Bei der Klub-WM Zweikampf zwischen Europa und Südamerika

Die Klub-Weltmeisterschaft im Fußball steuert bei ihrem überdimensionierten Turnier in den USA auf das Finale der Gruppen zu. Von Samstag bis Mittwoch, 2. Juli, wird danach das Achtelfinale ausgespielt. Die deutschen Klubs sollte dabei sein, Bayern München hat sich bereits qualifiziert, Borussia Dortmund hat nach dem 4:3 gegen Sundowns aus Südafrika beste Chancen, zumal gegen das bisher punktlose Ulsan aus Südkorea am Mittwoch ein Zähler reicht. Die Qualität der Spiele war teilweise besser als gedacht, doch fallen einige Mannschaften ab, eine WM mit 24 Teams statt der 32 hätte das Turnier reizvoller und damit hochwertiger gemacht. Aber es wäre ja gegen die Natur von FIFA-König Gianni Infantino nicht gleich in die Vollen zu gehen.

Infantino muss aber hinnehmen, dass seine vollmundigen Versprechungen nicht der Realität entsprechen. Die erste Klub-WM ist keinesfalls die größte Show und ein Publikumsrenner, vielfach bleiben die Stadien leer, mühsam werden im Fernsehen die leeren Ränge vertuscht. Für Stimmung sorgen allein die Fans aus Südamerika, die Amerikaner können dem Ganzen nicht viel abgewinnen. Sie gucken auf das Turnier und sagen sich, „schön und gut, aber da muss ich nicht hin.“ Insofern ist die Klub-WM auch kein Anheizer für die Weltmeisterschaft der Nationen im nächsten Jahr in den USA, Mexiko und Kanada. Probleme macht auch das Wetter, Regengüsse manchmal nahe am Weltuntergang, Spiele musste bis zu zwei Stunden unterbrochen werden. Wer bleibt da im Stadion?

Sportlich zeichnet sich ein Zweikampf um den Titel zwischen Europa und Südamerika ab. Es gilt: „Europa hat das Geld, Südamerika aber die Begeisterung“. So wurden anfangs die europäischen Klubs überrascht, Bayern München rettete die Ehre, war mit dem mühsamen 2:1 gegen die Boca Juniors aus Argentinien nach fünf Niederlagen und drei Unentschieden das erste Team aus Europa, das eins aus Südamerika bezwingen konnte. Alle vier Teams aus Brasilien sind noch ungeschlagen. Noch ist ungewiss, welche Duelle sich in Achtelfinale ergeben, aber auf einige reizvolle Paarungen darf man sich freuen. Mit den besten 16 Teams geht es halt erst richtig los.

Bayern München ist also dabei und kassiert 7,5 Millionen Euro als Prämie. Ob als Gruppensieger wird sich am Dienstag gegen Benfica Lissabon zeigen. Benfica erreichte gegen die Boca Juniors nur ein 2:2, liegt also zurück und muss um das Weiterkommen noch kämpfen. Den Bayern genügt ein Unentschieden zu Platz 1, Gegner im Achtelfinale dürfte entweder Chelsea London oder der ES Tunis sein. Flamengo besiegte Chelsea mit 3:1 und so haben die Brasilianer gegen das schwächste Team aus Los Angeles Platz 1 fast sicher. Deshalb könnte es gegen Chelsea gehen, ein dicker Brocken. Die Bayern konnten bisher überzeugen, Harry Kane zeigt sich in einer Führungsrolle und Michael Olise ist der Skorerkönig des Turniers. Pechvogel Jamal Musiala sollte seine kleine Wadenblessur auskuriert haben. Gegen Benfica haben die Bayern übrigens eine bemerkenswerte Bilanz: In 13 Vergleichen gab es keine Niederlage.

Borussia Dortmund ist noch nicht endgültig weiter, hat bisher spielerisch nicht ganz überzeugt, aber doch viel Willen gezeigt. Beim 4:3 gegen die Südafrikaner Mamelodi Sundowns schlichen sich nach einer 4:1-Führung Unkonzentriertheiten ein und am Ende musste man noch zittern, bis das 4:3 gerettet war. Vielleicht lag es auch an der Hitze, die Spieler fühlten sich als „Grillhähnchen“, die Ersatzspieler blieben in der Kabine, weil es zu heiß war. Einen neuen Star hat die Borussia mit Jobe Bellingham, der von den Fans wie einst sein Bruder gefeiert und besungen wird, statt „Hey Jude“ heißt es jetzt „Hey Jobe“. Der jüngere Bellingham präsentiert sich schon als Gewinn. Im Achtelfinale könnte es gegen Inter Mailand gehen, das gegen River Plate Rang eins im direkten Duell ausspielt. Es gibt Hoffnung, dass die Klub-WM noch ein bisschen Spaß macht.

Di Salvo fielen Steine vom Herzen

Wenn die U21 bei der Europameisterschaft beobachtet wird, dann auch mit den Hintergedanken, wer sich denn für die A-Nationalmannschaft empfiehlt. Fast müsste man bei dem Auftreten in der Slowakei sagen „alle“. Die Stärke der Schützlinge von Bundestrainer Antonio Di Salvo ist der mannschaftliche Zusammenhalt und eine tolle Ausgeglichenheit. Beweis: Im letzten Gruppenspiel gegen England nahm der Trainer eine Totalrotation vor und Deutschland zog dennoch mit einem 2:1-Sieg als Gruppensieger ins Viertelfinale ein! So etwas gab es noch nie!

Im Viertelfinale war Italien dann eine harte Nuss, schwächte sich allerdings selbst. Gleich zwei Spieler musste gegen Ende der regulären Spielzeit mit Gelb-Rot vom Feld, doch die vermeintlich leichte Aufgabe wurde für das DFB-Team eher schwerer. „Es war ungewohnt,“ hatte der Trainer Verständnis, „jeder denkt, jetzt geht es von allein, Italien hat alles reingeworfen und wir wurden nervös.“ Bis dahin musste Deutschland den ersten Rückstand verkraften, aber Turnier-Torjäger Woltemade und Joker Weiper sorgten für eine 2:1-Führung. In der letzten Minute reihten sich allerdings Fehler an Fehler, Italien profitierte von einem Freistoß vor dem 16er und weil die Mauer falsch stand, ging es sogar in die Verlängerung. Am Ende aber fielen Di Salvo „ich weiß nicht wie viele Steine vom Herzen“, als der Freiburger Röhl mit einerm platzierten Schuss erfolgreich war. Jetzt steht am Mittwoch das Halbfinale gegen Frankreich an, der Einsatz von Rosenfelder und Kapitän Martel ist nicht sicher. Logisch ist das Finale am Sonntag das Ziel. England gegen Niederlande heißt das zweite Halbfinale.

Die deutschen Fans zu Hause bangen mit der Mannschaft, SAT1 verzeichnete mit über vier Millionen Zuschauern in der 2. Halbzeit eine Rekord-Einschaltquote. Lustig übrigens: Ob aus dem Kader wirklich alle für die deutsche A-Elf in Frage kommen, ist nicht nur aus Leistungsgründen offen. Elf Spieler des Teams haben durch ihre Familie die Möglichkeit für eine andere Nation anzutreten!

Deutschlands teuerster Fußballer

Die jungen Spieler aus der U21 haben künftig wohl ein Vorbild: Florian Wirtz. Das 22-jährige Supertalent von Bayer Leverkusen hat jetzt endgültig beim FC Liverpool unterschrieben und mit der Ablösesumme von 135 bis 150 Millionen Euro (die kolportierten Zahlen schwanken) wird er zu Deutschlands teuerstem Fußballer. Nicht nur das, nach Neymar (Brasilien, für 222 Millionen von Barcelona nach Paris) und Mbappé (Frankreich, für 180 Millionen von Monaco nach Paris) hat Wirtz die dritthöchste Ablösesumme weltweit erzielt!

Der Leverkusener hat Liverpool anderen Vereinen vorgezogen, weder Real Madrid noch Bayern München konnten bei ihm landen. Viele sehen dies zum Beispiel als Beweis, dass selbst die Bayern international im Rennen um die besten Spieler finanziell nicht mehr mithalten können und die Münchner ziehen offensichtlich auch nicht mehr, dass Spieler kommen, weil sie mit ihnen Titel gewinnen können. Da war zuletzt das Abschneiden in der Champions League nicht gut genug. Leverkusen ist am rotieren, um die Abgänge von Wirtz, Tah und anderen wieder zu kompensieren, die CL soll es schließlich sein. Die Bayern dagegen tun sich schwer einen Flügelflitzer von der Klasse eines Olise zu finden und als Ersatz von Sané. Manager Max Eberl ist dafür extra von der Klub-WM zurück nach München, besonders im Visier angeblich Gittens von Borussia Dortmund, aber die Klasse von Olise hat er dort noch nicht nachgewiesen. Aber auch international, egal ob bei Williams von Bilbao, Leao vom AC Mailand oder Barcola aus Paris, ein Haken findet sich immer. Wirklich gut genug (?), andererseits aber auch zu teuer. Bis zu 70 Millionen Euro werden aufgerufen. Favorit könnte Leao sein, weil Milan angeblich Interesse an Kim hat, da wäre ein Tauschgeschäft oder eine Anrechnung möglich. Der Sommer in Deutschland soll wettermäßig heiß werden, was die Wechselgeschäfte angeht, wird er in der Bundesliga auf jeden Fall heiß.