Der Mai ist ein Wonnemonat für die Fußball-Fans
Der Mai gilt gemeinhin als der Wonnemonat, weil der Frühling zu dieser Zeit seinen Höhepunkt erlebt und die Vorfreude auf den Sommer deutlich wird. Geht es um die Gefühlswelt der Fußball-Fans, dann wird auch für sie der Mai ein Wonnemonat, denn die großen Endspiele stehen an und überhaupt die Entscheidungen in den Ligen. Nur wer den Abstieg seines Lieblingsvereins hinnehmen muss, der wird kaum von einem Wonnemonat sprechen, sondern sich in den tristen November versetzt fühlen. Für die gilt als Trost: Es kommen auch wieder bessere Zeiten.
Aber erst einmal den Mai genießen. Auf Europas Bühne stehen die Halbfinals und Finals an, die Champions League erweist sich als wirkliche Königsklasse mit den Spielen Bayern München – Real Madrid und Borussia Dortmund – Paris St. Germain. Auf das Finale müssen wir allerdings über den Mai hinaus warten, es wird am 1. Juni im Wembleystadion ausgetragen. Den Reigen der internationalen Finals beginnt die Europa League am 22. Mai in Dublin, die Conference League folgt eine Woche später am 29. Mai in Athen. Die Wartezeit dahin wird den Fans mit den nationalen Endspielen verkürzt, da sind die Frauen die Ersten, die am 9. Mai in Köln mit VfL Wolfsburg – Bayern München ein tolles Finale der besten Mannschaften Deutschlands bieten. Bei den Männern heißt es dagegen am 25. Mai in Berlin bei der Partie Bayer Leverkusen – 1. FC Kaiserslautern Favorit gegen Außenseiter. Macht Bayer da sein Triple perfekt?
Wenn der Deutsche Meister das schaffen will, muss er zunächst die Hürde AS Rom im Halbfinale der Europa League nehmen. Die Revanche für das Ausscheiden im letzten Jahr steht an, diesmal darf man Bayer den Coup zutrauen, gespielt wird am 2. und 9. Mai. Zur Not gewinnt Leverkusen in letzter Minute. Den Gegner ermitteln Olympique Marseille und Atalanta Bergamo, also keine unübewindbaren Hürden. Und nebenbei kämpfen die Alonso-Schützlingen um ein Novum der Fußball-Geschichte: Eine ganze Saison lang ungeschlagen bleiben.
Die deutschen Klubs sind international erfolgreich wie selten, auch deshalb ist der Mai ein Wonnemonat für die Fans. Das Duell Bayern gegen Real ist ein Rekordspiel, 26 Vergleiche gab es bisher, Rekord in der Königsklasse, ob Europacup der Landesmeister oder Champions League. Insgesamt hat Bayern in der Statistik die Nase leicht vorn, siegte 12mal, verlor 11 Spiele, dreimal gab es ein Remis. Allein 20mal stand man sich in der K.o.-Phase gegenüber, 8mal im Halbfinale, allerdings sah es zuletzt immer schlecht für die Münchner aus: Im Halbfinale verloren sie 2017/18 und 2013/14, sind seit 7 Spielen gegen Real sieglos, dabei gab es 6 Niederlagen. Ob sich das am Dienstag bzw. eine Woche später ändern wird? Die Vorzeichen sind nicht günstig für die Bayern sie klagen unter Verletzungspech, Coman und Upamecano fallen aus, Sané, de Ligt, Laimer und Musiala sind fraglich, Gnabry kommt wohl nur für einen Teileinsatz in Frage. Dazu gibt es Ärger um eine Hoeneß-Kritik an Trainer Thomas Tuchel, was die Stimmung kaum besser macht. Das Gegenteil in Madrid. Trainer Carlo Ancelotti rechnet mit allen Stars, konnte sie am Wochenende schonen und außerdem gönnte die Liga dem Aushängeschild eine längere Pause. Die CL ist Reals Cup, mit 14 Siegen ist Madrid Rekordgewinner, zuletzt 2022. Titelverteidiger Manchester City hat man im Viertelfinale glücklich ausgeschaltet.
Dortmund und Paris standen sich bereits in den Gruppenspielen gegenüber, die Borussia verlor dabei in Paris mit 0:2 und konnte sich mit einem 1:1 im Rückspiel nicht ganz revanchieren. Klappt es jetzt vielleicht? Die Dortmunder sehen sich nicht als Außenseiter, doch die drastische 1:4-Niederlage in der Bundesliga in Leipzig trübte die Stimmung. Doch auf Europas Bühne zeigt die Borussia meist ihr bestes Gesicht und so sieht Torhüter Gregor Kobel die Aufgabe als „Riesenchance“. Beide Teams stehen übrigens jeweils zum vierten Mal im Halbfinale, Paris schaffte es nur 2020 ins Finale und träumt immer noch vom Cup-Gewinn. Den schaffte Dortmund 1997, 2013 verlor man gegen die Bayern im deutschen Duell. Dortmund kann gegen Paris selbst dafür sorgen, dass in der Bundesliga auch der 5. Platz die Tür für die CL öffnet!
Heißer Abstiegskampf in der Bundesliga
In der Bundesliga erstaunt Bayer weiterhin, wieder gewann der frischgebackene Meister in de Nachspielzeit, Stuttgart führte schon 2:0, nach Adlis Tor (61.) rettete Andrich in der 97 Minute die Serie der Unschlagbarkeit. Es ist also der ganz normale Wahnsinn, zur Not hilft der Schiedsrichter, denn Felix Zwayer hätte Bonifaces Stoßen gegen Rouault abpfeifen müssen. Der VAR meldete sich nicht, aber VfB-Trainer Sebastian Hoeneß haderte: „Der Schiedsrichter war schlechter als die Spieler.“ Der VfB tat aber einen weiteren Schritt in Richtung Champions League, die Bayern sind nach dem 2:1 gegen Frankfurt sicher dabei. Am Samstag (15.30 Uhr) treffen sich die beiden Kontrahenten zum Südderby. Dahinter hat Dortmund das „Endspiel“ gegen Leipzig verloren, muss also hoffen, dass Rang fünf reicht (siehe oben).
Bei bester Konstellation darf sogar der Achte noch in Europa kassieren, Platz sieben ist jedoch sicherer. Die Kandidaten dafür machen aber den Eindruck, als wollten sie gar nicht nach Europa, obwohl sie angeblich davon träumen. Ob Frankfurt, Freiburg, Augsburg oder Hoffenheim, sie mussten sich alle geschlagen geben. Dadurch öffnet sich plötzlich für Aufsteiger Heidenheim und Bremen noch die Tür, nur zwei Punkte fehlen zu Augsburg und Hoffenheim! Dabei gab es beim Heidenheimer Sieg ein besonderes Schicksal, denn die Württemberger stürzten Mitaufsteiger Darmstadt zurück in die 2. Liga. Das 1:0 besiegelte den Abstieg des Schlusslichts.
Davor ist der Abstiegskampf überaus spannend. Tat sich lange Zeit nichts, so sind nun alle munter geworden und kämpfen um den Klassenerhalt. Allerdings führte das dazu, dass viele auch auf den Stelle treten. So bleibt Mainz nach dem 1:1 gegen Köln auf dem Relegationsplatz, aber der Vorletzte darf weiter hoffen. Bochum war der einzige Sieger im Keller, Wolfsburg hat sich durch den Sieg in Freiburg davon etwas distanziert. Die spannenden direkten Duelle gehen weiter, Union trifft am Sonntag auf Bochum und tritt eine Woche später in Köln an. Mainz wird es in Heidenheim, gegen Dortmund und in Wolfsburg schwer haben, Platz 16 zu verlassen. Es könnte aber auch sein, dass eine Mannschaft, die sich eher in Europa oder im Mittelfeld sah, plötzlich weit unten befindet. Gezittert wird in Gladbach und bei Union Berlin. Wolfsburg könnte am Samstag gegen Darmstadt den Sack zumachen. Allerdings: Der Absteiger will sich würdig verabschieden.
Abseits vom Spielgeschehen bringt der Streit um die Fernsehrechte die Bundesliga ins Gespräch, allerdings negativ. Die DFL hat dem Streamingdienst DAZN den Zuschlag für das Hauptpaket verweigert, weil er keine Bankbürgschaft vorlegte, die gefordert war. Dadurch wurde nicht das beste Angebot, sondern nur das Zweitbeste, offensichtlich von Sky, genommen (angeblich für vier Jahre 320 Millionen Euro weniger). DAZN brach einen Streit vom Zaun, will vor Gericht gehen, räumt aber auch ein, dass öfters Zahlungen verspätet geleistet wurden. Das Unternehmen eines Milliards sieht sich als Platzhirsch und wollte Sky ausbooten, die DFL offensichtlich an dem alten Partner festhalten. Die gegenseitigen Vorwürfe vergiften das Klima, Klärung wohl in einem Gerichtsverfahren. Allerdings ist die Liga ein gebranntes Kind, mit dem Kirch-Imperium brach einst ein großer Geldgeber weg, der die Konkurrenz verdrängte, ohne dann selbst zahlen zu können. Auch Eurosport als Partner war zahlungsunfähig, der Nachfolger hieß dann DAZN…
Die Woche der Frauen
Wonnemonat Mai für Fußall-Fans, die „Wonnewoche“ liegt vor dem Frauen-Fußball, es könnte dies vor allem die Woche der Bayern-Frauen werden, doch das will der VfL Wolfsburg natürlich verhindern, der bekanntlich von einer Wachablösung nichts wissen will. Nach einer Pause wegen des Halbfinals in der Champions League (Titelverteidiger FC Barcelona und Olympique Lyon schafften das Finale), geht es am Wochenende in der Bundesliga weiter. Für München könnte es ein besonderes Wochenende werden, denn nur noch ein Sieg fehlt zur Meisterschaft und der soll am Samstag (12.00 Uhr) beim Tabellensechsten Leverkusen eingefahren werden. In München gab es im Hinspiel einen 3:0-Sieg der Bayern-Mädchen. Sollte es nicht klappen, gibt es zwei letzte Chancen gegen Nürnberg und bei Hoffenheim.
Das große Spiel steigt aber ausgerechnet am Vatertag, dem Feiertag Christi Himmelfahrt am 9. Mai. Dieses Pokalendspiel gegen den VfL Wolfsburg in Köln rundet die „Woche der Frauen“ ab, die damit ein wenig für sich werben können, bevor die Nationalmannschaft wieder die Bühne betritt. Mal sehen, welcher der Kontrahenten die beste Werbung für sich macht, Wolfsburg trifft am Freitag auf die Kölner Frauen, die wie die Männer noch gegen den Abstieg kämpfen.