Stress für alle: Drei Jahre Fußball ohne Pause
Es hört sich ja so harmlos an, nach der Länderspiel-Unterbrechung für die Nations League gibt es am kommenden Wochenende wieder den Fußball-Alltag in der Bundesliga. Allerdings ist dies der Auftakt für einen nicht enden wollenden Stress für die Spitzenspieler, aber auch für die Vereine und nicht zuletzt für die Fans, die ja bekanntlich nichts verpassen wollen, aber wahrscheinlich doch auf das eine oder andere verzichten werden. Geldgierige Funktionäre haben den Spielplan weiter ausgeweitet, neue Formate geschaffen mit mehr Spielen – und mehr Geld für Vereine und Verbände. Ausbaden müssen dies die Profis auf dem grünen Rasen. Sage keiner, das ist in den Millionen-Gehältern inbegriffen, irgendwann zählen nicht mehr Moneten, sondern die Gesundheit.
Die stressreiche Zeit begann mit der Europameisterschaft 2024, wird angereichert durch die neue Champions League, die ja 36 statt 32 Vereine vorsieht, mit einem neuen Ligensystem und der Steigerung von 125 auf 189 Spielen. Mit dem Finale am 31. Mai 2025 in München ist keineswegs Schluss. FIFA-Präsident Gianni Infantino hat die nächste tolle Aufgabe durchgesetzt, vom 15. Juni bis 13. Juli wird die neue Klub-Weltmeisterschaft mit 32 Vereinen in den USA ausgetragen. Bayern München und Borussia Dortmund sind dabei, die Asse bestreiten im besten Fall sieben Spiele, statt sich am Strand auszuruhen. Im August geht die Bundesliga weiter. Bei einer Pause von gerade mal vier Wochen sind Urlaub und Saison-Vorbereitung zugleich nicht möglich. Die Folge: Mangelnde Fitness, Verletzungen und keine komplette Mannschaften. Für die Fans bedeutet dies, mangelnde Qualität, schlechtere Spiele, weniger Spaß. Ein Jahr später wiederholt sich dieses Prozedere, dann folgt 2026 im Sommer die Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada.
Die deutschen Spieler sind ja noch gut dran, denn in Bundesliga und Pokal gibt es weniger Spiele als zum Beispiel in England. Experten haben ausgerechnet, dass bis zu 85 Spiele auf die Besten in einer Saison zukommen können. Bisher lag der Rekord international bei 66 Spielen pro Saison. Trainer Pep Guardiola von Manchester City zählt auf: Community Shield (1), Premier League (38), EFL Cup (6), FA Cup (6), Champions League (17), Klub-WM (7) und dazu zehn Länderspiele. (K)Eine Lösung: Nicht erfolgreich sein. Guardiola tobt: „Die Funktionäre haben keine Ahnung, wann sollen wir denn richtig trainieren.“ Seine bezeichnende Entscheidung: Nationalspielern stellt er nach einem Lehrgang frei, wann sie wieder zum City-Training erscheinen wollen!
Aber auch die Spitzenspieler in Deutschland haben keineswegs ein Ruhekissen. Wer international und im Pokal beschäftigt ist, muss ab sofort bis Weihnachten pro Woche zwei Spiele absolvieren, insgesamt 25 Aufgaben stehen an, davon 13 Spiele in der Bundesliga, zwei im Pokal, sechs in der Champions League und dazu vier Länderspiele im Oktober und November! Danach heißt es nicht frohe, sondern müde Weihnachten und am Wochenende vom 10. bis 12. Januar geht es schon wieder weiter. Die Kinder werden fragen, „wann gehört Papa uns?“. Die Spielergewerkschaft FIFPro und der europäische Ligenverband haben bei der EU Beschwerde eingereicht, gegen die aus ihrer Sicht nicht ausreichenden Mitsprachemöglichkeiten am internationalen Spielkalender. Die Erfolgsaussichten sind mäßig.
Abseits von diesen Problemen dürfen wir uns natürlich auf den nächsten Spieltag der Bundesliga am Wochenende freuen. Danach geht die Champions League los und viele Vereine haben auf die Belastungen schon mit einem größerem Kader reagiert, allerdings haben die BL-Klubs in diesem Sommer mit rund 600 Millionen Euro 160 Millionen weniger als im letzten Jahr ausgegeben (die Premier League war mit 2,4 Milliarden Euro in Europa Spitze!). Abzuwarten bleibt, wie die Rotation in den einzelnen Mannschaften aussieht. Eigentlich sind die Klubs derzeit erst noch auf der Suche nach der besten Formation, deshalb sind auch leichter Überraschungen möglich. Kann aber der punktlose Neuling Holstein Kiel ausgerechnet die Bayern stoppen oder erlebt gar Leverkusen bei Hoffenheim die nächste Pleite? Kaum vorstellbar. Das Schlagerspiel heißt aber am Freitag überraschend Dortmund gegen Heidenheim. Es kommt nämlich der Tabellenführer zur Borussia, die in der letzten Saison gegen den damaligen Neuling sieglos blieb (2:2, 0:0)!
DFB-Elf von allen Fesseln befreit
„Völlig losgelöst“ heißt derzeit der Hit bei der Nationalmannschaft. Zum ersten Spiel nach der Europameisterschaft passte dies perfekt zum Auftritt der DFB-Elf, die von allen Fesseln befreit beim 5:0 gegen Ungarn aufspielte. Die Zweifel, die es nach dem Rücktritt der Routiniers Neuer, Kroos, Müller und Gündogan gab, wurden mit erfrischendem Spiel weggewischt. Es war, als hätten sich die Musiala, Wirtz und Groß einer Zwangsjacke entledigt. Haben nicht doch, was viele Kritiker ja anmerkten (auch an dieser Stelle), Kroos und Gündogan das Spiel eher gebremst? Nun war Ungarn nicht der erwartet starke Gegner, Trainer Marco Rossi sprach von einer „Blamage“, aber Deutschland war auch besser und lebhafter als beim 2:0 bei der EM.
Vor allem Jamal Musiala war nicht zu bremsen, er war an vier der fünf Tore beteiligt und zusammen mit Florian Wirtz begeisterte er das Publikum, so dass die Medien aus den Beiden einen „Wusiala“ machten. Dazu präsentierte sich Pascal Groß als Lenker im Mittelfeld, aber nicht statisch, sondern er tauchte an allen Ecken auf und dirigierte immer wieder seine Mitspieler. Und als er vorzeitig ging, da trumpfte auch Nachfolger Aleksandar Pavlovic auf und machte deutlich, die Zukunft könnte rosig aussehen. Auch das Zusammenspiel in der Mitte mit Havertz und Füllkrug klappte, Bundestrainer Julian Nagelsmann hat also alles richtig gemacht. Bezeichnend: Fünf Spieler (Füllkrug, Musiala, Wirtz, Pavlovic, Havertz) erzielten die fünf Tore.
Aber warten wir erst einmal ab. Die echte Bewährungsprobe folgt am Dienstag in Amsterdam gegen die Niederlande, die auch fünf Tore beim 5:2 gegen Bosnien-Herzegowina erzielte, aber nicht so toll überzeugte. Mit dem Ex-Münchner Joshua Zirkzee glänzte auch da ein Talent, er kämpft gegen den Ex-Leipziger Brian Brobbey (Ajax) um den Platz als Mittelstürmer. Der Gewinner des ewig jungen Vergleichs wird die Führungsrolle in der Gruppe 3 der Liga A übernehmen, aber zwei Teams kommen ja weiter. Es ist also ein Duell um den Spitzenplatz. Können Musiala und Wirtz auch die schwächelnde niederländische Abwehr schwindlig spielen?
Wölfinnen hoffen auf die Champions League
Im Vorjahr gab es ein böses Erwachen, da scheiterten die Frauen des VfL Wolfsburg in der Qualifikation zur Champions League gegen den FC Paris. Das soll in diesem Jahr anders sein, der Angstgegner kommt diesmal nicht, am Montag wurde der AC Florenz den Wölfinnen zugelost. Insgesamt zwölf Paarungen werden am 18./19. und 25./26 September in den Play-Offs ausgetragen, gesucht werden zwölf Teams für die Gruppenphase, die am 8. Oktober beginnt. Die Meister FC Barcelona, Olympique Lyon, Bayern München und Chelsea London sind bereits qualifiziert. Nicht dabei ist Eintracht Frankfurt, das in der ersten Runde der Qualifikation mit einem 0:2 gegen Sporting Lissabon ausschied.
Die erste K.o.-Runde gab es auch im DFB-Pokal der Frauen, da konnten sich die Wölfinnen schon Mut für die CL holen. Ohne große Mühe siegten sie bei Hertha BSC Berlin mit 6:0, ihr 51. Sieg in Folge im DFB-Pokal. Herausforderer Bayern München siegte ebenfalls 6:0 beim Zweitligisten Sand. Einzige Überraschung war die 0:1-Niederlage von RB Leipzig beim Zweitligisten Union Berlin, der damit unterstrich, dass auch die Union-Frauen in die Bundesliga wollen. Absteiger 1. FC Nürnberg scheiterte mit 1:2 knapp am SC Freiburg.