Die Bundesliga meldet sich mit Krachern zurück

Die Weihnachtspause war kurz, lange mussten die Fans nicht auf den Restart der Fußball-Bundesliga warten, so dass wohl kaum Entzugserscheinungen aufgekommen sind. Der Start bewies, alle dürfen sich auf die zweite Hälfte der Saison freuen, denn die Bundesliga meldete sich mit Krachern zurück, sportlich, als auch am Rande des Grüns, dass diesmal zum Teil weiß war. Das war nicht neu, geht die Bundesliga wieder los, meldet sich der Winter genau zum Wiederbeginn verspätet an. Der Winter mag die Bundesliga offensichtlich nicht, zwei Spiele mussten ausfallen, im Norden herrschte Wetterchaos, deshalb gab es für St. Pauli und Leipzig sowie Bremen und Hoffenheim eine verlängerte Winterpause.

Schon der Auftakt, das 3:3 von Frankfurt gegen Dortmund, war ein Spektakel mit zwei Treffern in der Nachspielzeit, die für besondere Gefühlswallungen sorgten. Aber späte Tore sind im Fußball fast schon üblich geworden. Die Bayern, Stuttgart und Gladbach legten mit Schützenfesten nach, da rieben sich manche die Augen. Ähnlich im Abstiegskampf bei Mainz und Heidenheim, da waren die Fans und Verantwortlichen wohl den Tränen nahe. Mainz führt bei Union mit 2:0 und dennoch konnte Trainer Urs Fischer mit seiner Mannschaft beim alten Verein keinen Sieg feiern, der im Abstiegskampf so notwendig gewesen wäre, das 2:2 war ärgerlich. Ähnliches in Heidenheim, gegen Köln 2:1 geführt, aber es gab auch nur ein 2:2. Der Spielplan will es so, am Dienstag treffen beide Abstiegskandidaten in Mainz aufeinander. Wird 05 die Rote Laterne los?

Die englische Woche (es endet die Hinrunde, am Wochenende beginnt die Rückrunde) sorgt dafür, dass es kein großes Nachdenken geben wird. Sie beginnt gleich mit dem interessanten Vergleich, Stuttgart erwartet Frankfurt, zwei Aspiranten für die Champions League. Der VfB ist grandios gestartet, zerlegte den Mitkonkurrenten Leverkusen. Zur Halbzeit stand es bereits 4:0 für Stuttgart, vom „besten Fußball“ war die Rede, vor allem die Nationalspieler Deniz Undav und Jamie Leweling trumpften auf und empfahlen sich nachhaltig für Bundestrainer Julian Nagelsmann. Andererseits: Muss man sich Sorgen um Leverkusen machen? Tatsache ist, der Afrika Cup riss Lücken und auch Torjäger Schick fehlte. Vier Tore erzielte auch Borussia Mönchengladbach im wichtigen Spiel um den Klassenerhalt gegen Augsburg und hat sich durch das 4:0 erst einmal Luft verschafft, da tritt Ruhe ein. Anders die Stimmung beim FCA, spielerisch gefällig, aber ungefährlich und bedenklich: Der große Kampfgeist fehlte. Sind sich die Spieler der Gefahr gar nicht bewusst? Eine schwere Aufgabe für den neuen Trainer Manuel Baum.

Solche Sorgen kennen sie bei den Bayern nicht. Sie brauchten zwar gegen „Lieblingsgegner“ Wolfsburg (27 Niederlagen und 2 Remis in München) eine Halbzeit Anlaufzeit, doch dann hagelte es Tore gegen die überforderten Niedersachsen, die beim 8:1 auch zu zwei Eigentore quasi gezwungen wurden. Vor allem die Flügelzange Olise und Diaz trumpfte auf und Torjäger Harry Kane steuerte ein Traumtor exakt in den Winkel bei. 63 Tore in 16 Spielen haben die Bayern jetzt erzielt, elf Punkte Vorsprung auf Dortmund sind die Folge. Das gab es noch nie. Da liegt ein neuer Torrekord in der Luft (bisher 101 von den Bayern), die Rückrunde beginnt am Samstag beim Tabellendritten Leipzig, Erinnerung daran: Zum Saisonstart setzten die Bayern ein Zeichen beim 6:0. Tore satt also, aber zunächst auch eine Menge Anstrengung, sieben Spiele sind im Januar zu bewältigen. Am Mittwoch geht es aber erst einmal zu den gebeutelten Kölnern, die seit sieben Spielen den süßen Geschmack eines Sieges nicht mehr genießen konnten. An Trainer Lukas Kwasniok üben die Fans bereits Kritik, nach einem fulminanten Start in die Saison wurde er noch gefeiert – so schnell geht es in der Bundesliga.

In Dortmund gibt es keine Kritik am Trainer, warum auch, Niko Kovac führte die Mannschaft immerhin auf Platz zwei, mehr ist im Moment gegen die „Überbayern“ nicht drin. Im Gegensatz zu Kane hat der Borussia-Torjäger allerdings Ladehemmung: Serhou Guirassy traf seit dem 31. Oktober (1:0 in Augsburg) nicht mehr. Er wirkt manchmal auffallend teilnahmslos, ist er mit seinen Gedanken bei einem neuen Verein? Kein Geheimnis: Der Torjäger will um Titel spielen, er wird seit Monaten auf dem Markt in Europa und Saudi-Arabien angeboten. Jetzt könnte er aber seinen Stammplatz verlieren, Neuzugang Fabio Silva macht den besseren Eindruck, „er hat nach seiner Einwechslung Betrieb gemacht,“ lobte Kovac. Problem: Sitzt Guirassy auf der Bank, fällt sein Wert. Frankfurt war da glücklicher, Neuzugang Younes Ebnoutalib hat sich gleich mit einem Tor eingeführt. „Er war eine Verstärkung für uns,“ lobte Trainer Dino Toppmöller. Der Spieler, vom SV Elversberg aus der zweiten Liga gekommen, aber gestand: „Ich war ganz schön nervös“.

Neben den Spielern standen auch gleich wieder die Schiedsrichter im Mittelpunkt, das bleibt uns also weiter nicht erspart. Allerdings muss eine gewisse Härte hingenommen werden, so schimpften die Augsburger zu unrecht über einen harten Einsatz von Gladbachs Torschützen Tabakovic gegen Torhüter Dahmen. Anders der HSV, besonders bitter, die 1:2-Niederlage in Freiburg war zu einem großen Teil dem schwachen Schiedsrichter Timo Gerach geschuldet. Der Siegtreffer von Matanovic hätte nicht zählen dürfen, weil dem ein klares Foul an Torunarigha voran ging. Unverständlich, dass da der VAR nicht eingriff. Und Rekord-Rot war ebenfalls nicht in Ordnung, Elfadli flog nach einer kleinen Berühung des Gegners im Strafraum mit Gelb vom Platz, der Elfmeter war eine harte Entscheidung. Falsch aber war eine frühere Verwarnung und deshalb war es schon der sechste Platzverweis für den Aufsteiger! Es könnte eine folgenschwere Niederlage der Hamburger im Abstiegskampf gewesen sein.

DFB hat WM-Quartier gefunden

Was uns bis zur endgültigen Nennung des Aufgebotes ebenfalls begleiten wird, ist die Diskussion um den WM-Kader. Immer wieder werden Kandidaten offeriert nach dem Motto „der muss mit“. Man hat den Eindruck, es gibt mehr Experten als Spieler, Bundestrainer Nagelsmann kann aber keine 40 Mann nominieren. Eine Entscheidung ist aber bereits gefallen, die Mannschaft wird bei der Weltmeisterschaft im Sommer in North Carolina, im Hotel „The Graylyn Estate“ residieren, das einer alten Burg ähnelt. Vom eine Stunde Fahrzeit entfernten Flughafen von Charlotte will man zu den Spielen fliegen. Besonders angetan haben Julian Nagelsmann die guten Voraussetzungen für das Training, mit einem Schwimmbecken mit Gegenstromanlage und Laufband im Wasser. „Das haben nur Top-Top-Vereine“ schwärmt der Trainer von den Verhältnisse in der naheliegenden Uni. Zu den drei bestens gepflegten Trainingsplätzen können die Spieler in zehn Minuten radeln. Das Gelände des Hotels erinnert die Verantwortlichen an den „Homeground“ von Adidas in Herzogenaurach. Die Mannschaft kann sich hier also heimisch fühlen.

Eins wollen wir nicht vergessen, am kommenden Wochenende startet auch die 2. Bundesliga in ihre Rückrunde. Die größte Aufmerksamkeit gilt dem Schlagerspiel Hertha BSC – Schalke 04 am Samstag (20.30 Uhr). Besonders wichtig für die Berliner, dass sie gut starten, sonst schwinden die großen Chancen auf die Rückkehr in die Bundesliga.

Vor einer noch größeren Aufgabe steht die Handball-Nationalmannschaft, da beginnt am Donnerstag die Europameisterschaft. Mehr zu diesem Turnier in Dänemark, Schweden und Norwegen im Laufe der Woche.