Die perfekte Übersicht: Endspurt in der Bundesliga

Die Nationalmannschaft sorgte mit ihrem ebenso überraschenden wie überragenden 2:0-Sieg in Frankreich dafür, dass in Deutschland die Lust auf Fußball wieder gewachsen ist. Das gefällt natürlich vor allem der Bundesliga, die vor den entscheidenden Spielen der Saison steht und sich volle Stadien wünscht. Nur noch acht Spieltage stehen bis zum 18. Mai an, die über Wohl und Wehe oben wie unten entscheiden. Gut, die Meisterschaft ist wohl entschieden, diesmal sorgte nicht Bayern München für Langeweile an der Spitze, sondern überraschend Bayer Leverkusen. Alles andere ist ungewiss. Für viele Klubs sind gleich die nächsten Spiele vorentscheidend, so für Dortmund mit Duellen gegen die direkten Konkurrenten, als auch für die Kandidaten im Abstiegskampf. Der Sport-Grantler bietet eine Übersicht zum Restprogramm.

Champions League: An der Tabellenspitze ist die Entscheidung wohl gefallen, Bayer jagt zudem den Rekord der Bayern von einem Start mit 29 ungeschlagenen Spielen. Dafür muss Leverkusen (bisher 26) die nächsten Hürden Hoffenheim (H), Union (A) und Bremen (H) noch meistern. Drei Niederlagen darf sich Bayer leisten, außerdem warten Dortmund (A), Stuttgart (H), Frankfurt (A), Bochum (A) und Augsburg (H). Bei den Vereinen dahinter geht es vor allem um die Champions League, also mindestens Rang vier. Die Bayern sind außen vor mit 60 Punkten, Stuttgart wird aber von Dortmund und Leipzig gejagt, einer wird der unglückliche Fünfte und damit Verlierer sein.

Das Restprogramm: Stuttgart (56 Punkte): Heidenheim (H), Dortmund (A), Frankfurt (H), Bremen (A), Leverkusen (A), Bayern (H), Augsburg (A), Gladbach (H). – Dortmund (50): Bayern (A), Stuttgart (H), Gladbach (A), Leverkusen (H), Leipzig (A), Augsburg (H), Mainz (A), Darmstadt (H). – Leipzig (49): Mainz (H), Freiburg (A), Wolfsburg (H), Heidenheim (A), Dortmund (H), Hoffenheim (A), Bremen (H), Frankfurt (A).

Europa: Hinter diesen Vereinen geht es um einen Platz für Europa, der siebte Platz ist sicher, es könnte aber auch Rang acht reichen. Es gibt vier Kandidaten, wobei sich vor allem die Eintracht mit den Spitzenteams herumschlagen muss, zehrt aber von fünf Punkten Vorsprung gegenüber der Konkurrenz. Auffallend beim FCA das Saisonende mit hochkarätigen Gegnern. Das Restprogramm: Frankfurt (40): Union (H), Bremen (H), Stuttgart (A), Augsburg (H), Bayern (A), Leverkusen (H), Gladbach (A), Lepzig (H). – Augsburg (35): Köln (H), Hoffenheim (A), Union (H), Frankfurt (A), Bremen (H), Dortmund (A), Stuttgart (H), Leverkusen (A). – Hoffenheim (33): Leverkusen (A), Augsburg (H), Mainz (A), Gladbach (H), Bochum (A), Leipzig (H), Darmstadt (A), Bayern (H). – Freiburg (33): Gladbach (A), Leipzig (H), Darmstadt (A), Mainz (H), Wolfsburg (H), Köln (A), Heidenheim (H), Union (A).

Abstiegskampf: Ein Sprung über das Mittelfeld zum Tabellenende, dort ist die Frage, ob sich Wolfsburg und Bochum mit 25 Punkten noch mit reinziehen lassen. Sechs Punkte Vorsprung sind kein Ruhekissen. Also: Gegen wen können sie Punkte sammeln und was machen Mainz und Köln? Darmstadt (erst zwei Siege) ist abgeschlagen. Auffallend: Gleich in den nächsten Runden gibt es viele direkte Duelle. Das Restprogramm: Wolfsburg (25): Bremen (A), Gladbach (H), Leipzig (A), Bochum (H), Freiburg (A), Darmstadt (H), Bayern (A), Mainz (H). – Bochum (25): Darmstadt (H), Köln (A), Heidenheim (H), Wolfsburg (A), Hoffenheim (H), Union (A), Leverkusen (H), Bremen (A). – Mainz (19): Leipzig (A), Darmstadt (A), Hoffenheim (H), Freiburg (A), Köln (H), Heidenheim (A), Dortmund (H), Wolfsburg (A). – Köln (18): Augsburg (A), Bochum (H), Bayern (A), Darmstadt (H), Mainz (A), Freiburg (H), Union (H), Heidenheim (A).

Gleich am Sonntag (19.30 Uhr) kämpft Neuling Darmstadt wohl um seine letzte Chance in Bochum, andererseits könnte der VfL mit einem Ende seiner Niederlagenserie den Abstand nach unten vergrößern. Im Mittelpunkt des Geschehens steht aber das Spitzenduell zwischen den Bayern und Dortmund am Samstag (18.30 Uhr). Die Münchner haben erhebliche Verletzungssorgen, Torhüter Manuel Neuer und Torjäger Harry Kane sind fraglich. Das könnte der Borussia in die Karten spielen und den Ehrgeiz der von Nagelsmann verschmähten Nationalspieler besonders anstacheln. Eigentlich müsste Dortmund schon aus Trotz eine Siegesserie starten! Nur mit Dampf geht es auf den EM-Zug.

Auftakt einer neuen Ära?

Zehn Jahre liegt es zurück, dass die Nationalmannschaft so gelobt wurde, wie jetzt nach dem überraschenden 2:0-Sieg in Lyon gegen Frankreich. Damals wurde Deutschland bekanntlich Weltmeister! Bundestrainer Julian Nagelsmann hat beim Personal wie versprochen sozusagen alles auf links gedreht und lag damit genau richtig. Beginnt mit den „Zauberern“ Wirtz, Musiala und Havertz eine neue Ära? Sorgen sie zusammen mit dem reaktivierten Mittelfeldstrategen Toni Kroos und dem Abwehrbollwerk Rüdiger/Tah doch noch für eine EM-Euphorie im Lande? Wir sollten alle nicht zu früh jubeln, denn die nächste Bewährungsprobe steht mit den Niederlanden als Gegner am Dienstag (20.45 Uhr, live bei RTL) in Frankfurt bevor. Zukunftshoffnung oder Eintagsfliege? Die Niederlande kommt auch mit Rückenwind, kanzelte mit Schottland den EM-Auftaktgegner der DFB-Elf mit 4:0 ab.

Eines ist aber gewiss, die Nationalmannschaft hat seit zehn Jahren nicht mehr so viel Spaß gemacht. Das merkten auch zehn Millionen Fans an den Bildschirmen. Schon der Blitzstart nach acht Sekunden löste die Fesseln und erstaunte die Zuschauer, noch mehr, als dieser Treffer als einstudiert bezeichnet wurde. „Die Trainer hatten dafür ja vier Monate Zeit“, witzelte Vorlagengeber Toni Kroos. Hätte man sich das nicht für die EM aufheben sollen? Danach aber zauberten Torschütze Wirtz, Musiala und der zweite Torschütze Havertz. 20, 21 und 24 Jahre sind sie jung, ein Versprechen für die Zukunft. Außerdem könnte zu diesem Trio noch der neue Münchner Stern Pavlovic dazu stoßen, vielleicht der Kroos der Zukunft. Musiala zeigt sich wieder in Bestform und gestand, „das Trikot mit der Nummer 10 hat mir Auftrieb gegeben“. Er hat sich der Nummer eines Netzer oder Matthäus würdig gezeigt. Fast nur eine Nebenrolle spielte dabei Kapitän Gündogan, der, wie sich zeigte, leicht auch von Thomas Müller ersetzt werden kann, auch wenn der kein Mann der Zukunft mehr ist. Man kann aber sagen, die Mischung stimmt. Mehr wird nach dem Niederlande-Spiel zu reden und schreiben sein.

Bayern-Manager Max Eberl müsste aber besonders unruhig geworden sein (allerdings auch Simon Rolfes in Leverkusen). Seine Aufgabe für den Verein muss eigentlich sein, Florian Wirtz die Zukunft in München schmackhaft zu machen und als „Begleitkommando“ auch noch Trainer Xabi Alonso und Aufsteiger Grimaldo an Land zu ziehen. Dann würde eine neue Bayern-Ära eingeleitet werden…

Bayern-Frauen vor Titelgewinn

Die Frauen des FC Bayern sind den Männern in diesem Jahr ein Stück voraus. Mit einem überzeugenden 4:0-Sieg beim Hauptkonkurrenten VfL Wolfsburg stellten sie die Weichen auf Meisterschaft. 15 Jahren hatten sie in Wolfsburg nicht mehr gewonnen und jetzt dieser Triumph mit der überragenden Pernille Harder als Herzstück des Teams. Harder, Bühl, Schüller und Stanway erzielten die Tore vor 24437 Zuschauern im Stadion (Rekord für Wolfsburg) und zwei Millionen TV-Fans. In 17 BL-Spielen kassierten die Bayern-Mädchen nur fünf Gegentreffer und haben jetzt sieben Punkte Vorsprung vor den letzten fünf Begegnungen. Wird da der Rathausbalkon am Marienplatz reserviert?

Die Münchnerinnen lechzen aber nach einem weiteren Triumph über Wolfsburg, sie wollen jetzt zudem endlich wieder einmal den Pokal gewinnen. Das gelang das letzte Mal vor zwölf Jahren. Die Wölfinnen wiederum sehen den DFB-Pott als „ihren Besitz“ an, siegten in den letzten neun Jahren und sind seit 47 Spielen ohne Niederlage. „Jetzt müssen wir es endlich schaffen“, fordert dagegen Bayern-Flügelflitzerin Klara Bühl, allerdings ist Eintracht Frankfurt am Ostersonntag (15.45 Uhr/ARD) eine hohe Hürde. Die Eintracht hat den Bayern-Mädchen schon oft das Leben schwer gemacht. Wolfsburg sollte um 13.00 Uhr gegen Essen weniger Probleme haben. Ein Traumfinale am 9. Mai in Köln ist möglich.

Die Bundesliga geht erst am 12. April weiter, davor stehen Spiele der Nationalmannschaft in der EM-Qualifikation an, am Freitag, 5. April, in Österreich und am Dienstag, 9. 4., gegen Island.