Mit viel Kampf und wenig Glanz auf dem Weg zur WM

Wie heißt es so schön: Der Kampf ist die Stärke der Kleinen. Wer also nicht über die spielerischen Mittel verfügt, um den Gegner zu besiegen, der kann zumindest mit Kampfgeist bestehen. Zu den Kleinen zählt sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft nicht, aber manchmal muss man andere Methoden als gewohnt anwenden, wenn es nicht wie üblich klappt. Der 1:0-Sieg über das robuste Nordirland war nicht spektakulär, aber lebensnotwendig, mit viel Kampf und wenig Glanz befinden sich die Nagelsmann-Schützlinge wieder auf dem Weg zur Weltmeisterschaft 2026. Die Tür steht offen, Siege über Luxemburg am 14. und gegen die Slowakei am 17. November in Leipzig, sind aber notwendig, um endgültig am Ziel zu sein. Ein wenig Glanz dürfte allerdings schon wieder dabei sein!

Es ist eigentlich traurig, dass es unter Julian Nagelsmann keine wirkliche Fortentwicklung gibt. Seit seiner Amtsübernahme gibt es ein Auf und Ab, alte Fehler schienen ausgemerzt zu sein, tauchten aber wieder auf. Zwischendurch vergriff er sich taktisch und im Moment heißt es zurück zu den Basics, mit Kampf den Bock umstoßen. Viel Herz war dabei, ein wenig Glück half auch, denn wenn Nordirland Stürmer der Qualität eines Harry Kane oder Mbappe gehabt hätte, dann hätte sich der WM-Traum fast erledigt gehabt. So reichte ein glückliches Schultertor von Nick Woltemade um die Hoffnung aufrecht zu erhalten. Es war sein Premierentreffer. Fortsetzung darf gern folgen.

Bei den nächsten Aufgaben im November muss Julian Nagelsmann wohl wieder auf den Kader vom Oktober vertrauen, ter Stegen, Musiala, Rüdiger, Havertz und Kleindienst werden dann weiterhin fehlen. Vielleicht ist Füllkrug wieder dabei. Die beiden Spiele haben einige Protagonisten dazu genutzt, sich in den Vordergrund zu spielen. Oliver Baumann zeigte, dass man nicht unbedingt Manuel Neuer braucht, sollte ter Stegen weiter ausfallen oder ohne Spielpraxis sein. Nico Schlotterbeck schwang sich bei seiner Rückkehr zum unentbehrlichen Abwehrchef auf, bildet mit Tah ein Paar, dem man vertrauen darf. Heißt: Rüdiger droht die Ersatzbank. Bei den Außenverteidiger bewies Joshua Kimmich, dass er dort unentbehrlich ist, auf der anderen Seite entwickelte sich David Raum zum Motivationsmonster und Sinnbild für den Kampfgeist. So ist er im Vorteil gegenüber dem braven Konkurrenten Mittelstädt. Im Mittelfeld haben Goretzka und vor allem Pavlovic die Nase vorn, der junge Pavlovic glänz vor allem als Ruhepol und Ballverteiler. Stiller ist in der Warteposition, Andrich und Groß sind die Verlierer. Ein Gewinner war auch Serge Gnaby in Bestform, der als Spielgestalter ebenso glänzte wie als Torschütze, vor allem aber auch als Kämpfer. So hat er selbst dann seinen Platz sicher, wenn Musiala zurückkehrt. Wirtz wird sich wieder steigern, Woltemade muss höchstens weichen, wenn ein echter Torjäger zur Verfügung steht. Adeyemi ist leichter ersetzbar, er bringt zu selten seine Bestform und verpasste es, für Ruhe im deutschen Spiel zu sorgen. Nach einem Zauberpass von Wirtz vergab er die dicke Chance zum 2:0. Hier zeigte er seine Schnelligkeit als Stärke, konnte sich aber ansonsten kaum durchsetzen. Er ist am leichtesten zu ersetzen.

Viel wird sich also nicht tun rund um das Team, es sind ja gerade mal vier Spieltage der Bundesliga dazwischen. Überraschend ist, das sich vor den letzten zwei Spieltagen in Europa gerade mal England als einzige Nation bisher für die WM qualifiziert hat. Thomas Tuchel feierte also einen guten Einstand als Teamchef, auch wenn er sich mit den Fans angelegt hat. Einen Mann wie Harry Kane hat Deutschland aber leider nicht (aber die Bayern haben ihn!). Insgesamt haben sich 28 Nationen bisher für die WM qualifiziert, die größte Sensation ist der Inselstaat Kap Verde, der sich ein Ticket sicherte. Neben den Ausrichtern USA, Mexiko und Kanada sind dabei Argentinien, Brasilien, Ecuador, Kolumbien, Paraguay, Uruguay, Japan, Iran, Südkorea, Australien, Usbekistan, Jordanien, Katar, Saudi-Arabien, Ägypten, Marokko, Tunesien, Algerien, Kap Verde, Südafrika, Ghana, Senegal, Elfenbeinküste, Neuseeland und England. Es fehlen also noch einige große europäischen Namen. Wie heißt es in der internationalen Presse: „Ohne Deutschland wäre es keine richtige WM!“ Also kämpft weiter…