Wer frohe Weihnachten feiert und wo der Baum brennt
Schon zwei Tage vor dem Heiligen Abend wurden in der Fußball-Bundesliga Geschenke verteilt, es gab Mitleid für die Klubs vom Pott und so durfte Schlusslicht Bochum seinen ersten Sieg feiern und Dortmund seinen ersten Auswärtssieg. Aber es stellt sich ja überhaupt die Frage vor der Weihnachtspause, wer denn frohe Weihnachten feiern kann und wo der Baum brennt.
Gute Stimmung unter dem Christbaum herrscht auf jeden Fall in München und Leverkusen, bei den Mannschaften, die nach Stand der Dinge die Meisterschaft unter sich ausmachen werden. Aber in Mainz (5.!), Bremen (7.) und Mönchengladbach (8.) wird die Stimmung sogar noch besser sein. Bei den Vereinen hatte man nicht mit einem so guten Abschneiden gerechnet. Vor allem Mainz erlebt einen sensationellen Aufwind mit fünf Siegen in den letzten sechs Spielen. Vor einem Jahr kämpfte der Verein gegen den Abstieg, war als 16. punktgleich mit Schlusslicht Darmstadt. Der wuselige Däne Bo Henriksen führte den Verein nach oben. Als es zu Beginn der neuen Saison wieder holperte, mehrten sich die Stimmen, die meinten, Henriksen könne als Trainer den Retter spielen, aber nicht auf Dauer erfolgreich sein. Offensichtlich schon. Auch Werder Bremen überrascht, dort war ebenso wie in Gladbach das Ziel, ins gesicherte Mittelfeld zu gelangen. Auch hier war eine gewisse Anlaufzeit nötig, doch jetzt darf man bei nur zwei oder drei Punkten hinter Frankfurt und Leipzig sogar von der Champions League träumen. Frohe Weihnachten also.
Kein Weihnachtswunder ist es, dass die Bayern und Bayer oben stehen, wobei beide Teams nicht immer glücklich waren. Vor allem der Titelverteidiger fremdelte anfangs mit der Rolle des Favoriten, hat sich aber wieder gefestigt und wirkt momentan stärker als der Tabellenführer. Die Münchner trumpften zuerst mit großem Schwung unter dem neuen Trainer Vincent Kompany auf, doch Mängel im System wurden deutlich, vor allem in der Champions League. Die erste Bundesliga-Niederlage in Mainz schmerzte besonders, das 5:1 gegen Leipzig sorgt allerdings für Weihnachtsruhe. Dennoch gibt es allerdings hektische und wichtige Tage für Manager Max Eberl. Vor allem die Medien warten darauf, wann die Vertragsverhandlungen mit Musiala, Kimmich und Davies endlich zu Ende gehen. Die Verträge laufen aus – bleiben sie oder gehen sie? Auch Sané steht auf der Liste, hat aber nicht mehr die große Priorität. Leverkusen ist da weiter, Hincapie hat verlängert, Florian Wirtz, immer mehr Herz der Mannschaft, angeblich auch, doch der Verein hat es noch nicht bestätigt. Vielleicht kommt die Meldung als Weihnachtsgeschenk für die Fans.
Es gibt natürlich ein Zwischending zwischen Feiern und Krach, so dazwischen liegen die meisten Vereine. Dortmund haderte mit der Auswärtsschwäche, Rang 6 ist nicht das, was man sich erhofft hat, die Champions League muss sein. Aber der Auswärtssieg in Wolfsburg sorgt vorerst für Ruhe für Trainer Sahin. In Frankfurt war man eigentlich glücklich, lange Zeit war die Eintracht erster Verfolger der Bayern, doch zuletzt haperte es. Im Tannenbaum versteckt hätte sich wohl am liebsten der unglückliche Torwart Kaua Santos nach seinen Slapstick-Einlagen die zu einer fast skurrilen Niederlage gegen Mainz führten. Auch in Freiburg, Stuttgart und Wolfsburg weiß man nicht so recht, ob man sich freuen oder ärgern soll. Einerseits schaut man nach oben, andererseits will es nicht so recht klappen. Zumindest herrscht Ruhe, aber frohe Weihnachten sind es nicht unbedingt.
Wer unten steht, bei dem brennt normalerweise der Baum, das kann man bei den Klubs am Tabellenende nicht unbedingt sagen, Erfolge am Wochenende haben die Stimmung verbessert. Bochum schaffte endlich den ersten Saisonsieg, könnte mit einem weiteren Sieg vor Gericht wegen des Spielabbruchs bei Union den Anschluss nach oben schaffen. Die Aufsteiger Kiel und St. Pauli haben mit Siegen gegen Augsburg und Stuttgart Lebenszeichen gesendet und für Ruhe im Verein gesorgt. Man hat ja gewusst, dass es nur gegen den Abstieg geht. Keine Panik also.
Da sieht es bei Leipzig, Union Berlin, Augsburg, Heidenheim und Hoffenheim schon anders aus. In Leipzig herrscht trotz Rang 4 permanente Unruhe, die Leistung stimmt nicht, was auch Verletzungspech geschuldet ist. Vor allem international versagte RB und das gefällt Oberboss Oliver Mintzlaff gar nicht. Leipzig soll ein Hochglanzprodukt sein. So wird es in der Weihnachtspause statt Ruhe Diskussionen geben, auch Trainer Marco Rose wird hinterfragt werden. Da wartet gleich Arbeit auf Jürgen Klopp. Ähnlich bei Union und Hoffenheim. Beide Klubs haben schon die Trainer gewechselt, doch Wesentliches hat sich nicht geändert und so wird auch über Bo Svensson bzw. Christian Ilzer diskutiert. Gespräche werden auch in Augsburg geführt, vor allem über Verstärkungen, Trainer Jess Thorup hat man den Rücken gestärkt. In Heidenheim ist der Trainer wie ein Vereinsmaskottchen, also wird Frank Schmidt nicht in Frage gestellt. Eigentlich müsste der Baum brennen nach jetzt sieben Niederlagen in Folge, doch der Verein von der Ostalb ist für seine Ruhe bekannt. Vorbei ist die Euphorie mit dem internationalen Auftreten, der sensationelle Erfolg des Vorjahres sorgt für die Doppelbelastung in dieser Saison und die wird trotz aller Rotation nicht verkraftet. Notfalls geht man wohl mit Ruhe sogar in die zweite Liga…
Apropos 2. Bundesliga, dort tat sich auch Erstaunliches. Die Kölner warten nicht nur auf den Karneval, sondern feiern als Tabellenführer auch fröhliche Weihnachten. Fast ebenso in Karlsruhe, das überraschend auf dem zweiten Aufstiegsplatz steht. Dort möchte der HSV hin, bei den Hamburgern ging es auf und ab, als Dritter sind sie punktgleich mit Elversberg, Magdeburg und Paderborn. Ein 5:0-Sieg gegen Fürth war der Befreiungsschlag für Interimstrainer Merlin Polzin, der jetzt bis zum Sommer bleiben darf. Der einstige HSV-Fan soll den Klub zurück in die Bundesliga führen.
Bis zum 2. Januar gibt es für die Spieler eine Weihnachtspause, dann beginnen die meisten Vereine wieder mit dem Training. Die Bundesliga beginnt wieder am 10. Januar, sie muss ja die Hinrunde noch zu Ende spielen, die zweite Liga startet mit der Rückrunde am 17. Januar.
Spaß im Schnee
Erstaunliche Erfolge feiern die deutschen Frauen und Männer im Wintersport. Die Biathletinnen und die Skispringer haben buchstäblich Spaß im Schnee. Vor allem die fast schon chronisch kranke Franziska Preuß trotzt in diesem Winter den Unbillen und trumpft im Biathlon auf. Fünf Jahre nach ihrem ersten Weltcupsieg ließ sie gleich zwei weitere folgen, sie stand sechsmal auf dem Podium und war nie schlechter als Fünfte. Die Führung im Gesamtweltcup ist die logische Folge. Im Massenstart am Sonntag in Frankreich wurde sie aber überraschend von einer jungen Mannschaftskollegin geschlagen, die 20-jährige Selina Grotian, die am Vortag noch einen Ski verloren hatte, holte sich ihren ersten Weltcupsieg.
Erstaunliches auch im Skispringen, da wurde der 34-jährige Pius Paschke, der bisher nur selten in Erscheinung trat, zum Seriensieger. Zwar klappte es bei der Generalprobe in Engelberg in der Schweiz nicht so gut, doch jetzt kommt er im Gelben Trikot zur Vierschanzentournee nach Oberstdorf. Allerdings muss er sich dessen bewusst sein, dass ein Deutscher im Gelben Trikot da noch nie gewonnen wird. Gesprungen wird am Samstag in Oberstdorf, an Neujahr in Garmisch-Partenkirchen, am 4 Januar in Innsbruck und zum Abschluss am 6. Januar in Bischofshofen. Auch Andreas Wellinger und Karl Geiger werden gute Chancen eingeräumt. Kann einer den Erfolg von Sven Hannawald wiederholen, der 2001/02 triumphiert hat und als erster Springer überhaupt alle vier Springen der Tournee gewinnen konnte? Da dürften aber vor allem die Österreicher etwas dagegen haben, die mit Daniel Tschofenig, Jan Hörl und Stefan Kraft das Siegerpodium in Engelberg komplett in ihrer Hand hatten.
Eine Vierschanzentournee für die Frauen gibt es immer noch nicht. Das wird vor allem Katharina Schmid aus Oberstdorf ärgern, die ebenfalls eine ausgezeichnet Saison springt und im Weltcup führt. Spaß im Schnee hat sie also und so kann sie frohe Weihnachten feiern.