Verstappen lernt mit Red Bull das Fliegen

Der Brause-Hersteller Red Bull wurde mit seinem Werbespruch „Red Bull verleiht Flügel“ bekannt und hat dies in der Formel 1 jetzt fast umgesetzt. Max Verstappen lernte auf seinem Weg zu seinem dritten Titelgewinn das Fliegen – so kam es jedenfalls der Konkurrenz vor, er flog nämlich einfach davon. Der Holländer blieb mit seinem Boliden natürlich auf der Straße, abgeflogen ist er nicht, sonst hätte er nicht eine Saison der Rekorde hinlegen können: 19 Siege in 22 Rennen, 1003 Führungsrunden, 575 Punkte in der Fahrerwertung, damit hätte er allein auch die Konstrukteurswertung gewonnen. Beim Finale in Abu Dhabi landete er seinen 54. Grand-Prix-Sieg und setzte sich damit auf Rang drei der ewigen Bestenliste, nur Michael Schumacher (91) und Lewis Hamilton (103) liegen noch vor ihm. Nach rund 100 Tagen Pause, bevor am 2. März 2024 die neue Saison startet, hat er in dann 24 Rennen die Chance, weiter auf Rekordjagd zu gehen.

Es schaut nämlich nicht so aus, als könnte die Konkurrenz die Lücke zu Red Bull und Verstappen in dieser Zeit wirklich schließen, zumal Red Bull mit Adrian Newey auch den besten Designer seit 2006 unter Vertrag hat. Die Hoffnung der Konkurrenz ruht auf 2026, wenn es einen Neubeginn gibt, damit ist auch meist eine Ende der herrschenden Dominanz verbunden, die es schon oft in der Formel 1 gab. Max Verstappen hatte ja einen bemerkenswerten Start seiner Erfolgsserie, als er von einer Rechtsbeugung von Rennleiter Masi profitierte und in der letzten Runde Hamilton überholen konnte und den Titel einfuhr. Jetzt ist es der Hattrick, Verstappen flog davon und der Rest befindet sich auf dem Boden der Tatsachen. Lewis Hamilton träumt zwar weiter von seinem achten Titel und dem alleinigen Rekord, doch wie soll das gehen?

Mercedes wurde zwar Zweiter in der Konstrukteurswertung, aber 451 Punkte Rückstand auf Red Bull sind Welten. Ferrari (406) enttäuschte ebenso, nur McLaren (302) war zufrieden, machte einen großen Schritt nach vorn und schickt sich an, die großen Namen Mercedes und Ferrari von Platz zwei zu verdrängen. Dies zeigt auf: In der Formel 1 wird es derzeit erst hinter der Nummer 1 interessant. Insgesamt gab es nämlich durchaus interessante Rennen, viele Überholmanöver und genügend Spektakel. Doch nur der Kampf um Platz 1 sorgt wirklich für gute Stimmung. Die Saisonbilanz zeigt Licht und Schatten, der Pay-TV-Sender Sky, der in Deutschland die alleinigen Rechte besitzt, haderte mit dem fehlenden Kampf an der Spitze und klagt über rund 20 Prozent Zuschauerverlust. Die Formel-1-Besitzer von Liberty Media sind mit der Entwicklung dagegen zufrieden, mit allerlei Aktionen, vor allem im Internet, und neuen Rennstrecken wie in Las Vegas konnten sie jüngere Zuschauer an Land ziehen. Das Spektakel in der Glitzerstadt Las Vegas hat sich gelohnt: Das beste Rennen und die meisten Schlagzeilen.

Keine Schlagzeilen konnte der einzige deutsche Vertreter machen, Nico Hülkenberg, der beim schwächsten Team Haas Mick Schumacher ablöste, fuhr meist hinterher, sammelte ein paar gute Platzierungen im Qualifying, aber am Ende nur neun Punkte, drei weniger als MIck im Jahr zuvor. Auch Verstappen-Kollege Sergio Perez gehört zu den Verlierern, er wurde zwar WM-Zweiter, konnte den Weltmeister aber nie richtig angreifen. Für mehr Aufmerksamkeit sorgten da schon Odie Fernando Alonso im Aston Martin und Lando Norris im McLaren, wobei sich dessen Teamkollege Oscar Piastri im Laufe der Saison als größtes Talent entpuppte. Die Auflistung zeigt: Die Mercedes-Fahrer Hamilton und Russell waren eher Mitfahrer.

So schaut die Rennsportgemeinde nicht mit der größten Neugier auf das Jahr 2024 und die Formel 1. Da muss schon viel passieren, dass sich die Formel 1 wirklich als Königsklasse präsentiert. Vor allem Mercedes und Ferrari haben viel Arbeit vor sich. Nur Hinterherfahren schadet dem Renommee dieser großen Firmen!