Bayern-Absturz: Zauderer statt Macher – Dennoch Hoffnung vor Arsenal

0:2 gegen Dortmund, 2:3 gegen Neuling Heidenheim – wer diese Bilanz liest, glaubt nicht, dass es um Bayern München geht, um den Verein, der zuletzt elfmal in Folge Deutscher Meister wurde. Jetzt ist die Siegesserie nicht nur zu Ende, es handelt sich regelrecht um einen Absturz. Vor einem Jahr wurden die Bayern noch mit viel Glück und wenig Leistung Meister, doch geblieben ist nur ein Leistungsdefizit. Kein Einsatz, kein Kampfgeist, kein Siegeswille, dafür Abwehrfehler und spielerische Mängel, die Defizite werden immer wieder deutlich. Bereits sechs Niederlagen nach 28 Spielen.

Von allen wird natürlich Ursachenforschung betrieben, manchmal hat man aber den Eindruck, nur bei den Bayern selbst nicht. Die Mannschaft kann erst im Sommer frisches Blut bekommen, an Trainer Thomas Tuchel festzuhalten, entpuppt sich als Fehler. Sky-Experte Didi Hamann liegt richtig: „Die Bayern haben es verpasst, nach dem 0:2 gegen Dortmund zu handeln, da war eine Woche Zeit.“ Die Münchner Bosse präsentieren sich als Zauderer, früher waren Macher am Werk. Michael Ballack legt im Fachblatt kicker die Finger in die Wunde: „Hierarchie, Gehaltsvorstellungen, Hunger nach Erfolgen – beim FC Bayern sind ein paar Dinge verrutscht.“ Verletzungen häufen sich zudem, so dass sich die Frage stellt, ob auch die medizinische Abteilung nicht mehr meisterwürdig ist wie einst unter dem Arzt-Star Müller-Wohlfahrt.

Das Spiel in Heidenheim war seltsam. Unnötig wechselte Thomas Tuchel die Innenverteidigung, gab wieder Kim und Upamecano eine Chance, doch die beiden lieferten erneut alte Fehler und leiteten die Niederlage ein. Dazu wieder ein unerklärlicher Absturz in der zweiten Halbzeit nach einer 2:0-Führung. Nach Wechseln und Umstellungen spielte und rannte nur noch Heidenheim (15 Punkte nach Rückstand, nur Augsburg ist besser), die Bayern und ihr Trainer schauten willenlos und tatenlos zu. Ein Absturz. Von der Meisterschaft redet natürlich keiner mehr, ganz im Gegenteil, jetzt geht der Blick nach unten, Stuttgart ist punktgleich, Dortmund und Leipzig zwar sieben Punkte zurück, aber bei solchen Leistungen ist das kein Ruhekissen, so gerät selbst ein Platz in der Champions League in Gefahr. Da ist am Samstag nicht einmal der Tabellenvorletzte 1. FC Köln, der selbst ein Erfolgserlebnis feierte, noch Kanonenfutter.

Die ganze Aufmerksamkeit und die ganz Hoffnung richtet sich auf die Champions League. Nur noch dort ist ein Titel zu holen, die Bayern träumen davon – Träumer halt. Die Bayern wollen endlich ein anderes Gesicht zeigen, rechnen mit der Rückkehr von Neuer und Sané, vielleicht auch Coman, und hoffen vor allem mit einem Blick auf die Statistik gegen Arsenal London: In allen vier K.o.-Duellen jeweils im Achtelfinale setzten sich die Bayern durch, siegten in den letzten drei Spielen mit 5:1! Außerdem: Harry Kane trifft gern gegen Arsenal. Doch Vorsicht, auch hier ist ein Ende der Serie in Sicht: Arsenal ist Tabellenführer in der Premier League, schoss die meisten Tore (75) und kassierte die wenigsten Gegentreffer (24) und das bei Konkurrenten wie FC Liverpool und Manchester City. Außerdem gewann Arsenal als einziges Team alle CL-Heimspiele in dieser Saison ohne Gegentor. Ein Witz, dass gerade in dieser Situation zwei Bayern-Stars neue Rekorde aufstellen können: Spielt Torhüter Neuer zu Null, dann hält er den alleinigen Rekord der „weißen Westen“ mit 58 Spielen (bisher gleichauf mit Buffon, 57). Thomas Müller kann zum Rekordspieler werden, wenn er eingesetzt wird, dann hätte er 24 CL-Spiele im Viertelfinale, das schaffte keiner vor ihm. Außerdem steht er vor seinem 150. Spiel in der CL und zieht dann mit Real-Torhüter Iker Casillas gleich, nur noch Xavi (Barcelona) ist mit 151 vor ihm. Aber das sind Nebensächlichkeiten, verblassen bei einem Ausscheiden. Das Schlagerspiel am Dienstag heißt sowieso Real Madrid – Manchester City, der Sieger von 2022 gegen den Titelverteidiger, im Vorjahr gab es dieses Duell ebenfalls, einem 1:1 in Madrid folgte ein 4:0-Sieg von City in Manchester. Es ist auch ein Duell zweier Ex-Stars von Dortmund, die bei ihren neuen Verein die Leistungsträger sind: Auf der einen Seite Jude Bellingham, auf der anderen Erling Haaland.

Auch Borussia Dortmund macht ähnliches durch wie die Bayern, Euphorie, wie nach dem 2:0 in München, folgt Ernüchterung, diesmal durch das 0:1 gegen den Konkurrenten um einen CL-Platz, dem VfB Stuttgart. Bitter war die Niederlage auch, weil zwei Jubiläen gefeiert wurden, das Westfalenstadion 50 Jahre alt und Haudegen Mats Hummels hatte seinen 500. Einsatz für die Borussia. Die Mannschaft machte sich aber selbst kein Geschenk. Jetzt aber geht es am Mittwoch zu Atletico Madrid, ein unbequemer Gegner, aber ein machbarer, wenn denn die Bestleistung abgerufen wird (außerdem spielt Paris gegen Barcelona). Die Erinnerungen an Atletico sind positiv, das einzige K.o.-Duell gab es 1965/66 im Pokal der Pokalsieger, Dortmund setzte sich durch und gewann später den Titel! Ähnliches 96/97, da traf im Europapokal der Landesmeister in der Gruppe aufeinander und am Ende holte Dortmund den Titel. Jetzt will die Borussia wie zuletzt 2013 endlich wieder einmal ins Halbfinale (damals Finalniederlage gegen die Bayern). Aber auch die Bundesliga bleibt brisant, nach Gladbach am Samstag stehen die Duelle gegen Leverkusen und Leipzig an.

Den Ton in der Bundesliga gibt in diesem Jahr unwiderruflich Bayer Leverkusen an. Mit dem mühsamen 1:0 bei Union Berlin (aber Bayer gewinnt halt) steht der Titelgewinn kurz bevor. Lassen die Bayern oder der VfB Punkte liegen, kann Leverkusen am Sonntag erstmals Meister werden – am 29. Spieltag! Werder Bremen ist am Sonntag (17.30 Uhr) im letzten Spiel des Wochenendes der Gegner, so könnte es also heißen „das Beste kommt zum Schluss“. Bayer stellt bereits den Rekord der Bayern ein, mit 28 ungeschlagenen Spielen zum Start. Mehr gefordert wird Leverkusen aber wohl in der Europa League. Die Nagelprobe folgt gegen West Ham United, der Klub, der Freiburg ausgeschaltet hat (0:1, 5:0). Endet da die Serie der ungeschlagenen Spiele in dieser Saison? Englische Klubs liegen Bayer nicht, in 21 Spielen gab es nur vier Siege! Aber das war ja noch das alte Vizekusen…

Gäbe es nicht die Siegesserie von Leverkusen, wäre Stuttgart die „Mannschaft der Saison“. Die Schützlinge von Sebastian Hoeneß überraschen fast an jedem Wochenende, jetzt auch Dortmund, sie haben die Champions League wirklich verdient. Einer von vier muss am Ende in die Europa League. Frankfurt hält eisern Rang sechs, bei der Eintracht (1:1 gegen Bremen) ist man mit den Leistungen derzeit aber nicht zufrieden. Dahinter hoffen Hoffenheim (3:1 gegen den FCA), Augsburg und Freiburg auf einen Platz in Europa. Am Tabellenende kommt Bewegung ins Geschehen, Köln (2:1 Bochum mit Toren in der Nachspielzeit) und Mainz (4:0 gegen Schlusslicht Darmstadt, da gehen die Lichter wohl aus) siegten, neben Bochum muss sich jetzt auch Wolfsburg auf den Abstiegskampf vermehrt einstellen.

Duell der Siegerinnen

Die Qualifikation zur Europameisterschaft der Frauen 2025 in der Schweiz ging gerade erst los, das steht bereits ein „Endspiel“ an: In der Gruppe A4 der Nations League, die als EM-Qualifikation dient, stehen sich am Dienstag (18.10 Uhr) in Aachen (14000 Karten schon verkauft) die Siegerinnen des ersten Spieltages gegenüber. Deutschland siegte mit viel Mühe 3:2 in Österreich (das als stärkster Konkurrent eingestuft wird), Island hatte es beim 3:0 gegen Polen leichter. Die beiden Teams standen sich gerade erst vor einigen Monaten gegenüber, als Deutschland in der Nations League des letzten Jahres mit 2:0 siegte. Insgesamt 17 von 18 Begegnungen gewann das DFB-Team, nur 2017 gab es eine 2:3-Heimniederlage in der WM-Qualifikation. Das sollte sich nicht wiederholen.

Die Mannschaft um die Ersatz-Kapitänin Giulia Gwinn (Popp verletzt) konnte allerdings keineswegs überzeugen, lag nach einem kopflosen Beginn bereits mit 0:2 zurück, ehe die beste Spielerin Klara Bühl mit zwei Toren das Blatt wenden konnte (3:2 Gwinn mit Elfmeter). Die Wechsel von Bundestrainer Horst Hrubesch fruchteten, Laura Freigang brachte Schwung und Debütantin Bibiana Schulze Solano (Athletic Bilbao) sorgte in der Abwehr für Sicherheit. Mit diesem Einsatz hat sich die gebürtige Frankfurterin, die in Spanien lebt, für Deutschland festgespielt, ist eine Bereicherung im Team und wohl auch gegen Island für die verletzte Hegering gesetzt, nachdem Sara Doorsoun total von der Rolle war. Leider fällt jetzt auch Freigang verletzt aus, Hrubesch verzichtet aber auf eine Nachnominierung. Einen Start wie gegen Österreich möchte er jedoch nicht mehr erleben.

Daumen drücken wird auch DFB-Sportdirektor Rudi Völler, der seinen Vertrag beim Verband, wie am Montag bekannt wurde, bis 2026 verlängert hat. Jetzt hofft Völler darauf, dass Julian Nagelsmann als Bundestrainer an seiner Seite bleibt. Allerdings wird Nagelsmann von Medien als neuer Trainer ab Sommer bei Borussia Dortmund gehandelt.