Die Probleme der deutschen Spitzenklubs
In der heimischen Bundesliga klappt es meist, auf internationalen Parkett gab es allerdings Demütigungen, die deutschen Fußball-Spitzenklubs eint aber eins: Sie haben Probleme.
Die größten Probleme hat derzeit wohl Borussia Dortmund, das im Gegensatz zu München, Leipzig und Leverkusen vor allem in der Bundesliga den Wünschen weit hinterherhinkt. Nur Platz 7 nach acht Spieltagen, mit gerade mal 13 Zählern und 15:14 Toren sieben Punkte hinter dem Führungsduo Bayern/Leipzig zurück. Nach dem glanzlosen 2:1 gegen St. Pauli folgte die 2:5-Pleite bei Real Madrid und schließlich der Tiefpunkt des 1:2 in Augsburg. Trainer Nuri Sahin steht in der Kritik, aber seine mögliche Ablösung noch nicht zur Debatte. Der Neuling muss noch lernen, aber kann sich das die Borussia leisten? In Madrid leitete auch der Trainer die Niederlage ein, als er bei einer 2:0-Führung auf ein Defensivkonzept umschaltete. Doch die Einwechslungen, die Sicherheit bringen sollten, brachten Unsicherheit. Sündenbock Nummer 1 war Kapitän Emre Can, da wird auch Bundestrainer Julian Nagelsmann ob der Fehler große Augen gemacht haben. Auch Nico Schlotterbeck ist keine Stütze, Bruder Kevin war bei Augsburg besser. Beim FCA zeigte sich wieder Dortmunds Auswärtsschwäche, keine Mannschaft hat so eine große Diskrepanz, 12 Heimpunkten steht gerade mal ein Auswärtspünktchen gegenüber. Das kann auch am Dienstag im DFB-Pokal zum Problem werden, da muss die Borussia beim Liga-Konkurrenten Wolfsburg antreten. Trotz Verletzungsproblemen, folgt das Aus, brennt der Baum endgültig…
Dortmund war bisher in der Champions League stark, in der Bundesliga vor allem auswärts schwach. Ein ähnliches Problem haben die Bayern, sie scheinen für die internationalen Spitzenklubs zu schwach (0:1 bei Aston Villa, 1:4-Pleite in Barcelona), für die Bundesliga aber zu stark, siehe Kantersiege wie jetzt 5:0 in Bochum und Tabellenführung. Bei Dortmund ging das Defensivkonzept in die Hose, bei den Bayern klappt Kompanys Hurra-Stil manchmal nicht, wenn der Gegner starke Konterspieler hat. Wie das auf Dauer funktioniert, muss sich zeigen. Unruhe gab es schon nach der Pleite in Barcelona, da war es wohl kein Trost, dass auch Real Madrid im Clasico gegen das Flick-Team mit 0:4 unterlag. Anders sieht es bei RB Leipzig aus, das wie die Bayern 20 Punkte aufweist, aber da rollt nicht die Torlawine, sondern steht das Sicherheitskonzept, mit erst drei Gegentoren die beste Abwehr der Liga. Trainer Marco Rose hat aber ein personelles Problem, mit Schlager, Raum und Xavi fehlen drei Stammspieler langfristig. Am Samstag steht das Schlagerspiel in Dortmund an, das könnte für beide Vereine richtungsweisend sein.
Ganz andere Probleme hat wiederum Xabi Alonso bei Bayer Leverkusen. Dort macht der Trainer bei den Spielern ein mentales Manko aus, der Titelverteidiger sonnt sich noch ein bisschen im Meisterglanz. Alonso vermisst den letzten Siegeswillen, der im Vorjahr zu einer ungeschlagenen Saison führte. Jetzt stehen schon drei Unentschieden und eine Niederlage zu Buche, aber noch ist mit Platz drei und fünf Punkten Rückstand zur Spitze nicht allzu viel passiert. In der Champions League ist Bayer noch ungeschlagen, doch die dicken Brocken waren noch nicht dabei. Der erste kommt am nächsten Spieltag mit dem FC Liverpool. Das 1:1 in Brest war keine Glanzleistung.
Die Ehre der Bundesligisten in der Champions League rettete der VfB Stuttgart mit einem 1:0-Sieg bei Juventus Turin. Trainer Sebastian Hoeneß hat aber ein besonderes Problem, er muss neue Spieler integrieren, dazu mit seinem Team die ungewohnte zusätzliche Belastung verkraften, sollte aber dennoch erfolgreich bleiben. Das gelingt nicht immer, aber allein die Abstellungen zur Nationalmannschaft zeigen, dass der VfB auf dem richtigen Weg ist. In Bundesliga und Champions League liegt man im Rahmen, könnte sein, dass es mit fortschreitender Saison eher aufwärts geht. Zunächst steht aber am Freitag die schwere Aufgabe in Leverkusen bevor. Will der VfB den Anschluss nach oben halten, darf es keine Niederlage geben.
Dort wo die Spitzenklubs schwächeln, machen sich andere breit. Union Berlin und der SC Freiburg bleiben die Überraschungsteams, auch wenn Freiburg in Leipzig (1:3) einen Dämpfer hinnehmen musste, während Union mit dem 1:1 gegen Frankfurt sein Terrain verteidigte. Die Härteprüfung folgt aber am Samstag in München. Da wird sich zeigen, ob die Torlawine auch die Minimalisten (9:5 Tore) überrollen kann oder die Union-Festung hält.
Hoffnung DFB-Pokal
Für Abwechslung im Ligen-Alltag sorgt am Dienstag und Mittwoch wieder der DFB-Pokal, was aber auch bedeutet, dass es für die Klubs auf Europas Bühne keine Ruhepause gibt. Der Pokal wird auch als Cup der Hoffnung bezeichnet, zum Beispiel in diesem Jahr besonders für die Traditionsklubs, die in der 2. Bundesliga ein bisschen ein Schattendasein führen. So wollen die Vereine im Pokal Wiedergutmachung betreiben, die in der Liga negative Erlebnisse hatten. Schalke 04 (in Augsburg) und der Hamburger SV (in Freiburg) müssen allerdings auswärts antreten, während der 1. FC Köln gegen das in der Bundesliga noch sieglose Holstein Kiel Heimvorteil hat. Besonders interessant dürfte der Vergleich Hertha BSC Berlin gegen Heidenheim sein, der auf einer Erfolgswelle schwimmende 1. FC Nürnberg muss bei der TSG Hoffenheim antreten.
Es gibt aber auch vier Bundesliga-Duelle, am Dienstag Leipzig – St. Pauli und Wolfsburg – Dortmund (siehe oben), am Mittwoch Frankfurt – Mönchengladbach und Mainz – München. Vor allem auf die Bayern sind wieder einmal die Augen gerichtet, denn in den letzten Jahren war für den Dauer-Meister im Pokal meist frühzeitig Schluss. Den letzten Cup-Sieg gab es 2020. Und wie klappt es mit der Angriffswelle in Mainz? Pech für Mainz, dass der schnelle Burkhart ausfällt. Als einziger Viertligist ist übrigens Kickers Offenbach (gegen Karlsruhe) noch dabei, aus der 3. Liga sind dies Arminia Bielefeld (gegen Union Berlin) und Dynamo Dresden (gegen Darmstadt). Die nächste Runde wird am 3./4. Dezember ausgetragen. Vier Bundesligisten fehlen dann also auf jeden Fall…
Wück-Ära startet furios
Der Einstand für den neuen Frauen-Bundestrainer Christian Wück hätte nicht besser sein können. Im modernen Trend von Hansi Flick bei Barcelona oder Vincent Kompany bei Bayern verordnete er den Frauen ein schnelles, offensives Spiel, das im Wembley-Stadion von London Europameister England, Nummer 2 der Welt, total überraschte. Vor allem Kapitänin Gwinn und Flügelflitzerin Bühl zeigten sich treffsicher, nach 29 Minuten führte Deutschland 3:0. Das wollte sich der Gastgeber nicht bieten lassen, auch Fehler schlichen sich ein, so kam England in einem der bis besten Spiele, die es je im Frauen-Fußball gegeben hat, durch zwei Tore von Stanway (ein Handelfmeter) wieder heran. Auffallend: Alle fünf Tore hatten Bayern-Spielerinnen erzielt! Das Blatt schien sich zu wenden, Wück wechselte viel, aber auch Däbritz verwandelte einen Elfmeter, England kam nach einen Fehler von Torhüterin Berger nur noch auf 3:4 heran. Die Überraschung und der furiose Einstand vom neuen Bundestrainer waren perfekt.
Auf diesem Weg will Christian Wück weitermachen und weiterhin jungen Spielerinnen eine Chance geben. Am Montag in Duisburg gegen Australien kam es aber erst einmal zu einem Abschied, die langjährige Stütze der Mannschaft und Kapitänin, Alexandra Popp, sagte Ade. Mit ihr beendet eine Legende des Nationalteams ihre DFB-Karriere, scheinbar hat sie ihren Abschied zum richtigen Zeitpunkt verkündet.
Auch für die Frauen geht es am Wochenende bereits wieder mit der Bundesliga weiter und da steht das nächste Schlagerspiel auf dem Terminplan, am Montag, 4. November (18.00 Uhr), tritt der Tabellenzweite Eintracht Frankfurt bei Spitzenreiter Bayern München an.