Wenn die Bundesliga zur Nebensache wird, dann feiern die Gäste einen Rekord
Was für ein seltsames Wochenende in der Fußball-Bundesliga: Der 25. Spieltag der Saison 2024/25 wird in die Geschichtsbücher eingehen! Zum ersten Mal gab es an zwei Spieltagen in Folge keinen Sieg der Hausherren! Vor einer Woche rettete der FC Augsburg mit einem 0:0 gegen Freiburg die Gastgeber vor der totalen Blamage, diesmal gab es immerhin vier Unentschieden, aber wieder keinen Sieg – übrigens zum elften Mal in der Bundesliga-Geschichte.
Was bei diesem seltenen und seltsamen Ereignis auffiel, die auf Europas Bühne beschäftigten Klubs schenkten die Spiele in der Liga praktisch her, die Bundesliga wurde zur Nebensache, das Wochenende zwischen den wichtigen Spielen in Champions League und Europa League störte nur. Besonders krass war es bei Bayern München, denn Trainer Vincent Kompany brachte eine komplette B-Elf aufs Feld, die Quittung war ein 2:3 gegen Bochum. Stimmt also doch nicht, was früher Experten behaupteten, Bayern würde auch mit einer B-Elf Deutscher Meister werden. Auch Xabi Alonso warf in Leverkusen die Rotationsmaschine an, kassierte ein 0:2 gegen Bremen und konnte so die Bayern-Niederlage nicht nutzen. Weniger krass die Wechsel in Dortmund, da war das 0:1 gegen Augsburg wohl eher ein Zeichen fehlender Dortmunder Beständigkeit. Ganz so schlimm schlug auch Dino Toppmöller in Frankfurt nicht zu, dass er aber auf Torjäger Ekitike und Spielmacher Mario Götze verzichtete, war ein Zeichen. Ekitike kam spät und verschoss in den letzten Minuten einen Elfmeter. Da fehlte wohl die Konzentration, Union Berlin freute sich über den 2:1-Sieg. Die besten Mannschaften halfen den Kellerkindern, was fast schon an Wettbewerbsverzerrung grenzt. Nur so konnte eine wohl weitere Einmaligkeit passieren, dass die letzten acht Mannschaften der aktuellen Tabelle keine Niederlage einstecken mussten, von den ersten zehn Teams gewann dagegen nur Mainz und stürmte mit dem 3:1 in Gladbach auf Rang drei!
Die Schonungen der Stammspieler waren allerdings nicht unbedingt erfolgreich. Eine bittere Pille musste vor allem Alonso schlucken, der zur zweiten Halbzeit doch Florian Wirtz brachte, der aber nur ein Viertelstunde später nach einem Foul von Weiser mit einer Innenbandverletzung am Knöchel wieder vom Platz musste und jetzt wohl wochenlang ausfällt! Pech hatte auch Kompany, denn Palhinha flog in der 43. Minute nach einem Foul vom Platz. Nichts war es mit Schonung, jetzt musste mit einem Mann weniger mehr gearbeitet werden. Immerhin verletzte sich von den Stars, die teilweise Stück für Stück aufs Feld kamen, keiner. Eine besondere Situation gab es übrigens für den VfB Stuttgart, der musste in Kiel zwangsläufig auf sechs Abwehrspieler verzichten, eine erzwungene Rotation also, da war das 2:2 fast schon ein Erfolg.
Am kommenden Wochenende wird es wohl „normal“ weitergehen, es ist der letzte Spieltag vor der Länderspielpause, aber da darf man bei vielen Ausfällen und Verletzungen auf das Aufgebot von Bundestrainer Julian Nagelsmann am Donnerstag für die Viertelfinalspiele der Nations League gegen Italien (20./23. März) gespannt sein. In der Bundesliga fallen zwei Keller-Duelle ins Auge, St. Pauli erwartet Hoffenheim und noch brisanter Heidenheim gegen Kiel, quasi ein Kampf gegen den letzten Platz, den Heidenheim gern an die Störche weiterreichen würde, dann muss aber die Erfolglosserie reißen. Immerhin darf der Tabellenletzte einen Rekord vermelden: Sirlord Conteh kam beim 1:1 in Hoffenheim erst in der 85. Minute aufs Feld, sprintete aber ausgeruht gemessene 37,38 km/h, damit war er nicht nur der schnellste Mann des Spieltags, sondern mit dieser Geschwindigkeit wurde noch kein Spieler der Bundesliga gemessen! Da sollte Heidenheim doch schnell den letzten Platz verlassen können…
Bayer hofft auf ein Wunder
Nebensache Bundesliga, Hauptsache Champions League. Der zweite Teil des großen deutschen Duells steht am Dienstag bevor, allerdings unter ganz anderen Vorzeichen. Nach dem 0:3-Debakel in München steht Leverkusen mit dem Rücken zur Wand und hat zudem Verletzungsprobleme. Es könnte nicht nur Wirtz ausfallen, sondern auch der Einsatz von Mittelfeldlenker Xhaka und Abwehras Tapsoba ist fraglich. Im Hinspiel lieferten die Bayern ihr vielleicht bestes Spiel der Saison, während sich die Leverkusener mit Fehlern und einem unnötigen Platzverweis fast selbst schlugen. In Sachen Taktik hatte zudem Kompany gegen Kollegen Alonso die besseren Ideen und revanchierte sich so für Demütigungen in der Vergangenheit. Auch die Münchner müssen eine Schwächung hinnehmen, Torhüter Manuel Neuer hat sich im Hinspiel beim Torjubel an der Wade verletzt. Der 21-jährige Jonas Urbig kam so zu einem unverhofften Debüt, muss jetzt Neuer vertreten, was vielleicht eine gewisse Unsicherheit auslöst.
Bayer Leverkusen braucht fast ein Wunder und wird sich vielleicht an ein Spiel mit einer sensationellen Wende erinnern. Im Finale 2005 hat der AC Mailand bei Halbzeit mit 3:0 gegen den FC Liverpool geführt, am Ende stand es nach Verlängerung 3:3. Im Elfmeterschießen siegte Liverpool mit 3:2, weil Torhüter Dudek gleich zwei Elfmeter hielt. „Es ist erst Halbzeit,“ machte sich auch Alonso nach dem ersten Spiel Mut. Eine bessere Ausgangsposition hat Borussia Dortmund nach dem 1:1 gegen Lille, doch bedenklich ist, dass die Mannschaft nach der Führung den Faden verlor und ihn auch gegen Augsburg nicht mehr fand. Immerhin: In der CL zeigte Dortmund keine Auswärtsschwäche. Eintracht Frankfurt hat in der Europa League nach dem 2:1-Sieg in Amsterdam gegen Ajax die besseren Karten in der Hand und lässt sich mit der bekannten Europacup-Euphorie vielleicht ins Viertelfinale tragen.
Rekord bei den Frauen
Die Ergebnisse der Frauen-Bundesliga sorgten nicht für Aufregung, die Spitzenteams gaben sich hier keine Blöße, München siegte in Köln 3:0, Frankfurt gegen Essen 2:1 und Wolfsburg in Leipzig mit 2:0. Im Gespräch waren allerdings die Zuschauerzahlen, denn Köln zog ins Müngersdorfer Stadion um und hatte gegen die Bayern 35711 Zuschauer! Der Bundesliga-Rekord wurde allerdings knapp verfehlt, bei der Müngersdorfer Premiere vor einem Jahr kamen 38365 Besucher gegen Frankfurt. Einen Rekord gibt es dennoch bei den Frauen, der zweitklassige Hamburger SV meldet für das Pokalspiel am 23. März gegen Werder Bremen „ausverkauft“. 57000 kommen ins Volksparkstadion!
Am Wochenende werden wieder die Ergebnisse im Vordergrund stehen, in München kommt es am Freitag (16.55 Uhr/live im ZDF) zum Schlagerspiel gegen den Dritten VfL Wolfsburg. Der alte Kontrahent liegt gleichauf mit Frankfurt nur drei Punkte zurück. Da steht quasi eine Vorentscheidung im Kampf um die Meisterschaft an.
Skandal bei der Nordischen Ski-WM
Die nordische Ski-Weltmeisterschaft in Trondheim war eigentlich ein großes Fest, auch wenn das Wetter mit viel Regen und Wind nicht gerade mitspielte. Die deutsche Mannschaft konnte mit der Ausbeute von neun Medaillen (1 Gold, 4 Silber, 4 Bronze) zufrieden sein und belegte in der Medaillenwertung Rang vier. Gold gewann die Kombinierer im Team-Wettbewerb und profitierten davon, dass der Norweger Grabaak mit einer nicht regelgerechten Bindung disqualifiziert wurde. Das war aber nur ein kleiner Teil des großen Skandals, am Ende der Veranstaltung wurde nämlich öffentlich, dass die Gastgeber verboten getrickst hatten. Vor allem die Anzüge der Skispringer der Norwegen waren wohl manipuliert, ohne dass dies bei der Kontrolle auffiel. Erst ein geheim gedrehtes Video brachte die Verfehlungen ans Licht. Nach der Disqualifikation von drei Springern räumte der Verband schließlich Regelverstöße ein, will aber nicht Vorsatz sprechen, sondern nannte es „Dummheit“. Die Verbände aus Slowenien, Polen und Österreich hatten die Sache ins Rollen gebracht und forderten den Ausschluss von Norwegen. Nun ist der Weltverband gefordert, Licht ins Dunkel zu bringen, Norwegen wird sich über seine 33 Medaillen (13 Gold, 12 Silber, 8 Bronze) kaum mehr richtig freuen. Keine andere Nation konnte da mithalten. Die Frage ist dann auch, ob beim Rekordler Klaebo, der alle Rennen bei den Männern gewann und sechsfacher Sieger wurde (gab es noch nie!), alles mit rechten Dingen zugegangen ist! Auf deutscher Seite war der Kombinierer Vinzenz Geiger mit vier Medaillen der (saubere) Held.