Die Männer fliegen den Frauen davon

Mit der Vierschanzentournee der Skispringer erlebt der Sport-Winter zum Jahreswechsel bereits seinen Höhepunkt. Das lässt sich vor allem an den Einschaltquoten im Fernsehen ablesen. In diesem Jahr gerieten die Wettkämpfe in Oberstdorf (29. Dezember), Garmisch-Partenkirchen (Neujahr), Innsbruck (3. Januar) und Bischofshofen (6. Januar) fast in den Hintergrund, denn diskutiert wurde vor allem, warum die Frauen mit ihrem großen Wunsch, ebenfalls eine Vierschanzentournee durchführen zu können, nicht ans Ziel kommen. Das Trostpflaster heißt „Two Nights Tour“ und beinhaltet zwei Springen in Garmisch-Partenkirchen (30. Dezember) und Oberstdorf (Neujahr).

Eigentlich rennen die Frauen offene Türen ein. Eigentlich, denn ein Stück weit ist die Zustimmung der „weißen Männer“ im Weltverband und bei den nationalen Verbänden in Deutschland und Österreich nichts anderes als Beschwichtigung. Die Skispringerinnen lassen allerdings nicht locker, sie sehen das Ziel in Sichtweite, allerdings ergeben sich offensichtlich auch organisatorische Schwierigkeiten, denn in den Touristenorten sind zum Jahreswechsel die Hotelzimmer sowieso knapp und zum großen Tross der Männer passt rund um die Schanzen nicht noch mehr Gewusel. Deshalb die grundsätzliche Idee, die Springen der Frauen konträr zu denen der Männer zu organisieren, also Start in Garmisch-Partenkirchen, dann nach Oberstdorf und gleiches in Österreich, Bischofshofen vor Innsbruck. Der DSV setzte die Idee um, die Österreicher zögern noch, deshalb bleibt es bei einer Minitour. Optimisten sagen, ein Anfang ist gemacht, die Springerinnen wie die zweifache Weltmeisterin Katharina Schmid (geb. Althaus) sagen „wir wollen alle vier, wir wollen endlich anerkannt werden“. Pech aber für die deutschen Mädchen, dass es gerade in diesem Jahr nicht so recht klappt. Der Bundestrainer quittierte kurzfristig seinen Job, man wurschtelt sich jetzt so durch, die großen Erfolge bleiben aus. Schmid ist als beste Deutsche gerade mal Zwölfte im Weltcup. So kann man kein Interesse gewinnen.

Da sieht es bei den Männern schon ganz anders aus, Karl Geiger und Co. träumen davon, endlich die Durststrecke zu überwinden und nach Sven Hannawald 2002 wieder einmal die Tournee zu gewinnen. Allerdings gibt es mit Stefan Kraft einen Überflieger, der seinen Sieg von 2014/15 gern wiederholen würde und im Weltcup klar führt (509 Punkte). Der Österreicher hat seine Bestform gefunden und seinen übermäßigen Ehrgeiz früherer Jahre in mehr Ruhe und Beständigkeit umgemünzt. Dahinter, allerdings mit Abstand, liegen Andreas Welllinger (380), noch kein Sieg, aber immer vorn dabei, und Karl Geiger (353), zweifacher Sieger in Klingenthal. Auch der 33jährige Pius Paschke sorgte in Engelberg für eine Sensation, die Generalprobe klappte also. Stephan Leyhe und Philipp Raimund komplettieren das Team. Mit Markus Eisenbichler fehlt ein bekannter Name, früher ein Kopf des Teams, heute in die Zweitklassigkeit abgestürzt. Selbst im Continental Cup springt er hinterher, doch die Hoffnung stirbt zuletzt. Springer sagen aus Erfahrung, „plötzlich klappt es wieder und Du weißt nicht warum“. Darauf hofft der 32jährige Bayer.

Generell ist der Favoritenkreis klein, doch bei der Tournee hat es schon oft Überraschungen gegeben, plötzlich fängt ein Außenseiter zum Fliegen an. Das könnte zum Beispiel dem Japaner Ryoyu Kobayashi gelingen (Sieger 2018/19 und 21/22) oder dem Titelverteidiger Halvor Egner Granerud aus Norwegen. Die Deutschen kommen mit den neuen Anzugregeln offensichtlich besonders gut zurecht, die Norweger wiederum haben Schwierigkeiten. Auf jeden Fall schauen die Frauen neidisch auf die Männer, die ihnen buchstäblich noch davon fliegen.

Der Fußball bleibt im Gespräch

Manche Sportarten wollen die Zeit um den Jahreswechsel nutzen, um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen, doch der Fußball macht gar keine richtige Pause, er bleibt im Gespräch. So wird bekanntlich in England durchgespielt, da wird ein Besuch der Premier League zum Weihnachtsgeschenk. Ein besonderes Geschenk machte sich Pep Guardiola mit Manchester City, er gewann die letzte Klub-Weltmeisterschaft nach altem Muster, für City und den Trainer der fünfte Titel in diesem Jahr. Für Guardiola war es der vierte WM-Titel, er gewann bereits 2009 und 2011 mit dem FC Barcelona und 2013 mit den Bayern.

Die Ruhe in Deutschland geht auch zu Ende, die Weihnachtspause war kurz, als erste Vereine beginnen bereits am Donnerstag Union Berlin und der VfL Wolfsburg mit der Vorbereitung auf den Start 2024 am 12. Januar. Das Gros der Vereine beginnt mit den Trainingslagern am 2.Januar. Was Neuzugänge angeht, so herrscht größtenteils Ruhe, nur RB Leipzig machte bisher eine Ausnahme, verpflichtete Eljif Elmas vom SSC Neapel. Der 24jährige Nordmazedonier soll Emil Forsberg ersetzen, der zum RB-Nachbarclub nach New York geht. Stolz vermeldete Leipzig auch einen Rekordumsatz von 450 Millionen Euro, aber auch sportlich ging es aufwärts, in der UEFA-Rangliste kletterte der Verein um zehn Plätze nach oben und ist jetzt Siebter.

Großes Jahr 2023, Vorfreude auf 2024

Die Fußball-Fans werden nicht gerade glücklich auf 2023 zurückblicken, schließlich machten die Nationalmannschaften der Männer und der Frauen Sorgen. Für Freude sorgte nur die U17, die Europameister und überraschend Weltmeister wurde. Die Dortmunder Fans grämen sich besonders, weil ihre Mannschaft den Titel praktisch in der Tasche hatte und doch noch an Bayern München verlor. Dafür waren andere Mannschaften erfolgreicher. Die größte Begeisterung lösten die Basketballer aus, die sensationell Weltmeister wurden, die USA ebenso besiegten wie im Finale Serbien mit 83:77. Der Titelgewinn geht als „Jahrhundert-Wunder von Manila“ in die Analen ein. Da ging fast unter, dass auch die Hockey-Männer Weltmeister wurden und Silber war für Deutschland im Eishockey ebenso fast ein Wunder. Die Ehre des Handballs rettete der SC Magdeburg, der erstmals nach 2002 wieder die Champions League gewann. 2023 war aber auch das Jahr der Ski-Königin Mikaela Shiffrin, die sich mit 87 Siegen zur erfolgreichsten Skifahrerin aller Zeiten kürte, sie übertraf bei den Frauen Lindsey Vonn ebenso wie Ingemar Stenmark bei den Männern. Seriensieger war auch Max Verstappen, der die Formel 1 dominierte, doch bei ihm fragt man sich, wie viel Anteil hat der Fahrer und wie viel der überragende Wagen von Red Bull.

Große Siege, große Enttäuschungen – davon lebt der Sport. Wir werden auch 2024 wieder viel erleben, Deutschland ist zweimal Gastgeber von bedeutenden Turnieren. Das ereignisreiche Sportjahr beginnt mit der Handball-EM vom 10. bis 28. Januar. Das Eröffnungsspiel Deutschland – Schweiz wird im Düsseldorfer Fußballstadion ausgetragen, ein Zuschauerrekord ist garantiert. Auch Mannheim, München, Berlin und Köln sehen EM-Spiele. Im Sommer regiert Fußball in Deutschland mit der Europameisterschaft vom 14. Juni bis 14. Juli. Ob es wieder ein Sommermärchen gibt? Die Hoffnung ist groß, die Angst vor einer Enttäuschung aber auch. Der sportliche Höhepunkt aber sind die Olympischen Sommerspiele vom 20. Juli bis 11. August in Paris. Außergewöhnlich soll die Eröffnungsfeier werden mit einem Spektakel auf der Seine. Ganz anders also als gewohnt. Ob wir das am Ende auch vom Sportjahr 2024 sagen werden?

Der Sport-Grantler wünscht allen seinen Leserinnen und Leser alles Gute für das neue Jahr, möge es glücklich und vor allem friedlich werden.