Der Pokal als letzte Titel-Chance

Der VfB Stuttgart und RB Leipzig stehen sich am Mittwoch (20.45 Uhr) im Halbfinale des DFB-Pokals gegenüber. Sie haben dabei eines gemeinsam: Für beide ist es die letzte Titel-Chance, aber auch die große Gelegenheit, die Aussicht auf internationale Spiele aufrecht zu erhalten. In der Bundesliga haben sie ähnliche Sorgen. Stuttgart als Vizemeister des Vorjahres findet sich derzeit nach der 0:1-Niederlage in Frankfurt und sechs Spielen ohne Sieg sogar nur auf Platz 10 wieder, mit sechs Punkten Abstand zum internationalen Geschäft. Auf Platz 6 rangiert ausgerechnet Leipzig. Mit ihren Platzierungen sind beide Klubs nicht zufrieden. Die Reaktion darauf war aber gegensätzlich: Stuttgart verlängerte den Vertrag mit Trainer Sebastian Hoeneß vorzeitig um ein Jahr bis 2028, Leipzig hat sich am Sonntag von Trainer Marco Rose getrennt. Die Leistungen des Teams waren in den letzten Wochen einfach zu schlecht, die Teilnahme an der Champions League ist in Gefahr. Zeit zum Handeln, der letzte Rettungsversuch.

Die Konstellation bei RB ist ja eine Besondere, vor allem mit Jürgen Klopp als globalen Fußballchef. Seine früheren Getreuen Zsolt Löw und Peter Krawietz hat er an seine Seite geholt und deshalb jetzt Nothelfer parat. Löw, von 2015 bis 2018 bei RB Co-Trainer von Ralph Hasenhüttl und Ralf Rangnick, wird bis zum Saisonende der Chef, Krawietz, jahrelang Co-Trainer von Klopp, steht ihm zur Seite. Im Sommer wird ein Rose-Nachfolger gesucht, Hoeneß stand auf der Liste ganz oben, kann aber jetzt gestrichen werden. Er wird am Mittwoch besonderen Ehrgeiz haben, aber eine zusätzliche Motivation haben beide Mannschaften gar nicht nötig. Das Finale am 24. Mai in Berlin winkt und damit der Griff nach den Geldtöpfen. Ein Pokalsieg gelang dem VfB zuletzt 1997, RB schaffte 2022 und 2023 das Double und wurde im letzten Jahr von Bayer Leverkusen abgelöst.

Für den Titelverteidiger gilt eigentlich ähnliches. Gut, die Champions League hat Bayer sicher, aber der erste Titel wurde in der CL gegen die Bayern verspielt und ob in der Bundesliga der Rückstand von sechs Punkten gegen die Münchner aufgeholt werden kann, ist möglich, aber fraglich. Eine erfolgreiche Titelverteidigung im Pokal wäre ein Trost. Der Weg dahin über den Drittligisten Arminia Bielefeld (Dienstag Gastgeber) scheint vorgezeichnet, doch Achtung: Die Arminia entpuppte sich als Bundesliga-Rausschmeißer. Bielefeld könnte der vierte Drittligist in einem Finale werden. Im letzten Jahr hatte Leverkusen beim 1:0-Sieg gegen den Zweitligisten Kaiserslautern auch einige Probleme. Immerhin wahrte Bayer mit einem 3:1 gegen das ähnlich widerspenstige Bochum die Bundesliga-Chance, legte also eine gute Generalprobe hin, während Bielefeld beim 2:2 gegen Hannover II patzte und auf Platz 4 außerhalb der Aufstiegsmöglichkeiten liegt. Zumindest finanziell hat sich der Pokal für den Drittligisten gelohnt, über drei Millionen Euro sind ein warmer Regen für die Klubkasse. Leverkusen muss allerdings auch der Unruhe trotzen, die Zukunft von Trainer Xabi Alonso bleibt offen. Der Spanier wehrt ab, „ich habe einen Vertrag bis 2026“, doch Real Madrid lauert als neuer Verein immer im Hintergrund. Dort hat Carlo Ancelotti zwar auch einen Vertrag bis 2026, aber vielleicht will er im Sommer schon Nationaltrainer Brasiliens werden!

Die Bayern in Not

Bei Bayern München sind noch zwei Titelchancen in Takt, aber die Verunsicherung nach einer Verletzungsserie ist zu spüren, die Bayern in Not, vom „mia san mia“ kann keine Rede sein. Im Pokal kam ja gegen Leverkusen das vorzeitige Aus, der 20fache Rekord-Pokalsieger gewann ausgerechnet zuletzt 2020 diese Trophäe. Umso wichtiger, dass wenigstens ein Titel gewonnen wird und das „Finale dahoam“ möchte man in der Champions League auch erreichen. Doch wie, die Voraussetzungen haben sich rapide verschlechtert. Alphonso Davies und Dayot Upamecano, die beiden schnellsten Leute der Abwehr, kamen mit Verletzungen von den Länderspielreisen zurück, Flitzer Davies fällt mit einem Kreuzbandriss rund ein halbes Jahr aus, aber auch Upamecano, zuletzt der Halt in der Abwehr, ist frühestens zum Saisonende wieder dabei. Schon beim mühsamen 3:2 gegen den Abstiegskandidaten St. Pauli zeigte sich, dass den Bayern die Sicherheit fehlt und dann hat sich auch noch der Japaner Ito, der als Ersatz für beide Ausfälle galt, ebenfalls verletzt. Der dritte Mittelfußbruch seit er im Sommer letzten Jahres in München ist! Mehr Pech geht fast gar nicht

Als wäre das nicht genug, gibt es rund ums Team erneute Unruhe. Diesmal steht die Vereinsikone Thomas Müller im Mittelpunkt. Wie Medien berichten, soll er keinen neuen Vertrag mehr als Spieler bei den Bayern bekommen, aber für andere Aufgaben auf jeden Fall im Verein bleiben. Wie das „Radio Müller“ selbst sieht, ist unbekannt, diesbezüglich war er noch nicht auf Sendung. Die Bayern müssen offensichtlich sparen, ein Minus droht zum Saisonende, da will man wohl das zweistellige Millionen-Gehalt vom Thomas einsparen, der 17 Jahre lang im Verein ist.

Am Freitag wartet die nächste heikle Aufgabe für die Bayern beim Derby in Augsburg. Der FCA ist die Mannschaft der Stunde, wurde in zuletzt elf Spielen nicht geschlagen und stellt in der Rückrunde die beste Abwehr aller Spitzenligen Europa. So blieb Torhüter Finn Dahmen 683 Minuten ohne Gegentor, ausgerechnet ein falscher Hand-Elfmeter von Schiedsrichter Tobias Reichel, den Hoffenheims Kramaric zum 1:1 frech nutzte, machte ihm diese Serie kaputt. Der Tabellenführer muss also wieder ein dickes Brot bohren, in Augsburg tat er sich sowieso meist schwer.

Aufbäumen im Abstiegskampf, am Tabellenende befindet sich der 1. FC Heidenheim auf dem Marsch nach oben. Dem 3:1 gegen Kiel ließ die Mannen von Frank Schmidt mit einem 1:0 in Wolfsburg gleich einen zweiten Sieg nach einer langen erfolglosen Zeit folgen. Das richtige Geschenk für den Trainer in seinem 700. Spiel mit Heidenheim! Der Lohn: Der Verein marschierte vom letzten Platz auf den Relegationsrang 16, mit jetzt zwei Punkten Vorsprung vor Bochum und nur noch drei zum rettenden 15. Rang, den St. Pauli einnimmt. Der Marsch wieder aber kaum weitergehen, am Samstag kommt Leverkusen, aber auch Bochum und St. Pauli haben mit Stuttgart bzw. Gladbach hochkarätige Gegner.

Wohin führt der Weg des Frauen-Fußballs?

Zwei konträre Tatsachen, die bezeichnend sind: Auf der einen Seite vor einer Woche der neue Zuschauerrekord im deutschen Frauen-Fußball mit 57000 beim Pokalspiel in Hamburg, auf der anderen Seite das schon blamable Aus der beiden Spitzenteams in der Champions League. Sowohl Meister Bayern als auch Dauer-Pokalsieger machten keinen Stich gegen Olympique Lyon bzw. FC Barcelona. Die Bayern hielten nach dem 0:2 zu Hause beim 1:4 wenigstens eine Halbzeit mit, Wolfsburg ging gegen Barca mit 1:4 und 1:6 unter. Früher dominierten die deutschen Klubs den internationalen Wettbewerb, jetzt sind sie weit von der Spitze entfernt. Den Bayern mag als Entschuldigung dienen, dass mit den Dauerverletzten Oberdorf, Naschenweng und Stanway sowie kurzfristig Kapitän Viggosdottir vier defensivstarke Spielerinnen fehlten.

Sorgen um die internationale Stärke macht sich auch Bundestrainer Christian Wück. Er beklagt mangelnde Qualität in der Abwehr und ist für die kommende Europameisterschaft in der Schweiz gar nicht mehr so zuversichtlich gestimmt. Jetzt stehen zwei Spiele in der Nations League gegen Schottland an, da gilt es am Freitag in Dundee und am 8. April in Wolfsburg gegen einen eher zweitklassige Gegner ein wenig Zuversicht zu tanken. Wück hat sich inzwischen auf Ann-Katrin Berger als Nummer 1 im Tor festgelegt, in der Abwehr und auf den Außenbahnen testet er aber weiter. So holt er Paulina Krumbiegel (Turin) und Sydney Lohmann (Bayern) zurück und lud das 20-jährige Talent Franziska Kett, bei Bayern eher offensiv gesehen, als defensive Außenspielerin ein. Der Trainer gesteht: „Ich dachte, wir sind schon weiter.“ Da fragt man sich schon, wohin der Weg des Frauen-Fußballs führt, der Aufschwung der letzten Jahren weicht offensichtlich einer gewisser Stagnation.

In der Bundesliga haben die international gebeutelten Klubs immerhin wieder Erfolgserlebnisse gehabt, die Bayern festigten die Spitze mit einem Sieg gegen Leverkusen, Wolfsburg gab sich gegen Essen keine Blöße. Nach der Länderspielpause steht dann das Spitzenspiel der Bayern bei Verfolger Eintracht Frankfurt an.