Neue Bundesliga-Saison mit alten Ärgernissen
Neue Saison, neue Hoffnung – doch was die Fußball-Bundesliga angeht, begann die neue Saison mit alten Ärgernissen. Nicht die schönen Tore oder Dramatik in den Spielen standen im Mittelpunkt, sondern der Ärger über Handspiele und den Videoassistent, sprich VAR, der sich eigentlich zurückhalten sollte und wieder übermotiviert einschritt.
Die Einführung des Videobeweises war dem Fortschritt durch Technik geschuldet, doch er brachte nur teilweise mehr Gerechtigkeit, ansonsten wurden die Diskussionen um falsche Schiedsrichter-Entscheidungen eher mehr und vor allem die Emotionen rund um das Spiel und seine Tore gingen durch die oft lange Wartezeit verloren. Schade, dass bereits am ersten Spieltag wieder über den VAR diskutiert und (berechtigt) geklagt wurde. „Wir wurden betrogen“, tönte es aus Augsburg und Schiedsrichter-Chef Knut Kircher gab ihnen recht. Als der Ball an den hoch erhobenen, ausgestreckten Arm des Bremers Jung ging, sah Schiri Stegemann eine „natürliche Armhaltung bei einem Zweikampf“ und er habe im „Sinne des Fußballs“ keinen Elfmeter für den FCA gegeben. Sein Chef Kircher sah das anders: „Es war ein Handspiel“. Die Diskussion rund um Hand oder nicht geht also weiter.
Weiter geht auch die Diskussion darüber, wann der VAR eingreifen soll oder nicht. Krass war es zum Auftakt in Gladbach. Schiedsrichter Robert Schröder sah bei einem Zweikampf des Gladbachers Itakura kein Foul gegen Leverkusens Adli und ließ weiterspielen. Der VAR meldete sich mit dem Hinweis, Itakura hätte Adli am Fuß erwischt bevor der Ball gespielt wurde. Schröder sah sich die Szene an und gab in der 11. Minute der Nachspielzeit (!) Elfmeter für Bayer, den Wirtz im Nachschuss zum 3:2-Siegtor verwandelte. Problem: Zu der Attacke gibt es verschiedene Kameraperspektiven, die einmal Foul, ein andermal kein Foul zeigen. Schiri Schröder hatte real den Eindruck eines normalen Zweikampfes, der er auch war, der VAR hätte nicht eingreifen dürfen. Genauso diese Engstirnigkeit bei normalen Zweikämpfen will Kircher künftig vermeiden. Er urteilte: „Der VAR-Einsatz war falsch“. Kircher weiß: „Wir brauchen Klarheit, Orientierung, Einheitlichkeit.“ Das wünschen sich alle, Gladbachs Fans haben als Antwort auf das Theater eine Petition zur Abschaffung des VAR eingereicht. Auch die Bayern hätten einen Handelfmeter bekommen müssen, Schiri Siebert sah das anders, der VAR schwieg – „das war falsch“, sagt Kircher.
Sportlich machte Meister Leverkusen also dort weiter, wo es in der letzten Saison erfolgreich war – mit Toren in den letzten Minuten. Ist es Können, ist es Glück? So kann man Meister werden. Von den Favoriten starteten auch Dortmund, Leipzig und die Bayern mit einigen Schwierigkeiten, aber erfolgreich. Dortmund wankte gegen Frankfurt, aber Joker Gittens schoss das 2:0 heraus. Auch in Leipzig wurde der Joker umjubelt, Neuzugang Nusa traf zum entscheidenden 1:0 gegen Bochum. Der Ersatz für Dani Olmo hat sich gleich in die Herzen der Fans gespielt. Die Bayern brauchten in Wolfsburg einen Kraftakt, führten nach einer starken ersten Hälfte nur 1:0, lagen dann in Halbzeit zwei schnell 1:2 zurück und erkämpften sich doch noch einen 3:2-Sieg. Die Wende führte der eingewechselte Thomas Müller maßgeblich herbei, durch seinen Einsatz geht er in sein 17. Bundesliga-Jahr für den gleichen Klub. Nur Manfred Kaltz (Hamburger SV) und Klaus Fichtel (Schalke) haben mit 19 mehr bei einem einzigen Verein. Außerdem wurde Müller Rekordspieler bei Bayern mit 474 BL-Spielen, der zog damit an Sepp Maier (473) vorbei.
Ebenso wie Vizemeister Stuttgart hatten auch die Neulinge Startprobleme. Kiel hielt bei Hoffenheim gut mit, bekam aber den dreifachen Torschützen Kramaric nicht in den Griff. St. Pauli hatte sein Vorbild Heidenheim zu Gast, will dem Beispiel des letztjährigen Neulings folgen, der es bis auf Europas Bühne schaffte. Doch die Württemberger zeigten dem Aufsteiger den Unterschied auf, spielten abgeklärt und clever und siegten 2:0. Auch in der Conference League waren sie mit einem 2:1 in Göteborg gegen BK Häcken erfolgreich, am Donnerstag wollen sie die Qualifikation für die Gruppenphase perfekt machen.
Im Mittelpunkt standen auch die neuen Trainer. Einen tollen Einstand feierte vor allem Julian Schuster als Nachfolger der Legende Christian Streich. Das 3:1 über Stuttgart war die beste Empfehlung. Jetzt geht es am Sonntag nach München, im zweiten Schlagerspiel stehen sich am Samstag Leverkusen und Leipzig gegenüber. Nuri Sahin in Dortmund und Vincent Kompany zogen in Dortmund und München den Kopf aus der Schlinge, Bo Svensson bei Union freute sich über eine Unentschieden bei seinem alten Verein Mainz, Peter Zeidler in Bochum und Alexander Blessin bei St. Pauli mussten dagegen Niederlagen hinnehmen.
Auslosung der Champions League
Die Bundesliga wird gleich wieder in den Schatten gestellt, denn am Donnerstag rückt die Champions League in den Mittelpunkt. In Monaco werden die Spiele für die neue CL ausgelost. Sie umfasst künftig statt 32 nun 36 Mannschaften, die in einer Liga von 1 – 36 gewertet werden. Die von einigen Vereinen (vor allem Real Madrid) gewünschte Super League lässt grüßen. Die 36 Teams werden bei der Auslosung in vier gleich große Töpfe aufgeteilt, Nummer 1 ist Real Madrid, danach erfolgt die Rangfolge nach dem Klub-Ranking der UEFA. Fünf deutsche Klubs sind dabei, die Bayern, Dortmund und Leipzig in Topf 1, Leverkusen in Topf 2 und Stuttgart in Topf 4. Jedem Team werden aus jedem Topf zwei Mannschaften zugelost, jeweils mit einem Heim- und Auswärtsspiel, also acht Gegner.
Die Ergebnisse fließen in eine Gesamttabelle ein, die Teams der Plätze 1 – 8 qualifizieren sich direkt für das Achtelfinale, die Teams von 9 – 24 müssen in die Play-Offs mit Hin- und Rückspiel, der Rest scheidet aus. Jeder Verein hat also acht Spiele garantiert, durch die Reform erhöht sich die Anzahl der Spiele insgesamt von 125 auf 189, der Stress für die Spieler wird größer! Auch in der Europa League und Conference League wird nach diesem Format gespielt. Die CL spielt weiterhin Dienstag und Mittwoch, angepfiffen werden die Spiele um 18.45 Uhr und 21.00 Uhr. Start ist vom 17. -19. September, ausnahmsweise wird der erste Spieltag auf drei Tage gestreckt. Die Ligaphase endet am 21./22. Januar 2025, das Endspiel steigt am 31. Mai 25 in München. Die Bayern träumen natürlich von einem „Finale dahoam“. Man darf davon ausgehen, dass auch wegen der CL in dieser Woche noch eine heftige Wechselaktivität zwecks Verstärkungen herrscht, da die Wechselfrist am 30. August endet.
Die neue Nationalmannschaft
Ausgerechnet den Donnerstag hat sich auch Bundestrainer Julian Nagelsmann ausgesucht, um sein erstes Länderspiel-Aufgebot der neuen Saison zu präsentieren. Seine Auswahl wird mit großer Spannung erwartet, denn es beginnt eine neue Ära des DFB-Teams. Nach Toni Kroos, Thomas Müller und Kapitän Ilkay Gündogan hat jetzt auch Torhüter Manuel Neuer seinen Rücktritt aus dem Nationalteam bekannt gegeben. Damit geht die Ära der Weltmeister von 2014 endgültig zu Ende und alles wartet gespannt, wer die Nachfolger sein werden.
Im Tor sollte eigentlich der jahrelang „Kronprinz“ ter Stegen die neue Nummer 1 werden, die Frage ist aber ob Nagelsmann weiter den bisherigen Reservisten Baumann, Leno und Trapp vertraut oder neue Kandidaten aufbaut. Manuel Neuer empfiehlt auf lange Sicht Alexander Nübel, der in Stuttgart als Leihspieler wartet, bis Neuer den Platz im Tor auch bei den Bayern freimacht. Im Mittelfeld gelten neben Pascal Groß die Talente Pavlovic (Bayerrn) und Stiller (VfB) als Kandidaten oder versucht es Nagelsmann mit einem Comeback von Goretzka? Der Donnerstag wird also ein spannender Fußball-Tag.
Start der Frauen-Bundesliga
Weniger spannend geht es (leider) in der Frauen-Bundesliga zu, die am Freitag mit dem Spiel Turbine Potsdam – Bayern München (17.00 Uhr/ZDF) startet. Ein Spiel, das die Entwicklung aufzeigt: Turbine war die Mannschaft früherer Jahre, holte zwischen 2002 und 2012 sechs Titel, ehe der VfL Wolfsburg und Bayern München die Herrschaft übernahmen. Jetzt kehrt Potsdam als Neuling zurück (außerdem Carl Zeiss Jena) und hat gleich den Meister zu Gast. Seit der Abdankung von Turbine holten die Münchnerinnen fünfmal den Titel, der VfL Wolfsburg sogar siebenmal. Für die neue Saison wird sich nichts ändern, der Rest spielt um die Plätze.
Der Frauen-Fußball hat aber Bedeutung und Zuspruch gewonnen und so hoffen alle, dass auch die Spannung bald wieder steigt. Damit das Interesse steigt, wird die Bundesliga zur Saison 2025/26 auf 14 Vereine aufgestockt, dafür gibt es in diesem Jahr nur einen Absteiger, aber drei Aufsteiger aus der 2. Bundesliga, wo Traditionsvereine wie Union Berlin, der Hamburger SV und der letzte Absteiger 1. FC Nürnberg nach oben wollen. Die Meisterschaft wird wohl nur zwischen Titelverteidiger Bayern und Wolfsburg entschieden. Die Münchnerinnen wollen langfristig so eine starke Mannschaft haben, um auch in der Champions League bestehen zu können und wollen national Wolfsburg als Pokal-Königinnen entthronen. Deshalb war auch der Wechsel von Nationalspielerin Lena Oberdorf vom VfL zu den Bayern besonders spektakulär. Die Generalprobe für die neue Saison entschieden die Bayern-Mädchen mit einem 1:0 im Supercup in Dresden gegen den VfL für sich, Klara Bühl war in der 9. Minute die entscheidende Torschützin.
Eine große Ehrung gibt es für Nationaltorhüterin Ann-Katrin Berger, sie wurde von den deutschen Sportjournalisten bei der vom kicker durchgeführten Wahl zur „Spielerin des Jahres“ gekürt. Bei Olympia hatte sie als Elfmeter-Töterin entscheidenden Anteil am Gewinn der Bronzemedaille. Sie gewann mit 144 Stimmen vor Giulia Gwinn (Bayern/71) und Lena Oberdorf (Wolfsburg, jetzt Bayern/66). Berger löst damit Alexandra Popp (Wolfsburg) ab, die im Vorjahr gewann.
Vor dem Spiel um den Supercup stellte sich auch Christian Wück als neuer Bundestrainer für die Frauen vor. Er sieht den Frauen-Fußball „auf der Überholspur“ und will mit dem Nationalteam natürlich erfolgreich sein („Wir haben viele Talente“). Seine erste Aufgabe wird am 25. Oktober das Länderspiel in England sein.