Fußball im Aufwind mit Jubiläum der 2. Bundesliga

Die Euphorie rund um die Europameisterschaft in Deutschland kann ebenso als Beleg dienen, wie die nackten Zahlen, die der DFB kürzlich für seine Bundesligen veröffentlicht hat: Der Fußball befindet sich im Aufwind und dazu passend feiert die 2. Bundesliga ein Jubiläum. Natürlich bleibt das Oberhaus der Publikumsmagnet, doch das Unterhaus muss sich nicht verstecken. Beide Ligen zusammen mobilisierten in der letzten Saison etwas über 20 Millionen Fans, neuer Rekord und fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Die Bundesliga ist mit 38977 Zuschauern im Schnitt die Nummer 1 Europa noch vor der Premier League, die 2. Bundesliga ist bei einem Schnitt von 28796 Zuschauern sogar die attraktivste zweite Liga der Welt, die Steigerung betrug sagenhafte 30 Prozent, dank der Absteiger mit großen Namen und vielen Fans – Hertha BSC Berlin und Schalke 04. Da gibt es also etwas zu feiern, zum Beispiel ein Jubiläum, die 2. Bundesliga wird 50 Jahre.

In der Bundesliga geht die Angst um, dass immer mehr Attraktivität verloren geht, umgekehrt freut sich die zweite Liga über die prominenten Namen. Neun Gründungsmitglieder der Bundesliga spielen heute eine Klasse tiefer: Köln, HSV, Karlsruhe, Hertha BSC, Nürnberg, Schalke, Kaiserslautern, Braunschweig und Münster. Dies hat Einfluss auf die Zuschauerentwicklung, im letzten Jahr befanden sich die BL-Aufsteiger Heidenheim (15000 im Schnitt) und Darmstadt (18000) am Ende der Zuschauertabelle. Schalke war dagegen in der 2. BL Zuschauerkrösus mit 61000 vor dem HSV (56000) und Hertha (50000). Die Klubs blieben zu ihrem Leidwesen dem Unterhaus erhalten, St. Pauli (29000) und Holstein Kiel (14000) stiegen hingegen auf. Beide sind keine Publikumsmagneten, der Zuschauerschnitt in der Bundesliga wird nicht steigen und beide Aufsteiger werden gleich wieder als erste Abstiegskandidaten gehandelt.

In die neue Saison startet fast traditionell mit der 2. Bundesliga als Erste. Um die Attraktivität deutlich zu machen, geht es mit einem Duell von zwei Traditionsvereinen am Freitag (20.30 Uhr) los: Absteiger 1. FC Köln erwartet den Hamburger SV. Beide Klubs gehören zum Kreis derer, von denen es heißt „zum Aufstieg verdammt“, nämlich zum Kreis der Traditionsvereine, die vom Namen her ins Oberhaus gehören (siehe oben) .Allerdings waren sie in der letzten Saison kaum Aufstiegsanwärter. Gerade der HSV mischte bis zum Schluss vorne mit, wurde am Ende aber nur Vierter, Hertha landete als Neunter vor Schalke und Nürnberg zitterte fast bis zuletzt um den Klassenerhalt, wurde immerhin noch Zwölfter.

Die Traditionsklubs starten mit großen Hoffnungen, aber auch mit Sorgen in die neue Saison. Der 1. FC Köln hofft auf die Statistik, denn 30 Prozent der Absteiger schaffen den sofortigen Wiederaufstieg, von 156 Absteigern waren das in der Geschichte der Bundesliga immerhin 47. Wer diese Chance nicht nutzt, kann auch in der zweiten Liga verschwinden. Der einstige Bundesliga-Dino HSV wird inzwischen auch in der 2. Liga als Dino bezeichnet! Die Sorgen sind unterschiedlich, Köln leidet unter der Transfersperre, der HSV und Hertha plagen sich mit Verletzungsproblemen herum, Schalke hat finanzielle Sorgen und verjüngt das Team. Ein Sonderfall ist der 1. FC Nürnberg, dem die Schlagzeilen mit dem neuen Trainer Miroslav Klose gehören, der Weltmeister wird auf seiner zweiten Cheftrainerstation zum Anreiz für neue Spieler, so verstärkt Robin Knoche, der ablösefrei von Union Berlin kam, mit seiner Erfahrung von 306 Bundesligaspielen die Abwehr. Apropos Trainer, da steht Steffen Baumgart ein besonderes Spiel bevor, er gastiert mit dem HSV, den er in die Bundesliga führen soll, bei seinem alten Verein Köln, bei dem er dieses Kunststück schaffte, am Ende aber doch zu wenig Erfolge erzielte und vorzeitig gehen musste. Die Fans lieben ihn allerdings noch immer, mal sehen, wie sie ihn am Freitag empfangen. Zwei Spieltage hat die zweite Liga ihr Alleinstellungsmerkmal im Profi-Fußball, ehe es die Pokalpause gibt und am 23. August die Bundesliga startet. Allerdings steht der Fußball derzeit auch in Konkurrenz zu Olympia.

Der erste Spieltag: Freitag (20.30 Uhr): Köln – Hamburg. Samstag (13 Uhr): Karlsruhe – Nürnberg, Hannover – Regensburg (Aufsteiger), Hertha BSC – Paderborn, Magdeburg – Elversberg. 20.30 Uhr: Schalke – Braunschweig. Sonntag (13.30 Uhr): Darmstadt – Düsseldorf, Fürth – Münster (Aufsteiger), Ulm(Aufsteiger) – Kaiserslautern.

Guter Olympia-Start der Mannschaften

Mit einer spektakulären, teils auch seltsamen Eröffnungsshow begannen am Freitag die Olympischen Sommerspiele in Paris. Es war keine Eröffnungsfeier für die Sportler, sondern wirklich eine exzentrische, gewöhnungsbedürftige Show, mit der Thomas Jolly, ein französischer Theaterregisseur, die Geschichte Frankreichs aufarbeiten wollte. Die Sportler spielten mehr eine Nebenrolle, tuckerten auf ihren Schiffen die Seine entlang, die Aufmerksamkeit galt leher den Stars des Showgeschäfts wie Lady Gaga, Juliette Armanet, Rapperin Aya Nakamura und als Höhepunkt Celine Dion, die trotz Erkrankung zum Abschluss vom Balkon des Eiffelturms sang und alle begeisterte. Beeinträchtigt wurde die farbenfrohe Show, die witzig als „Seine-sationell“ oder als „bunt, überbordend und wohltuend mutig“ bezeichnet wurde, durch einen Anschlag auf das Schienennetz Frankreichs einen Tag vor dem Olympia-Start sowie Sturm und Regen während der Eröffnungsfeier. Berührend, als die Sportstars Carl Lewis, Rafa Nadal, Serena Williams und Nadia Comaneci die Flamme auf einem Boot zu ihrem Endpunkt brachten. Dort wurde das Olympische Feuer von den französischen Sportstars Marie-José Perec (Leichtathletik) und Teddy Riner (Judo) entzündet und schwebt bei Nacht an einem Ballon über Paris.

Nun beherrscht der Sport die Szenerie, die deutsche Mannschaft kam ein bisschen träge aus den Startlöchern, für die einzige Medaille am Wochenende (immerhin Gold), sorgte Lukas Märtens mit seinem Sieg über 400 m Kraul. Das erste Gold der Schwimmer seit Michael Groß vor 36 Jahren. Dagegen feierten die Mannschaften weitgehend einen guten Start. Die Fußball-Frauen zeigten mit einem 3:0-Sieg gegen Australien wo es lang gehen soll, die Handballer mit einem überraschenden 30:27-Erfolg über Angstgegner Schweden zogen nach und die Basketballer waren trotz der Teilnahme an der Eröffnungsfeier am Tag darauf in Lille hellwach 97:77 über Japan. Die Asiaten waren zum Start der beliebteste Gegner, die Handballer landeten am Montag den zweiten Sieg, den Volleyballern gelang mit 3:2 eine Überraschung. Die Hockey-Herren starteten mit einem 8:2 über Spanien.

So wird es aber nicht weitergehen, die starken Gegner kommen zum Teil erst noch. Das mussten die Fußball-Frauen am Sonntag gegen die USA erleben, als sie mit 1:4 unterlagen. Bedenklich dabei die Schwächen in der Defensive, auch Torhüterin Berger war nicht auf dem Posten. Nachdem Australien in einem irren Spiel Sambia nach 2:5-Rückstand mit 6:5 schlagen konnte, steht für die Frauen am Mittwoch (19 Uhr) gegen Sambia (vorher 0:3 gegen USA) ein Endspiel bevor. Nur ein Sieg garantiert Platz zwei zum Weiterkommen ohne Probleme. Bei Platz drei muss gezittert werden, nur zwei von vier Dritten kommen weiter. Sambia hat ähnlich wie Deutschland seine Stärken in der Offensive, die Torflut gegen Australien bewies andererseits die Schwächen in der Abwehr. Das könnte ja wieder ein Offensivspektakel werden.

Obwohl laufend Medaillen gewonnen werden, ist nicht alles Gold in Paris. So klagen die Sportler über mangelhaften Transport, die Busse kommen gar nicht oder sind unpünktlich und manche Fahrer kennen ihre Route nicht. Auch das Essen im Olympischen Dorf bedarf einer Verbesserung, von wegen „Essen wie Gott in Frankreich“. Außerdem ärgern lange Warteschlangen an der Essensausgabe. Unter der Eröffnungsshow mit vielen Schiffen litt offensichtlich auch die Seine, denn der Fluss ist wieder verschmutzt, die Triathleten mussten deshalb zweimal ihr Training absagen.

In Deutschland ist das Interesse an Olympia groß, die Eröffnungsfeier sahen bei der ARD zehn Millionen Menschen, die Schwimmwettbewerbe am Abend waren mit rund sechs Millionen an jedem Abend die beliebteste Sendung. Selbst an den Vor- und Nachmittagen interessierten sich rund vier Millionen Fans für Olympia an den Bildschirmen. Sie wollen aber auch Erfolge sehen, damit das Zuschauen mehr Spaß macht.