Bayerns Sturm- und Drangzeit unter Kompany
„Wie stark sind die Bayern wirklich?“, war die Fußball-Frage vor der zurückliegenden Woche, doch eine schlüssige Antwort gibt es nicht. Drei Spiele ohne Sieg nach dem 1:1 gegen Leverkusen, 0:1 bei Aston Villa und 3:3 in Frankfurt lassen eher auf eine Krise schließen. „In so einer Krise befinde ich mich doch gerne“, lässt Thomas Müller wissen und weist darauf hin, dass die Bayern ihre Gegner beherrscht haben, nur der Ertrag lässt zu wünschen. Es war nämlich wiederum eine entlarvende Woche, die Bayern sind mit Kontern zu knacken, die Defensive macht Fehler. Trainer Vincent Kompany hat den Bayern eine Sturm- und Drangzeit verordnet, 24:6 Schüsse in Frankfurt sprechen eine deutliche Sprache, doch die Absicherung fehlt. „Lasst uns ruhig bleiben“, fordert der Trainer, wohl wissend, dass ausbleibende Siege bei den Münchnern zum Theater führen. Aber immerhin, die Bayern gehen als Tabellenführer in die Länderspielpause, doch das Programm danach wird nicht leichter, VfB Stuttgart und FC Barcelona heißen die nächsten Gegner.
Die Eintracht hat die Bayern klassisch ausgekontert, der Ägypter Omar Marmoush befindet sich in einer sensationellen Form, ließ Neuer zweimal keine Chance und führt mit acht Treffern die Torschützenliste an. Er gab auch vier Vorlagen zu Toren, macht also zwölf Skorerpunkte, die hat auch Harry Kane, der allerdings in der gesamten Woche ohne eigenen Torerfolg blieb, aber als Vorlagengeber glänzte, scheinbar aber immer noch nicht ganz fit ist. Und Manuel Neuer erlebte ebenfalls eine besondere Woche, offenbarte Vor- und Nachteile seines offensiven Torhüterspiels. Von Aston Villa wurde er düpiert, als er weit vor seinem Tor stand, in Frankfurt glänzte er als Libero, als er viele weite Bälle fast an der Mittellinie schon entschärfte. Die Eintracht schaffte den Ausgleich zum 3:3 in der Nachspielzeit und feierte das Unentschieden als Sieg, die Münchner sahen es als Niederlage. Frankfurt befindet sich aber im Aufwind, liegt auf Rang drei, also ebenso in den Champions-League-Plätze wie überraschend der SC Freiburg als Vierter. Die nächste schwere Prüfung steht der Eintracht allerdings bevor, am 19. Oktober bei Meister Leverkusen.
Die Bayern sind entlarvt, aber einige Klubs geben nach wie vor Rätsel auf. Titelverteidiger Bayer Leverkusen hat seine Souveränität des Vorjahres eingebüßt, was wohl Kopfsache ist, ein bisschen scheinen sich einige Spieler auf den Lorbeeren auszuruhen. Anders ist das 2:2 gegen Neuling Holstein Kiel nicht zu erklären, nach einer schnellen 2:0-Führung ging die Konzentration beim Favoriten verloren und das berüchtigte Siegtor in der Nachspielzeit blieb aus. Noch mehr gerätselt wird aber in Dortmund, denn der neue Trainer Nuri Sahin konnte dem Team die Wankelmütigkeit noch nicht austreiben. Der 7:1-Kantersieg bei Celtic Glasgow katapultierte die Borussia an die Tabellenspitze der Champions League, das Gegenteil folgte mit dem 1:2 bei Union Berlin. Erinnerungen ans Vorjahr werden wach, als Dortmund in der Bundesliga immer wieder Aussetzer hatte, aber ins CL-Finale einzog. Union wiederum gehört zu den Überraschungsteams, vom Abstiegskampf in die Spitzengruppe ist ein fast schon sensationeller Sprung.
Am Tabellenende konnten sich Augsburg (2:1 über Gladbach, das zu den Sorgenkindern gehört) und Mainz (3:0 bei St. Pauli) ein bisschen befreien und in eine ruhige Länderspielpause gehen. Anders sieht es vor allem beim neuen Schlusslicht Bochum und bei der TSG Hoffenheim aus. In Bochum (neben Kiel noch ohne Sieg) steht angeblich Trainer Peter Zeidler nicht zur Debatte, doch solche Bekenntnisse sind oft der erste Schritt zur Entlassung. Von Rückendeckung ist bei Hoffenheim für Pellegrino Matarazzo nicht die Rede, aber immer wieder gibt es Lichtblicke (nach dem 2:0 gegen Kiew ein 1:1 in Stuttgart) und er hält sich im Amt. Rang 16 (Relegation) in der Bundesliga gefällt dem Verein allerdings nicht, der wieder ins europäische Geschäft möchte.
DFB-Elf: Absagen für Nagelsmann
Die Saison ist noch jung, dennoch macht sich die große Belastung der Spieler bereits bemerkbar, es gibt immer mehr Ausfälle. Auch Bundestrainer Julian Nagelsmann leidet darunter, es hagelte vier Absagen für ihn, vor allem die Offensive wird ein neues Gesicht bekommen. Jamal Musiala (Hüftgelenk), Niklas Füllkrug (Achillessehne), Kai Havertz (Knie) und Robin Koch (Hüfte) müssen passen. Zunächst holte Nagelsmann Tim Kleindienst (Torjäger von Gladbach) nach, dann Jamie Leweling vom VfB für Musiala und schließlich bekommt der Mainzer Jonathan Burkardt (einst Kapitän der U21) eine Chance durch den Ausfall von Havertz. Zuletzt traf es auch Robin Koch (Frankfurt), aber da noch vier Innenverteidiger zur Verfügung stehen, holt Nagelsmann Flügelflitzer Kevin Schade (Brentford), der vor über einem Jahr in Freiburg für Furore sorgte und sich jetzt wieder zeigen darf.
Dennoch sind dies keine guten Voraussetzungen für die Spiele in der Nations League am Freitag in Bosnien-Herzogewina und am Montag, 14. Oktober (20.45 Uhr) in München gegen die Niederlande, die zusammen mit Deutschland mit vier Punkten die beiden Plätze für die Play-Offs belegt (Hinspiel 2:2). Trotz aller Probleme bleibt natürlich das Ziel, frühzeitig die Weichen für ein Weiterkommen zu stellen. Bosnien holte zuletzt ein 0:0 gegen Ungarn, das der DFB-Elf bekanntlich 0:6 unterlag. Die Niederlande hatte Bosnien mit 5:2 besiegt, da sollten auch die Nagelsmänner nicht straucheln. Am Montag begann in Herzogenaurach im schon heimischen Adidas-Campground die Vorbereitung.
Aber nicht nur im Angriff gibt es Fragezeichen, wie sich der Bundestrainer entscheidet, denn er sucht ja auch einen Ersatz für Stammtorhüter ter Stegen, der noch länger ausfällt. Oliver Baumann (Hoffenheim) gilt als erste Option, weil er schon länger hinten dran steht und noch ohne Länderspiel ist, ein Spiel könnte aber auch Alexander Nübel (Stuttgart) als Mann der Zukunft bekommen. Als dritter Torhüter ist der Ex-Leipziger Jannis Blaswich dabei, der allerdings derzeit bei RB Salzburg in der Kritik steht.
Das Aufgebot: Tor: Baumann, Nübel, Blaswich. – Abwehr: Anton, Henrichs, Kimmich, Mittelstädt, Raum, Rüdiger, Schlotterbeck, Tah. – Mittelfeld: Andrich, Führich, Groß, Leweling, Pavlovic, Stiller, Wirtz. – Angriff: Gnabry, Kleindienst, Burkardt, Undav, Schade.
Frauen: Champions League startet
Die Punktspielpause der Männer nutzen die Frauen für den Start ihrer Champions League. Bekanntlich sind aus der Bundesliga Meister Bayern München und Vizemeister VfL Wolfsburg dabei. Die 16 Teams spielen in vier Gruppen, die jeweils zwei Mannschaften schaffen es ins Viertelfinale. Für beide deutschen Klubs wird es nicht leicht, aber es ist möglich. Doch beide Teams zeigten zuletzt nicht unbedingt ihre Bestform. Die Bayern zum Beispiel mühten sich zu einem 1:0 gegen Köln, sind aber Tabellenführer und bauten den Rekord auf 44 ungeschlagene Spiele aus. Nach den Aufgaben in der CL treffen beide Bundesligisten am Samstag (17.45 Uhr/ARD) im Schlagerspiel in Wolfsburg aufeinander. Auch wenn die Wölfinnen derzeit nur Dritte sind (Zweiter Frankfurt) und bereits fünf Punkte Abstand zu den Bayern haben, bleibt dieser Vergleich zwischen Meister und Pokalsieger das große Duell, deshalb ziehen die Wölfinnen auch in die große VW-Arena um.
Zunächst sollten beide Teams aber in der CL bestehen, Wolfsburg eröffnet am Dienstag mit dem Gastspiel bei AS Rom, weitere Gruppengegner sind Olympique Lyon und Galatasaray Istanbul. Die Bayern-Mädchen haben mit Arsenal London am Mittwoch das dickste Brett zu bohren und treffen außerdem auf Juventus Turin und Valerenga IF aus Oslo. Gegen London müssen die Münchnerinnen wesentlich mehr zeigen als gegen Köln.
Besondere Aufmerksamkeit zog in den letzten Tagen aber Alexandra Popp auf sich. Die Kapitänin des VfL Wolfsburg und der Nationalmannschaft verkündete ihren Rücktritt aus dem DFB-Team. Sie nannte es eine Bauchentscheidung, die aber nicht überraschend kommt, denn oft plagten sie zuletzt Verletzungen. Der neue Bundestrainer Christian Wück steht nun wirklich vor einem Neuaufbau, nachdem zuvor schon wichtige Spielerinnen wie Torhüterin Merle Frohms, Abwehrchefin Marina Hegering und Stürmerin Svenja Huth ihren Abschied verkündet haben. Gespannt sein darf man, wer Popp als Kapitänin nachfolgt. Als Favoritinnen gelten die derzeit verletzte Lena Oberdorf oder Giulia Gwinn, die zuletzt immer mehr in den Blickpunkt rückte.