Infantino und die peinlichste WM-Auslosung aller Zeiten

Der FIFA-Präsident schwärmte im Vorfeld von „der größten Show und besten WM-Auslosung aller Zeiten“, doch was Gianni Infantino dann in Washington bot, war die peinlichste WM-Auslosung aller Zeiten. Ja, die Show-Acts waren gut, doch Infantino präsentierte sich als das, was er immer stärker erscheint: Als Clown. Eineinhalb Stunden war von Sport keine Rede, die WM-Auslosung stand nicht im Mittelpunkt, sondern Infantino und US-Präsident Donald Trump. Infantino probierte sich als Moderator und Anheizer, was schon peinlich genug war, doch wie er Trump umgarnte, war fast nicht zu ertragen. „Düstere Zurschaustellung politischer Speichelleckereien eines Mannes“ nannte es The Mirror in England. Der FIFA-Präsident erfand für Trump extra den „Friedenspreis“, den der Weltverband künftig jedes Jahr vergeben will. Wie bekannt ärgerte sich Trump, dass er den Friedensnobelpreis nicht bekam, Infantino spendete Trost, doch die Ehrung, über die der Blick in der Schweiz urteilte „kein Friedensakt, sondern ein Desaster“, war eher Unsinn. Trump tönt, er hätte viele Kriege beendet oder sie verhindert, doch er sät mehr Hass als Frieden, entzweit statt zu versöhnen. Bezeichnend der Spruch auf seiner unvermeidlichen roten Mütze: „Trump hat in allem recht“. Infantino aber verstieß gegen die Statuten seines Verbandes, die absolute Neutralität bestimmen und eine politische Einmischung verbieten. Das müsste Konsequenzen haben.

Der Sport musste warten und die Gruppen-Auslosung der auf 48 Nationen aufgeblähten Weltmeisterschaft 2026 war ziemlich kompliziert. Deutschland kann von einem Glückslos sprechen, doch ein Selbstgänger werden die Spiele gegen Curacao, die Elfenbeinküste und Ecuador auch nicht. Am 14. Juni (19 Uhr MESZ) geht es in Houston gegen Curacao los, das kleinste Land im Feld. Die Mannschaft hat Jamaika ausgeschaltet und lebt als frühere niederländische Kolonie von Spielern, die dort entdeckt wurden. Gegen die Elfenbeinküste, immerhin Afrikameister, wird am 20. Juni (22 Uhr) in Toronto gespielt, Schlussakt ist am 25. Juni (22 Uhr) in New Jersey, dem Endspielstadion, gegen Ecuador, immerhin Zweiter in der Qualifikation Südamerikas vor Brasilien. Ob Deutschland dann am 19. Juli zum Finale noch einmal nach New Jersey kommt? Sollte Deutschland Gruppenerster werden, bleibt die Mannschaft im Osten, was auch die Quartierwahl erleichtert. „Wir können uns nicht beschweren“, lächelte Bundestrainer Julian Nagelsmann.

Die Aufblähung des Teilnehmerfeldes sorgt auch dafür, dass es in den Gruppenspielen kaum Schlagerspiele gibt, zudem sind sechs Nationen noch gar nicht bekannt, laufen noch Qualifikationen. Das Eröffnungsspiel bestreiten am 11. Juni (21 Uhr) Mexiko und Südafrika. Interessant könnte die Gruppe I sein mit Frankreich, Senegal, Norwegen und einem Qualifikanten. Österreich (mit vielen Bundesliga-Stars) trifft in Gruppe J auf Argentinien, Algerien und Jordanien. Die zwei besten Teams jeder Gruppe und die acht besten Dritten kommen in die erste K.o.-Runde.

Aufstand am Tabellenende in der Bundesliga

Die Mannschaften von den Plätzen 12 bis 16 haben am Wochenende mit Siegen für eine Überraschung gesorgt. Auch St. Pauli als 17. holte in Köln wenigstens ein 1:1 und beendete seine Niederlagenserie, nur Schlusslicht Mainz ging mit einem 0:1 gegen Gladbach erneut leer aus, hofft aber auf Besserung. Der 59-jährige Schweizer Urs Fischer soll es als neuer Trainer richten, er hatte bis 2023 erfolgreich bei Union Berlin gearbeitet und einen Vertrag bis 2028 unterschrieben. Neue Besen kehren meist gut, selbst als Interimstrainer. So überraschte der FC Augsburg nach der Entlassung von Sandro Wagner und mit Manuel Baum als Verantwortlichen mit einem 2:0-Sieg gegen Leverkusen. Wolfsburg mit Daniel Bauer kann auch wieder siegen (3:1 gegen Union) und der Hamburger SV feierten im Nordderby gegen Werder Bremen einen besonders emotionalen Sieg. Kapitän Yussuf Poulsen, bisher meist verletzt, sorgte als Joker in der 94. Minute für den Siegtreffer. Der erfolgreichste Joker ist derzeit der „Hoffnungs-Schimmer“ für Heidenheim, nach dem Sieg in Berlin sorgte Stefan Schimmer aus Wertingen auch gegen Freiburg in der 94. Minute für den 2:1-Siegtreffer. Nach langer Torflaute erzielte er zuletzt vier Tore als Joker. Heidenheim arbeitete sich auf den Relegationsplatz vor. Im Abstiegskampf wird es insgesamt immer enger.

Klarheit dagegen an der Spitze. Über Bayern muss man fast nicht mehr reden, das 5:0 in Stuttgart sorgte dennoch für Gesprächsstoff. Trainer Vincent Kompany hatte sich eine besondere Taktik ausgedacht. Er setzte anfangs einige Stars, so auch Kane, auf die Bank und begann teilweise mit der zweiten Garnitur. Dennoch führten die Bayern bei Halbzeit 1:0 durch ein Zaubertor von Laimer, nach einer Stunde kam Kane und machte noch drei „Buden“. Begünstigt wurden die Tore durch eine schwache Leistung von Torhüter Alexander Nübel, der im Kampf um die mögliche Neuer-Nachfolge in München mit Abstand gegen sein Gegenüber verlor. Jonas Urbig durfte Neuer vertreten, zeigte sich souverän, glänzte mit genauen weiten Pässe und rettete einmal das „zu Null“. Auch Leipzig überraschte mit einem 6:0-Kantersieg gegen Frankfurt und Dortmund distanzierte Hoffenheim mit 2:0. Dadurch haben sich die ersten drei Teams abgesetzt, nach Rang 7 (Frankfurt/21 Punkte) gibt es wieder eine Lücke zum Achten Köln (16). Da geht viel an Spannung verloren.

Spannung gibt es im DFB-Pokal ( letzte Runde siehe nächster Blog), die Auslosung am Sonntag bescherte für das Viertelfinale (3./4. und 10./11. Februar 2026) den Schlager der BL-Spitzenteams Bayern und Leipzig. Hertha BSC hofft gegen Freiburg auf eine Überraschung und weiter auf die Chance, daheim das Finale zu bestreiten. Titelverteidiger Stuttgart muss nach Kiel, Leverkusen erwartet St. Pauli.

In dieser Woche geht es aber erst einmal wieder auf Europas Bühne, die letzten Spieltage des Jahres stehen an, dann geht es wieder am 20. Januar weiter. Die Bayern haben nach der Niederlage bei Arsenal ein Heimspiel, aber auch Sporting Lissabon (Dienstag, 18.45 Uhr) gehört zu den Spitzenteams, hat wie Dortmund, Chelsea, ManCity und Bergamo zehn Punkte, nur zwei weniger als die Bayern auf Rang drei. Der Kampf um die ersten acht Plätze, mit denen sich die K.o.-Runde vermeiden lässt, ist also voll entbrannt. Für die Bayern spricht, dass sie weder in vier Vergleichen gegen Sporting (4 Siege) haben und noch nie zu Hause gegen portugiesische Mannschaften verloren haben. Die in Leipzig gebeutelten Frankfurter müssen nach Barcelona (Dienstag, 21 Uhr) – das kann ja heiter werden. Am Mittwoch (21 Uhr) misst sich Dortmund mit dem Überraschungsteam Bodö/Glimt, Leverkusen wird von Newcastle und Nick Woltemade gefordert. Das heißeste Duell ist aber Real Madrid gegen Manchester City (Mittwoch).

Bayern-Frauen trumpfen auf

Wie die Männer, so mussten auch die Frauen von Eintracht Frankfurt in der Bundesliga eine Lehrstunde hinnehmen. Sie wollten eigentlich Tabellenführer Bayern München herausfordern, doch sie wurden zu Nebendarstellerinnen degradiert, die Bayern-Mädchen ließen mit einem 5:0 nichts anbrennen und festigten die Tabellenspitze sechs Punkte vor Wolfsburg (3:1 gegen Freiburg). Am Wochenende steht der letzte Spieltag des Jahres an, wobei mit dem HSV und Nürnberg zwei Aufsteiger die Spitzenteams herausfordern: Der HSV gastiert in München, Nürnberg erwartet Wolfsburg. Bayern und der HSV treffen sich übrigens auch im Viertelfinale des DFB-Pokals, am 11. März allerdings in Hamburg. Das Schlagerspiel gibt es zwischen Wolfsburg und Frankfurt, außerdem spielen Jena – Sand und Essen – Bremen. (Ein Bericht über die Frauen-Nationalmannschaft im nächsten Blog)

München und Wolfsburg müssen aber auch noch zwei Spieltage in der Champions League absolvieren, beide Teams haben die Play-Offs sicher, wollen, aber weiter Punkte sammeln. Die Bayern-Mädchen müssen am Mittwoch zu Atletico Madrid und erwarten am 17. Dezember Valerenga, Wolfsburg hat am Dienstag bei Real Madrid und am17. Dezember gegen Chelsea London die schwierigeren Aufgaben.

Die Fußball-Fans schauen auch immer nach Vancouver seit Thomas Müller dort spielt. Der Ex-Münchner ist jetzt der Star bei den Whitecaps und führte sie ins Finale der MLS. Dort war kein geringerer als Inter Miami, mit David Beckham als Besitzer und Lioni Messi als großen Star, der Gegner. Das Duell der Altmeister entschied Messi für sich, er war an allen drei Tore beteiligt. Müller macht es aber in Vancouver Spaß, er will ein weiteres Jahr in Kanada bleiben.

Das spannendste Formel-1-Finale aller Zeiten ging mit einem neuen Weltmeister zu Ende. Lando Norris behielt die Nerven, kam als Dritter ins Ziel, das reichte für seinen ersten Titelgewinn mit zwei Punkten Vorsprung vor Sieger und Titelverteidiger Max Verstappen. Dicke Fehler vom Team McLaren, immerhin auch Konstrukteursweltmeister, machten die letzten Rennen mit einer Aufholjagd des eigentlich schon abgehängten Verstappen im Red Bull noch spannend. So aber gewann McLaren erstmals seit 2008 wieder die Fahrer-WM. Lando Norris war danach in Tränen aufgelöst. Für den 26-jährigen Engländer eine besondere Erleichterung, nachdem ihm nachgesagt wurde, dass ihm für einen Titelgewinn die starken Nerven fehlen. Er schaffte quasi eine Punktlandung, wehrte erfolgreich Leclerc mit seinem Ferrari ab, denn Platz vier hätte nicht gereicht.