Berlin und München im Basketball und Eishockey im Mittelpunkt
Nach Fußball-Europameisterschaft und Olympischen Sommerspielen herrscht wieder Hochbetrieb im deutschen Mannschaftssport. Von den populärsten Sportarten haben die Handballer bereits begonnen (zwei Spieltage sind absolviert), an diesem Wochenende ziehen Basketball und Eishockey nach. Meist kommen höchstens eine Handvoll Teams für den Titelkampf in Frage, auffallend ist, dass vor allem München und Berlin im Mittelpunkt stehen.
Im Handball spielt München allerdings keine Rolle, obwohl es mit Milbertshofen früher eine starke Mannschaft gab. Die Hochburg ist weit im Norden beheimatet, der THW Kiel ist mit 23 Titeln Rekordmeister, sieht sich aktuell aber starker Konkurrenz gegenüber und befindet sich eher im Neuaufbau. In den letzten vier Jahren haben sich Kiel und der SC Magdeburg als Meister abgelöst, aber sie stehen nicht allein.Vor allem Flensburg-Handewitt und die Füchse Berlin wollen ein Wörtchen mitreden. Kiel wird froh sein, wenn das internationale Geschäft erreicht wird.
Viele neue Fans hat in letzter Zeit Basketball gewonnen. Kein Wunder, wer Weltmeister wird, wird gefeiert. Und wenn der Vater des Erfolgs, Bundestrainer Gordon Herbert, vom Nationalteam zu einem Bundesligisten wechselt, dann gehören ihm und dem Verein natürlich die Schlagzeilen. Der 65-jährige Kanadier war schon bei verschiedenen Klubs erfolgreich, seine größten Meriten erwarb er sich aber mit dem Nationalteam, gewann Bronze bei der Heim-EM 2022 und wurde zwölf Monate später mit Deutschland sensationell Weltmeister, zum Abschluss gab es in Paris bei starker Konkurrenz einen respektablen vierten Platz. Herbert wollte wieder einen Verein übernehmen und seine Wahl gilt für beide Seiten als Glücksfall: Bayern München streckte seine Hände aus und Herbert nahm sie gern. Die Konkurrenz sieht diese Verbindung mit Schrecken, Bayern gilt national als unschlagbar. Obwohl einige internationale Stars die Bayern verlassen haben, ist das Team wohl nicht schwächer geworden, Herbert kann gleich mit fünf Weltmeistern arbeiten. Aber nicht das Double aus Meisterschaft und Pokal wie im Vorjahr ist das große Ziel, sondern die Bayern wollen auch international in der Euroleague endlich mitmischen und die Play-Offs erreichen. Damit es auch finanziell stimmt, soll der neue SAP-Garden helfen, der 11500 Zuschauern Platz bietet, fast das doppelte von der alten, maroden Halle. Und Herbert, der als Spielerflüster gilt, soll das Starensemble zu den gewünschten Erfolgen führen.
Die nationale Konkurrenz kann nur staunen, der große Konkurrent war zuletzt Alba Berlin, das im Kontrastprogramm auf Beständigkeit und aus finanziellen Gründen auf den Nachwuchs setzt. Mit Kapitän Johannes Thiemann ging der wohl wichtigste Spieler, als Ersatz war Weltmeister Johannes Voigtmann im Gespräch, doch den angelten sich die Bayern. „An München kommen wir nicht mehr vorbei“, seufzt Alba-Geschäftsführer Marco Baldi. Einen spektakulären Trainerwechsel hat es aber auch innerhalb der Liga gegeben, Anton Gavel zog es von Ulm nach Bamberg, obwohl dort die Aussichten auf Erfolg derzeit nicht so groß sind. „Bamberg ist meine Heimat“, gesteht Gavel, der als Spieler maßgeblich an den „Goldenen Jahren“ der Bamberger von 2010 bis 2013 beteiligt war, als vier Meisterschaften und drei Pokalsiege errungen wurden. Gavel nennt zwar Ulm und Chemnitz (Auftaktgegner der Bayern) neben Alba als mögliche Klubs, die München ärgern können, aber im Prinzip gilt: Die Bayern können sich nur selbst schlagen.
Das ist eine Stellung, die Vereinspatron Uli Hoeneß nicht nur im Profi-Fußball verfolgt hat, sondern auch im Basketball verwirklichen wollte. Neben den Männern sind auch die Frauen dabei, eine Vormachtstellung im Fußball zu erreichen. Beim Eishockey hat man auch einmal einen Versuch unternommen, doch dann die Finger davon gelassen. München spielt im Eishockey dennoch eine gute, aber keine beherrschende Rolle. Allerdings werden vor allem Berlin und München als Favoriten genannt. Wobei in München statt den Bayern Brause-Fabrikant Red Bull das Kommando übernommen hat und sogar die neue SAP-Arena im Olympiapark erstellt hat, neue Heimstatt für das Eishockey, die Basketballer sind Mieter. Im letzten Jahr haben sich die sportlichen Erfolge aber nicht eingestellt, Ex-Bundestrainer Toni Söderholm konnte das Team nicht zum Titel führen, dafür feierten die Eisbären Berlin eine Wiederauferstehung, nachdem sie im Jahr zuvor nicht einmal die Play-Offs erreicht hatten. Als größter Titelanwärter darüber hinaus gelten die Adler Mannheim, die unter anderem die Nationalspieler Marc Michaelis (Zug) und Kristian Reichel (Manitoba/AHL) an Land gezogen haben.
Beide Sportarten haben aber bei der Besetzung ihrer Ligen Probleme. Im Basketball ist das Feld sogar auf 17 Vereine reduziert, da die Absteiger Tübingen und Crailsheim auf eine erneuten Bewerbung verzichtet haben, aber mit Frankfurt nur ein Neuling die Bedingungen der BBL erfüllen konnte.
Die Deutsche Eishockey-Liga war ja lange Zeit eine geschlossene Gesellschaft, erst in den letzten Jahren wurde Auf- und Abstieg mit der DEL 2 vereinbart, aber vorab müssen sich Vereine um eine Zulassung bewerben. Zwei Jahre lang wurde die Augsburger Panther Letzter, entgingen aber immer dem Abstieg, weil sich kein Klub als Meister der 2. Bundesliga küren konnte, der in die DEL wollte. Also doch weiter eine geschlossene Gesellschaft. Die Augsburger Panther wollen diesmal wenigstens Vorletzter werden und nicht zittern. Der Auftakt mit einem 3:2-Sieg nach Verlängerung im Saison-Eröffnungsspiel gegen Ingolstadt macht sicher Hoffnung. Ein Novum gibt es in dieser Saison, am 6. Dezember spielen die Grizzleys Wolfsburg gegen Red Bull München in der tschechischen Hauptstadt Prag. Ob sich die Tschechen so wirklich für die DEL erwärmen können? Ein Winter Game gibt es ebenfalls wieder, am 4. Januar 2025 treffen die Löwen Frankfurt und die Adler Mannheim aufeinander.