Konstanz fehlt: Die zwei Gesichter der Nagelsmänner

Eigentlich können die Fußballfans mit dem Ergebnis, das am Ende erzielt worden ist, zufrieden sein: Deutschland hat sich nämlich für die Endrunde der Nations League qualifiziert und ist vom 4. bis 8. Juni in Stuttgart und München Gastgeber. Das Weiterkommen mit dem 2:1-Sieg in Mailand und dem 3:3 von Dortmund gegen Italien zeigte allerdings die zwei Gesichter der Nagelsmänner. Seit acht Spielen ist die Nationalmannschaft zwar ungeschlagen, aber die Konstanz fehlt. Besonders deutlich wurde dies in Dortmund, 3:0-Führung bei Halbzeit, am Ende beim Stand von 3:3 zittern um das Weiterkommen. Der Bundestrainer war damit natürlich nicht zufrieden, konstatierte aber: „Das war für die Entwicklung vielleicht wichtiger als ein 4:0-Sieg.“

Der 2:1-Erfolg in Mailand entsprang einer konzentrierten Leistung mit Stärken bei den Standards, bei den Kopfbällen von Leon Goretzka, der das Comeback des Jahres feierte, und Tim Kleindienst, der sich praktisch einen Stammplatz gesichert haben sollte. Die erste Halbzeit in Dortmund brachte noch eine Steigerung, „das war vielleicht die beste Halbzeit seit dem WM-Halbfinale 2014“, urteilte Julian Nagelsmann mit Blick auf das damalige 7:1 gegen Brasilien. Deutschland wurde danach Weltmeister. Bis dahin fehlt noch ein Stückchen, das zeigte die zweite Halbzeit. Zuerst waren alle konzentriert und clever, vor allem beim schnell ausgeführten Eckball, als ein Balljunge Joshua Kimmich hurtig den Ball zuwarf, der Kapitän erkannte, dass die Italiener diskutieren und nicht bereit sind, dafür aber Jamal Musiala vollkommen frei stand – und den Ball prompt flach vor die Füße bekam und verwandelte. Ein Tor des Jahres und für die Italiener und Torhüter Donnarumma wohl ein ewiger Albtraum.

Wie es anders gehen kann, zeigte sich in der desaströsen zweiten Hälfte, ein schlampiger Fehlpass von Leroy Sané leitete die Wende ein. Plötzlich stand eine ganz andere italienische Mannschaft auf dem Feld und die Nagelsmänner fanden kein Gegenmittel mehr. So gewinnt man weder die Nations League, noch wird man 2026 Weltmeister. Der Bundestrainer wünscht sich aber einen Sieg bei der Nations League als Zeichen der Stärke. Portugal ist am 4. Juni in München nach dem 5:2-Sieg nach Verlängerung über Dänemark der Gegner, Spanien (5:4 nach Elfmeterschießen gegen die Niederlande) und Frankreich (5:4 n. E. gegen Kroatien) spielen einen Tag später in Stuttgart das zweite Halbfinale. Das Finale ist am 8. Juni in München. Der Sieg über Italien bringt der DFB-Elf aber weitere Vorteile, die WM-Qualifikation bestreitet sie in einer Vierergruppe mit der Slowakei (Start dort am 4. September), Luxemburg und Nordirland, was machbar sein sollte. Beim WM-Turnier 2026 selbst in den USA, Mexiko und Kanada wird Deutschland jetzt als einer der Gruppenköpfe gesetzt, geht also den stärksten Nationen zunächst aus dem Weg. Die Hürde Italien genommen zu haben, bedeutete nämlich, dass Deutschland am Gegner vorbei nun Platz neun der Weltrangliste einnimmt. Auch finanziell hat sich die Nations League gelohnt.

Endspurt in der Bundesliga

Ab sofort steht aber wieder die Bundesliga im Fokus der Fans, bis zum 34. Spieltag am 17. Mai gibt es keine Unterbrechung mehr. Spannung ist genug gegeben, um alle Entscheidungen wird noch gerungen. Tabellenführer Bayern München hat zwar mit sechs Punkten einen beruhigenden Vorsprung vor Verfolger Bayer Leverkusen, aber ein sanftes Ruhekissen ist das nicht. Leverkusen will im Angriffsmodus bleiben und wirkte zuletzt präsenter als die Bayern, die weiter um Torhüter Manuel Neuer bangen müssen. Kann man mit einem jungen Torhüter Meisterschaft und Champions League gewinnen? Das Restprogramm sieht noch einige knifflige Aufgaben für die Bayern vor: St. Pauli (H), Augsburg (A), Dortmund (H), Heidenheim (A), Mainz (H), Leipzig (A), Gladbach (H), Hoffenheim (A). Leverkusen hat die schwierigsten Aufgaben vielleicht zum Abschluss: Bochum (H), Heidenheim (A), Union (H), St. Pauli (A), Augsburg (H), Freiburg (A), Dortmund (H), Mainz (A).

Spannender geht es zweifellos am Tabellenende zu, wo Schlusslicht Kiel, Heidenheim und Bochum den Relegationsplatz 16 als Rettung ansehen, aber gern auch noch St. Pauli und Hoffenheim, fünf bzw. sechs Punkte Vorsprung vor Bochum, mit reinziehen wollen. Wie aber sieht bei den drei Klubs am Tabellenende das Restprogramm aus? Vor allem Heidenheim bekommt es mit Spitzenteams zu tun. Das Restprogramm: Kiel: Bremen (H), Mainz (A), St. Pauli (H), Leipzig (A), Gladbach (H), Augsburg (A), Freiburg (H), Dortmund (A). – Heidenheim: Wolfsburg (A), Leverkussen (H), Frankfurt (A), München (H), Stuttgart (A), Bochum (H), Union (A), Bremen (H). – Bochum: Leverkusen (A), Stuttgart (H), Augsburg (H), Bremen (A), Union (H), Heidenheim (A), Mainz (H), St. Pauli (A).

Rekordspiel der Frauen ohne Happy End

Der Hamburger SV hat für seine Spitzenteams bei Männern und Frauen nur einen Traum: Aufstieg in die Bundesliga. Die Männer sind als Tabellenführer aktuell näher dran, aber es wird schwer. Die Frauen sind zumindest hoffnungsvoll, einen der drei Aufstiegsplätze in der II. Bundesliga zu schaffen, Union Berlin und Nürnberg dominieren hier das Geschehen, der HSV ist momentan Vierter, zwei Punkte hinter Meppen. In den Mittelpunkt sind die Frauen aber schon gerückt, 57000 Zuschauer waren beim Rekordspiel im Volksparkstadion und sahen im DFB-Pokal-Halbfinale gegen Werder Bremen einen Krimi. Trotz Unterzahl ging der Bundesligist in der 81. Minute in Führung, der HSV glich in der 90. Minute aus! Verlängerung also, doch da setzte sich die Routine der Werder-Mädchen im Nordderby durch. Nach dem 3:1-Sieg haben sie sich ihren Traum erfüllt, einmal ein Finale zu spielen. Gegner am 1. Mai (16.00 Uhr) in Köln ist Bayern München. Kein Happy End dagegen für den HSV. Vielleicht klappt es in der Liga.

Der Bundesliga-Tabellenführer lieferte gegen die TSG Hoffenheim einen ähnlichen Krimi ab. Hoffenheim, das den Pokal-Dauersieger Wolfsburg sensationell ausgeschaltet hatte, schockte auch die Bayern und ging 2:0 in Führung, die überragende Pernille Harder sorgte mit drei Treffern aber dafür, dass die Bayern-Mädchen weiter vom Double träumen dürfen. Ein Triple wird es wohl nicht werden, in der Champions League erwies sich Olympique Lyon als eine Nummer zu groß und gewann in München mit 2:0. Da muss im Rückspiel am Mittwoch (18.45 Uhr) in Lyon fast ein Wunder geschehen. Ähnlich sieht für den VfL Wolfsburg aus, der gegen Barcelona mit 1:4 unterlag, also vor dem Rückspiel am Donnerstag (18.45 Uhr) noch mehr Rückstand aufweist. Der Stress geht auch am Wochenende in der Bundesliga weiter, Wolfsburg erwartet am Sonntag Essen, die Münchnerinnen mit Bayer Leverkusen einen Verfolger. Fast eine ähnliche Situation also wie bei den Männern. Am Ende wollen sie zusammen auf dem Rathausbalkon feiern!

Franziska Preuß ist die Biathlon-Königin

Wenn von Krimis die Rede ist, dann gehört das Finale im Biathlon-Weltcup der Frauen unbedingt dazu. Schließlich entschied sich der Gesamtweltcup-Sieg erst auf der Ziellinie des letzten Rennens. Die Französin Lou Jeanmonnot und die Deutsche Franziska Preuß kamen zusammen ins Stadion, als die Französin in der letzten Kurve stürzte. Sie hat sich mit ihrem Stock selbst ein Bein gestellt, Preuß war unschuldig. Sie fuhr zwar zum Sieg und dem Gewinn des Weltcups ohne Jubel über die Ziellinie, aber später flossen die Tränen. Das Wochenende war nichts für schwache Nerven, Preuß reiste im Gelben Trikot nach Oslo an, gewann den Sprint am Holmenkollen, patzte aber in der Verfolgung, aus 20 Punkten Vorsprung wurden vor dem letzten Rennen fünf Rückstand zu Jeanmonnot. Wer also gewann, war Weltcup-Gesamtsieger, Dramatik pur.

Franziska Preuß wandelt auf den Spuren von Martina Glagow (2002/03), Kati Wilhelm (2005/06), Andrea Henkel (2006/07), Magdalena Neuner (2007/08, 2009/10, 2011/12) und Laura Dahlmeier (2016/17), die vor ihr den Weltcup-Gesamtsieg holten. Dazu sicherte sich Preuß die kleine Kugel im Sprint und Massenstart, ist als die wahre Biathlon-Königin und die erfolgreichste deutsche Wintersportlerin in diesem Jahr. Jeanmonnot tröstete sich mit den Gesamtsiegen in Verfolgung und Einzel. Die beiden dominierten also das Geschehen. Eine starke Saison hatte auch Selina Grotian, die im Weltcup Neunte wurde. Insgesamt war Frankreich die erfolgreichste Nation vor Schweden und Deutschland.

Bei den Männern stand der Abschied der Bö-Brüder im Mittelpunkt, die in ihrer Heimat ihre letzten Rennen bestritten, aber ohne große Erfolge blieben. Johannes Thingnes Bö (31) bleibt als einer der erfolgreichsten Biathleten überhaupt in Erinnerung. Fünfmal gewann er den Gesamtweltcup, holte fünfmal Olympia-Gold und 23 WM-Titel! Sein Nachfolger ist Stura Holm Lagreid, der ihn als Gesamtsieger im Weltcup ablöste. Auch bei den Männern war Frankreich die beste Nation vor Norwegen, Schweden und Deutschland. Die deutschen Männer enttäuschten, blieben in dieser Saison ohne Sieg. Bester im Gesamtcup wurde Philipp Nawrath als 15, Justus Strelow (bester Schütze im Team, aber zu langsam in der Spur) blieb Gesamtrang 16. Die deutschen Männer schossen insgesamt zu schlecht, das muss sich bessern, damit Michael Greis, der 2007 den Gesamtweltcup gewann, einen Nachfolger findet.