Die goldigen Tage von Paris
Das passte doch wie die Faust aufs Auge, gerade machte sich der Sport-Grantler Gedanken über seinen Blog, da ploppte eine goldige Nachricht auf: Sensationssieg der deutschen Triathlon-Staffel! Natürlich ist in Frankreich nicht alles Gold was glänzt, aber die Sportlerinnen und Sportler schenken uns doch goldige Tage in Paris und diese überdecken die Enttäuschungen. Zehnkämpfer Leo Neugebauer hat zwar von Gold geträumt, dann Silber gewonnen und nach der ersten Enttäuschung kann sich der gebürtige Görlitzer auch über den zweiten Platz freuen. Warum auch nicht, so soll es sein. Die Athleten selbst klagen, „es zählt immer nur der erste Platz, die Leistung als solche wird nicht anerkannt.“ Seinen Traum erfüllt hat sich Ruderer Oliver Zeidler und gleichzeitig sein Trauma damit überwunden. Denn bei Olympia wollte es für den Weltmeister bisher nicht klappen. Endlich hat er Gold, so wie sein Opa und sein Vater. Welch goldige Familie.
Goldig sind vor allem die Reiter, der starke Michael Jung gewann den Vielseitigkeitswettbewerb und damit sein viertes Gold. Als Goldgrube gilt das Dressurreiten, die Siegesserie der deutschen Mannschaft riss zum Glück nicht ab. Jessica von Bredow-Werndl mit Dalera und Isabell Werth mit Wendy wurden zu den Königinnen von Versailles, Frederic Wandres half in der Mannschaft. Dazu gibt es besondere Anmerkungen: Bredow-Werndl wiederholte ihren Doppelsieg von vor drei Jahren in Tokio, Isabell Werth wurde mit Gold und Silber zum erfolgreichsten Olympia-Teilnehmer Deutschlands aller Zeiten. Mit achtmal Gold und sechsmal Silber überholte sie die Kanutin Birgit Fischer, die bisher mit achtmal Gold und viermal Silber den Rekord hielt. Die beiden Damen wollen sich bald auf einen Trink treffen. Bemerkenswert: Immer, wenn Isabell Werth antrat, gewann sie eine Medaille! Die 55-jährige dachte schon über einen Abschied nach, doch mit dem jungen Wendy hat sie ein Pferd für die Zukunft und hat nun Olympia 2028 in Los Angeles im Visier. Anders sieht es bei Bredow-Werndl aus, da geht Dalera in den Ruhestand und so sucht die Bayerin einen neuen Kameraden für Siege.
Die Triathleten holten die sechste Goldmedaille, zehn waren es in Tokio, es sollten also noch einige dazukommen, die Leichtathleten haben ja gerade erst mit ihren Wettbewerben begonnen, gelten aber nicht als Goldgrube, anders der Hallenradsport, da gibt es große Hoffnungen. Erfolgreich sind bisher auch die Mannschaften, Hockey-Männer, Handballer und Basketballer wurden jeweils Gruppensieger und gehen also mit einem guten Gefühl in die Viertelfinals. Besonders spannend machten es die Fußball-Frauen gegen Titelverteidiger Kanada, da wurde im Viertelfinale Torhüterin Ann-Katrin Berger zur Heldin: Sie hielt nach dem 0:0 nach Verlängerung im Elfmeterschießen gleich zwei Elfmeter und verwandelte den entscheidenden für Deutschland selbst. Wer zwei Krebserkrankungen überstanden hat, den macht offensichtlich nichts mehr nervös. Nun wartet allerdings am Dienstag der große Favorit USA, der im Gruppen-Duell mit 4:1 siegte. Komischer Spielplan, dass sich in beiden Halbfinals jeweils Gruppengegner gegenüberstehen, das zweite heißt Spanien – Brasilien. Deutschland braucht also noch einen Sieg zur ersehnten Medaille, denn auch Platz drei (Bronze) wird ausgespielt.
Besonders goldig sind die Zeiten in Paris, wenn Träume in Erfüllung gehen. Für besondere Emotionen ist der serbische Tennisstar Novak Djokovic nicht bekannt, als er aber seinen jungen spanischen Rivalen Carlos Alvaraz, gegen den er in Wimbledon noch unterlegen war, in einem spannenden Match mit 7:6, 7:6 besiegt hatte, da brachen bei ihm alle Dämme. Tränenüberströmt feierte er mit seiner Familie, sein Traum, neben allen Grand Slams auch noch Olympia zu gewinnen, war in Erfüllung gegangen. Andere Tränen gab es, weil Paris gleichzeitig das Ende der Karriere bedeutete. Dies ist für die Beachvolleyballerin Laura Ludwig ebenso der Fall wie für die einstige Nummer 1 der Welt im Tennis, Angelique Kerber. Beide wollen sich künftig vor allem ihren Aufgaben als Mütter widmen, der deutsche Sport verliert damit großen Sportlerinnen.
Keineswegs goldig schaut es in der Organisation und beim IOC aus. Da werden Probleme kleingeredet und mit dem Gag vom Schwimmen in der Seine haben die Organisatoren ein Eigentor geschossen, mal geht es nicht, mal geht es, komischerweise genau zu den Wettbewerben. Ist die Seine sauber. Wirklich? Büßen müssen die Athleten, es gab schon Infektionen. Blamiert hat sich das IOC, weil es keine vernünftige Regelung im Frauen-Boxen gefunden hat. Wer zu hohe Testeronwerte hat, sollte nicht antreten dürfen, gerade in einer Kampfsportart ergeben sich dadurch Vorteile, das männliche Hormon macht stark. Imane Khelif als Algerien und Lin Yu-Ting stehen jetzt am Pranger, werden schief angeschaut und über ihre möglichen Medaillen (Khelif hat eine sicher) nicht so recht froh. Probleme, gleich welcher Art, sind nie goldig…
Die Bundesliga reist, die zweite Liga spielt
Der erste Spieltag einer neuen Saison soll immer erste Erkenntnisse bringen, so war es auch beim Start der 2. Bundesliga. Aufatmen vor allem in Hamburg, denn der HSV gewann das Schlagerspiel in Köln mit 2:1, ein Zeichen? Der FC ist dagegen schon in Zugzwang. Von den Favoriten hat sich Schalke mit einem 5:1 gegen Braunschweig an die Spitze geballert, auch Düsseldorf konnte mit einem 2:0 in Darmstadt Ansprüche anmelden. Beide Bundesliga-Absteiger mussten eine Klasse tiefer Lehrgeld bezahlen. Das gilt auch für beide Aufsteiger, Ulm (1:2 gegen Kaiserslautern) und Regensburg (0:2 in Hannover) begannen mit Niederlagen. Nicht gefallen hat der Start auch Hertha BSC Berlin, das 1:2 gegen Paderborn verschafft dem neuen Trainer Christian Fiel gleich einen Rucksack. Am Samstag geht es zum HSV! „Mann des Tages“ war der Georgier Budu Zivzivadze, der für den Karlsruher SC drei Tore erzielte und damit den 1. FC Nürnberg abschoss, der schon 2:0 geführt hatte. Da merkte Weltmeister Miro Klose als FCN-Trainer gleich, dass die Luft in der zweiten Liga rau ist.
Die zweite Liga kämpft um Punkte, die Bundesliga ließ sich noch den Duft der weiten Welt um die Nase wehen. Stuttgart, München, Leipzig, Dortmund, Frankfurt und Augsburg waren nicht nur für ihren Klub, sondern auch für die Bundesliga unterwegs. Besondere Erlebnisse einschließlich Safari gab es für die FCA-Spieler in Südafrika, besonders erfolgreich waren die Bayern in Südkorea unterwegs. Der Kurztrip nach Asien wurde vom Verein als erfolgreichste Reise aller Zeiten bezeichnet. Dazu passte auch ein 2:1-Erfolg über Tottenham Hotspur im einzigen Spiel. Auch ohne einige Stars zeigte die Mannschaft schon erfolgreiche Ansätze des Konzepts vom neuen Trainer Vincent Kompany. Besonders glücklich war der Koreaner Kim in seiner Heimat, von den Fans am meisten gefeiert wurde allerdings der alte Haudegen Thomas Müller. (Mehr über die Bayern im nächsten Blog „Ohne Titel herrscht bei den Bayern Chaos“)
Die Bayern mussten aber auch eine Niederlage hinnehmen, Xavi will weiter bei RP Leipzig spielen und hat den Münchner endgültig eine Absage erteilt, er wird von Paris ohne Kaufoption weiter ausgeliehen. Unruhe herrscht vor allem in Dortmund, bei der Borussia hat sich Torjäger Niclas Füllkrug verabschiedet, er sah sich durch die Kauf von Stuttgarts Torjäger Guirassy brüskiert und heuerte in England bei West Ham United an. Damit keine Lücke entsteht, soll dafür Maxi Beier aus Hoffenheim kommen. Schnell ging der Wechsel von Yan Couto über die Bühne, der Brasilianer wird von Manchester City für ein Jahr ausgeliehen mit Kaufpflicht und Anschlussvertrag über vier Jahre. Der Rechtsverteidiger spielte zuletzt beim FC Girona in Spanien. Ärger gibt es um den Techn. Direktor und Kaderplaner Sven Mislintat, er soll Kompetenzen überschritten haben.
Manchmal muss man weder spielen noch reisen, um erfolgreich zu sein. Die Wahl zum Spieler und Trainer des Jahres von den deutschen Sportjournalisten ist ein Sache nebenbei, aber bedeutend. Der Sieg bei der Wahl bedeutet für Toni Kroos praktisch Gold und einen glänzenden Abschluss seiner Karriere. Der Real-Star gewann recht knapp mit 285 Stimmen vor Florian Wirtz (245), deutlich dahinter der Leverkusener Kollege Granit Xhaka (66) und dann erst mit Jamal Musiala (28) und Harry Kane (24) zwei Bayern. Für Kroos war es der zweite Erfolg nach 2018. Titelverteidiger Ilkay Gündogan landete diesmal nicht im Vorderfeld. Auffällig aber, dass zuletzt zwei deutsche Spieler gewählt wurden, die im Ausland ihr Geld verdienen. Vorher siegten mit Nkunku (Frankreich) und Lewandowski (Polen) zwei Bundesliga-Ausländer.
Bei der Wahl zum Trainer des Jahres gab es wohl keine Zweifel, an Meister-Coach von Bayer Leverkusen, Xabi Alonso, kam niemand vorbei. Der Spanier siegte mit 503 Stimmen klar vor Sebastian Hoeneß (74), der den VfB Stuttgart zur Vizemeisterschaft führte und Frank Schmidt (55), Trainer vom Überraschungsteam 1. FC Heidenheim. Alonso sieht sich jetzt in der Pflicht, mit der Mannschaft weitere Erfolge zu erzielen, will vor allem in der Champions League bestehen und fordert, „wir müssen besser werden“. Klaus Toppmöller war 2008 der letzte Bayer-Coach, der Trainer des Jahres wurde.