Klub-WM: Ein Triumph Europas und des Geldes

Das war sie nun, die erste Klub-Weltmeisterschaft im XXL-Format mit 32 Mannschaften (vorher 7) ist Vergangenheit. Wird sie uns als großes Fußball-Ereignis in Erinnerung bleiben? Den Fans in Europa wohl kaum, auch wenn FIFA-Präsident Gianni Infantino sie als „größtes Ereignis des Fußballs“ preist (oder hat er sogar „in der Welt“ gesagt?). Es ist sein Kind und so musste es auf jeden Fall „großartig“ sein, egal wie die Wirklichkeit aussah. Die Klub-WM wurde aber zu einem Triumph der Vereine Europas und des Geldes. Sie ist vielleicht im Großen und Ganzen keine schlechte Idee, aber mit erheblichen Mängeln und negativen Auswirkungen behaftet. Die Weltmeisterschaft der Nationen ist wesentlich attraktiver und eher dazu geeignet, als „größtes Ereignis des Fußballs“ gepriesen zu werden. Ob sie das in den USA, Mexiko und Kanada im nächsten Jahr wird, darf allerdings in Zweifel gezogen werden, dafür gab es zu viele Probleme in den USA.

Zuerst zum Sport. Im Finale waren Europas Klubs unter sich. Typisch für das Turnier des Geldes mit Millionen-Aussschüttungen, es standen sich zwei geldsubventionierte Klubs gegenüber. Der Sport stand dennoch im Mittelpunkt, denn mit Chelsea London gewann der Außenseiter, der Champions-League-Sieger Paris St. Germain mit 3:0 fast demütigte. Die Pariser, die sich sicher waren, den nächsten großen Titel zu gewinnen, hatten übersehen, dass Chelsea seit 2012 jedes Finale gewonnen hat! 2012 und 2021 die Champions League, 2013 und 2014 die Europa League, 2025 die Conference League und 2021 und jetzt 2025 die Klub-WM. „Vater des Erfolges“ ist der 45-jährige Enzo Maresca, der aus einem Verlierer-Team ein Sieger-Team machte. „Vor einem Jahr war Chelsea von der Weltbühne verschwunden“, erzählt er stolz, „jetzt sind wir wieder wer.“ In der Premier League schaffte Chelsea mit Mühe gerade noch Platz vier und damit die Qualifikation für die CL. Aus einem Kader von rund 40 Spielern (!) bastelte der Trainer ein Siegerteam und das natürlich mit Geld. Ein entscheidender Faktor war der Brasilianer Joao Pedro, der während der Klub-WM für 63,7 Millionen Euro von Brighton verpflichtet wurde und diese Investition sofort eingespielt hat. Er half mit seinen Toren entscheidend mit, dass Chelsea als Sieger genau 114,535 Millionen Dollar kassiert. Matchwinner im Finale war aber Cole Palmer, der zweimal die Pariser düpierte, zudem hat sich Maresca eine raffinierte Siegestaktik einfallen lassen. Er stellte optisch defensiv auf, überraschte den Gegner aber mit offensiven Spiel. Chelsea führt auch die Geldrangliste an, Zweiter ist Paris auch hier mit 106,835 Dollar, die Bayern sind Fünfter mit 58,14 und Dortmund dahinter Sechster mit 52,29 Millionen Dollar (Schlusslicht ist Auckland mit 4,58 Millionen).

Die europäischen Teams gaben sportlich den Ton an (fünf im Viertelfinale, drei im Halbfinale), die Fans der südamerikanischen Mannschaften sorgten dagegen für die Stimmung, sonst wäre die WM eine trostlose Angelegenheit gewesen. Die Bundesligisten mischten tapfer mit, Dortmund war zufrieden, die Bayern am Ende eher nicht, geschockt auch von der Musiala-Verletzung. Unzufrieden vor allem auch Real Madrid, das Debüt von Xabi Alonso als neuer Coach ging in die Hose, doch Schuld trifft ihn nicht, dass Real in dieser Saison ohne Titel blieb. Dass die WM eine große Zusatzbelastung für alle Spieler war, wird nicht nur an zu vielen Verletzungen deutlich, sondern auch in privaten Belastungen, die Nationalspieler Pascal Groß deutlich machte, er habe in den letzten fünf Wochen seine Kinder nur an drei Tagen gesehen.

Die USA wurde als Austragungsort gewählt, um quasi für die „echte“ WM 2026 zu trainieren. Die Organisation klappte, doch nicht alles war perfekt. So gab es vor allem Kritik an den Spielfeldern, der Rasen war oft schlecht, ließ kein gutes Spiel zu. Für das Wetter kann niemand etwas, aber es gibt sicher Jahreszeiten, die nicht so von Unwettern geprägt sind wie der Sommer. Eine Frage des Geldes sind wiederum die Anstoßzeiten, die sich wesentlich nach den Wünschen der Europäer richten, so dass um die heiße Mittagszeit gespielt werden musste. Die Fernsehzuschauer konnte man aber in Europa nicht vor die Bildschirme locken (in Deutschland sahen bei SAT1 nur 1,7 Millionen das Finale). Das wird bei der WM der Nationen anders sein. Was die Auslastung der Stadien angeht, da schwärmte Infantino von einem Zuschauererfolg, verklärte aber die Realität, weil die FIFA ein gleitendes Ticketsystem einführte. Teure Karten wurden plötzlich billig, wenn ein leeres Stadion drohte. Statt einer dreistelligen Summe konnte man für elf Dollar ein Halbfinalspiel sehen!

Aber wie gesagt, es war nicht alles schlecht, einen erneuten Versuch wird es in vier Jahren geben, angeblich haben Katar und Brasilien bereits Interesse gezeigt, möglich wäre aber vor allem Spanien/Portugal mit einem Testlauf für die WM 2030. Gedanken, das Teilnehmerfeld gleich wieder zu erhöhen, sollte man allerdings fallen lassen. 48 Teams sind sinnlos, entsprechen aber natürlich dem Größenwahn von Infantino. Die Finanzierung könnte zum Problem werden, nicht immer wird Saudi-Arabien mit einer Milliarde Dollar eine Pleite verhindern.

Bei den Frauen ist die Euphorie verflogen

Der Traum vom Gewinn der Europameisterschaft kann noch immer Realität werden, doch die Wahrscheinlichkeit liegt nur bei wenigen Prozent. Im Moment glauben die Mädchen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft selbst nicht mehr an den großen Coup, zu tief sitzt der Schock der 1:4-Niederlage gegen Schweden, die Euphorie ist nach der höchsten EM-Niederlage aller Zeiten verflogen, es regiert der Frust. Die deutsche Auswahl wurde fast vorgeführt, nach einer starken Anfangsviertelstunde schwammen die Felle davon, ein Platzverweis (Handspiel) gegen Abwehrspielerin Carlotta Wamser in der 32. Minute war der frühzeitige K.o., das 1:3 die Folge. Trainer Christian Wück wirkte am Spielfeldrand auch hilflos. Seine Taktik mit offensivem Pressing führte hier zum Debakel, von schnellen Schwedinnen clever ausgenutzt. Wück hatte kleinen Plan B und das ist im Hinblick auf das Viertelfinale am Samstag gegen Frankreich bedenklich.

Die deutsche Mannschaft ist nicht so gut, wie es Siege gegen kleinere Nationen suggerierten. Wir haben ein paar Weltklassespielerinnen wie Klara Bühl und Jule Brand, die auch bei der EM für Furore sorgen, was der Mannschaft aber fehlt, ist jemand als Lenker und Denker im Mittelfeld, als Halt bei schwächeren Momenten. Das hätte die verletzte Gwinn sein können, da fehlt aber vor allem die langzeitverletzte Lena Oberdorf, die in Zukunft sicher wieder das Kommando im Mittelfeld übernehmen wird. Sjoeke Nüsken und Elisa Senß wurden ihre Grenzen aufgezeigt. Vor allem aber in der Abwehr hapert es, es fehlen Tempo und Sicherheit, einzig Kapitän Janina Minge sticht heraus. Auch Torhüterin Amn-Katrin Berger sorgt mit ihrem Spiel nicht für Sicherheit. Da muss Wück wohl umstellen, er hat mit Kathrin Hendrich und Sophia Kleinherne guten Ersatz zur Verfügung. Auch im Mittelfeld könnten Sydney Lohmann und Sara Däbritz ihre Chance von Anfang an bekommen. Gegen die schnellen und spielfreudigen Französinnen ist vor allem eine gute Abwehr gefragt, aus einer Abwehr-Dreierkette sollten schnelle Konter möglich sein, das System der Schwedinnen könnte kopiert werden. Was auch eine Chance für die junge Franziska Kett sein könnte. Wamser wurde nur für ein Spiel gesperrt, aber ob sie noch einmal zum Einsatz kommen kann? Da müsste ein Sieg gegen Frankreich her. Sechs Tage bleiben Zeit zur Vorbereitung. Am Montag war erst einmal frei, damit die Mädchen auf andere Gedanken kommen.

Die deutschen Fans lechzen nach Erfolgen der Frauen, sie stehen ihnen zur Seite, 7,66 Millionen sahen am Samstag beim ZDF zu, es war die erfolgreichste Sendung am Wochenende, die Frauen-EM schlug an allen Tagen die Klub-WM der Männer wieder um Längen. Die Klub-WM ist beendet, bei den Frauen steht von Mittwoch bis Samstag das Viertelfinale an. Im Mittelpunkt steht für den Ausrichter vor allem das Spiel der Schweizerinnen am Freitag in Bern gegen Weltmeister Spanien. Die Schweizerinnen qualifizierten sich das erste Mal für ein EM-Viertelfinale, die Euphorie ist hier im Gegensatz zum deutschen Team groß, die Mannschaft wuchs über sich hinaus. Spanien dürfte allerdings eine Nummer zu groß sein. Der Viertelfinal-Reigen beginnt am Mittwoch in Genf mit der Partie Norwegen – Italien, am Donnerstag folgen in Zürich Schweden und England, ein Spiel zweier Teams, die zum Ende der Gruppenphase auftrumpften. Die beiden Sieger treffen dann im Halbfinale am Dienstag, 22. Juli, in Genf aufeinander. Der Gegner von Spanien/Schweiz wird zwischen Frankreich und Deutschland ermittelt, das zweite Halbfinale ist am Mittwoch, 23. Juli, in Zürich, das Finale am Sonntag, 27. Juli (18 Uhr), in Basel.