Snowboard-Königin war der deutsche Winter-Star

Es gibt noch ein paar Nachzügler, doch die Saison im Wintersport ist mehr oder weniger gelaufen. Viele denken aber mit bangem Blick an die Zukunft, in Zeiten des Klimawandels ist sie vor allem für die Disziplinen auf Schnee sehr ungewiss. Die Skispringer fürchten, dass sie auch im Winter auf Matten springen müssen, im Langlauf und Biathlon sind Skiroller statt Ski im Gespräch. Noch aber ist es nicht so weit, aber was brachte der vergangene Schnee-Winter außer den üblichen Wetterkapriolen, die sicherlich ebenfalls immer schlimmer werden.

Auffallend ist, dass in vielen Disziplinen einzelne Athleten oder Athletinnen die Konkurrenz beherrschten. Einmal ist hier auch Deutschland dabei, Ramona Hofmeister heißt unser Winter-Star, den viele vielleicht nicht einmal kennen. Dabei war die Oberbayerin die absolute Snowboard-Königin, sie gewann alle drei Kristallkugeln die vergeben werden. Das schafften vor ihr nur die Schweizerin Patrizia Kummer 2014 und die Slowenien Zan Kosic 2015, damals war dies noch in den Anfängen der Snowboard-Rennen. Am Anfang sieht sich aber auch die 27-Jährige noch, denn populär wurde sie bisher nicht, ihre Siege zahlen sich finanziell nicht aus, es gibt kaum Fernsehzeiten und deshalb sie hat sogar Schwierigkeiten Sponsoren zu finden. Sie hofft, dass sich dies mit der WM 2025 in der Schweiz und Olympia 2026 in Italien ändert.

Auch der alpine Skisport hatte zwei „Überathleten“. Der Schweizer Marco Obermatt beherrschte die Herren-Konkurrenzen, war der überragende Speedfahrer in Abfahrt, Super-G und Riesenslalom und stand frühzeitig als Gesamtsieger fest. Für manche ist er der beste Rennläufer aller Zeiten und diese haben den Schweden Ingemar Stenmark keineswegs vergessen. Eine Schweizerin dominierte auch bei den Frauen, dabei ist Lara Gut-Behrami fast schon am Ende ihrer Karriere. Sie profitierte auch vom Verletzungsausfall der amerikanischen Ski-Königin Mikaela Shiffrin, die mit Kniebeschwerden einige Rennen verpasste und die Gesamtwertung kampflos verlor. Gut-Behrami ist mit 32 Jahren die älteste Gesamtsiegerin aller Zeiten im Alpinsport, bisher war dies ihre Landsfrau Vreni Schneider mit 30 Jahren. Der deutsche Ski-Verband war mit seinen alpinen Athleten nicht zufrieden, am Ende stand die schlechteste Alpin-Bilanz seit 18 Jahren! Allein auf die Slalom-Stars Lena Dürr und Linus Straßer war Verlass. Straßer holte legendäre Siege in Kitzbühel und beim Nachtrennen in Schladming.

Im nordischen Skisport war der norwegische Kombinierer Jarl Magnus Riiber wieder einmal nicht zu schlagen, die einst übermächtigen deutschen Athleten blieben ohne einen einzigen Saisonsieg. Auch im Skispringen hüpften die Deutschen bei Männer und Frauen meist hinterher und staunten über die Konkurrenz. Stefan Kraft (Österreich) und Nika Prevc (Slowenien) waren die Gesamtsieger. Für die Frauen gab es in dieser Saison eine Veranstaltung für die Geschichte, denn erstmals trugen sie einen Weltcup im Skifliegen aus. Die deutsche Top-Springerin Katharina Schmid war dennoch traurig, denn ihren Traum von 200 m konnte sie nicht realisieren. Weiter schaffe es die Norwegerin Sillje Opseth, die trotz einen Sturzes im Training bei 236,5 Metern mit 230,5 m den ersten Frauen-Weltrekord sprang.

Der beliebteste Wintersport in Deutschland bleibt Biathlon, das beweisen die Zuschauer-Quoten im Fernsehen, die kaum Einbußen erlitten, obwohl dem deutschen Team der absolute Star fehlte. Biathlon hatte sogar mehr Zuschauer als die Handballer bei ihrer Olympia-Qualifikation. Auf den ersten Blick verlief die Saison für Deutschland enttäuschend, doch ganz so war es nicht. Der Start war schon vielversprechend, bei der ersten Station in Östersund trugen Franziska Preuß und Philipp Nawrath sogar das Gelbe Trikot. Da hatten die Norweger noch Probleme, doch dann dominierten sie zumindest bei den Männern das Geschehen. Auffallend war, dass nach dem Fluor-Verbot die Präparierung der Ski offensichtlich zu einem Glücksspiel wurde. Die Deutschen freuten sich bei kalten Bedingungen und hartem Schnee, vor allem bei Nässe und Wärme fanden die Wachser nicht das richtige Mittel. Aber das ging fast allen Nationen so.

Überragender Athlet war Johannes Thingnes Bö, dem ausgerechnet nur sein älterer Bruder Tarjei Paroli bieten konnte. Johannes gewann aber neben der Gesamtwertung auch Einzel, Verfolgung und Massenstart und überließ nur den Sprint seinem Bruder. In der Gesamtwertung waren fünf Norweger vorn, die Deutschen schauten auf Rang zwölf von Johannes Kühn und 13 von Benedikt Doll hinterher. Die beste Endplatzierung erreichten Roman Rees als Dritter im Einzel und Benedikt Doll als Vierter im Sprint. Der Schwarzwälder beendet mit den letzten Rennen in Canmore/Kanada seine Karriere und wird vor allem als Mannschaftsführer dem Team fehlen. Hoffnungsträger ist in Zukunft Justus Strelow, einer der besten Schützen im Feld, aber oft in der Loipe zu langsam. Nawrath, Kühn und Rees sind zu inkonstant in ihren Leistungen. Aber immerhin, in der Nationenwertung belegte Deutschland hinter den überragenden Norwegern Rang zwei vor Frankreich und Schweden.

Bei den Frauen litt Hoffnungsträgerin Franziska Preuß wieder unter gesundheitlichen Problemen, dabei war der Start wie gesagt hoffnungsvoll. Mit vorn dabei war oft Vanessa Voigt und Janina Hettich-Walz legte einen starken Schlussspurt hin und holte im letzten Wettbewerb der Saison, im Massenstart von Canmore, als Zweite ihren ersten Podestplatz überhaupt im Weltcup (vorher Silber bei der WM). Die Gesamtwertung gewann überraschend die Italienerin Lisa Vittozzi mit starken Leistungen in den letzten Rennen, lange Zeit hatte Ingrid Landmark Tandrevold (Norwegen) geführt, sie gewann immerhin die Sprint-Wertung. In der Gesamtwertung wurden Voigt Achte, Hettich-Walz 10. und Preuß 11. Im Einzel landete Voigt hinter Siegerin Vittozzi auf Rang drei (Preuß 6.), auch in der Verfolgung gewann Vittozzi (Voigt Achte) und im Massenstart überraschte die Französin Lou Jeanmonnot (Hettich-Walz 11.). In der Nationenwertung fiel Deutschland hinter Frankreich, Norwegen und Schweden zurück, aber bei den Frauen gibt es mehr Hoffnung auf den Nachwuchs als bei den Männern. Die 19-jährige Selina Grotian mischte schon auffällig mit, Julia Tannheimer, Julia Kink und Johanna Puff sind Versprechen für die Zukunft.

Sportdirektor Feliux Bitterling war insgesamt zufrieden, er sieht einen „deutlichen Schritt nach vorn“. Die Gesamtbilanz mit fünf Siegen und 24 Podestplätzen ist insgesamt besser als im Vorjahr. So könnte Biathlon weiterhin die beliebteste Wintersportart der Deutschen bleiben. ARD und ZDF waren mit ihren Wintersport-Nachmittagen jedenfalls wieder zufrieden, die Zuschauerzahlen lagen über dem Quoten an normalen Wochenenden.