Fußball-Fans erst leise, dann gewalttätig
Das sportliche Geschehen in der Fußball-Bundesliga wurde am vergangenen Wochenende vor allem vom Protest der Fans gegen den Einstieg von Investoren in der DFL überschattet. Fast überall war es in den Stadien zuerst leise, genau zwölf Minuten lang, weil die Fans auf den „12. Mann“ als Unterstützung anspielten und diese Unterstützung entziehen sie den Vereinen, wenn gegen ihre Wünsche gearbeitet wird. Die Fans befürchten, dass der Einstieg von Investoren gleichzeitig der Einstieg in die komplette Kommerzialisierung der Bundesliga bedeutet. Sie machen damit deutlich: Sie wollen mitbestimmen! Ihre Meinung war auf Bannern zu lesen: „Wir werden kein Teil eures Deals sein – Scheiß DFL“. Das Problem, danach verstießen die Ultras wieder gegen die Regeln, zündeten Pyros und vor allem in Paderborn schockten wieder einmal gewalttätige „Anhänger“ aus Rostock, die Raketen aufs Spielfeld warfen, Schlägereien anzettelten, Zuschauer angriffen und Stadion-Einrichtungen verwüsteten. Rund 100.000 Euro Schaden ist die traurige Bilanz.
Dies war ja kein Einzelfall, es gab zuletzt öfters Ausschreitungen. Die Ultras sollten sich Gedanken machen, welchen Schaden sie den Vereinen finanziell zufügen (Beschädigungen, Strafen) und wie sie dem Fußball in der Öffentlichkeit schaden. Darüber wollen sie nicht sprechen, Pyros halten sie trotz Verbote für legitim. Wenigstens einfallsreich waren die Proteste, mit dem Werfen von Tennisbällen oder Gegenständen, die nicht zu Verletzungen führen können. Bochums Stürmer Takuma Asano hatte die richtige Antwort: Er „dopte“ sich mit zugeworfener Schokolade und schoss das Führungstor zum 3:0-Sieg gegen Union Berlin. Positiver Protest also. Keine so gute Rolle spielte allerdings die DFL, denn über die geheime Abstimmung wird diskutiert, vor allem weil die notwendige Stimmenzahl von 24 genau erreicht wurde, aber Hannovers Investor Martin Kind unterstellt wird, dass er entgegen der Weisung des Vorstandes zugestimmt hat. Kind selbst schweigt, so dass ein Schatten über dieser Entscheidung liegt. Gegen die Ausschreitungen muss die DFL allerdings energischer vorgehen.
Dabei wäre doch der Sport interessant genug, wobei festgestellt werden muss, dass immer mehr Mannschaften Verletzungssorgen haben. Die Weihnachtspause sehnen fast alle herbei, Dienstag/Mittwoch wird aber noch gespielt. danach geht es am 12. Januar schon wieder weiter. Bayer Leverkusen lässt sich an der Spitze nicht irritieren und hält München auf Distanz. Frankfurt schockte vor einer Woche zwar die Bayern, machte dagegen in Leverkusen beim 0:2 keinen Stich. Die Bayern wiederum waren vor allem um Reputation bemüht, erst in Manchester, dann gegen die Wirbelwinde aus Stuttgart. Bayern-Trainer Thomas Tuchel trotzte mit einer taktischen Meisterleistung sowohl dem VfB, als auch den Ausfällen. Kurzfristig fehlten auch noch Kimmich und Gorotzka, so dass das Mittelfeld die „Notnagel“ Guerreiro und Pavlovic bildeten. Vor allem der 19-jährige Aleksandar Pavlovic wurde zum Held des Spiels, bot eine beeindruckende Leistung und bereitete mit besseren Standards als Kimmich Tore vor. Das Juwel, ein gebürtiger Münchner, sollte Tuchel nicht länger verstecken. Auch Routinier Thomas Müller durfte zeigen, dass er noch nicht zum alten Eisen gehört. Nette Geschichte am Rande: Bayern gratulierte kürzlich seinem ältesten weiblichen Mitglied zum 105. Geburtstag! Klara Geiger bewältigt noch ihren eigenen Haushalt und schaut jedes Spiel im Bayern-Trikot. Ihr Geburtstagswunsch: Die Bayern sollen noch vor Weihnachten mit Thomas Müller den Vertrag verlängern.
Noch vor der Pause setzten sich Leverkusen und Bayern oben ab, Dortmund verlor nach dem 1:1 in Augsburg den Anschluss, 13 Punkte Rückstand sind es auf Leverkusen, schon fünf auf den Vierten Stuttgart. Dagegen hat sich Leipzig erholt und war beeindruckt von der Forsberg-Show. Der Schwede, eine Legende des RB, der den Aufstieg des Vereins von Anfang an begleitete, verabschiedete sich mit einer tollen Leistung und einem Tor zum Partnerverein RB nach New York. Mit ihm geht auch ein Stück Bundesliga-Geschichte. Am Tabellenende konnte wieder niemand punkten, umso mehr Bedeutung bekommt das Duell Union – Köln am Mittwoch (18.30 Uhr).
Norden beherrscht 2. Bundesliga: Das Oberhaus muss vor Weihnachten noch eine Zusatzschicht einlegen, die 2. Bundesliga ging bereits in ihre Winterpause, am 19. Januar geht es wieder weiter. Was auffällt: Der Norden beherrscht zur Halbzeit die 2. Bundesliga, gleich drei Nordvereine stehen vorn, wobei Holstein Kiel als Tabellenführer eine dicke Überraschung ist. Kiel gab sich auch gegen Hannover (3:0) keine Blöße und wurde Halbzeitmeister, weil sich St. Pauli gegen Neuling Wehen-Wiesbaden einen Ausrutscher leistete. Auf dem Relegationsplatz der HSV, der mit dem 2:0 in Nürnberg zwar seine Auswärtsschwäche ablegte, aber schon vier Punkte Rückstand auf Kiel hat.
Nagelsmann sorgt für Furore: Vom Geschehen in der Bundesliga lenkte auch Bundestrainer Jürgen Nagelsmann ab, der mit einem Interview im Aktuellen Sport-Studio des ZDF für Furore sorgte. Eigentlich wollte er nichts verraten, aber er deutete doch mehr oder weniger personelle Überlegungen für die EM im nächsten Jahr an. So tendiert er immer mehr zu Manuel Neuer im Tor, was ter Stegen nicht gerne hören will. Joshua Kimmich hat er offenbar schon informiert, dass seine Rolle künftig die des rechten Außenverteidigers sein wird. Da könnte er sowieso die beste Lösung sein, eventuell am Mittwoch in Wolfsburg bei Genesung auch für die Bayern. Nagelsmanns Idee der Mittelfeldbesetzung ist allerdings revolutionär: Er will wohl Toni Kroos zum Comeback überreden und Gündogan dafür offensiver einsetzen. Dann würde sich das Mittelfeldpärchen Kroos/Groß abzeichnen. Nagelsmann sorgte also für einen Paukenschlag vor dem neuen Jahr.
Schlager Leipzig – Real: In der Champions League hat sich die Bundesliga gut geschlagen und stellte mit Bayern und Dortmund sogar zwei Gruppensieger. Die Bayern sorgten beim 1:0-Sieg bei Manchester United mit dem 40. ungeschlagenen Gruppenspiel in Folge für einen Rekord für die Ewigkeit, denn die normale Gruppenphase wird es bekanntlich nicht mehr geben. Künftig spielen 36 Vereine in einer Tabelle und es gibt 100 Spiele mehr!
Noch gilt das alte System und da wurde am Montag das Achtelfinale ausgelost. Am härtesten erwischte es RB Leipzig, das als Gruppenzweiter hinter Manchester City nun Real Madrid zugelost bekam. Borussia Dortmund zeigte in der CL ja sein Schokoladengesicht und siegte in der Todesgruppe genannten Konkurrenz und hat nun einen interessanten Gegner, nämlich PSV Eindhoven mit dem ehemaligen Borussia-Trainer Peter Bosz. Doch Vorsicht: PSV hat in der Eredivisie alle 16 Spiele gewonnen und unterlag in der Gruppe nur Arsenal London. Die Bayern dürfen mit ihrem Los auch zufrieden sein, sie duellieren sich mit Lazio Rom und haben mit italienischen Klubs gute Erfahrungen. Außerdem spielen Porto – Arsenal, Neapel – Barcelona, Paris – Real Sociedad, Inter Mailand – Atletico Madrid und Kopenhagen – ManCity. Gespielt wird vom 13. bis 21. Februar und 5. bis 13. März 2024.
Bayern-Frauen schwächeln: Nicht in der notwendigen Form sind offensichtlich die Frauen des FC Bayern, sie mussten nämlich in der letzten Woche zwei Rückschläge hinnehmen. In der Champions League kamen sie gegen Ajax Amsterdam über ein 1:1 nicht hinaus und so hieß es auch im Punktspiel beim 1. FC Nürnberg. Über 4000 Zuschauer sahen im Max-Morlock-Stadion wie sich der Neuling und Vorletzte gegen den Tabellenführer tapfer und erfolgreich wehrte. Damit machten die Bayern in der Bundesliga den Weg für den VfL Wolfsburg an die Spitze frei und in der Champions League stehen sie vor dem Rückspiel gegen Ajax am Mittwoch gehörig unter Druck. Auch Eintracht Frankfurt steht mit dem Rücken zur Wand und muss am Donnerstag (18.45 Uhr) das Rückspiel gegen Benfica Lissabon nach dem 0:1 in Portugal unbedingt gewinnen, um ein Ausscheiden zu vermeiden. Hinter Barcelona geht es um Platz zwei.