Eine heiße Fußball-Woche mit vielen Verlierern

Eine Schlagzeile jagte die andere, es was wirklich eine heiße Fußball-Woche, doch Begeisterung haben die Meldungen selten ausgelöst, ganz im Gegenteil, es gab Ernüchterung und Diskussionen, die anhalten werden. Eins steht auch fest: Es gab viele Verlierer und nur wenige Gewinner. Das Spiel selbst trat in den Hintergrund.

Verlierer ist zweifellos der deutsche Fußball und dabei in erster Linie die DFL, die sich mit der Rücknahme des Investorendeals dem Druck des Mobs unter den Fans gebeugt hat. Dabei haben die Funktionäre zu wenig bedacht, dass sie sich für die Zukunft erpressbar gemacht haben. Die DFL-Führung knickte ein, weil immer mehr Vereinsfunktionäre Angst vor den eigenen „Fans“ bekamen. Es flogen nicht nur Tennisbälle und Schokoladentalers auf den Rasen, offensichtlich gab es auch Drohungen gegen einige Vereinsfunktionäre. Die Angst ging um! Klar ist auch, die Fans haben sich der Erpressung schuldig gemacht, doch niemand klagt an!

Verlierer könnten die Ultras auf längere Sicht dennoch werden, auch wenn sie sich jetzt als Gewinner fühlen. Was wird mit dem Fußball der Zukunft? Die DFL wollte das Investorengeld in die Zukunftssicherung stecken, damit die Bundesliga im Ausland nicht nur attraktiv bleibt, sondern noch attraktiver wird. Ohne Geld keine Stars, ohne Stars keine Attraktivität. Am Ende verliert auch der nationale Fußball an Aufmerksamkeit und die Ultras den Fußball, den sie eigentlich sehen wollen (wenn sie überhaupt vor lauter Selbstbeschäftigung hinschauen). Die nächsten Erpressungsversuche stehen sogar im Raum, es wurde von den Ultras schon angedeutet, dass sie künftig gegen die Vereine vorgehen wollen, die eine Sonderregelung innerhalb des 50+1 genießen, also Leverkusen, Wolfsburg, Leipzig und Hoffenheim. Und wer weiß, was ihnen in Zukunft noch alles nicht gefällt. Wie wird die DFL auf weitere Erpressungsversuche reagieren?

Bayern sehnt das Saisonende herbei

Verlierer ist auch der FC Bayern München. Der Sport-Grantler hat schon einmal angemerkt, „die besten Jahre der Bayern sind vorbei“. Nach drei Niederlagen in Serie gelang jetzt mit dem 2:1-Sieg gegen Leipzig so etwas wie ein Comeback, aber eigentlich sehnen die Bayern das Saisonende herbei, denn im Sommer steht ein großer Umbruch an. Die Weichen wurden schon beim Trainer gestellt, der Verein und Thomas Tuchel werden sich am Saisonende trennen. Der Trainerstuhl wurde in München zu einem Schleudersitz, fast wie bei einem Abstiegskandidaten. Schuld sind aber auch Fehler in der Führung. Auffallend: Seit Jürgen Klopp 2015 in Liverpool anheuerte und eine Ära prägte, hatten die Bayern sieben (!) Trainer: Guardiola, Ancelotti, Heynckes, Kovac, Flick, Nagelsmann und Tuchel. Wer jetzt nachfolgen soll, wird vor allem Max Eberl entscheiden, der nach der Aufsichtsratssitzung am Montag wohl am 1. März seinen neuen Job als Sportvorstand antreten wird. Viele Namen sind im Gespräch, aber die Bayern haben große Konkurrenz, auch Liverpool und der FC Barcelona sind nämlich auf Trainersuche. Die Namen, die gehandelt werden: An erster Stelle Xabi Alonso (Leverkusen), schon schwächer die Rückkehr von Hansi Flick, aber auch Unai Emry (Aston Villa) oder sogar Roger Schmidt (Benfica Lissabon) sind im Gespräch. Selbst eine Rückkehr von Julian Nagelsmann steht im Raum.

Nicht in der Verlosung ist Jürgen Klopp, der bekanntlich nach der Saison eine Pause einlegen will. Pokale will er mit den „Reds“ dennoch gewinnen, am Sonntag war es der League-Cup in England. Van Dijk köpfte in der 118. Minuten sein Team zum 1:0-Sieg über Chelsea London. Es ist der 13. Titel für Klopp! Egal, wo er später anheuert, es wird ein Verein sein, wo weitere Pokale folgen.

Bei Bayern geht es aber auch um die Spieler, der Kader muss sich ändern, die einen haben die Erwartungen als Führungsspieler nicht erfüllt (Kimmich, Goretzka), die anderen bleiben trotz allen Talents in der Entwicklung stehen (Sané, Musiala, Davies, Upamecano). Die Bayern-Bosse sind sich einig: Frischer Wind muss in die Mannschaft. Dafür kann nicht nur ein neuer Trainer sorgen.

Der Sport selbst trat in den Hintergrund, aber die Bayern zeigten sich verbessert, konzentrierter und Harry Kane traf wieder und sicherte in der Nachspielzeit den Sieg. Der Bayern-Dusel ist zurück! Aber noch bleibt viel Luft nach oben. Tabellenführer Bayer Leverkusen scheint ein bisschen die Luft auszugehen, aber der Dusel bleibt und der Erfolg auch, zur Not wirft sich der gegnerische Torhüter den Ball selbst ins Netz (Zentner beim 2:1 gegen Mainz). Damit stellte Leverkusen mit 33 ungeschlagenen Spielen einen neuen Bundesliga-Rekord auf. Aber auch der künftige Meister steht vor einem heißen Sommer: Der Trainer könnte gehen und viele Spieler sind international gefragt. „Die heißeste Mannschaft Europas“ lautet eine Schlagzeile.

Verlierer gab es natürlich auch auf dem Rasen. Borussia Dortmund zum Beispiel, das sich beim 2:3 gegen Hoffenheim wieder einmal einen Schwächeanfall leistete. Verlierer waren sogar Klubs, die unentschieden spielten. So Frankfurt und Wolfsburg nach dem 2:2 im direkten Vergleich, denn die Eintracht ist jetzt sechs Spiele ohne Sieg, der VfL sogar acht Spiele in der Bundesliga. Beide Trainer wackeln! Auch Schlusslicht Darmstadt fühlte sich beim 1:1 in Bremen als Verlierer, erzielte es doch vier Tore! Ein Eigentor half Werder, aber nicht hinnehmen mochte man, dass der VAR den möglichen Siegtreffer wegen Hand annullierte. Der Arm war angelegt, aber die Regel ist eindeutig: Bei einem Torerfolg darf der Ball nicht mit Hand oder Arm berührt werden. Man kann die Regel schwachsinnig nennen, aber wie sich Darmstadts Trainer Torsten Lieberknecht aufgeführt hat, gehört in diese Kategorie. Immerhin ist diese Regel wenigstens eindeutig, im Gegensatz zu vielen anderen, wo der Willkür Tür und Tor geöffnet sind.

Nagelsmann kündigt Überraschungen an

Verlierer gibt es auch bei der Nationalmannschaft, auch wenn die Nachricht, dass Toni Kroos vom Rücktritt zurück tritt und für die EM zur Verfügung steht eher als Gewinn erscheint. Ein Wunderheiler ist der Real-Regisseur aber nicht. Doch beim Nationalteam wird es Verlierer geben, zumal Julian Nagelsmann Überraschungen ankündigt: „Es wird der eine oder andere nicht nominiert werden, von dem viele denken, der sei sicher dabei“. Am 14. März will er das Aufgebot für die Spiele gegen Frankreich (23.3. in Lyon) und die Niederlande (26.3. in Frankfurt) veröffentlichen. „Einfache Spielidee und mehr Mentalität“ ist der Plan des Bundestrainers. Wer muss also im Mittelfeld weichen? Kimmich rückt auf rechts, Gorotzka wohl auf die Ersatzbank, Pascal Groß wird wohl die Rückendeckung für Kroos spielen. Nagelsmann muss dann auch noch die Frage beantworten, wo Gündogan, Wirtz und Musiala spielen. Sané ist noch gesperrt.

Letzte Chance für die Frauen

Verlierer waren auch die Frauen bei der ersten Chance, sich für die Olympischen Spiele in Paris zu qualifizieren. Die 1:2 gegen Frankreich war unnötig, die Leistungen in der ersten Halbzeit schwach. Frankreich erreichte damit das Finale der Nations League gegen Spanien, das die Niederlande mit 3:0 besiegte. Nun spielen die beiden Verlierer am Mittwoch in Heerenveen um Platz drei und das letzte Ticket für Olympia. Horst Hrubesch erlebte in seinem 13. Spiel als Frauen-Trainer seine erste Niederlage, ein zweite soll nicht folgen, aber Umstellungen gegenüber der Startelf vom Freitag, denn in der zweiten Halbzeit wurde es mit Lohmann, Brand und Däbritz besser. Bei einer Niederlage würde die Amtszeit von Hrubesch enden, bei einem Sieg würde er die Mädchen auch bei Olympia betreuen. Auffallend, dass nur rund drei Millionen Zuschauer das Spiel gegen Frankreich im ZDF verfolgten, die Euphorie rund um den Frauen-Fußball schwächt sich offensichtlich wieder ab.

Viel Interesse findet aber die neue Saison in der Formel 1, die am Sonntag, 3. März, mit dem ersten Rennen in Bahrain beginnt. Dazu mehr in einem weiteren Blog im Laufe der Woche.