Dortmund will es besser machen als Doublekusen
Die Fußball-Bundesliga ist stolz darauf, dass sie in den europäischen Wettbewerben nach Italien zweitbeste Liga war und mit zwei Mannschaften in den Finals vertreten ist. Die Hoffnung auf einen bedeutenden Titel war groß, doch das Team mit den vermeintlich besten Aussichten scheiterte. Bayer Leverkusen lieferte ausgerechnet in seinem Rekordjahr in dem größten Spiel die schlechteste Leistung ab, stand den taktischen Finessen und Kampfeswillen von Atalanta Bergamo im Endspiel der Europa League machtlos gegenüber. Eine 0:3-Niederlage war die Folge und Trainer Xabi Alonso gestand: „Auch ich habe Fehler gemacht.“ Da erinnert man sich an seine Aussage zu Erfolgszeiten, als er seine Erfahrung als Spieler kundtat: „Am meisten lernt man aus Niederlagen.“
Haben die Leverkusener gelernt? Offensichtlich, denn am Wochenende haben sie groß gefeiert, aber auch der glückliche 1:0-Sieg im Pokalfinale gegen Zweitligist Kaiserslautern machte deutlich, dass es für das Team ein Glück ist, dass die Saison zu Ende ist, die Mannschaft kam, zumal eine Halbzeit lang in Unterzahl, auf dem Zahnfleisch daher. Alonso hat zumindest keinen Fehler gemacht, setzte wieder auf den erfahrenen Kapitän Hradecky im Tor (auch wenn er sagte, „jeder Torhüter soll ein Finale bekommen“, so war es wohl eine Folge der Fehler des nervösen Kovar gegen Bergamo) und lag mit den Spielerwechseln richtig. Ein Traumtor von Granit Xhaka sorgte für den Pokalgewinn, der Schweizer bestätigte einmal mehr, dass er der beste Einkauf des Jahres war. Statt Triple also Double, aber was dies bedeutet, macht die Statistik deutlich: Bisher gewann Leverkusen in seiner Vereinsgeschichte zwei Titel, jetzt gleich zwei in einem Jahr! In den nächsten Jahren sollen es noch mehr werden – eine Kampfansage an die Bayern!
Das größte Spiel der Saison steht aber noch bevor – das Finale der Champions League am Samstag im Wembleystadion in London. Die Bundesliga ist wieder dabei, diesmal Dortmund und die Borussia will es besser machen als Doublekusen und besser als 2013, als die Dortmunder, Sieger von 1997, im deutschen Duell ebenfalls in Wembley Bayern München mit 1:2 unterlagen. Klub-Boss Hans-Joachim Watzke beschreibt die Situation: „Das Spiel bedeutet mir und dem Verein alles.“ Im Mittelpunkt vor allem Trainer Edin Terzic, einst Borussia-Fan, jetzt vor dem wohl größten Triumph des Vereins. In der Saison war seine Ablösung diskutiert worden, Co-Trainer Nuri Sahin schart angeblich mit dem Hufen, um Chef zu werden. Auch für Terzic ein Spiel um alles?
Der Gegner ist aber kein Geringerer als Rekordtitelträger Real Madrid, der die Champions League als „seinen“ Wettbewerb ansieht und die Niederlage im Vorjahr gegen Manchester City als „Majestätsbeleidigung“. 14mal gewann Real insgesamt, siebenmal seit 2000, zuletzt 2022. Real hat das Gen und die Spieler, um in entscheidenden Duellen die beste Leistung zu zeigen und das Glück auf seine Seite zu zwingen. Besonders wird dieses Spiel auch für Toni Kroos, der damit seine Karriere als Vereinsspieler beendet und die CL auch als „seinen“ Wettbewerb ansehen kann: Fünfmal gewann er bisher den Henkelpott, davon viermal mit Real und einmal mit Bayern München. Wie schwer es fällt, die Karriere zu beenden, sah er bei seinem letzten Ligaspiel mit Real beim 0:0 gegen Betis Sevilla. Es bleibt ihm noch die Nationalmannschaft und die Europameisterschaft, es bleibt ihm noch eine Chance auf einen Titel! Marco Reus wird gesehen haben, wie schwer ein Abschied fällt, er bestreitet in Wembley sein letztes Spiel für die Borussia, der Trainer muss ihm wohl Spielminuten geben.
Das Finale der Champions League der Frauen wurde bereits gespielt, dabei verteidigte der FC Barcelona seinen Titel mit 2:0 erfolgreich gegen Olympique Lyon. Die beiden Klubs beherrschten in den letzten neun Jahren den Wettbewerb, sechsmal gewann Lyon, dreimal Barca, das ein Quadruple feierte mit Meisterschaft, Pokal, Supercup und CL. Ist eine Wachablösung in Sicht? Vor allem Meister Bayern München will dafür sorgen, dass auch bei den Frauen bald wieder eine deutsche Mannschaft im Finale steht. Wolfsburg träumt immer davon.
Bayern setzt auf Pep-Schüler
Für die Männermannschaft scheinen die Bayern bei der Trainersuche früher am Ziel zu sein als gedacht. Alle Anzeichen deuten daraufhin, dass in den nächsten Tagen der 38-jährige Vincent Kompany einen Vertrag bis 2027 unterschreibt. Auf die Spur des Belgiers brachte die Bayern offensichtlich ihr alter Trainer Pep Guardiola, der gestand, „ich liebe Bayern und München immer noch“. Guardiola besitzt in München immer noch eine Wohnung und kann sich gut vorstellen, die Bayern noch einmal zu trainieren. „Es fehlt mir noch etwas“, ist der Hinweis darauf, dass er mit den Münchnern in der Champions League nicht erfolgreich war. Ob das mit Kompany gelingt? Der Belgier war ein international anerkannter Abwehrspieler (von 2006 bis 2008 beim Hamburger SV, danach bis 2019 bei Manchester City) ist aber ein unerfahrener Trainer, der seine zweite Karriere bei seinem Heimatverein Anderlecht 2020 begann und danach in England den FC Burnley in die Premiere League führte, allerdings musste er den Abstieg hinnehmen. „Er wäre für Bayern die beste Entscheidung“, ist sich Guardiola sicher, der offensichtlich mit Uli Hoeneß Kontakt hatte. Kompany gilt als aufgeschlossen und spricht neben englisch und französisch fließend deutsch.
Seine Hauptaufgabe wird allerdings sein, das Mannschaftsgefüge wieder in Ordnung zu bringen und er muss mit den besonderen Machtverhältnissen in der Bayern-Führung fertig werden. Hier sind die Sportdirektoren Max Eberl und Christoph Freund gefordert. Spannend wird auch sein, welche Neuzugänge kommen, Kompany sollte das Zeug haben, die Abwehr zu stabilisieren, ansonsten gilt er als gelehriger Pep-Schüler, der den Pep-Stil mit viel Ballbesitz spielen lässt. Unter Guardiola spielten die Bayern ihren wohl besten Fußball. Nun wollen sie mit einem Neuling so erfolgreich sein wie Bayer Leverkusen mit Xabi Alonso.
Supercup für die Frauen
Wieder eine gute Nachricht für den Frauen-Fußball, um weiter auf sich aufmerksam zu machen und mehr Fans zu gewinnen. Der DFB lässt den Supercup wieder aufleben, also das Duell Meister gegen Pokalsieger, das es zuletzt 1997 gegeben hat. Das Comeback gibt es am 25. August in Dresden und dabei stehen sich mit Meister Bayern München und Pokalsieger VfL Wolfsburg die beiden besten deutschen Mannschaften gegenüber. Beste Werbung also vor dem Bundesliga-Start am 31. August/1. September. Der Spielort soll jährlich wechseln, um in allen Regionen Werbung für den Frauen-Fußball zu machen.
Werbung sollte auch die Nationalmannschaft machen, die für die Qualifikation zur Europameisterschaft 2025 in der Schweiz vor einem Doppelduell mit Polen steht, am Freitag in Rostock und am Dienstag, 4. Juli, in Polen. Trainer Horst Hrubesch hat einen Kader von 23 Spielerinnen nominiert, für die Olympischen Spiele kann er nur 18 benennen. Die Qualifikation wird im Juli vor Olympia beendet. Hrubeschs Ziel: „Wir wollen beide Spiele gewinnen, dann sind wir bei der EM dabei und können uns auf Olympia vorbereiten.“
Tschechien Eishockey-Weltmeister
Die Gastgeber nutzten die Gunst der Stunde: Zum vierten Mal holte sich Tschechien in Prag den WM-Titel im Eishockey. 14 Jahren mussten die Tschechen auf ihren 13. Titel warten, siegten zuletzt 2010 in Deutschland und nutzten jetzt den Heimvorteil. Im Finale bezwangen sie die Schweiz mit 2:0 (0:0, 0:0, 2:0). Die Eidgenossen verloren dagegen ihr viertes Finale, holten aber seit 2013 zum dritten Mal Silber. Es war ein Finale der Geheimfavoriten, denn als größte Favoriten wurden Kanada und Schweden angesehen, doch für sie wurde es nur das kleine Finale und da holten die Skandinavier Bronze.
Die deutsche Mannschaft war im Viertelfinale an der Schweiz gescheitert, dabei hatte man gehofft, dass die Siegesserie weitergehen würde. Erstmals seit 31 Jahren verlor das DEB-Team wieder ein Viertelfinale gegen die Schweiz, die sich dann im Halbfinale gegen Kanada im Penaltyschießen durchsetzte. Bundestrainer Harold Kreis war dennoch zufrieden, „die Richtung stimmt, uns fehlten einige Stützen aus der NHL, die andere Nationen hatten“. Es war auffällig, dass, wer konnte, auf die NHL-Stars baute. Kreis aber musste auf Superstar Leon Draisaitl, sowie Moritz Seider und Tim Stützle verzichten. Deutschlands Kufenstars haben sich auf jeden Fall in der Spitze etabliert, „wir können aber nicht jedes Jahr mit einer Medaille rechnen“, schränkt der Trainer ein.