Plötzlich macht die Formel 1 wieder Spaß
Langeweile war zuletzt Trumpf in der Formel 1, doch diese müden Zeiten scheinen vorbei zu sein. Jahrelang beherrschte Mercedes die Szenerie und Lewis Hamilton sackte Titel in Serie ein, die letzten Jahre gab Red Bull den Ton an mit Max Verstappen am Steuer und fuhr vorneweg. Die Konkurrenz sah nur noch die Rücklichter und haderte. Immer wieder einmal gab es Hoffnung, doch ob Ferrari, Mercedes oder McLaren, dauerhafte Konkurrenz erwuchs nicht. Doch mit einem Schlag ist alles anders. Die Konkurrenz hat hart gearbeitet, den Weg zu mehr Schnelligkeit wohl gefunden und bei Red Bull läuft auf einmal nicht alles rund. Max Verstappen führt zwar immer noch komfortabel die WM-Wertung an, aber die Rennen sind interessant, genau zur Halbzeit, nach 12 von 24 Rennen, macht die Formel 1 plötzlich wieder Spaß.
Vor allem für Mercedes und Lewis Hamilton endete eine Leidenszeit. 945 Tage musste der Engländer warten, ausgerechnet in Silverstone, in der Heimat, endete für den 39-Jährigen die Durststrecke seit November 2021. Da flossen selbst bei dem abgebrühten Piloten die Tränen, denn es war quasi ein Abschiedsgeschenk an seinen alten Rennstall, zu dem er bereits mit 13 Jahren kam. Es ist seine letzten Saison für Mercedes, für 2025 hat er bei Ferrari unterschrieben. Ob er das jetzt bereut? Mercedes ist wieder vorn dabei, McLaren auch, aber die Italiener haben sinnbildlich im Moment nicht das schnelle Pferd, sondern lahmen.
Die Jagd auf Red Bull und Max Verstappen ist aber eröffnet. Im Rennen zuvor, leistete sich der Holländer mit seinem Freund und Konkurrenten Lando Norris ein Scharmützel, es krachte, Norris flog raus, Verstappen erhielt eine Strafe und George Russell siegte mit Mercedes. Es war das erste Ende einer Durststrecke. Mit Mercedes ist also wieder zu rechnen, mit McLaren auch, geht es nach dem früheren Weltmeister Mika Häkkinen, so gehört ihnen die Zukunft: „McLaren kann eine Ära prägen,“ orakelt der Finne und urteilt, „Norris und Piastri sind das talentierste Fahrer-Duo der Formel 1“.
Überhaupt tut sich ja einiges in der Formel 1 und das Interesse steigt zwangsläufig. So folgt 2026 ein neues technische Reglement und es ist der Zeitpunkt, wo auch Audi einsteigt und für noch mehr Konkurrenz sorgen will. Zahlreiche Fahrerwechsel stehen bevor, Hamilton hat das Karussell in Gang gebracht, Carlos Sainz muss bei Ferrari gehen, kann sich aber die neue Heimat aussuchen, vier Teams sind im Gespräch. Darunter Mercedes, dass noch schwankt, ob das Cockpit dem Routinier gehören soll, oder ob das 17-jährige Talent Kimi Antonelli die Chance bekommen soll. Einem Max Verstappen hatte man diesen frühen Einstieg nicht zugetraut. Jetzt ist er der Dominator, könnte aber bald dennoch bei Mercedes landen. Eine neue Heimat hat auch Nico Hülkenberg, der einzige Deutsche in der Formel 1, der künftig für Sauber fahren wird, im Vorgriff auf den Einstieg von Audi. Dagegen steht Mick Schumacher nur auf der Warteliste. Er ist immer im Gespräch, aber die Aussichten sind dennoch nicht rosig. Im Gespräch ist auch wieder Flavio Briatore, der umstrittene Lebemann und Formel-1-Kenner, soll Renault nach vorne bringen, die Alpine schwächeln, aber Renault-Boss Luca de Meo ist ehrgeizig und will nach oben.
Man sieht, von Langeweile keine Spur und das sollte in nächste Zeit so bleiben, selbst wenn es nicht unbedingt um den Titelgewinn geht, denn von Platz 1 wird sich Max Verstappen (255 Punkte) bei 84 Zählern Vorsprung vor Norris (171, 3. Leclerc 150) nicht mehr verdrängen lassen. Der Kampf um Sieg und Plätze scheint aber wieder interessant zu sein. Eigentlich schade, dass nach den nächsten zwei Rennen in Budapest und Spa die vierwöchige Sommerpause ansteht. Hauptsache nach dieser Ruhephase gibt es keinen Rückschlag zu früherer Langeweile…