Rückschlag für Nagelsmann und die DFB-Elf
Die Nations League sollte eine wertvolle Durchgangsstation vor der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Mexiko und Kanada sein. Ein Titelgewinn sollte für Auftrieb sorgen, die Nationalmannschaft sich an Siege gewöhnen. Doch die Nations League ist nicht der Wettbewerb der Deutschen. Einen Abstieg verhinderte einst nur eine Aufstockung der Gruppen und statt eines glorreichen Triumphs beim Final Four in München und Stuttgart gab es bittere Niederlagen. Bundestrainer Julian Nagelsmann und die DFB-Elf erlebten mit dem 1:2 gegen Portugal und 0:2 gegen Frankreich einen Rückschlag. Vom WM-Titel im nächsten Jahr sollte keiner mehr reden, nicht die Niederlagen an sich und der letzte Platz statt Pokalgewinn ist der Grund, sondern die Art und Weise, wie die Mannschaft auftrat. Es war ein Rückfall in alte Zeiten, das Urteil vom Rumpelfußball tauchte wieder auf.
Nicht Deutschland, nicht Favorit Spanien stand am Ende ganz oben, sondern Portugal mit dem ewig jungen, 40-jährigen Cristiano Ronaldo holte sich die Trophäe. Auch für Spanien und sein Supertalent Lamine Yamal wachsen die Bäume also nicht in den Himmel, immerhin blieben sie weiter ungeschlagen, und das seit 27 Monaten, weil sie sich Portugal erst im Elfmeterschießen geschlagen geben mussten. Ausgerechnet Kapitän und Torjäger Morata vergab den entscheidenden Elfmeter. Dagegen traf Ronaldo sowohl gegen Deutschland zum 2:1, als auch gegen Spanien zum 2:2 entscheidend. Wird er auch mit 100 noch Tore schießen? Es war im 222. Länderspiel sein dritter Titel mit Portugal nach der Europameisterschaft 2016 und dem Gewinn der NL bei der ersten Ausführung 2019. Fest im Sattel sitzen dürfte jetzt auch der heftig kritisierte Trainer Roberto Martinez. Ein Titel heilt Wunden und lässt Enttäuschungen vergessen. Mittelfeldlenker Bruno Fernandes droht der Konkurrenz: „Wenn wir alle zusammenhalten, können wir auch den WM-Titel holen.“ Von diesem Auftrieb hat Nagelsmann geträumt.
Die Wirklichkeit bei der deutschen Mannschaft sieht anders aus. Es macht sich Ernüchterung breit, weil die letzten guten Leistungen offensichtlich zu einer Überschätzung der Fähigkeiten geführt haben. In der Spitze gibt es keine Breite, mit Rüdiger, Havertz, Musiala, Stiller, Schlotterbeck und Kleindienst fehlten Stützen, die nicht ersetzt werden konnten. Andere, wie Wirtz, Sané oder Tah konnten nicht das Kommando übernehmen, produzierten eher Fehler. Kapitän Joshua Kimmich bemühte sich nach besten Kräften, aber vergebens, Torhüter ter Stegen zeigte alte Klasse, Neuling Nick Woltemade war noch ein kleiner Lichtblick, aber das war es schon. Gegen Portugal kam eine unerklärliche Lethargie dazu, der Einsatz fehlte. Das war gegen Frankreich besser, aber die Gier auf den Sieg fehlte in vielen Momenten. Frankreichs Fachzeitung L’Equipe urteilte treffend: „Deutschland fehlten Ideen und Talent.“
Julian Nagelsmann scheint als Bundestrainer immer noch einen Lernprozess durchzumachen. Gegen Portugal änderte er unnötig das System, was zu seiner Verunsicherung führte. Bezeichnend, Kollege Martinez wechselte den Sieg ein, Nagelsmann mit Gosens, Gnabry und Füllkrug die Niederlage. Nagelsmann hat jetzt drei Monate Zeit, sich die richtigen Gedanken für die Zukunft zu machen. Er könnte auf den einen oder anderen Spieler wie Groß, Andrich, Gosens, Gnabry, Kehrer und Anton endgültig verzichten und mehr jungen Spielern eine Chance geben. Am 4. September beginnt in der Slowakei die WM-Qualifikation, die gegen die weiteren Gegner Nordirland und Luxemburg zu schaffen sein sollte. Platz 1 sollte es sein, bei der WM drohen dann trotzdem starke Gruppengegner, weil sich Deutschland in der Weltrangliste nicht verbessern konnte.
U21-EM im Schatten der Klub-WM
Nichts wurde es bei der A-Nationalmannschaft mit dem Titel der Nations League, doch davon will sich der Nachwuchs nicht beeindrucken lassen. Die U21 von Bundestrainer Antonio Di Salvo hat den Titelgewinn bei der Europameisterschaft vom 11. bis 28. Juni in der Slowakei im Visier. Allerdings steht dieses Turnier im Schatten der ersten Klub-Weltmeisterschaft mit 32 Mannschaften ab dem 15. Juni in den USA. Der Weltverband FIFA, der sich oft rühmt, den Nachwuchs zu fördern, hat keine Rücksicht auf den europäischen Nachwuchs genommen. Eine Breitseite von FIFA-König Infantino gegenüber seinem Widersacher Ceferin in Europa.
Unter der Terminüberschneidung leidet auch Di Salvo, der auf Spieler aus München (Bischof, Urbig), Dortmund (Beier, Adeyemi) und Salzburg (Morgalla, Blank) verzichten muss. Dafür reiste Nick Woltemade als frischgebackener Nationalspieler der U21 nach und mit Paul Wanner kann er auf ein Talent zurückgreifen, den die Bayern freigegeben haben (er war nach Heidenheim ausgeliehen) und der auch für Österreich spielen könnte. Der Bundestrainer ist trotz der Ausfälle optimistisch. „Wir haben eine gute Mannschaft, haben eine Chance, aber es muss alles passen.“ Zuletzt war Deutschland immer vorn dabei, holte nach 2000 wieder 2017 und 2021 den Titel und unterlag 2019 im Finale gegen Spanien. Titelverteidiger ist England, das 2023 Spanien 1:0 besiegte und Gruppengegner der Deutschen ist. Los geht es am Donnerstag gegen Slowenien, am Sonntag ist Tschechien der Gegner und England bildet am Mittwoch,18. Juni, den Abschluss der Vorrunde (alle Spiele 21.00 Uhr, SAT1 überträgt live).
Im EM-Kader von Di Salvo befinden sich mit Sicherheit einige Kandidaten für den Sprung zu Nagelsmann. Das gilt nicht nur für Nick Woltemade, sondern vor allem auch für den technisch versierten Brajan Gulda, der bei Brighton & Hove Albion in der Premier League beeindruckt, aber auch für Paul Nebel und Nelson Weiper aus Mainz, Rocco Reitz (Gladbach) und die Frankfurter Verteidiger Nathaniel Brow und Namdi Collins, die die Sorgen auf der rechten Verteidigerposition beenden könnten und Joshua Kimmich erlösen. Freiwillig verzichtet hat Di Salvo auf Dortmunds Talent Moukoko, der nach Monaco ausgeliehen ist, dort aber nicht zum Zug kommt. Der einstige Hoffnungsträger ist zum Sorgenkind geworden.
Bei der Klub-WM spielt Geld die Hauptrolle
„Wer wird Geldmeister?“ titelt der Boulevard und damit ist eigentlich alles über die erste Klub-Weltmeisterschaft mit 32 Mannschaften gesagt. Geld spielt die Hauptrolle, eine Milliarde (!) Dollar an Prämien schüttet die FIFA aus. Ihr Präsident hatte allerdings mit der Finanzierung des Turniers vom 15. Juni bis 13. Juli in den USA einige Probleme. Das Scheichtum Saudi Arabien half aus und darf sich dafür Hoffnung auf eine echte Weltmeisterschaft machen. Goldig glänzt auch der WM-Pokal, ein Hingucker, der die Erde als Planeten darstellt und auf dem zweimal der Name des Präsidenten Infantino eingraviert ist! Alle vier Jahre soll dieses Großereignis nun stattfinden, es hat den bisherigen Confed-Cup als Test im Vorfeld einer WM abgelöst.
Beteiligt sind die Erdteile Europa, Nordamerika, Südamerika, Afrika, Asien und Australien. Europa stellt mit zwölf Teams das Gros der Mannschaften, die letzten Sieger der Champions League waren qualifiziert, dazu die besten Teams der UEFA-Rangliste. Allerdings dürfen nicht mehr als zwei Mannschaften pro Nation antreten, deshalb fehlt zum Beispiel der FC Barcelona. Deutschland ist mit Bayern München und Borussia Dortmund vertreten, wobei die Borussia von der Schwäche Leipzigs profitierte, dass den Geldsegen in der CL verspielte. Als Antrittsgeld erhalten die Klubs 30 Millionen Dollar, der Sieger darf mit 100 Millionen rechnen.
Die mehrwöchige Klub-WM ist wegen der zusätzlichen Belastung für die Spieler umstritten, außerdem gibt es Probleme mit den Spielerwechseln in der Transferperiode. Teilnehmer der Klub-WM durften schon ab 1. Juni neue Spieler verpflichten, die aber bis zum 30. Juni unter Vertrag stehen. Deshalb werden Ablösesummen fällig. So zahlt Bayern München rund eine Millioen Euro an Leverkusen und 300.000 Euro an Hoffenheim, damit Jonathan Tah und Tom Bischof bereits mitwirken können, zumal die Bayern nach wie vor Verletzungssorgen haben, aber auf Musiala und Upamecano hoffen. Real Madrid lässt sich den vorzeitigen Dienstantritt von Alexander-Arnold aus Liverpool zehn Millionen kosten. Damit genügend Stars vertreten sind, hat Infantino eine Wild Card des Ausrichters an Inter Miami vergeben, das mit Lionel Messi antritt. Cristiano Ronaldo hat es abgelehnt kurzfristig zu wechseln, weil sein Klub nicht dabei ist.
Die 32 Mannschaften spielen in acht Gruppen, die beiden ersten zwei jeder Gruppe qualifizieren sich für das Achtelfinale. Gespielt wird in zwölf Städten, vorwiegend im Osten der USA (Ausnahmen Seattle und Los Angeles). Bayern München trifft am Sonntag (18 Uhr) in Cincinnati auf Auckland City (Neuseeland), am 21. Juni (3 Uhr) in Miami auf Boca Juniors (Argentinien) und am 24. Juni (21 Uhr) in Charlotte auf Benfica Lissabon. Im Turnierbaum lauern Chelsea London, Paris St. Germain und Atletico Madrid als mögliche Gegner. Dortmund bekommt es zunächst am 17. Juni (18 Uhr) in New York mit Fluminense (Brasilien) u tun, am 21. Juni (18 Uhr) mit Mamelodi Sundowns (Südafrika) und am 25. Juni (21 Uhr, jeweils in Cincinnati) mit Ulsan HD (Südkorea). Inter Mailand, Manchester City und Real Madrid warten als mögliche Gegner. Stärkste Gruppe dürfte die Gruppe B mit Paris, Atletico, Botafogo (Brasilien) und Seattle (USA) sein. Die Bayern lehnen sich schon weit aus dem Fenster, wenn sie davon sprechen, dass sie die WM gewinnen wollen. Immerhin gewannen sie den alten Weltpokal viermal, Dortmund war 1997 erfolgreich.