Bei den Fußballfans geht Spaß vor Sicherheit
Die harten Fans im Fußball meinen wohl, sie können bestimmen, wie das Drumherum um ein Spiel abläuft. Die Ultras wollen ihre Tribüne beherrschen, immer mehr aber auch in die Vereinshoheit eingreifen, notfalls mit Gewalt. Deshalb war die Sicherheit im Fußball, vor allem in der Bundesliga, wieder einmal das Thema bei einem Treffen der Innenminister aller Länder in München. Angeprangert wird vor allem das Abbrennen von Pyrotechnik und sogar Raketen. Die Fan-Gruppierungen monierten, dass kein Vertreter von ihnen eingeladen sei, aber die Innenminister konterten zurecht: „Sicherheit ist unsere Aufgabe“. Bei den Fußballfans geht aber Spaß vor Sicherheit, zu beobachten auch in diesem Wochenende wieder. Das Abbrennen von Pyrotechnik ist gefährlich, Mitmenschen werden gefährdet, es kann Verletzte oder sogar Tote geben. Muss es erst so weit kommen? Es reicht schon, wenn durch den Rauch Spielverzögerungen provoziert werden, die restlichen Zuschauer im Stadion werden quasi in Geiselhaft genommen, Hauptsache die Ultras haben ihren Spaß. Leider ist es so, dass eine Einigung in weiter Ferne ist, gefordert werden Verurteilungen und Inhaftnahme schon im Stadion, was äußert schwierig sein dürfte. Von Einsicht also keine Spur, von Änderungen leider auch nicht. Die Fans mischen sich wie selbstverständlich überall ein, so jetzt in Mainz, als die Fans Jürgen Klopp kritisieren, der geliebte Kloppo arbeitet doch künftig wirklich für den ungeliebten Brause-Konzern Red Bull. Hätte Klopp die Fans um Erlaubnis fragen sollen?
Dabei sollte doch der Sport im Vordergrund stehen und er hat auch genug zu bieten. Die Bundesliga ist interessant wie selten in den letzten Jahren. Bayern München lässt sich derzeit aber nicht von der Tabellenspitze verdrängen und hat seine kleine Ergebniskrise mit drei Spielen ohne Sieg eindrucksvoll beendet. Beim 4:0 im Spitzenspiel gegen den VfB Stuttgart war ein wohl nicht unhaltbarer Schuss aus rund 25 Metern von Harry Kane (57.) nach dem 0:0 zur Pause der Knotenlöser. Für die Bayern und für den Torjäger selbst auch, denn er legte nur drei Minuten später nach und erzielte mit dem 3:0 (80.) nach 407 Minuten ohne Erfolgserlebnis seinen ersten echten Hattrick bei den Bayern. Es war wieder ein schwungvoller Auftritt der Münchner, doch RB Leipzig hält mit und das auf ganz andere Art: Die Rose-Schützlinge setzen auf Sicherheit, betätigen sich eher als Minimalisten, sind aber gleichauf, ebenfalls noch ungeschlagen und haben bisher nur zwei Gegentore kassiert, in sieben Spielen aber auch nur elfmal getroffen, die Bayern haben dagegen 24:7 Tore zu Buche stehen. Das 2:0 in Mainz war typisch. Dritter ist überraschend, noch vor Titelverteidiger Leverkusen, der SC Freiburg, der beim 3:1 gegen Augsburg leichtes Spiel hatte, aber auch schon zwei Niederlagen auf seinem Konto hat, eine davon in Dortmund. Jetzt folgt das Schlagerspiel am Samstag in Leipzig, das könnte eine Nagelprobe für beide Teams werden.
Leverkusen setzte sich mit viel Glück mit 2:1 gegen Frankfurt durch. Im Mittelpunkt stand vor allem Rekord-Schiedsrichter Dr. Felix Brych, der allerdings einen schlechten Tag erwischt hatte. Er verteilte immerhin gerecht zwei harte Elfmeter nach langem Videostudium, hätte aber auf beide verzichten können. Diskussionswürdig aber eine Attacke von Tah in der 91. Minute gegen Ekitiké, als er den hochspringenden Frankfurt mit dem Arm touchierte und aus dem Gleichgewicht brachte. Brych sah den Arm angelegt, war von der Slapstickszene (Hradecky schoss vorher Tah an) wohl beeindruckt und pfiff nicht. Tah konnte den Ball von der Linie kratzen und rettete den Sieg. Logisch, dass die Frankfurt „Skandal“ schrien, „das muss Elfmeter“ sein, die Leverkusener aber lächelten, „im Fußball darf man den Gegenspieler schon mal berühren,“ so Bayer-Boss Simon Rolfes.
Am Tabellenende handelte Schlusslicht VfL Bochum. Auch bei der TSG Hoffenheim gelang nicht der erste Sieg, am Tag danach wurden die Konsequenzen gezogen: Der neue Trainer Peter Zeidler, erst im Sommer von St. Gallen gekommen, muss wieder gehen. Er litt allerdings unter dem Umbruch im Team und bekam nicht die nötige Zeit, für ihn ein unglückliches Engagement. Hauptverantwortlich für den Niedergang war eher Sportdirektor Marc Lettau, der folgerichtig ebenfalls die Koffer packen muss. Die Neuzugänge waren einfach keine Verstärkungen. Auch die Aufsteiger tun sich weiter schwer, davor sind ab Rang 15 mit Augsburg, Hoffenheim und Wolfsburg drei Vereine mit je sieben Punkten gleichauf, die alle drei vor der Saison von höheren Tabellenregionen geträumt haben. Lange werden auch dort die Bosse nicht mehr zuschauen…
Vorfreude bei Bayern, Krach um Bayern
Ruhe bei Bayern München? Das hat Seltenheitswert. Und wenn Ruhe herrscht, dann wird Unruhe von außen reingetragen. Was soll man von den Medien halten, die eine alte Geschichte aufwärmen, um künstlich von einem Krach bei Bayern berichten zu können. Vorstandsboss Jan-Christian Dreesen hat vor drei Jahren eine Zeitung nach einer Sekretärin geworfen, die Sache wurde damals ausgeräumt, die Sekretärin ist nicht mehr da. Jetzt wurde diese Verfehlung verkauft, um eine Vertragsverlängerung des CEO ab 2025 in Zweifel zu ziehen und andere Kandidaten ins Spiel zu bringen. Ein abgekartetes Spiel? Der seriöse kicker berichtet dagegen, im Verein sei man sich einig, dass Dreesen der richtige Mann ist und man den Vertrag verlängern will.
Dabei gibt es sportlich eine Vorfreude auf die Champions League. Das Duell mit dem FC Barcelona steht an, ein Wiedersehen mit Hansi Flick, der beinahe wieder Bayern-Trainer geworden wäre, jetzt sind die Münchner auch mit Vincent Kompany glücklich. Flick ist in Barcelona ebenfalls glücklich, die Ergebnisse stimmen, Spitzenreiter in Spanien. Bayern gegen Barcelona, da werden Erinnerungen an 2020 wach, als die Bayern im Viertelfinale gegen Barca 8:2 siegten, nicht nur die Champions League gewannen, sondern Hansi Flick sogar das Triple holte. Aber gegen Barcelona spielen die Bayern immer gern, 16 internationale Vergleiche gab es, elfmal siegten die Münchner bei nur zwei Niederlagen! Und diesmal? Übrigens gibt es eine interessante Auffälligkeit: Die letzten in München entlassenen Trainer wurden anschließend alle Nationaltrainer! Mit Hansi Flick begann es, danach ebenso Julian Nagelsmann als sein doppelter Nachfolger, der nach Bayern nun Deutschland trainiert und Thomas Tuchel versucht es jetzt in England!
Ein besonderes Spiel ist auch das Gastspiel bei Real Madrid für Borussia Dortmund. Es ist die Neuauflage des letztjähriges Finales, das die Borussen bekanntlich 0:2 verloren. Jetzt reisen sie aber als Tabellenführer der neuen CL ins ebenfalls runderneuerte Estadio Santiago Bernabéu. Fünf Jahre dauerte der 1,17 Milliarden teure Umbau. Ob eine Revanche möglich ist? In der CL treten die Dortmunder bekanntlich anders auf als in der Bundesliga. Die Spitzenvereine haben alle Stress in den Wochen bis zur nächsten Länderspielpause Mitte November. Zum internationalen Geschäft kommt der DFB-Pokal. In der CL gibt es weitere interessante Aufgaben, RB Leipzig erwartet den FC Liverpool, Stuttgart gastiert bei Juventus Turin. Meister Leverkusen darf Stade Brest nicht unterschätzen, das mit ebenfalls sechs Punkten Zweiter ist.
Premiere für Christian Wück
Mit Spannung verabschiedete sich die Frauen-Bundesliga in die Länderspielpause. Die Überraschung war dabei, dass Eintracht Frankfurt mit einer 0:1-Niederlage gegen Werder Bremen die Tabellenführung herschenkte. Mit Glück konnte sie Bayern München im Schlagerspiel gegen das überraschend starke Bayer Leverkusen mit einem 3:2-Sieg zurückholen. Zweimal lagen die Bayern-Mädchen im Rückstand, ehe die 17-jährige Sehitler in der Nachspielzeit den Siegtreffer erzielte.
Im Mittelpunkt steht aber jetzt die Premiere von Christian Wück als neuer Bundestrainer und Nachfolger von Horst Hrubesch. Der Ort könnte nicht prominenter sein, Deutschland tritt am Freitag (20.30 Uhr) im Wembleystadion von London gegen England an. Danach geht es am Montag noch in Duisburg gegen Australien. Wück betritt bei den Frauen Neuland, hat aber Erfahrung mit Nationalteams und kann Erfolge vorweisen, vor knapp elf Monaten führte er die Junioren der U17 zum WM-Titel. Jetzt soll er mit den Frauen Titel holen. Als Sportdirektorin Nia Künzer ihn ansprach, hat sich Wück den neuen Job sofort vorstellen können. „Ich bin recht schnell zu dem Entschluss gekommen, dass es für mich der nächste richtige Schritt ist.“ Bei seinem ersten Aufgebot hat Wück nicht für besonders große Überraschungen gesorgt, aber er will erst einmal beobachten. Einen wichtigen Schritt ging der DFB mit der Einführung einer Nationalmannschaft der U23 als Unterbau. „Das brauchen wir als Zwischenschritt zum A-Team unbedingt,“ ist sich der neue Bundestrainer sich. Kapitänin beim ersten Auftreten wird die Münchnerin Giulia Gwinn sein.