WM-Winter im Zeichen von Olympia

Der Winter ist wieder da! Darüber freuen sich nicht nur die Skihaserl und Schneekönige, sondern auch die Fernsehanstalten, denn ARD und ZDF haben in den Wintermonaten bei ihren stundenlangen Wintersport-Übertragungen hervorragende Einschaltquoten, das heißt, wesentlich mehr Zuschauer als in den Monaten ohne Schnee. Dies als Information für die Kritiker, die nicht verstehen können, dass immer Wintersport läuft, wenn sie am Samstag und Sonntag am Nachmittag ihre Glotze einschalten.

Der Wintersport boomt also, beschränken wir uns auf die publikumsträchtigen Sportarten, obwohl auch Rodeln und Bob beachtliches Interesse finden. Der Winter 2024/25 ist aber ein besonderer, denn Weltmeisterschaften stehen an und die wiederum stehen ganz im Zeichen der Olympischen Spiele 2026 in Mailand und Cortina d’Ampezzo. Der Anreiz Olympia ist wohl auch dafür verantwortlich, dass wir in letzter Zeit viel von Comebacks gehört haben. Olympia 26 ist aber auch eine Marke, die manche Karriere beenden könnte. Einer, der jetzt schon vor dem ersten Rennen der neuen Saison seine Rücktrittsgedanken kundgetan hat, ist der norwegische Spitzen-Biathlet Johannes Thingnes Bö, der sich danach lieber seiner Familie, nämlich Frau und zwei Kinder (4 und 1) widmen will. Ein großes Ziel hat er aber, er möchte seinen Landsmann, der Biathlon-Legende Ole Einar Björndalen, noch übertreffen. Bö braucht noch einen WM-Titel, um sich von Björndalen abzusetzen, bis jetzt haben beide 20. Mit 76 Siegen insgesamt ist Bö gegenüber Björndalen (94) ein bisschen zurück, er wehrt deshalb ab, „ob 76, 80 oder gar 90, das ist jetzt auch egal, dieser Rekord muss nicht sein.“

Im alpinen Skisport geht es um das Gegenteil von Rücktritten, Ski-Größen vergangener Tage haben ihr Comeback angekündigt bzw. bereits vollzogen. Die Schlagzeilen gehörten zunächst dem einstigen Seriensieger Marcel Hirscher, der achtmalige Gesamtweltcup-Sieger hielt es nach einigen Jahren Pause nicht mehr aus, kehrte auf die Piste zurück, fährt bisher aber hinterher. Der Österreicher startet für die Niederlande, das Heimatland seiner Mutter. Ob der 35-Jährige noch einmal den Anschluss nach ganz oben findet, ist eine spannende Frage. Anders gestaltete sich das Comeback des 24-jährigen Lucas Pinheiro Braathen. Der Norweger hatte die Nase voll, doch ohne den Pistenzauber geht es nicht, der Paradiesvogel fährt jetzt ebenfalls für das Heimatland seiner Mutter, nämlich Brasilien. Es hat den Anschein, als würde Brasilien bald auf den Siegerlisten auftauchen.

Wesentlich spektakulärer ist die Ankündigung von Lindsey Vonn, dass sie wieder Rennen fahren will. Fünfeinhalb Jahre nach ihrem Abschied will die einstige Speed-Queen wieder mitmischen – und das mit einem künstlichen Kniegelenk. Es gibt Ärzte, welche die immerhin schon 40-jährige Amerikanerin davor warnen, es gibt Fachleute, die damit rechnen, dass Vonn schnell wieder vorne mitfahren wird, bei den Abfahrtsrennen wohlgemerkt. Ihr früherer Trainer merkt an, „keine hat so ein Gleitvermögen wie Lindsey, da ist sie unübertroffen und das wird ihr helfen“, Noch aber ist ungewiss, wann es Vonn wirklich wagen wird, wahrscheinlich bei den Rennen im Dezember in Amerika. 82 Weltcuprennen hat Vonn von 2001 bis 2019 gewonnen, damals Rekord.

Die neue Skikönigin kommt wieder aus Amerika, Mikaela Shiffrin hat 97 Weltcup-Rennen gewonnen, mehr wie jeder Mensch vor ihr. Sechs Weltmeisterschaften hat sie bestritten und fuhr immer mit Gold nach Hause, das schaffte sonst auch niemand. Nummer 7 soll im Februar in Saalbach-Hinterglemm folgen. Ob dort auch die deutschen Athletinnen und Athleten erfolgreich sein können, wird sich zeigen. Es gibt nicht viele Kandidaten, die Slalom-Asse Lena Dürr und Linus Straßer bewiesen aber in den ersten Rennen, das mit ihnen zu rechnen ist. Ansonsten gibt es eher Probleme im deutschen Kader, es ist mehr von Ausfällen und Verletzungen die Rede, so bei Andreas Sander und Stefan Luitz, eigentlich zwei Hoffnungsträger.

Die Skispringer haben neben der Weltmeisterschaft noch einen anderen Höhepunkt, nämlich die traditionelle Vierschanzentournee zum Jahreswechsel. Die Springen in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen sind immer ein besonderes Highlight und ein Quotenerfolg für das Fernsehen. Der Auftakt am 28. Dezember in Oberstdorf ist bereits ausverkauft und mit Andreas Wellinger träumt auch ein deutscher Skispringer von einem Gesamtsieg. Im Vorjahr war er Zweiter, er spricht von einer guten Form und würde einen Gesamtsieg bei der Tournee einem Olympiasieg sogar vorziehen. Mit Karl Geiger haben die deutschen Springer ein weiteres Ass im Ärmel, zum Auftakt am Wochenende in der Olympiastadt von 1994, in Lillehammer, ist nach einem Formtief auch wieder Markus Eisenbichler dabei. Insgesamt 42 Springen bei den Männern und nur 29 bei den Frauen stehen auf dem Programm, dazu vier Mixed-Springen. Das zeigt, dass die Frauen im Skispringen immer noch benachteiligt sind. Sie hoffen auch weiterhin auf ihre eigene Vierschanzentournee.

Der beliebteste Wintersport im Fernsehen ist zweifellos Biathlon, nur die Vierschanzentournee kann hier die Einschaltquoten toppen. Allerdings könnte das Interesse nachlassen, wenn es an Erfolgen fehlt und da muss man im deutschen Lager vor der neuen Saison skeptisch sein. Zum Auftakt am 30. November in Kontiolahti in Finnland wird vor allem eine junge deutsche Damen-Mannschaft an den Start gehen. Angeführt von Franziska Preuß (30) und Vanessa Voigt (27) sind nur Talente am Start, da wird die WM-Saison wirklich zum Testlauf für Olympia. Johanna Puff (20), Selina Grotian (20), Julia Kink (20) und Julia Tannheimer (19) gelten aber alle als Versprechen für die Zukunft. Bekannte Gesichter wären eher Sophia Schneider und Hanna Kebinger, die aber zuerst im zweitklassigen IBU-Cup an den Start gehen.

Bei den Männern fehlen dagegen die Talente, da ist eher Routine angesagt. Mit Roman Rees fehlt am Start aber der Mann aus Formgründen nach Krankheit, der in der letzten Saison sogar das Gelbe Trikot getragen hat. An den Start gehen Johannes Kühn (33), Justus Strelow (27), Philipp Nawrath (31), Philipp Horn (30), David Zobel (28) und Danilo Riethmüller (25). Zum Jahresbeginn sind die Rennen in Deutschland, nämlich vom 9. – 12. Januar in Oberhof und danach vom 15. – 19. in Ruhpolding. WM-Gastgeber ist Lenzerheide in der Schweiz (12. – 23. Februar).