Ohne Titel herrscht bei den Bayern Chaos

Der FC Hollywood liefert wieder ein turbulentes Sommertheater. In einem Jahr ohne Titel herrscht Chaos, die Rückkehr zum Erfolg ist vor allem von Diskussionen begleitet. Aber man kennt dies ja vom FC Bayern München aus früheren Zeiten, nach elf ziemlich erfolgreichen Jahren hintereinander ist es fast in Vergessenheit geraten, aber jetzt lebt er wieder, der FC Hollywood und die Medien freuen sich, kein Verein liefert so viele Schlagzeilen. Vielleicht ist es ein Rezept: Unruhe im Sommer, damit während der Saison Ruhe herrscht.

Für Unruhe sorgt vor allem auch Vereinspatron Uli Hoeneß, der den Medien immer wieder Futter liefert und damit für Verunsicherung sorgt. Zuletzt stoppte er öffentlich alle Kaufwünsche für neue Spieler und beschied, „wir haben keinen Geldscheißer“. Warum hat er dann nicht früher auf das Geld geachtet? Die derzeitige sportliche Leitung mit Max Eberl und Christoph Freund leidet nämlich unter den Fehlern ihrer Vorgänger. Die Ära Hasan Salihamidzic war ja durchaus erfolgreich, aber er und der damalige Chef Oliver Kahn haben das Geld mit vollen Händen ausgegeben. Der begehrte Spieler musste kommen, koste es, was er wolle. Jetzt sitzen Eberl und Freund auf teuren Spielern, die gehen sollen, aber nicht wollen und fast unverkäuflich sind, weil niemand anders die horrenden Gehälter bezahlen will. Angeblich verdienen mindestens sieben Bayern-Profis pro Saison rund 17 Millionen Euro. Mit der entsprechenden Leistung haben sie meist nicht zurückgezahlt.

Das ist das Bayern-Problem, das nun zum Chaos führt. Wochenlang werden unzählige Namen gehandelt, der soll gehen, der muss gehen, der will nicht gehen. Die Schlagzeilen gehen den Medien nicht aus, bei keinem Bundesligisten ist mehr Unruhe. Tatsache ist, dass sich Eberl und Freund über erste schnelle Erfolge für Verstärkungen freuen. Erster war der Japaner Ito (Stuttgart), der jetzt allerdings verletzt ausfällt. Wichtigster Zugang dürfte Joao Palhinha (FC Fulham) sein, die berühmte „Holding Six“, den schon Thomas Tuchel wollte, der neue Trainer Vincent Kompany war gleicher Meinung. Der Portugiese war der beste Balleroberer der Europameisterschaft, kassierte dafür aber auch die meisten Gelben Karten. Schwung in den Angriff soll Michael Olise (Crystal Palace) bringen, der jetzt für Frankreich bei Olympia zaubert. Dazu wurde Josip Stanisic von Bayer Leverkusen zurückgeholt, einige Talente dürfen zudem aufrücken. Aber derzeit gibt es einen großen Kader, für den Uli Hoeneß einen „Gelenkbus bestellen muss für den Transport“. Das Problem: Einnahmen von 12,5 Millionen Euro stehen Ausgaben von 125 Millionen bei den Spielerwechseln gegenüber.

Die Einkäufe klappten, die Verkäufe nicht. Verliehene Spieler konnten verkauft werden, bei Choupo-Moting und Sarr lief der Vertrag aus. Auf der Verkaufsliste ganz oben stehen zunächst Matthijs de Ligt und Noussair Mazraoui, für beide soll Manchester United Interesse zeigen. Einen Markt sollte es auch für Kingsley Coman geben, der nie die große Verstärkung war und den jetzt der junge Olise ersetzen soll. Paris St. Germain zeigt angeblich Interesse. Es müssen ja Vereine mit dem nötigen Kleingeld sein. Es heißt, der zweite Flügelflitzer Serge Gnabry könne auch weg, doch der will nicht, verweist auf seinen Vertrag bis 2025. Leon Goretzka ist im Mittelfeld überzählig (da bekommt eher Talent Pavlovic den Vorzug), aber er macht Anschalten, lieber den Vertrag bis 2027 auszusitzen und zu kassieren. Anders sind die Fälle Leroy Sané und Joshua Kimmich gelagert, deren Verträge 2025 auslaufen und die nicht ablösefrei gehen sollen. Da zeichnet sich trotz aller anderen Meldungen eher eine Vertragsverlängerung ab, was die richtige Lösung für Verein und Spieler wäre. Beide könnten künftige Gesichter des FC Bayern werden.

Auch ohne Geldscheißer sind weitere Verstärkungen nicht ausgeschlossen. „Wir haben ja noch einen Monat Zeit,“ betont CEO Jan-Christian Dreesen, „es wird noch etwas passieren“. Xavi Simons wird es nicht, dafür hat man Sané, er will wohl in Leipzig bleiben. Anders sieht es bei Jonathan Tah aus, der die Abwehr verstärken soll, eine Annäherung zwischen Ablösevorstellungen von Bayer Leverkusen und Angebot aus München soll es geben. Hoch gehandelt wird zudem das 19-jährige französische Mittelfeldtalent Desiré Doué von Stade Rennes, ein Mann für die Zukunft, nur zahlen muss Bayern jetzt.

Unabhängig von den Bemühungen der Abteilung An- und Verkauf muss das neue Trainerteam die neue Saison vorbereiten und diese Aufgabe ist schwierig genug, weil wegen der EM und Olympia viele Spieler verspätet eingreifen. Talente füllen den Kader auf, das klappt nicht immer, wie das 1:1 beim Viertligisten Düren zeigt. Fast eine Blamage für die Bayern, die sich derzeit auf PR-Tour in Südkorea befinden. Der Tross legt 17000 Kilometer zurück für eine Reisezeit von genau 109,5 Stunden. Bester Botschafter ist natürlich Min-Jae Kim in seiner Heimat, mit dabei sind auch die EM-Fahrer Müller, Kimmich, Musiala und Neuer. Sané befindet sich noch in der Reha, es fehlen Kane, de Ligt, Upamecano und Coman, die bei der EM länger beschäftigt waren. Das einzige Testspiel gibt es am Samstag (13.00 Uhr MESZ/RTL) gegen die Tottenham Hotspurs. Am Montag um 6.00 Uhr soll der Flieger wieder in München landen.

Derzeit gibt es zudem weitere Unruhe in der Heimat. Hatten die Bayern in den letzten Wochen mit vielen positiven Meldungen und hoffnungsvollen Talente für ihren Campus geworben, so steht der Talentschuppen plötzlich negativ in den Schlagzeilen. Der sportlicher Leiter Halil Altintop will den Campus zum 1. September verlassen, in Sachen Zukunft gebe es mit Campuschef Jochen Sauer zu unterschiedliche Auffassungen. Altintop wird allerdings von vielen im Verein geschätzt, andererseits soll ein Nachfolger bereits Gewehr bei Fuß stehen, der frühere Bundesliga-Trainer Markus Weinzierl (u. a. Augsburg, Stuttgart). Der 49-jährige ist allerdings in der Talenteausbildung unerfahren, seine Fürsprecher sollen vor allem Max Eberl und Uli Hoeneß sein. Da liegt eine Verpflichtung nahe. Offen bleibt jedoch, ob der FC Bayern München vor einer so guten Zukunft steht, wie er sich das vorstellt und seine Fans wünschen. Allerdings: Die Zeiten des FC Hollywood schlossen den Erfolg nicht aus. Leistungsfördernde Unruhe also!