Kein Titel für die Bundesliga – jetzt ist die DFB-Elf gefordert

Der Mann hat gut reden: „Und jetzt will ich den EM-Titel“, äußerte Toni Kroos noch einen Wunsch, nachdem er mit Real Madrid die Champions League gewonnen hatte. Der Wunsch ist verständlich, schließlich sammelte der Mittelfeldstratege, der jetzt mit 34 Jahren seine Karriere beendet, einen Haufen Titel und Pokale, doch der Gewinn der Europameisterschaft fehlt ihm noch in seiner Sammlung. Toni Kroos wurde Weltmeister 2014, gewann mit Real Madrid (5) und Bayern München sechsmal die Champions League (Rekord!), wurde je dreimal Meister und Pokalsieger in Deutschland und viermal Meister und einmal Pokalsieger in Spanien. Vielleicht hört er auf, weil es sonst zu viel wird…

Die deutschen Fans wünschen sich natürlich sehnsüchtig, dass der Wunsch von Toni Kroos Wirklichkeit wird. Es wäre auch ein Happy End der deutschen Titeljagd, denn für die Bundesliga fiel nach einem erfolgreichen Jahr am Ende doch kein Pokal ab. Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund schafften es bis ins Finale, blieben dort aber sogar ohne einen Treffer. Jetzt also die Nationalmannschaft und nimmt man die Generalprobe gegen die Ukraine mit dem 0:0, so scheint die Torlosigkeit zu einem Schicksal zu werden. So gewinnt man natürlich keinen Titel. Aber die DFB-Elf ist jetzt gefordert!

Sind unsere Stürmer zu schwach? Eher trifft zu, dass der gesamten Mannschaft eine gewisse Torgeilheit fehlt und der absolute Wille, den Treffer einfach zu erzwingen. Das Spiel gegen die Ukraine war teilweise schön anzuschauen, Jamal Musiala und Florian Wirtz zauberten, Maximilian Mittelstädt wirbelte auf der linken Seite, doch es kam nichts Verwertbares dabei raus. Ein Fall für Niclas Füllkrug? Der pausierte wie alle vier Finalteilnehmer vom Samstag in London. Also ist Verstärkung in Sicht, mit Antonio Rüdiger in der Abwehr und Toni Kroos als Stratege sind zwei CL-Sieger dabei – keine andere Nation kann zwei CL-Sieger vorweisen!

Generell hat die Mannschaft einen guten Eindruck gemacht, die Form muss trotzdem noch wachsen. Die Ukraine stellte den richtigen Sparringspartner, so defensiv darf man auch die EM-Gegner Schottland, Ungarn und Schweiz erwarten. 9 Millionen Zuschauer an den Fernsehschirmen konnten mehr oder weniger zufrieden sein, Bundestrainer Julian Nagelsmann war es auch. Vor allem wird ihm das Pressing der Angriffsspieler gefallen haben, die oft Bälle am gegnerischen Strafraum zurück eroberten. Es gab viele Wechsel, die aber den Spielfluss gar nicht so stark lähmten. Ein Joker hat sich dabei in den Vordergrund gespielt: Der 21-jährige Maximilian Beier von der TSG Hoffenheim brachte sich mit einem forschen Auftritt ins Gespräch und macht es Nagelsmann noch schwerer, zu entscheiden, wer zu Hause bleiben muss.

Diese Entscheidung muss am Freitag fallen, 27 EM-Kandidaten sind im Trainingslager, 26 dürfen mitfahren, den letzten Test gibt es an diesem Nominierungstag in Mönchengladbach gegen Griechenland. Dann werden die Finalisten dabei sein und vielleicht der zuletzt drei Spiele gesperrte Leroy Sané, wenn er ganz fit ist. Gesund sollte er allerdings sein, damit eine EM-Nominierung kein Risiko darstellt. Ärger kann Nagelsmann nicht gebrauchen, hat ihn aber und zwar durch die Medien. Der WDR suchte offenbar Aufmerksamkeit mit einer Umfrage u. a. mit der seltsamen Formulierung „ich fände es besser, wenn wieder mehr weiße Spieler in der deutschen Nationalmannschaft spielen“. 21 Prozent antworteten mit „Ja“. Nagelsmann und Spieler nannten das kontraproduktiv und rassistisch, verbanden das mit einem Plädoyer für Völkerverständigung und die verbindende Kraft des Sports – und lagen damit richtig. Zur Erinnerung: Vor den letzten – missglückten – Turnieren hatte es jeweils politische Störfeuer dieser Art gegeben. Irgendjemand will immer die aufkommende EM-Euphorie bremsen. Die Spieler müssen jetzt noch mehr Gas geben!

Andere sind besser – und immer gewinnt Real Madrid

Die Champions League ist der Wettbewerb, der quasi Real Madrid gehört. Das musste jetzt auch Borussia Dortmund erfahren, das im Finale im Wembley Stadion von London über weite Strecken die bessere Mannschaft war, bei Halbzeit hätte gut und gern mit 2:0 führen müssen, aber die Tore nicht machte und am Ende mit diesem 0;2 verlor und zuschauen musste, wie wieder einmal die Spieler von Real Madrid den Henkelpott in die Höhe hielten. Real holte den 15. Titel, erstmals 1956, als es noch der Europapokal der Landesmeister war. Der AC Mailand folgt mit 7 Titeln mit großem Abstand, dahinter liegt Bayern München mit 6 (1974, 1975, 1976, 2001, 2013, 2020) gleichauf mit dem FC Liverpool. Der Weg der Spanier zum Pokalgewinn war bezeichnend, egal ob im Viertelfinale Manchester City, im Halbfinale Bayern München oder im schließlich im Finale Dortmund, die Gegner waren besser, aber am Ende gewann eben Real. Leider auch durch Fehler der Schiedsrichter, da fragt man sich schon, was ist da los? Selbst RB Leipzig war im Achtelfinale nur knapp mit 0:1 und 1:1 unterlegen. Aber wie heißt es schön „immer Glück ist auch Können“, was Hermann Gerland einst auf Bayern München münzte und auch zu Real passt. So ganz nebenbei beteiligte sich auch Trainer Carlo Ancelotti mit dem 5. Titel an der Rekordjagd, der zum dritten Mal mit Real gewann und zweimal mit dem AC Mailand. Auch Zinedine Zidane gewann dreimal mit Real, Pep Guardiola dreimal mit Barcelona und Manchester City.

Borussia Dortmund konnte also seine seltsame Saison nicht krönen, so wie es die Fans optisch gewollt hätten. Die größte Aufgabe für den Verein und Trainer Edin Terzic wird es sein, der Mannschaft zu mehr Konstanz zu verhelfen. Was die Borussia leisten kann, zeigte sie in der Champions League, in der Bundesliga gab es zu viele Aussetzer, was schließlich nur zu Rang fünf führte, aber durch die Neuordnung der Champions League dennoch für einen Platz in der Königsklasse reichte. Künftig wird es keine acht Gruppen mit vier Teams geben, sondern nur zwei mit je 18 Mannschaften, dafür wird das Feld auf 36 Vereine erweitert. Es gibt praktisch einen Ligen-Spielbetrieb, die Champions League präsentiert sich als Super League, die Real Madrid und der FC Barcelona so gern einführen wollen. Wird es für Real in der CL vielleicht zu langweilig?

EM als Olympia-Test

Die Leichtathletik kennt gleich zwei Saisonhöhepunkte. Von Freitag an bis zum 12. Juni gibt es in Rom die Europameisterschaft quasi als Test für die Olympischen Spiele ab 26. Juli in Paris. 114 Sportlerinnen und Sportler hat der Deutsche Leichtathletik-Verband für Rom nominiert, wird aber kaum auf ein ähnliches gutes Abschneiden wie vor zwei Jahren in München hoffen können. Damals war die EM 50 Jahre nach Olympia in München ein großes Happening, das für Begeisterung sorgte. Sprinterin Gina Lückenkemper, Speerwerfer Julian Weber und Zehnkämpfer Niklas Kaul wollen ihre Titel verteidiger, Marathon-Sieger Richard Ringer tritt im Halbmarathon an, Langstrecklerin Konstanze Klosterhalfen musste gesundheitlich angeschlagen absagen. Zu den großen Hoffnungen zählt noch Weitspringerin Malaika Mihambo, während Zehnkampfrekordhalter Leo Neugebauer bei den US-College-Meisterschaften startet. Interessant wird es sein, zu sehen, ob sich die deutschen Athletinnen und Athleten auch für Olympia Hoffnung machen können und ob Rom, als Traditionsort für die Leichtathletik, eine ähnliche Stimmung wie in München zu Wege bringt. Die deutschen Fernsehsender ARD und ZDF testen auch schon für Olympia und berichten ausführlich. Ein paar Tage lang läuft die Leichtathletik dem Fußball den Rang ab.