Endlich wieder Fußball-Bundesliga – und die EM ist im Visier

Die Pause war kurz, eigentlich war es nur ein Durchschnaufen zum Jahreswechsel, und dennoch sind die Fußball-Fans wieder scharf das Geschehen: Endlich wieder Bundesliga. Der Grund: In den letzten Jahren war es nie so spannend wie diesmal. Außerdem: Ungewissheit darüber, was sich bei den Vereinen tut, die Abstellungen zu Afrika- und Asien-Cup hinterlassen Fragezeichen, die sich auf das Wechselgeschehen auswirken, doch bisher tut sich nicht viel. Nur ein Trend ist erkennbar: Die Spieler haben die Europameisterschaft im Sommer in Deutschland im Visier und wollen Einsatzzeiten. Notfalls wird gewechselt, meist als Leihgeschäft.

Wenn es aber am Freitag mit der Partie Bayern München – TSG Hoffenheim weitergeht und die Vorrunde mit dem 17. Spieltag abgeschlossen wird, da wird noch nicht viel von Veränderungen zu sehen sein. Überhaupt ist gegenüber einer längeren Winterpause vieles andere, nur wenige Klubs absolvierten Trainingslager, die Bayern sogar erst nach dem ersten Spiel. Erst am Sonntag geht es nach Faro für ein paar Tage in die Sonne Portugals, die Vorbereitung wird in der Kälte Münchens stattfinden, aber es könnte dann am Freitag einen Kälteschock gegen eine der auswärtsstärksten Mannschaften der Liga geben. In Sachen Neuzugänge bei beiden Teams bis dato Fehlanzeige.

Von Verstärkungen ist auch bei Spitzenreiter Bayer Leverkusen nicht die Rede, obwohl vor allem die Abwehr durch Abstellungen entblößt ist, aber der schlaue Trainer Xabi Alonso hat schon vorgesorgt, die Mannschaft dieser Wochen schon einmal getestet – und für gut befunden. Bayer war bisher überragend, bezeichnend die traditionelle Rangliste des Fachmagazins kicker: Fünf Spieler wurden in Weltklasse eingestuft, drei davon kommen aus Leverkusen (Grimaldo, Frimpong, Wirtz), zwei aus München (Sané, Kane). In sieben Kategorien liegen viermal Leverkusener vorn, bei den Außenbahnen defensiv (Grimaldo, Frimpong Weltklasse) und Mittelfeld defensiv (Xhaka, Palacios – beide Int. Klasse) beherrschen sie die Top-Kategorien alleine. Noch Fragen? Da darf sich der FC Augsburg am Samstag nicht nur wegen der Minustemperaturen warm anziehen. Das große Duell Bayer gegen Bayern ist von der DFL auf Samstag, 10. Februar, 18.30 Uhr, terminiert worden.

Die Bayern suchen anders als der Spitzenreiter händeringend Verstärkungen, doch außer Gerüchten gibt es nichts. Heiß gehandelt wird jetzt der Wechsel von Eric Dier, Defensivmann der Tottenham Hotspur, der im Mittelfeld und rechts hinten spielen kann und den Trainer Thomas Tuchel aus seiner Chelsea-Zeit gut kennt. Bei Tottenham war der englische Nationalspieler zuletzt aber mehr auf der Bank als auf dem Feld. Eine Notlösung? Stärker ist wohl der Uruguayer Ronald Araujo vom FC Barcelona einzuschätzen, ein Abwehrspezialist für innen und außen, doch da scheint es zu hapern. Vielleicht gibt es auch eine Überraschung mit dem Ex-Leipziger Nordi Mukiele, der in Paris ebenfalls kein Stammspieler ist. Eingefroren ist auch die Form, wie der Test beim FC Basel zeigte. Die Ehre beim 1:1 rettete mit Noel Aseko Nkili ausgerechnet ein 18-jähriges Talent beim ersten Profi-Einsatz. Leverkusen zeigte sich da beim 4:1 gegen Venedig schon eher auf der Höhe.

Was bei den ganzen Transfers bisher auffällt, die Europameisterschaft 2024 ist im Visier der Spieler. Bezeichnend die Leihe von Timo Werner von RB Leipzig zu den Tottenham Hotspur. Sein Ziel: Dort mehr Spielpraxis zu bekommen, nachdem er bei der Nationalmannschaft bei Julian Nagelsmann kein Thema war. Er will sich also empfehlen. Ähnliches gilt für Thilo Kehrer, der bei West Ham United keine Rolle mehr spielte und nach Monaco geht. Kein Hehl machen auch Sasa Kalajdzic und Donny van de Beek aus ihrer Motivation, warum sie von Wolverhampton bzw. Manchester United zu Eintracht Frankfurt gehen – sie wollen bei der EM für Österreich bzw. die Niederlande dabei sein. Es könnte sein, dass auch bei Joshua Kimmich die EM im Hinterkopf ist. Er tauchte im Test der Bayern als rechter Außenverteidiger auf, eine Position, die Nagelsmann für ihn wieder ins Auge gefasst hat. Noch war bei Bayern nur der Personalengpass der Grund, aber Kimmich könnte in den (für ihn) sauren Apfel beißen, um sich auf rechts einzuspielen und zu empfehlen. Ein Platz im Mittelfeld ist ihm bei Nagelsmann bekanntlich nicht sicher.

Der 1. FC Köln hat seinen wichtigsten Neuzugang in Trainer Timo Schultz gefunden, der einst bei St. Pauli für Furore sorgte, beim FC Basel aber nach wenigen Wochen scheiterte. Beängstigend für Köln: Schultz wurde einst bei den Kiezkickern nach einem 4:4 in Karlsruhe entlassen und wie spielte der „Effzee“ im Test gegen den Drittligisten RW Essen? 4:4 in einem chaotischen Spiel! Das sollte dann am Samstag in einem fast schon richtungsweisenden Spiel gegen Heidenheim aber anders ausschauen, um sich auf dem Weg zum Klassenerhalt zu begeben. Ja, auch am Tabellenende ist es spannend, Schlusslicht Darmstadt hat gegen Dortmund (das an der Rückkehr von Jadon Sancho, Manchester United, arbeitet) die wohl schwerste Aufgabe, der Drittletzte Mainz ist gegen Wolfsburg gefordert und Union Berlin in Freiburg. Davor liegen gleichauf mit drei Zählern Bochum und Bremen, sie treffen am Sonntag (15.30 Uhr) aufeinander, der Sieger könnte sich etwas absetzen.

Mit einer Überraschung wartete Borussia Dortmund am Montag auf: Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke wird seinen Vertrag 2025 nicht verlängern. Der 64-jährige hat schon 2021 mit der Vertragsverlängerung gezögert, wollte den Verein angesichts der Corona-Krise aber nicht im Stich lassen. Jetzt muss die Borussia auch im Vorstand Neuzugänge suchen.

Die 2. Bundesliga hat noch eine Woche Pause, Schalke 04 sorgte allerdings mit einem spektakulären Neuzugang für Furore: Mit Marc Wilmots (54) kehrt eine Vereinsikone zurück. Aber nicht als Trainer, er wird als Sportdirektor der neue starke Mann im Verein, nachdem man sich von Peter Knäbel trennte. Trainer bleibt Karel Geraerts, da darf man auf den Start der Rückrunde am Samstag, 20. Januar (20.30 Uhr), gegen den Dritten Hamburger SV besonders gespannt sein.

Der Fußball wird also im Sport wieder das Kommando übernehmen, im Fernsehen regierte zuletzt der Wintersport, der vor allem mit Skispringen und Biathlon für tolle Einschaltquoten sorgte, mehr als zuletzt manches Bundesligaspiel. Nur selten konnten allerdings deutsche Siege gefeiert werden. Benedikt Doll gewann den Sprint beim Biathlon in Oberhof, aber die meisten Daumen wurden Skispringer Andreas Wellinger bei der Vierschanzentournee gedrückt. Der große Showdown in Bischofshofen gegen den Japaner Ryoyu Kobayashi um den Gesamtsieg lockte 6,6 Millionen vor die Bildschirme. Der Japaner war an diesem Tag aber besser, gewann mit vier zweiten Plätzen in allen Springen den goldenen Adler und Wellinger setzte die Serie der zweiten Plätze der deutschen Springer fort. Nun kann weiterhin von einem deutschen Sieg nur geträumt werden, der gelang zuletzt Sven Hannawald 2002.

Träumen tun auch die Handballer und zwar von einem Wintermärchen bei der Europameisterschaft, die am Mittwoch in Düsseldorf mit dem Spiel gegen die Schweiz beginnt. Mehr dazu im nächsten Blog!