Fußball in Europa: Die Bundesliga wird abgehängt
In den großen Ligen in Europa rollt der Fußball bereits wieder und das hat fast schon etwas von Symbolik: Die Bundesliga läuft hinterher, mit anderen Worten, die Bundesliga wird abgehängt. Freilich ist es in England, Spanien und Frankreich (nur Italien folgt erst am Wochenende) notwendig, weil bei 20 statt 18 Vereinen vier Spieltage mehr zu absolvieren sind. Weg von der Symbolik, andere Zahlen machen es deutlicher- die der Transferausgaben. Die Premier League gab rund 2,5 Milliarden Euro aus, die Bundesliga etwa 620 Millionen. Das gaben allein Liverpool (340 Millionen) und Chelsea (280 Millionen) fast aus. Nur die Bayern stiegen mit 75 Millionen bei Luis Diaz groß ein, alle anderen Transfers blieben in der Bundesliga unter 40 Millionen Euro!
Zahlen lügen nicht, Tabellen auch nicht und die UEFA-Rangliste macht deutlich, dass die Premier League in Europa das Kommando übernommen hat, es folgen Spanien und Italien und die Bundesliga mit Abstand wenigstens noch auf Rang vier vor Frankreich, damit sind die vier Plätze für die Champions League verteidigt. Aber Vorsicht, Frankreich holt auf, bisher stand dort das von Katar subventionierte Paris St. Germain allein auf weiter Flur, aber Klubs wie AS Monaco, OSC Lille und Olympique Marseille wollen aufholen und dementsprechend auch verstärkt in Europa mitmischen. Paris als Sieger der Champions League setzte ein Zeichen. Vor allem Monaco hat aber tief in die Tasche gegriffen, holte Dier aus München, Hradecky aus Leverkusen und reaktivierte Paul Pogba nach zweijähriger Dopingsperre. Noch ein Zeichen: Monaco ist nach dem 3:1 gegen Le Havre der erste Tabellenführer.
Über allen steht aber die Premier League, die gewissermaßen im Geld schwimmt und nach Belieben einkauft. Die Bayern musste es schmerzlich erleben, sie buhlten um Talent Florian Wirtz, doch gegen die 150 Millionen Euro des FC Liverpool waren sie machtlos, Wirtz sah dort auch eher die Chance, die CL zu gewinnen. Liverpool holte sich auch Etikité und Frimpong, Manchester United Sesko aus Leipzig und Chelsea Gittens von Dortmund. Der kicker hat recht, für England schrumpft die Bundesliga zur Ausbildungsliga. Liverpool hat also alles getan, um den Titel erfolgreich zu verteidigen, allerdings blieb die Konkurrenz nicht tatenlos. Pep Guardiola will mit ManCity kein Jahr mehr ohne Titel erleben und hat sich mit Hollands Mittelfeldmotor Tijani Reijnderes einen Baustein für den Erfolg geholt. Auch Arsenal London war aktiv, der größte Coup war der schwedische Torjäger Viktor Gyökeres der von Sporting Lissabon losgeeist wurde. Ein spannender Titelkampf ist wohl zu erwarten.
Spannend wird der Titelkampf auch in Spanien sein, allerdings gibt es da nur einen Zweikampf. Titelverteidiger ist FC Barcelona mit Hansi Flick als Trainer, die Königlichen von Real Madrid hatten das Nachsehen und sahen dies als Majestätsbeleidigung an. Dies soll in diesem Jahr mit Xabi Alonso anders werden. Bei beiden Vereinen stehen aber auch die Finanzen im Mittelpunkt. Sie haben Unmengen an Schulden, kaufen aber dennoch fast nach Belieben ein, mit Tricks werden Bestimmungen umgangen. Hier zeigt sich, dass die eigentlich vernünftige 50+1-Regelung in der Bundesliga Sponsoren ausbremst und deshalb einen Nachteil darstellt. Und so kommt es, dass auch Italien sich wieder erholt hat und international inzwischen wieder stärker als die Bundesliga einzuschätzen ist. Die Augen sind vor allem auf Meister SSC Neapel gerichtet, der ausgerechnet zum 100-jährigen Jubiläum etwas Historisches schaffen will, nämlich erstmals eine erfolgreiche Titelverteidigung. Das gelang nicht einmal mit Maradona, jetzt soll der Belgien Kevin de Bruyne mithelfen, jahrelang der Kopf im Spiel von ManCity, der ablösefrei wechseln konnte. Mit 34 Jahren suchte er noch einmal eine andere Herausforderung. Der größte Konkurrent dürfte wieder Inter Mailand sein, der Meister von 2024 und zuletzt gerade mal einen Zähler zurück!
Deutschland schaut vergrämt auf die Stars, die im Ausland spielen, während die Asse hierzulande Abschied nehmen. Allerdings: Die Fans sind noch zufrieden, Deutschland führt die Rangliste der Zuschauerzahlen an. Doch das Geld reicht nicht. Die Zeiten sind offensichtlich vorbei, als Bayern sein legendäres Festgeldkonto plünderte und einen Star wie Harry Kane für 100 Millionen Euro in die Bundesliga holte. Ein Transfer, der sich sportlich und finanziell gelohnt hat. Jetzt waren mehr als 60 Millionen für Nick Woltemade zu viel, stattdessen hat die Sportliche Leitung von den Bossen die Weisung bekommen, Spieler höchstens auszuleihen, um den kleinen Kader zu vergrößern. Mit Talenten allein geht es nicht in München, zumal, wenn es bei diesen auch noch an Ehrgeiz fehlt. So hat sich Paul Wanner entschieden, nicht den Konkurrenzkampf bei den Bayern anzunehmen, obwohl die Chancen nach dem Abgang von Thomas Müller und der Verletzung von Musiala gut waren, sondern lieber in die Niederlande zu PSV Eindhoven zu wechseln. Dort winkt ein Stammplatz ohne großes Bangen. Zur Erinnerung, um Paul Wanner buhlten vor ein paar Monaten noch die Bundestrainer von Österreich und Deutschland, damit er doch für ihr Land spielen sollte. Bei dieser Einstellung wird das Interesse erkaltet sein. Bevor er ein Großer wurde backt er lieber kleine Brötchen.