Jetzt übernimmt der Fußball wieder das Kommando

Die Olympischen Sommerspiele von Paris sind Vergangenheit, zwar richten die Olympioniken ihre Augen schon auf Los Angeles 2028, aber davor kommen noch die Winterspiele 2026 in Mailand/Cortina d’Ampezzo und zunächst übernimmt der Fußball wieder das Kommando. Selbst FIFA-Präsident Gianni Infantino muss allerdings erkannt haben, vor allem als er im Regen der Eröffnungsfeier saß und sichtlich verärgert war, dass der Fußball so eine Show, wie sie in Paris über die Bühne ging, nie bieten kann. Nehmen wir nur die WM in Katar 2022 als Gegensatz. Paris erlebte grandiose Spiele, aber davon später mehr.

Der Fußball verschwand logischerweise nie aus den Schlagzeilen, dazu hat er zu viele Fans und sind die Spielerwechsel vor der neuen Saison zu interessant. Jetzt geht es endgültig mit der neuen Saison wieder richtig los. Die Top-Ligen in Spanien, Italien und England starten ihre Punktrunden, am 23. August zieht die Bundesliga mit der Partie Gladbach gegen Meister Leverkusen nach. Davor aber gibt es traditionell das Wochenende der Amateure oder unterklassigen Mannschaften, die nämlich den ersten Spieltag im DFB-Pokal als ihren Höhepunkt des Jahres, manchmal sogar des Vereinslebens, ansehen: Die Großen kommen zu den Kleinen.

In der ersten Runde sind mit Hildesheim, Koblenz, Aalen und Schott Mainz sogar vier Oberligisten dabei, also fünfte Liga. Dabei wird nur der TuS Koblenz richtig glücklich sein, denn bei ihm gastiert am Montag, 19.8., mit dem VfL Wolfsburg ein Bundesligist. Die anderen haben Zweitligisten als Gegner, am meisten dürfte sich Aalen über Schalke 04 freuen, Hildesheim erwartet Elversberg, Mainz die Greuther Fürth. Aus der Regionalliga haben es zehn Vereine in die erste Runde geschafft, dabei haben Phönix Lübeck gegen Borussia Dortmund und Carl-Zeiss Jena gegen Titelverteidiger Leverkusen das große Los gezogen, drei weitere haben Bundesligisten als Gegner. Leverkusen tritt übrigens in Jena erst am Mittwoch, 28. August (18 Uhr), an, weil auch in diesem Jahr parallel zur ersten Pokalrunde der Supercup ausgetragen wird. Dabei stehen sich am Samstag (20.45 Uhr) Leverkusen und der VfB Stuttgart gegenüber. Die Stuttgarter deshalb, da Bayer das Double gewonnen hat und so darf der Vizemeister ran. Der VfB spielt im Pokal am Dienstag, 27. August (20.45 Uhr) bei Preußen Münster. Die DFL sollte aber bei aller Terminnot davon abgehen, dass der Supercup am Pokal-Wochenende ausgespielt wird, er stiehlt den kleinen Vereinen die Show. Interessant ist das Duell der beiden Überraschungsteams der letzten Saison selbstredend. Macht Leverkusen mit seiner ungeschlagenen Serie einfach weiter (Xabi Alonso wurde auch zum Trainer des Jahres gewählt)? Wie verkraftet der VfB die Abgänge von Anton, Ito, und Guirassy? Immerhin bleibt aber Undav.

Die größte Show im DFB-Pokal ist natürlich, wenn ein David einen Goliath zu Fall bringt. Das gilt auch für Zweitligisten, wenn sie einem Bundesligisten ein Bein stellen. Im Vorjahr waren die Zweitligisten lange Zeit erfolgreicher als die Erstligisten (drei im Halbfinale), wenn dann auch Leverkusen den Titel gegen den 1. FC Kaiserslautern holte. Jedes Jahr die gleiche Frage: Welcher Bundesligist scheitert, schließlich kommen die Erstligisten aus ihrer Vorbereitung, in den anderen Ligen ging es bereits um Punkte. Die Runde startet am Freitag mit einem Knaller, wenn Bayern München bei Zweitliga-Neuling Ulm 1846 gastiert. Ein Fehlstart in der 2. Bundesliga wird den Ulmern zwar nicht Mut machen, aber die Bayern müssen erstmals ihre Karten aufdecken. Wechsel im Kader, die noch nicht abgeschlossen sind, ein neuer Trainer mit Vincent Kompany und ein neuer Stil machen die Bayern zum unbekannten Wesen. Eine Referenz sind immerhin zwei Siege über die Tottenham Hotspur. Jetzt gilt es wirklich. Torjäger Harry Kane wird sein Startdebüt geben, der neue Star Michael Olise, der Glanzlichter in Frankreichs Olympiateam setzte und Silber gewann, ist wohl noch nicht so weit. De Ligt und Mazraoui kehrten dem Verein den Rücken, spielen künftig für Manchester United. Coman und Goretzka können noch gehen, Wunsch-Neuzugang Doué (Rennes) hat sich dagegen für Paris St. Germain entschieden. Bis zum Start der Bundesliga bleibt es also spannend, die Wechselfrist endet Ende August.

Paris setzte ein Zeichen

Wer hätte das gedacht, die französische Hauptstadt Paris organisierte noch nie dagewesene Olympische Sommerspiele. Die Stadt wurde zur Feierzone, die Pariser nahmen die Spiele an und sorgten für eine begeisternde Atmosphäre in einer ebenso historischen wie schmucken Umgebung. Der Sport kam quasi von den Stadien in die Stadt. Welche Unkenrufe hatte es doch vorher gegeben, die Pariser würden den Spielen die kalte Schulter zeigen, Verkehrschaos die Stadt zum Erliegen bringen, der Dreck überall wäre abstoßend für die Gäste, die nur in geringer Zahl zu den zu teuren Spielen kommen würden. Nichts davon traf ein, zum Glück war auch die Angst vor Anschlägen unbegründet, was vor allem an den umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen lag. Nur die schmutzige Seine als Austragungsort hätte man sich schenken können. Dennoch schuf Paris angefangen von der spektakulären Eröffnungsfeier bis zur pompösen, manchmal allerdings langweiligen Schlussfeier ein Fest, das nicht nur für die Zukunft, sondern bereits für die Gegenwart über den Sport hinaus ein Zeichen setzte: Es geht nur Miteinander, nicht Gegeneinander! Wird sich die Welt (vor allem die Politik) am Sport ein Beispiel nehmen?

Der Olympische Geist war allgegenwärtig und dass eine Goldmedaille in der Karriere eines Sportlers eine Sonderstellung hat, zeigt das Beispiel von Golfsieger Scott Scheffler. 30 Millionen US-Dollar hat die Nummer 1 der Welt in diesem Jahr schon verdient, gerade mal 38000 Dollar zahlt der Verband für einen Olympiasieg, doch Geld zählt nicht. Als Scheffler auf dem Podium stand und die Goldmedaille umgehängt bekam, da übermannten ihn die Tränen, da wusste er in diesem Moment, was es mit dem olympischen Geist auf sich hat. Olympia ist immer noch etwas Besonderes. Darüber freute sich auch IOC-Präsident Thomas Bach, der wohl unter anderem deshalb keine Gedanken mehr an eine Verlängerung seiner Amtszeit hegt, also turnusmäßig im nächsten Jahr aufhören wird, weil es für ihn einen besseren Abgang nicht geben kann.

Der Olympische Geist zählt keine Medaillen, die Verbände und die Öffentlichkeit schon, jeder will wissen, wer ist die erfolgreichste Sportnation, sportliche Erfolge stärken das Selbstbewusstsein eines ganzen Landes. Dies wird vor allem in China so gesehen, da werden die Asiaten aufgeheult haben, als sie die USA mit dem Gewinn der letzten Goldmedaille im Basketball der Frauen noch im Medaillenspiegel überholte. Beide Nationen stehen bei 40 Goldmedaillen, die USA ist mit 44 Silbermedaillen (China 27) Zweiter und holte 42mal Bronze (China 13). Auf Rang drei Japan (20/12/13), vor Australien (18/19/1&) und Frankreich (16/26/22), das als Gastgeberland besondere Anstrengungen unternommen hatte.

Besondere Anstrengungen soll es künftig auch in Deutschland geben, um wieder das Wunschziel zu erreichen, unter die fünf besten Nationen zu kommen. Diesmal war es „nur“ Platz zehn, wieder ein Rang schlechter als in Tokio 2021. Die deutsche Mannschaft hat den Fans in der Heimat dennoch Spaß gemacht, zwölf Goldmedaillen (Tokio 10) gaben zum Feiern Anlass, die Gesamtzahl von 33 macht sich immer noch gut (Tokio 37). Leider schwächeln einige Sportarten, die früher zu den Medaillensammlern gehörten, wie Fechten, Ringen, Boxer oder der Radsport. Eine Stärke waren die Mannschaften, die für Medaillen und vor allem mitreißende Momente sorgten. Die 3×3 Basketballerinnen sorgten mit Gold für einen historischen Sieg der neuen Sportart und überhaupt für die erste Basketball-Medaille. Die Silber-Handballer enttäuschten im Finale, waren aber die Könige der Tore der letzten Sekunden, ihnen gehört mit dem 21jährigen Renars Ucins (zusammen mit Juri Knorr im All-Star-Team) die Zukunft. Die Fußball-Frauen holten Bronze für sich und vor allem für ihren beliebten Trainer Horst Hrubesch zum Abschluss seiner Karriere. Er setzte u. a. auf Torhüterin Berger, die zur Elfmeter-Heldin wurde.

Den Verantwortlichen stößt auf, dass kleinere Nationen wie Italien und vor allem die Niederlande vor Deutschland platziert sind. Olaf Tabor, Chef de Mission, hat die Niederlande zum Vorbild erklärt: „Wir schreiben Excel-Tabellen, die anderen fördern, da werden Talente entdeckt und gefördert bis zur Weltspitze.“ Da ist auch der Bund gefordert, die Aufstockung der Fördermittel um 49 Millionen Euro auf 331 Millionen wird nicht reichen.

Um den Olympischen Geist am Leben zu halten und in Deutschland hoffähig zu machen, sollen die Sommerspiele 2040 nach Deutschland geholt werden (2028 in Los Angeles, 2032 in Bisbane/Australien). Das soll der olympischen Idee hierzulande Auftrieb geben. Auch dafür könnte Paris ein Zeichen gewesen sein: Seht was möglich ist, seht die Begeisterung, seht die Reputation für ein ganzes Land. Berlin oder München sollen ein zweites Paris werden – oder besser, ein eigenes Zeichen setzen. Man muss die Spiele nur wollen – und bekommen!