Die Bayern arbeiten bei den Talenten gegen den Trend

Seit dem unerwarteten Triumph in der Champions League gilt der einstige Geld-Verein Paris St. Germain quasi als Vorbild. Nachdem er mit teuren Stars nicht erfolgreich war, verkaufte er diese und setzte auf hoffnungsvolle (auch nicht ganz billige) Talente. Dann gelang das, was der von Katar alimentierte Klub jahrelang nicht schaffte, der Gewinn der CL. Auf den Spuren befindet sich jetzt auch der FC Liverpool, der vor allem junge Spieler auf seiner Einkaufsliste führte, allen voran Florian Wirtz, wie wir wissen und die Bayern bitter erfahren mussten. Auf das Talent hätten sie auch gerne gesetzt.

Ansonsten arbeiten die Bayern allerdings bei den Talenten gegen den Trend. Während Barcelona immer wieder erfolgreiche Spieler aus seinem fast schon legendären Nachwuchscampus bei den Profis herausbringt, bekommen sie dies aktuell bei den Bayern nicht hin. Außer Jamal Musiala Fehlanzeige. Dabei wird viel in den Campus investiert, aber mit Vincent Kompany hat derzeit scheinbar ein Trainer das Sagen, der Experimente mit jungen Spielern scheut, weil sie den Erfolg gefährden könnten. Natürlich ist es ein schmaler Grad, wenn Erfolg und Nachwuchsförderung Hand in Hand gehen sollen, doch der Mut dazu fehlt bei Kompany. Bestes Beispiel ist der 19-jährige Adam Aznou, Nationalspieler Marokkos, der die Vakanz auf der linken Seite nach dem Ausfall von Davies hätte füllen können. Er bekam keine echte Chance, aber der FC Everton in der Premier League glaubt an ihn und zahlt sogar 9 Million Euro Ablöse. Experten sagen, die Bayern verfügten derzeit über eine Mega-Talentdichte.

Es schien, als wollte Kompany zeigen, dass er auch anders kann. Beim ersten Testspiel gegen Olympique Lyon, das mit einem 2:1-Sieg erfolgreich gestaltet wurde, gab es für jede Halbzeit ein anderes Team und alle Nachwuchsspieler bekamen Spielpraxis. Im Mittelpunkt steht derzeit vor allem der 19-jährige Paul Wanner, der in Heidenheim Bundesliga-Luft schnupperte und jetzt die Chance hätte, vom Ausfall Musialas zu profitieren. Vor einem Jahr gab es über ihn Schlagzeilen, weil er für Österreich und Deutschland spielen könnte und beide Nationaltrainer um ihn buhlen. Doch diesbezüglich wurde es still. Mit dem 17-jährigen Lennart Karl wartet das nächste große Talent auf den Einsatz, der schlaksige Stürmer ist nah dran und gilt als Backup für Olise, braucht aber auch Spielpraxis. Immerhin dürfen einige hoffnungsvolle Talente fest mit den Profis traineren, so Torjäger Jonah Kusi-Asare, Mittelfeldstratege David Daiber oder Stürmer Felipe Chavez.

Dass die Bayern aber vor allem den Erfolg in der Gegenwart brauchen, zeigte die Verpflichtung des Kolumbianers Luis Diaz, der sich in München offensichtlich schnell eingelebt hat. Der 28-jährige ist ein umgänglicher Typ, lächelt immer und Joshua Kimmich schwärmt: „Er hilft uns sofort weiter“. Das sollte auch Nick Woltemade tun, doch der VfB Stuttgart ist weiter nicht gesprächsbereit, Woltemade will nach München, bleibt aber professionell und lässt sich in Stuttgart diesen Wechselwunsch nicht anmerken. Bei anderen Vereinen sind nicht nur Zugänge im Gespräch, bei RB Leipzig vor allem Abgänge. Da erwartet man, dass Benjamin Sesko und Xavi Simons den Verein im August noch verlassen, beide zieht es in die Premier League, Newcastle bzw. Chelsea London sollen Interesse haben. Auch Leipzig will zurück zur einstigen Idee und vor allem auf junge Spieler setzen. Bayer Leverkusen macht dies fast zwangsläufig, nach dem Abgang von vielen erfahrenen Spielern. Trainer ten Hag fordert aber noch neue Spieler. Dennoch: Es scheint, die Bundesliga wird zum Talentepool.

Die 2. Bundesliga startet spektakulär

Die Bundesliga startet bekanntlich erst am 22. August, im Unterhaus ging es am Wochenende bereits los und die 2. Bundesliga startete spektakulär mit überraschenden Ergebnissen, spannenden Spielen und Toren in den letzten Minuten. Erster Tabellenführer sind ausgerechnet die Pokalhelden aus Bielefeld, mit einem 5:1 gegen den Mitfavoriten Fortuna Düsseldorf meldete sich der Aufsteiger spektakulär zurück. Schon das Eröffnungsspiel zwischen Schalke und Hertha BSC hatte es in sich, der neue Trainer Miron Muslic feierte mit dem 2:1-Sieg einen tollen Einstand und wurde gefeiert, Top-Favorit Hertha BSC musste dagegen erkennen, dass der Aufstieg den Berlinern nicht geschenkt wird. Oder sind sie gar nicht so stark wie gedacht?

Interessant, dass beide Bundesliga-Absteiger eine Klasse tiefer gleich wieder Lehrgeld bezahlen mussten, Bochum wurde mit 1:4 in Darmstadt fast gedemütigt, Kiel unterlag in Paderborn mit 1:2. Da bekommen Wiederaufstiegsträume gleich einen Dämpfer.

Ein Nachtrag zur Frauen-EM. Bei der von der UEFA vorgestellte „Elf des Turniers“ darf man sich die Augen reiben, aber auch freuen. Nicht erwarten durfte man, dass Franziska Kett von den Bayern als Linksverteidigerin nominiert wurde, ebenso wie die Engländerin Chloe Kelly im Sturm, die zwar entscheidende Tore schoss, aber nie von Anfang spielte! Mit dabei ist auch Jule Brand (Wolfsburg). Die EM-Elf: Hampton (England) – Bronze (England), Paredes (Spanien), Linardi (Italien), Kett – Patri, Aitana, Alexia (alle Spanien) – Brand, Russo (England), Kelly (England).

Eine Neuigkeit gibt es international bei den Frauen, die Champions League wird künftig im TV auch beim ZDF übertragen. Ab 2025/26 besitzt der Streamingkanal Disney+ die Rechte und nicht mehr DAZN. Die Europäische Rundfunkunion (EBU) hat einige Reche erworben und so darf das ZDF in jeder Spielwoche eine Begegnung übertragen, außerdem Halbfinale und Finale und weitere im Streaming. Qualifiziert sind Meister Bayern München und der VfL Wolfsburg, Frankfurt muss in die Qualifikation.

Finals waren ein Fest des Sports

In Dresden fanden am Wochenende die sogenannten „Finals“ statt, eine Ansammlung von Deutschen Meisterschaften, mit der Leichtathletik im Mittelpunkt, aber auch Turnen oder der neuen olympischen Sportart Lacrosse. Vorgestellt wurde auch „Coasting Rowing“, Küsten-Rudern, wo die Athleten zu ihrem Boot laufen, eine Runde drehen und wieder zum Ziel rennen müssen. Dresden veranstaltete die Meisterschaften in 20 Sportarten in Anlehnung an den Erfolg von Olympia in Paris als Ereignis in der historischen Innenstadt, zum Beispiel mit Klettern an der Frauenkirchen und Bogenschießen an der Semper Oper. Der Erfolg war überwältigend, das Publikum zahlreich und bei freiem Eintritt begeistert und ebenso die Athletinnen und Athleten, die ein Fest des Sports feierten. So waren auch die Kanuten mittendrin und sie waren aus dem Häuschen: „Was hier los ist, ist nicht normal für unseren Sport“. ARD und ZDF waren am Wochenende den ganzen Tag über live dabei und erzielten gute Einschaltquoten.

Die Finals sind also eine tolle Idee, weil Sportarten, die sonst kaum Beachtung finden und höchstens bei Olympia in der Öffentlichkeit auftauchen, sich hier präsentieren können und Anhänger und vielleicht auch Sponsoren finden. Dazu werden Kinder animiert, den Sport für sich zu entdecken. Die nächste Austragung gibt es 2026 in Hannover. Da ist vielleicht auch wieder Schwimmen mit dabei, da kamen diesmal die Weltmeisterschaften in Singapur in die Quere. Dort war Deutschland mit sechsmal Gold, dreimal Silber und einmal Bronze so erfolgreich wie seit 2009 nicht mehr!