA zählte aber vor allem, dass es mit dem neuen Trainer Jess Thorup erstmals zwei Siege in Folge gab. Der Däne hat Augsburg quasi wach geküsst. Am Tabellenende „schlafen“ weiterhin Mainz, Köln und Bochum.

Vor dem 10. Spieltag gibt es Abwechslung durch die 2. Runde im DFB-Pokal. Vier Bundesliga-Duelle stehen an, wobei Titelverteidiger RB Leipzig in Wolfsburg gefordert ist, Dortmund wird von Hoffenheim geprüft. Fraglich ist die Austragung der Partie der Bayern in Saarbrücken. Dort wurde am Sonntag das Spiel gegen Dresden wegen zu viel Regen und Wasser auf dem Platz abgebrochen. Ob der Ludwigspark bis Mittwoch bespielbar wird, ist ungewiss. Bis zur nächsten Runde am 5./6. Dezember haben die Bayern aber keinen Nachholtermin frei.

Frauen stehen doppelt unter Druck

Beim 5:1-Sieg gegen Wales in der Nations League, in der es gleichzeitig um die Olympia-Qualifikation geht, wirkten die deutschen Frauen in der zweiten Halbzeit (4:0) richtig befreit und das trotz des Ausfalls von Kapitän Alexandra Popp. Ihre Vertreterin Lea Schüller glänzte mit zwei Toren, dazu trafen Gwinn, Nüsken und Anyomi. Allerdings bleibt der Druck für die Mannschaft bestehen. Einen Punktverlust dürfen sich die Mädchen nicht erlauben, weil Dänemark in Island mit 1:0 siegte. Dort ist am Dienstag jetzt auch das DFB-Team gefordert, muss allerdings auf Hegering und Anyomi verzichten, die beide verletzt abreisten. Gutes Zeichen: Am 1. September 2018 siegte das DFB-Team im ersten Spiel unter Horst Hrubesch als Interimstrainer in Island mit 2:0. „Island können wir“, meint der Hamburger, der erneut einspringt, beruhigend.

Auf die Stimmung drückt allerdings das Theater um Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg, die sich offiziell im Erholungsurlaub befindet, aber hinter den Kulissen für Unruhe sorgt, was ihre Zukunft angeht. Aus der Mannschaft mehren sich die Stimmen, die keine Zukunft mit MVT sehen, zumal Interimstrainer Horst Hrubesch wieder für Lockerheit und gute Stimmung im Team sorgte. Beim DFB, der mit der Trainerin nur per Anwalt kommuniziert, muss man endlich für Klarheit sorgen, die nur so ausschauen kann, dass der Vertrag mit Voss-Tecklenburg beendet wird und Hrubesch bis zu Olympia Trainer bleibt, wenn denn die Qualifikation gelingt. Nach den Gruppenspielen muss der Erste zudem noch Play-Offs überstehen, nur zwei Plätze stehen zur Verfügung. Der Druck bleibt.