Wie stark sind die Bayern wirklich?
6:1 gegen Kiel, 9:2 gegen Zagreb und dann noch 5:0 in Bremen, 20:3 Tore in nur einer Woche – das ist ein Statement. Der Bayern-Express rollt, aber es stellt sich auch die Frage: Wie stark sind die Bayern wirklich? Ein „schweres Kaliber“ war nämlich nicht unter den ersten Gegner der Saison, die harten Brocken kommen jetzt erst, beginnend mit dem Prestigeduell am Samstag (18.30 Uhr) in München gegen Bayer Leverkusen, Rekordmeister gegen Meister, Erster gegen Zweiter, ein Höhepunkt zum Oktoberfest. Am Sonntag konnten die Münchner dort noch ausgelassen feiern. Folgt der Kater verspätet?
Es fällt auf: Die Bayern spielen unter Vincent Kompany ganz anders als unter Thomas Tuchel. konsequentes Pressing schon am gegnerischen Strafraum, überwältigende Spielfreude und eine noch nicht dagewesene Laufstärke (pro Spiel fast acht Kilometer mehr als unter Tuchel). Kompany galt als Notlösung, als die kontaktierten Kandidaten mit Xabi Alonso und Ralf Rangnick an der Spitze reihenweise absagten. Doch jetzt könnte sich der Belgier sogar als Glücksgriff erweisen, 29 Tore in sechs Pflichtspielen sind Vereinsrekord, die Stimmung könnte nicht besser sein.
Doch wie reagieren die Münchner auf starke Gegenwehr, wie werden sie mit einem Rückstand fertig? Das wird sich bald zeigen, die nächsten vier Gegner stellen ernsthafte Prüfungen dar: Nach Leverkusen folgt am 2. Oktober das Gastspiel bei Aston Villa in der Champions League, danach geht es zur Eintracht nach Frankfurt, die den Bayern gern mal ein Bein gestellt hat, und nach der Länderspielpause der nächste Bundesligaschlager am 19. Oktober gegen den VfB Stuttgart. Danach wissen wir, wie stark die Bayern wirklich sind.
Bisher sind die Münchner auch vom Verletzungspech verschont geblieben, der Kader ist komplett, so dass prominente Neuzugänge auf der Bank zuschauen müssen. Als Volltreffer entpuppte sich aber der 22-jährige Franzose Michael Olise, der als Dribbler, Vorlagengeber und Torschütze glänzt und schon mit Arjen Robben verglichen wird. Er könnte auch die Leverkusener Abwehr schwindlig spielen, die beim 4:3 gegen Wolfsburg erhebliche Lücken offenbarte. Aber Bayer zeigt auch alte Stärken, das Siegtor fiel in der Nachspielzeit. Deshalb blieb der Meister eine Saison lang ungeschlagen, das möchten die Münchner auch gern mal bleiben, im Vorjahr reichte es zu Hause nur zu einem 2:2 und die 0:3-Niederlage in Leverkusen war praktisch das Meisterstück von Bayer. Ungeschlagen sind die Alonso-Schützlinge nicht mehr nach der 2:3-Niederlage gegen Leipzig, seitdem befinden sie sich aber im Aufwind. Kompanys Einstand in München wird übrigens mit dem von Alonso in Leverkusen verglichen, also noch ein Duell im Mittelpunkt. Welchen taktischen Kniffe werden am Samstag deutlich?
Vorne mitmischen wollen gern auch andere Klubs, aber Leipzig (0:0 bei St. Pauli) und vor allem Borussia Dortmund erlitten erhebliche Dämpfer. Trainer-Neuling Nuri Sahin musste bei der 1:5-Pleite in Stuttgart feststellen, dass er das alte Dortmunder Leiden, dass es immer wieder unerklärliche Einbrüche gibt, nicht abstellen konnte. Der VfB spielte groß auf, die Borussia schaute zu und die Stars Anton und Guirassy, die kräftig ausgepfiffen wurden, müssen sich fragen, ob es richtig war, die Seiten zu wechseln. Am Tabellenende waren erste Punktgewinne Mutmacher. Bochum, St. Pauli und Kiel liegen zwar weiter gleichauf am Schluss, doch jeder hat ein Pünktchen ergattert, für Pauli war das 0:0 gegen Leipzig mehr als das 2:2 im direkten Duell für Bochum und Kiel. Für die Störche war es aber ein historisches Ereignis, nämlich der erste Punktgewinn in der Bundesliga.
Gehörigen Ärger gab es auch wieder mit dem Videoassistenten, die Augsburger fühlten sich beim 2:3 zum wiederholten Male als Leidtragende. Schiedsrichter Sören Storks und sein Kollege P. Müller im Kölner Keller hatten einen ausgesprochen schwachen Tag. Die Platzverweise gegen Amiri (zweimal dummes Gelb) und Essende waren in Ordnung, doch am Ende wurde der FCA massiv benachteiligt. Vor Essendes Tritt gegen Kohr übersahen Schiri und Müller einen Schlag von Kohr mit dem Ellenbogen gegen Essende, das hätte Rot und Elfmeter für den FCA geben müssen. Danach nahm Storks einen Elfmeter nach Foul von Widmer an Schlotterbeck zurück, als sich der VAR meldete. Doch das war falsch, dies war eine 50:50-Entscheidung, Storks prüfte auch minutenlang, bevor er den Elfer zurücknahm. Ein Unding, diese Entscheidung widerspricht der Vorgabe von Schiedsrichter-Boss Knut Kircher, der weniger Einmischung fordert, nämlich nur bei klaren Fehlentscheidungen. Zudem: Wie konnte Müller nur den Ellenbogenschlag übersehen?
Chaos durch den VAR, Chaos auch bei Schalke 04 in der 2. Bundesliga. Platz 16 im Tabellenkeller entspricht nicht den Erwartungen und wie reagiert dann der Verein: Trainer und Sportdirektor müssen gehen. Entlassungen waren bei Schalke schon immer an der Tagesordnung, elf Trainer in fünf Jahren wurden verschlissen. Jetzt traf es Karel Geraerts und Mats Wilmots. Die Bosse sehen das große Ziel Aufstieg gefährdet, das zumindest im nächsten Jahr verwirklicht werden soll. Der starke Mann ist jetzt Kaderplaner Ben Menga, der Nachfolger für die beiden Belgier finden soll.
Bayern Rekorde auch in der Champions League
Der deutsche Rekordmeister hält viele Rekorde in der Champions League, doch bis zum erneuten Gewinn des Henkelpotts ist es ein weiter Weg. Allerdings gehen die Bayern als Rekordsieger der Gruppenphase ebenso in die Geschichte ein wie nun als erster Tabellenführer der neuen CL mit einer Gesamttabelle. Das 9:2 gegen Zagreb war der 21. Auftaktsieg in Folge – Rekord und das mit 60:7 Toren. Auch die neun Treffer gegen Zagreb bedeuten Rekord, noch nie schoss ein Team in der CL so viele Tore. Die Bundesligisten konnten überhaupt mit dem Auftakt zufrieden sein, Leverkusen siegte in Rotterdam 4:0 und ist Dritter, Dortmund (nach einigen Problemen) in Brügge 3:0, liegt auf Platz 5. Stuttgart und Leipzig mussten gegen die Madrider Klubs zwar Niederlagen hinnehmen, zogen sich gegen Real (1:3) und Atletico (1:2) aber gut aus der Affäre.
Die letzte Woche gehörte der Champions League, diese Woche hat die Europa League „ihre“ Woche, also greifen auch die TSG Hoffenheim und Eintracht Frankfurt ein. Hoffenheim hat im Moment allerdings andere Probleme, im Verein geht es drunter und drüber, Trainer Pellegrino Mattarazzo steht vor der Ablösung, da klappt es halt auch sportlich nicht. Dabei sollte das Gastspiel beim dänischen Meister FC Midtylland am Mittwoch eigentlich eine lösbare Aufgabe sein. Die Eintracht erwartet am Donnerstag Viktoria Pilsen und gilt als Favorit. Insgesamt werden an beiden Tagen 18 Spiele ausgetragen, prominentestes Team ist Manchester United. Die Conference League mit dem 1. FC Heidenheim hat ihren ersten Spieltag am 3. Oktober.
Auch Wolfsburgs Frauen in der CL
Auch für die Fußball-Frauen gilt die Champions League als das große Ziel, aber nur Meister Bayern München hatte sich direkt qualifiziert. Sicher mit dabei sein dürfte auch der VfL Wolfsburg, der sich in der Qualifikation mit einem 7:0-Sieg im Hinspiel in Florenz ein dickes Polster anlegte. Da kann eigentlich am Mittwoch nichts mehr schiefgehen. Die Auslosung für Gruppenspiele (Start im Oktober) ist dann am Freitag.
Schlechte Nachricht für Männer-Bundestrainer Julian Nagelsmann, Torhüter Marc-Andre ter Stegen hat sich am Sonntag beim 5:1-Sieg von Barcelona in Villarreal schwer verletzt, er erlitt am rechten Knie einen Riss der Patellasehne und könnte bis zu acht Monaten ausfallen. Ter Stegen ist wirklich ein Pechvogel, nachdem er gerade erst seinen Traum erfüllt sah, die Nummer 1 im Nationaltor zu sein, nachdem Manuel Neuer seinen Rücktritt verkündet hatte. Schon die EM 2021 hatte ter Stegen wegen der gleichen Verletzung verpasst. Spannend ist jetzt die Frage, wem Nagelsmann vertraut, erste Kandidaten sind Oliver Baumann (Hoffenheim) und Alexander Nübel (Stuttgart), auch Kevin Trapp (Frankfurt) als dritte Möglichkeit ist verletzt.