Die Formel 1 hofft mit einem Rekordjahr auf ein Ende der Langeweile
Red Bull und Max Verstappen als schier unschlagbare Kombination und kein Ende? Die Motorsportfans wollen endlich wieder eine spannende Weltmeisterschaft in der Formel 1 erleben, aber vielleicht müssen sie sich ja noch ein wenig gedulden, bis es neue Regeln gibt und auch Audi eingreift. Die Bosse versuchen mit einem Rekordjahr die Langeweile zu beenden, 24 Rennen stehen erstmals auf dem Terminkalender. Mehr geht eigentlich nicht. Start ist ausnahmsweise an einem Samstag, am 2. März in Bahrain, das Finale am 8. Dezember in Abu Dhabi. Es rechnet keiner damit, dass dort erst die Entscheidung fällt.
Ungewöhnlich ist der Samstag als Renntag, er ist dem Ramadan, dem muslimischen Fastenmonat, geschuldet. Der beginnt am 10. März und deshalb wurde das Rennen in Saudi-Arabien um einen Tag auf Samstag vorverlegt. Da musste dann Bahrain mitziehen, weil die Regeln eine Woche Pause vorsehen. Vielleicht auch ein Zeichen für ein ungewöhnliches Rennjahr.
Ungewöhnlich ist zum Beispiel, dass es in diesem Jahr überhaupt keine Fahrerwechsel gegeben hat. So bleibt auch Nico Hülkenberg bei Haas der einzige deutsche Fahrer, er sitzt allerdings im schwächsten Auto. Ein Wechsel hat jedoch für Schlagzeilen gesorgt, aber Lewis Hamilton verlässt Mercedes erst nach dieser Saison, um dann für Ferrari zu fahren, angeblich ein Kindheitstraum von ihm. Spannend ist 2024 nur, ob Hamilton sich mit einem Kracher verabschiedet, ob die Saison im alten Rennstall, der ihn zum Seriensieger machte, reibungslos abläuft oder ihm George Russell vielleicht sogar den Rang abläuft. Anders wird es Ende des Jahres aussehen, wenn etwa die Hälfte der Verträge ausläuft.
Aber schon in diesem Jahr hoffen die Fans auf Mercedes, um die Red-Bull-Langeweile zu beenden. Frühzeitig haben Mercedes und die anderen Konkurrenten von Red Bull die Saison 23 abgehakt und sich dem neuen Boliden gewidmet. „Wir haben ein komplett neues Auto im Sinne der Fahrer“, behauptet Mercedes-Chef Toto Wolff. Nach einer Kampfansage klingt das noch nicht. Aber auch Ferrari spricht von einer Verbesserung und McLaren gilt als eine Art Geheimfavorit. Zumindest zum Start also ein bisschen Spannung. Vielleicht stellt sich aber Red Bull sogar selbst ein Bein, denn im Team herrscht keineswegs Friede, Freude, Eierkuchen, vor allem Boss Christian Horner ist angeschlagen, gegen ihn wird wegen „unangemessenen Verhaltens“ ermittelt.
Trotz Seriensiegen und Langeweile hat die Formel 1 international an Reputation gewonnen, vor allem der Markt in den USA wird beackert, da stehen drei Rennen an (Miami am 5. Mai, Austin am 20. Oktober, Las Vegas am 23. November). Auch die Deutschland können sich wieder mehr Fans auf die Rennen freuen, die nicht mehr nur bei Sky im Pay-TV verschwinden, RTL hat wieder Interesse und konnte sich mit Sky auf eine Co-Lizenz für sieben Rennen einigen. Start ist gleich in Bahrain, außerdem wird aus Ungarn (21. Juli), Belgien (28. Juli), den Niederlanden (25. August), Italien (1. September), Aserbaidschan (15. September) und Las Vegas übertragen. Die Daten lassen darauf schließen, dass der Sender auf Spannung zum Ende hin hofft. Die alte Kommentatoren-Mannschaft ist zurück, mit Moderator Florian König, Reporter Heiko Waßer, Experte Christian Danner und Kai Ebel in der Boxengasse. Auf ein Comeback eines Rennens in Deutschland müssen die Fans wohl noch lange warten. Es ist eine Geldfrage.
Ein paar Neuigkeiten gibt es auch, zum Beispiel nicht nur mehr Rennen, sondern auch mehr Sprintrennen, nämlich sechs. Geändert wurde dafür der Ablauf, die Sprint-Qualifikation gibt es am Freitag, das Sprintrennen folgt am Samstag und danach erst die Qualifikation für den Großen Preis am Sonntag. Ein harter Samstag also für Mechaniker und Fahrer. Das könnte eng werden: Jeder Fahrer darf nur noch drei statt vier Motoren einsetzen. Gewöhnen müssen sich die Fans auch an seltsame Markennamen. Sauber wartet auf Audi und tritt als „Stake F1 Team Kick Sauber“ an, die Red-Bull-Filiale heißt „Visa Cash App Racing Bulls“. Sollte ein Rennen langweilig sein, können die Zuschauer ja über die Namen diskutieren (oder lästern).