Kampf um Punkte, Kampf ums Geld
Englische Woche in der Fußball-Bundesliga, eigentlich müsste bei diesem kompakten Programm der Sport im Vordergrund stehen. Tut er aber nicht, der Kampf um Punkte gerät in den Hintergrund, der Kampf ums Geld dagegen in den Vordergrund. Am Donnerstag ist der Neujahrsempfang der DFL und diesen Termin nutzen die Vereine, um in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung, die einige Klubs erzwungen haben, über den Ausschüttungsschlüssel für die erste und zweite Bundesliga zu beraten. Es geht dabei (natürlich) um viel Geld.
Der TV-Vertrag für die nächsten vier Jahre bringt ja sogar ein bisschen mehr Geld als bisher, aber schon bei Abschluss war klar, dass jetzt über die Verteilung der 4,484 Milliarden Euro und dazu über die internationalen Töpfe gestritten wird. Die Zweitligisten wollen mehr Geld, dazu fordern Traditionsklubs, die nicht mehr erstklassig kassieren können, dass bei der Geldverteilung die Säule „Interesse“ mehr Gewicht (Geld) erhalten soll. Nach dem Motto, Schalke oder der HSV sind doch bedeutender als Mainz oder Augsburg. Da ist Streit natürlich vorprogrammiert, wer sportlich ins Hintertreffen geraten ist, will finanziell dennoch erstklassig bleiben!
Ein Blick auf die Ausschüttungen in der Saison 23/24 (Quelle kicker): Aus dem nationalen Topf flossen 871,32 Millionen Euro ans Oberhaus, 203,34 ans Unterhaus, das sind 19,1 Prozent, vorgesehen ist eigentlich eine Verteilung 80:20. Aus den internationalen Geldern kassierte die 2. Liga 4,62 Millionen Euro, gerade mal 2,65 Prozent, die Erstligisten erhielten 169,49 Millionen Euro. Natürlich entfachen vor allem die international erfolgreichen Vereine wie Bayern München, Borussia Dortmund oder Eintracht Frankfurt, Bayer Leverkusen und RB Leipzig das Interesse an der Bundesliga. Davon profitieren am Ende alle Klubs. Die Bundesligisten kamen dem Unterhaus sogar entgegen. Solidaritätszahlungen, die die UEFA den Ligen zahlt, gaben sie an die Zweitligisten weiter, immerhin waren das 8,5 Millionen Euro, so dass langjährige Zweitligisten wie Karlsruhe oder Hannover rund 420.000 Euro kassierten. Aber den Streit ums Geld gibt es schon so lange, so lange Einnahmen zu verteilen sind. Der Streit ums Geld ist wohl als menschlich anzusehen.
Ums Geld geht es auch bereits am Dienstag und zwar vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Das fällt ein letztinstanzliches Urteil im Streit zwischen der DFL und dem Land Bremen um zusätzliche Polizeikosten bei Hochrisikospielen. Da währt der Streit schon lange, die DFL hat bisher sieben Gebührenbescheide in Höhe von insgesamt fast zwei Millionen Euro erhalten, die Hälfte musste Werder der DFL erstatten. Vor Landgericht, Oberlandesgericht und Bundesverwaltungsgericht hat das Land Bremen gesiegt, die DFL ging jeweils in die Berufung. Gewinnt das Land Bremen auch in Karlsruhe, kommen auf die Vereine erhebliche Kosten zu, aber nicht alle Bundesländer sehen die Vereine in der Verantwortung. So hat zum Beispiel Nordrhein-Westfalen, das die meisten Bundesligisten stellt, abgewunken, desgleichen das Land Bayern. Dort wird geurteilt, dass für Krawalle rund um die Stadien nicht die Vereine zur Verantwortung gezogen werden können, das ist eine öffentliche Polizeiaufgabe. In den Stadien haben die Vereine für Ordnung zu sorgen und tragen auch die Kosten. Ursprung der Krawalle sind doch eher schlechte Erziehung der Chaoten, Lust auf Streit (sie sprechen sich zur Konfrontation ab) und Ergötzung an Pyrotechnik oder dergleichen. Da für Verbesserung zu sorgen, liegt an vielen Stellen. Die Vereine arbeiten mit Fanbetreuung daran, für mehr Sicherheit zu sorgen.
Um Geld und Gerechtigkeit geht es auch beim Feuerzeugwurf beim 1:1 zwischen Union Berlin und VfL Bochum in der Nachspielzeit. Das DFB-Gericht erklärte Bochum zum Sieger, da Torhüter Drewes ausscheiden musste und der VfL geschwächt war. Schiedsrichter Petersen wollte einen Spielabbruch vermeiden, doch das Gericht meinte, es hätte einen geben müssen und urteilte entsprechend. Bei Union ist die Empörung groß, Boss Dirk Zingler spricht sogar von einem Skandal. Der Täter konnte ermittelt werden, so dass sich Union wohl für alle Verluste an ihn wenden sollte. Das Argument, bei diesem Urteil wäre einem gezielten Spielabbruch Tür und Tor geöffnet, sticht nicht. Wird ein Schiedsrichter getroffen, ist ein Spielabbruch sogar zwingend. Die Konkurrenz mosert, dass der Abstiegskampf verfälscht wird. Union hat natürlich Berufung eingelegt, nun muss das Bundesgericht entscheiden. So lange bleibt alles offen.
Die Bayern und das gute Omen
Der erste Titel ist in der Bundesliga vergeben, allerdings nur ein Titel auf dem Papier oder sagen wir „Ehrentitel“. Nach dem mühevollen 1:0 in Gladbach sind die Bayern einen Spieltag vor Ende der Hinrunde bereits Herbst- oder besser Halbzeitmeister. Das kommt nicht überraschend, denn meistens stehen die Bayern vorn, auch hier halten sie den Rekord, wurden bereits 27mal Herbstmeister, Platz zwei belegt Werder Bremen mit gerade mal sechs „Titeln“. Jetzt wollen die Münchner natürlich am Ende auch richtiger Meister werden und hoffen, dass das gute Omen sich wiederholt: In 23 von 26 Fällen des Herbsttitels wurden sie auch Meister! Nur Mönchengladbach 1971, Bremen 1993 und Dortmund 2012 verhinderten ihre Siegesfeier. Aber vier Punkte Vorsprung vor Leverkusen sind kein sanftes Ruhekissen. Mit zwei Heimspielen gegen Hoffenheim am Mittwoch und Wolfsburg am Samstag geht es weiter.
Verfolger Bayer Leverkusen hat die erste Hürde im Duell mit Mitkonkurrenten gemeistert. Allerdings war die von Ausfällen geplagte Borussia aus Dortmund kein wirklicher Gradmesser. Die Not-Abwehr wusste am Anfang gar nicht, was ihre geschah und Leverkusen führte nach acht Minuten mit 2:0. Für die Dortmunder ist die vermeidbare 2:3-Niederlage doppelt bitter, denn die Ausfälle werden ausgerechnet in der englischen Woche kaum weniger und es stehen in Kiel und Frankfurt gleich zwei Auswärtsspiele an. Bekanntlich hat die Borussia in der Fremde sowieso ihre Probleme. Da kommt der Verkauf von Flügelflitzer Malen nach England zu Aston Villa doppelt ungelegen. Vielleicht fehlt bei Frankfurt am Freitag aber auch ein wichtiger Spieler. Torjäger Omar Marmoush steht ebenfalls vor einem Wechsel nach England, Manchester City hat sein Interesse hinterlegt, 80 Millionen Euro Ablöse sind im Gespräch. Der 1:0-Siegtreffer auf St. Pauli könnte das Abschiedstor des Ägypters gewesen sein.
Der Abstiegskampf wird noch heißer, wenn Bochum tatsächlich die Punkte aus dem Union-Spiel erhält und Anschluss zur Konkurrenz finden würde. Union selbst konnte auch mit dem neuen Trainer Steffen Baumgart nicht in die Erfolgsspur einbiegen. Ganz im Gegenteil, von den Teams am Tabellenende gewann allein der 1. FC Heidenheim, eben mit 2:0 gegen Union. Damit endete für die Schmidt-Schützlinge eine Serie von zehn sieglosen Spielen. Torschütze zum 1:0 war ausgerechnet Neuzugang Frans Krätzig, der in Stuttgart zu wenig Spielpraxis bekam und den die Bayern deshalb an Heidenheim weiterreichten. Hat sich gelohnt. Für beide Teams warten in dieser Woche wichtige Aufgaben: Union gegen Augsburg und Mainz, Heidenheim in Bremen und gegen St. Pauli. Wieder einmal geht es um Weichenstellungen für die nahe Zukunft!
Am kommenden Wochenende legt auch die 2. Bundesliga mit dem Rückrundenstart wieder los. Dabei können die Traditionsklubs unterstreichen, dass ihre Forderungen bei der Geldverteilung berechtigt sind. Dritter gegen Erster heißt das absolute Schlagerspiel, wenn der HSV den 1. FC Köln empfängt. Zwei Vereine, die sich in der Bundesliga sehen und die das Oberhaus auch gerne aufnehmen würde. Am meisten Theater um mehr Geld macht aber Schalke 04 und der einstige Top-Klub kämpft eher gegen den Abstieg. Da hilft zunächst einmal eine bessere Leistung.
Am Dienstag beginnt die Handball-Weltmeisterschaft, die in Dänemark, Norwegen und Kroatien ausgetragen wird. Die deutsche Mannschaft hofft auf eine Medaille. Mehr dazu im nächsten Blog „Letzter WM-Titel 2007: Handball-Team träumt wieder“.