Bayern oder Bayer – Kampf um die Nummer 1!
Die Bundesliga bietet den Fußballfans eigentlich genug Gesprächsstoff, getoppt wird das nationale Geschehen aber durch das Duell Bayern gegen Bayer im Achtelfinale der Champions League. Gespielt wird am Mittwoch in München, das Rückspiel steigt am Dienstag, 11. März in Leverkusen. Dabei geht es um nicht mehr oder weniger um die Frage, wer die Nummer 1 in Deutschland ist. Bayer macht den Bayern aktuell den Anspruch als Nummer 1 streitig.
Klar, die Münchner verweisen auf die Bundesliga, wo sie mit acht Punkten Vorsprung vor Leverkusen führen, dem Doublesieger des Vorjahres wollen sie den Titel wieder abjagen. Natürlich hat Bayer in der Liga noch nicht aufgegeben, zumindest im Pokal winkt eine erfolgreiche Titelverteidigung (Drittligist Bielefeld ist der Gegner im Halbfinale, daneben trifft Stuttgart auf Leipzig). Die Krone ist aber die Champions League mit der internationalen Reputation. Da haben die Münchner immer noch die Nase vorn, werden zum Favoritenkreis gezählt, nicht aber Leverkusen. Doch das deutsche Duell ist ein Vergleich auf Augenhöhe, wobei die Bayern noch den emotionalen Rückenwind verspüren, dass Finale am 31. Mai in der eigenen Allianz Arena zu erreichen. „Titel dahoam“ ist der Wunschgedanke.
Die Statistik weist für beide Teams Stärken auf. Leverkusen kann vor allem auf die Bundesliga verweisen, mit Trainer Xabi Alonso ist der Verein in den sechs direkten Duellen noch ungeschlagen. Auch Kollege Vincent Kompany konnte diese Bilanz nicht aufhübschen, rettete zuletzt den Acht-Punkte-Vorsprung in der Bundesliga mit Mauertaktik und einem 0:0. Es gab kaum Schüsse auf des Gegners Tor und eine Menge Glück. Das half jetzt auch beim 3:1-Sieg in Stuttgart, als der VfB großzügig zwei Geschenke verteilte. Aber auf Geschenke von Bayer sollte niemand in München hoffen. Die nationale Statistik spricht also für Bayer, die Bayern saugen Selbstvertrauen aus der CL-Statistik: Von den letzten elf Achtelfinalspielen haben sie nur eins verloren (9 Siege), seit vier Jahren sind sie zu Hause in der Champions League ungeschlagen, zuletzt siegte Paris 3:2 Mai 2021 im Viertelfinale in München und Bayern schied aus. Das soll gegen Bayer nicht passieren, ganz im Gegenteil, es geht sogar um ein Polster für das Rückspiel.
Das Momentum könnte aber auf Leverkusener Seite liegen, Xabi Alonso hat sein Team wieder auf Vorjahresform gebracht, wo bekanntlich eine Saison ohne Niederlage gelang. Und: Bisher hat Alonso den Gegner jeweils taktisch ausmanövriert. Zwei Haken gibt es, der Einsatz von Abwehr-As Tapsoba ist noch ungewiss und ein Ego-Trip von Torjäger Boniface beim 4:1-Sieg in Frankfurt sorgte für Ärger. Mehr Unruhe herrscht allerdings in München, wo vor allem die Vertragsverhandlungen mit Joshua Kimmich die Schlagzeilen beherrschen. Die Bayern zogen ihr Angebot zurück, der Aufsichtsrat hat offensichtlich die Geduld verloren. Sportvorstand Max Eberl versucht zu retten, was zu retten ist und kämpft dabei um seinen guten Ruf. Gegen Stuttgart fiel Kimmich verletzt aus, Pavlovic war zudem krank, aber Goretzka und Palhinha sorgten dafür, dass das Fehlen der Mittelfeldstrategen nicht auffiel. Wer ist am Mittwoch dabei? Andererseits haben die Münchner eine Feierwoche hinter sich, der 125. Geburtstag des Vereins wurde auf dem Nockherberg gefeiert, pünktlich dazu wurde das 400.000 Mitglied begrüßt. Aber jetzt ist Schluss mit lustig.
Ganz im Schatten dieses Duells steht Borussia Dortmund, das sich ebenfalls für das Achtelfinale qualifiziert hat und am Dienstag auf Lille OSC trifft. Die Franzosen liegen in der Liga auf Rang fünf und eine 1:4-Niederlage in Paris sorgte nicht Selbstvertrauen. Dagegen freut sich Dortmund über einen Aufwind, erstmals gelangen in der Bundesliga zwei Siege hintereinander und in der CL klappte es ja sowieso besser. Hochmut käme aber vor dem Fall, das Viertelfinale lockt, der Sieger des Duells Benfica Lissabon – FC Barcelona wäre der nächste Gegner. Für München/Leverkusen wäre die Aufgabe mit Rotterdam/Inter Mailand im Viertelfinale eventuell leichter, im Halbfinale könnte es erneut ein deutsches Duell geben!
Der Spieltag der Gäste
Die Bundesliga ist der Alltag, heißt es immer wieder, am vergangenen Wochenende war der 24. Spieltag aber ein Feiertag – für die Gäste! Das gab es schon ewig nicht mehr, dass kein einziger Gastgeber gewinnen konnte, Augsburg rettete mit einem 0:0 gegen Freiburg die Ehre der Hausherren. Diese Nullnummer war aber das logische Ergebnis der beiden abwehrstärksten Vereine der Rückrunde. Der FCA ist seit acht Spielen ungeschlagen und Torhüter Finn Dahmen feierte mit jetzt 434 Minuten ohne Gegentor einen neuen Vereinsrekord. Der frühere U21-Nationaltorhüter, erst in der Rückrunde wieder die Nummer 1 geworden, wird gleich als Kandidat für Bundestrainer Julian Nagelsmann gehandelt. Am Samstag geht es nach Dortmund, ob da die Serie hält? Den größten Sieg feierte Holstein Kiel, das 1:0 bei Union Berlin war nämlich historisch – der erste Bundesliga-Auswärtssieg der Vereinsgeschichte! Dadurch konnten die Störche die „Rote Laterne“ an Heidenheim weiterreichen, vergrößerten aber die Probleme in Berlin. Für Union war es eine schwarze Woche, erst das endgültige Sportgerichtsurteil, dass das Skandalspiel gegen Bochum (1:1) für den Gegner gewertet wird, dann die unnötige Niederlage auf dem Spielfeld.
Die Heidenheimer geraten sportlich immer mehr in die Bredouille, im Vorjahr hatten die Württemberger als Neulinge beeindruckt und schossen sich als Achte sogar in die Conference League. Nicht nur die doppelte Belastung macht Sorgen, sondern vor allem fehlen die Torjäger des Vorjahres. Tim Kleindienst schoss zwar beim 3:0 von Gladbach kein Tor, aber er zeigte dennoch, welche Qualität Heidenheim fehlt. Jetzt geht es am Schlossberg abwärts. Die nächsten beiden Spiele könnten wegweisend sein, zuerst geht es zu Hoffenheim, danach kommt Kiel auf die Ostalb. Da sollte die Serie der acht Spiele ohne Sieg enden, sonst sieht es zappenduster aus.
Die Gäste waren erfolgreich und kletterten in der Tabelle. Mainz 05 siegte 2:1 in Leipzig und katapultierte sich auf Rang vier, dort, wo sich der Gastgeber eigentlich sieht. RB ist aber nur Sechster, bangt um das internationale Geschäft und Trainer Marco Rose um seinen Job. Er hat eine Jobgarantie für ein Spiel, Samstag in Freiburg – es gibt Hoffnung, ist ja auswärts. Auch der VfB Stuttgart spielte im Vorjahr in der Champions League, doch die rückt für den Vizemeister immer mehr in die Ferne, noch fehlen von Rang acht aus nur fünf Punkte, da ist ein Sieg in Kiel Pflicht. Der nächste Gast an der Neckar heißt danach aber Leverkusen. Auf Rang drei liegt immer noch Frankfurt, doch den Nachweis, eine Spitzenmannschaft zu sein, konnte die Eintracht gegen Bayern und Bayer nicht erbringen. Wohin führt der Weg? Union sollte zunächst eine leichtere Aufgabe sein.
Übrigens: Vom Oberhaus ein Blick ins Unterhaus, in der 2. Bundesliga geht es in der Spitzengruppe besonders eng zu. Der Hamburger SV öffnete mit einer 0:2-Niederlage in Paderborn den Verfolgern die Tür, Kaiserslautern schloss auf, aber gleich neun Mannschaften darf man zu Kreis der Aufstiegsanwärter zählen, also die halbe Liga. Karlsruhe hat mit 36 Punkten auf Rang neun nur sechs Zähler Rückstand auf die beiden Spitzenteams! Zwei Siege in zehn Spielen aufholen, das könnte möglich sein, selbst Nürnberg mit 35 Punkten auf Rang zehn hofft noch…
Die Frauen-Nationalmannschaft hat mit einem 4:1-Sieg über Österreich den ersten Teil der Nations League erfolgreich bewältigt, aber Euphorie herrscht nicht. Ganz im Gegenteil, Bundestrainer Christian Wück war gar nicht zufrieden, monierte Fehler und mangelnde Passqualität. Bis zur EM im Juli bleibt ihm noch viel Arbeit. Jetzt steht aber die Bundesliga wieder im Mittelpunkt und auch bei den Frauen geht es an der Tabellenspitze eng zu: Bayern (38 Punkte, jetzt in Köln) führt vor Frankfurt (35/gegen Essen), Wolfsburg (35/in Leipzig) und Leverkusen (30/in Jena). Auch da ist also noch alles möglich.