Im Wintersport haben alle nur Olympia im Visier
In Deutschland kehrte in diesen Tagen rechtzeitig der Winter wieder zurück, um die Aufmerksamkeit der Sportfans auf den Wintersport zu lenken. Nach einem Vorgeplänkel im alpinen Skisport geht es am kommenden Wochenende kompakt so richtig los, die Olympia-Saison wird eröffnet. Die Olympischen Spiele in Mailand und Cortina d’Ampezzo vom 6. bis 22. Februar 2026 haben alle im Visier. In den Weltcup-Wettbewerben geht es vornehmlich um die Qualifikation, aber auch um den Formaufbau, um in Italien erfolgreich zu sein. Zur Erinnerung: Bei den letzten Winterspielen 2022 in Peking holte Deutschland zwölfmal Gold, zehnmal Silber und fünfmal Bronze, das bedeutete Platz zwei im Medaillenspiegel hinter Norwegen.
Wir werden im Winter also verfolgen, wie groß die deutschen Chancen diesmal sein werden. Die fleißigsten Medaillensammler sind meist im Eiskanal zu finden, Bob und Rodel sehr gut, auch diesmal darf man auf Medaillen hoffen. Francesco Friedrich ist der Dominator in der Bobbahn, im Rodeln will Weltmeister Max Langenhan endlich auch Olympiasieger werden und auch Weltcup-Siegerin Julia Taubitz peilt nach acht WM-Titeln ihr erstes Olympia-Gold an. Erste Rennen im Dezember.
Anders sieht es auf Schnee aus, da gibt es natürlich Chancen, andererseits aber auch Sorgen. So sind in zwei Sportarten die Männer das schwache Geschlecht. Vor allem bei den Alpinen ist Sportdirektor Wolfgang Maier mit den Herren unzufrieden, im vergangenen Winter schaffte keiner eine Podiumsplatzierung. Das gab es im Skiverband sonst in keiner Disziplin. Die Frauen erreichten immerhin zwei Siege und insgesamt sieben Podestplätze. Diesbezüglich gelang der Saisonauftakt, denn die neue Ski-Hoffnung Emma Aicher (22) fuhr beim Slalom in Levi gleich auf Rang drei vor ihrer Mannschaftskameradin Lena Dürr. Die gebürtige Schwedin gilt als Supertalent und Allrounderin, will in allen alpinen Disziplinen starten. Bei Speedrennen ist auch Kira Weidle-Winkelmann etwas zuzutrauen, während bei den Männern nur Slalom-Spezialist Linus Straßer als Hoffnungsträger gilt, der bei der letzten WM immerhin Bronze holte.
Im nordischen Bereich sieht es da besser aus. Im Skispringen erreichten die Frauen im vergangenen Winter 19 Podestplätze bei vier Siegen, die Männer gewannen sogar siebenmal bei 13 Podestplätzen. Da gibt es also Hoffnung, wobei die Skispringer gleich zwei Höhepunkte haben, denn die Vier-Schanzen-Tournee zum Jahreswechsel hat einen fast so hohen Stellenwert. Ein deutscher Sieg will aber seit Jahren einfach nicht gelingen. Andreas Wellinger, Karl Geiger und Pius Paschke sind also gefordert (Auttakt am Wochenende in Lillehammer). Paschke war im Vorjahr vor Weihnachten in Hochform, danach leider nicht mehr, diesmal sollte er seine Form bis zum Februar konservieren. Bei den Frauen ruhen die Hoffnungen auf Selina Freitag und Katharina Schmid.
Die erfolgreichste Abteilung im Skiverband waren die nordischen Kombinierer, die acht Siege holten bei 23 Podestplätzen, Vinzenz Geiger aus Oberstdorf holte sich am Ende den Gesamtweltcupsieg, profitierte dabei jedoch von der Erkrankung des großen norwegischen Rivalen Jari Magnus Riiber, der inzwischen seine Karriere beendet hat. Die Norweger haben aber weiterhin eine starke Mannschaft, ebenso wie die Österreich, die beide den Deutschen Paroli bieten wollen. Eine spannende Saison steht diesbezüglich bevor, der Start ist am 28. November im finnischen Ruka. Die Frauen konnten mithalten, Nathalie Armbruster kürte sich zur Königin der Kombinierer.
Die Vier-Schanzen-Tournee der Skispringer ist auch ein Fernsehereignis, die besten TV-Einschaltquoten hat unter der Saison aber weiterhin Biathlon. Es zeichnet sich ab, dass dies auch in diesem Jahr so sein wird, vor allem wenn die Frauen am Start sind. Die Daumen drücken darf man vor allem Franziska Preuß, die im Vorjahr endlich einmal gesund war und prompt den Weltcup gewann und „Skisportlerin des Jahres“ wurde. Die 31-Jährige zog sich bei der Vorbereitung zwar eine Handverletzung zu, ist aber wieder fit und führt das deutsche Team beim Saisonstart am 29. November in Östersund an. Dank Preuß holten die Frauen im Vorjahr 20 Podestplätze bei acht Siegen. Einer gelang auch Selina Grotian, dem 21-jährigen Nachwuchstalent. Sie wurde bereits mit Vanessa Vogt und Julia Thannheimer für Schweden nominiert, die Rückkehrerin und junge Mutter Janina Hettich-Walz und Sophia Schneider müssen sich noch qualifizieren. Die Männer sind auch im Biathlon das schwache Geschlecht, es gelang im Vorjahr kein Sieg, gerade mal drei mickrige Podestplätze waren zu verzeichnen. Allerdings fehlt es im Gegensatz zu den Frauen auch an Nachwuchs, so dass mit keiner großen Besserung zu rechnen ist. Die Routiniers Johannes Kühn und Roman Rees wurden dennoch nicht für Schweden nominiert, müssen erst wieder Leistung bringen. Angeführt wird die Mannschaft von Justus Strelow und Philipp Nawrath, mit dabei sind auch Lukas Fratschner, Simon Kaiser, Philipp Horn und Danilo Riethmüller. In Deutschland gastiert der Weltcup-Zirkus vom 8. bis 11. Januar in Oberhof und danach vom 14. bis 18. Januar in Ruhpolding.
Der Wintersport wird uns also in den nächsten Wochen und Monaten im Bann halten, Ende des Kalenderjahres können wir eine Zwischenbilanz ziehen, wie die Chancen bei Olympia stehen. Hoffentlich heiße Hoffnungen und keine kalten Enttäuschungen!