Die Bundesliga ist die Nummer 1 in Europa!
Fußball-Herz, was willst Du mehr! Der Fußball lebt und die Bundesliga ist in Europa sogar die Nummer 1! Die Halbfinals in den europäischen Wettbewerben sorgten für große Spiele und Spannung. Am Ende stehen zwei deutsche Mannschaften in den Finals, aber keine einzige aus der Premier League, die allgemein als das Schlaraffenland des Fußballs angesehen wird. In England wird die Bundesliga als Farmers League verspottet, sie ist aber vorn. Borussia Dortmund sensationell in der Champions League und Bayer Leverkusen fast wie erwartet in der Europa League spielen um die Titel. Auch Italien ist mit zwei Teams vertreten, aber mit dem AC Florenz in der Conference League gewissermaßen eine Klasse tiefer.
Dortmund feiert ein Wiedersehen mit Wembley, steht auch das erste Mal seit 2013 wieder im Finale. Aber nicht Bayern München ist der Gegner, sondern Real Madrid, dass seinem Ruf, als Mannschaft, die Unmögliches möglich macht, gerecht wurde. Die Borussia muss sich nicht verstecken, sie blieb gegen Paris bei zweimal 1:0 ohne Gegentor. Gespielt wird am 1. Juni in London. Bayer Leverkusen machte es auch spannend, der 2:0-Vorsprung gegen AS Rom war schon verspielt, als die Mannschaft aufwachte, sich gegen die Verlängerung und am Ende gegen die erste Niederlage der Saison stemmte. Es ist fast schon Bayer-Usus, dass das entscheidende Tor in der 97. Minute fiel, wieder einmal durch die Bayern-Leihgabe Stanisic. Das 15. Tor in dieser Saison nach der 90. Minute! Am 22. Mai in Dublin ist Atalanta Bergamo der Gegner, die Überraschungsmannschaft aus Italien, die sich mit 3:0 und 1:1 gegen Olympique Marseille durchsetzte. Die Finals werden komplettiert mit der Conference-Partie Olympiakos Piräus (4:2 und 2:0 gegen Aston Villa) gegen AC Florenz (3:2/1:1 gegen Club Brügge) am 29. Mai in Athen.
Die Dortmunder haben in dieser Saison zwei Gesichter gezeigt: Das schlechte in der Bundesliga, das gute in der Champions League. Eigentlich starteten sie in einer „Todesgruppe“ mit Paris, AC Mailand und Newcastle United als Gegner. Platz drei schien das höchste der Gefühle zu sein, zumal der Start mit 0:2 in Paris schief ging. Dann allerdings begann die Erfolgsserie der Borussia, die sogar zum Gruppensieg führte. Trainer Edin Terzic wurde nach unerklärlichen Schwächen in der Bundesliga schon angezählt, aber die Erfolge auf Europas Bühne hielten in Amt und heute wird er schon auf eine Stufe mit den Trainer-Ikonen Jürgen Klopp und Ottmar Hitzfeld gestellt. Überwunden ist damit auch das Drama um die am letzten Spieltag verpasste Meisterschaft im letzten Jahr, als ganz Dortmund weinte. Nun jubelt es.
Geweint wird dagegen in München. Nach dem 2:2 im Hinspiel sahen sich die Bayern nach einem Treffer von Davies (68.) bis zur 88. Minute im Finale, dann schlug Joker Joselu noch zweimal zu. Der Ausgleich gelang, aber weil Linien- und Schiedsrichter Fehler begingen und zu früh auf Abseits entschieden (was es nicht war) zählte der vermeintliche Treffer zum 2:2 nicht. Unglücklicher konnte die CL-Saison nicht enden, zumal zwei Fehler von Kim im Hinspiel und einer vom bis dahin überragenden Neuer im Rückspiel das Ausscheiden begünstigten. Jetzt steht Trainer Thomas Tuchel mit leeren Händen da und lamentiert: „Wir, unser Trainerteam, haben unser Bestes gegeben.“ Vorstandschef Jan-Christian Dreesen richtet den Blick in die Zukunft: „Was die Bayern-Familie auszeichnet: Dass wir nach bitteren Niederlagen wie heute stärker als zuvor zurückkommen. Wir wollen ins CL-Finale 2025 – in München, in der Allianz Arena.“
In der Bundesliga steht der Abstiegskampf im Mittelpunkt und da hat sich Dortmund wieder einmal blamiert, verlor sang- und klanglos in Mainz mit 0:3, was den Mainzer zum Sprung auf Platz 15 verhalf. Leidtragender war Union Berlin, das sich selbst auch nicht half und in Köln nach 2:0-Führung noch 2:3 verlor. Köln sprang dem Abstiegstod von der Schippe und hat am letzten Spieltag noch eine Chance, muss aber drei Punkte und Tore gegen Union aufholen. Und das beim sensationellen Neuling Heidenheim, der Freiburgs Kulttrainer Christian Streich in seinem letzten Heimspiel mit 1:1 den Abschied vermieste. Union hat diese müden Freiburger zu Hause zu Gast. In die Relegation könnte auch noch Bochum rutschen, das Leverkusen nicht stoppen konnte, gerettet sind Gladbach und Wolfsburg. Um die Plätze für Europa kämpfen weiterhin Frankfurt (noch nicht sicher Sechster), Hoffenheim, Freiburg, Heidenheim, Bremen und Augsburg, das in Leverkusen nicht nur bei der Übergabe der Meisterschale zuschauen will. Der letzte Spieltag hat es also noch in sich.
In der 2. Bundesliga feierten St. Pauli und Holstein Kiel den Aufstieg. Die „Störche“ werden der 58. Verein in der Bundesliga sein, St. Pauli hat schon acht Jahre hinter sich, ist aber erstmals alleiniger Hamburger Vertreter im Oberhaus. Der HSV mutiert inzwischen zum Dino der zweiten Liga.
Nagelsmann und das Momentum
Mitten hinein in den Endspurt der Bundesliga präsentiert Bundestrainer Julian Nagelsmann am Donnerstag sein EM-Aufgebot. Eigentlich wollte er sich beim Kader für die Europameisterschaft vom Momentum führen lassen. Dies war in der Vorbereitung sein Argument dafür, dass er bis auf Füllkrug auf Dortmunder Spieler verzichtet hat. Und jetzt? Das Momentum wird wohl dennoch das EM-Aufgebot prägen, aber die Gedanken über den Kader sind inzwischen ganz andere, als sie vor Wochen noch waren. Der Bundestrainer muss mit vielen Unwägbarkeiten zurecht kommen.
So haben ihn die erfolgreichen Vereine in Terminzwänge gebracht. Am 26. Mai beginnt in Blankenhain im Weimarer Land der erste Lehrgang, der bis zum 31. Mai dauert. Danach stehen die letzten Testspiele an, am 3. Juni in Nürnberg gegen die Ukraine und vier Tage später in Mönchengladbach gegen Griechenland. Erst dann wird Nagelsmann sein Aufgebot komplett haben. Beim Start fehlen vor allem die erfolgreichen Spieler, die Dortmunder, Madrider und Leverkusener. Das dürfte dann auch eine Rolle spielen, wen Nagelsmann nominiert. Nehmen wir die Innenverteidigung, die zuletzt Tah und Rüdiger bildeten, Hummels und Schlotterbeck haben sich in den Vordergrund gespielt, doch alle sind in den Endspielen vertreten. Also muss Ersatz her, der vielleicht dann wieder nach Hause geschickt wird. Aber auch Verletzungen machen die Planungen schwierig, vor allem die Münchner sind nicht nur mental angeschlagen, Gnabry dürfte ganz ausfallen, Sané und Musiala plagen sich ebenfalls mit Blessuren herum.
So wird es also spannend, welche Namen schließlich genannt werden, vielleicht Robin Hack als Überraschung? Der Bundestrainer könnte 26 Spieler nominieren, hatte aber im Kopf, nur 23 mitzunehmen, doch das dürfte angesichts der Unsicherheiten Makulatur sein. Umso wichtiger sind Spieler, die mehrere Positionen besetzen können, wie Henrichs oder auch Gorotzka, der nichts davon wissen will, dass er nicht auf der Ersatzbank sitzen würde: „Ich nehme alles an, was mir der Trainer aufgibt.“ Nagelsmann muss aber auch für andere Eventualitäten gerüstet sein, zum Beispiel, wenn der neue „Kopf“ des Teams, Toni Kroos, ausfällt. Könnte Bayerns aufgehender Stern Pavlovic der Ersatz sein?
Der Sport-Grantler präsentiert alle Namen rund um das Aufgebot:
Fest dabei: Neuer, ter Stegen – Tah, Rüdiger, Kimmich, Henrichs, Mittelstädt, Raum – Andrich, Kroos, Groß, Gündogan – Musiala, Sané (wenn beide fit sind), Wirtz, Führich, Havertz, Füllkrug. – Im Kader: Trapp, Baumann – Hummels, Schlotterbeck, Brandt, Goretzka, Pavlovic, T. Müller. Das wären insgesamt 26 Spieler. Außerdem im Blick: Leno – Thiaw, Anton, Koch, Gosens, Beste – Hofmann, Adeyemi, Undav, Hack. Weiteren Kandidaten wie Süle, Can und Prömel haben sich nicht aufgedrängt.
Der Pokal gehört Wolfsburgs Frauen
Bayern München will auch bei den Frauen der führende Verein in Deutschland werden, doch die Wölfinnen beißen zurück. Nichts wurde es mit Double der Bayern-Mädchen, die ausgerechnet im Pokalfinale eine ihre schwächsten Leistungen der Saison zeigten und in Köln vor ausverkauftem Haus mit 44400 Zuschauern 0:2 unterlagen. Die Wachablösung wurde vertagt, Wolfsburg war der Wille anzumerken, unbedingt die Misserfolgsserie der Saison zu beenden. Der Pokal gehört schließlich nach Wolfsburg, die jetzt zehnmal in Folge gewonnen haben. Kapitänin Alexandra Popp kommt sogar auf zwölf Titelgewinne. „Spielerin des Spiels“ war ausgerechnet Lena Oberdorf, die sich würdig vom VfL verabschieden konnte – sie wechselt im Sommer nach München. Auch deshalb sagt Bayern-Trainer Alexander Straus: „Wir werden im nächsten Jahr noch stärker sein.“ Diesmal aber gab es die erste nationale Niederlage der Saison, futsch war das Double.