Die Handball-EM ist für Deutschland ein harter Brocken

In der ARD läuft eine Krimiserie mit dem Titel „Harter Brocken“. Sie spielt im Harz mit dem Brocken, einer der bekanntesten Berge in Deutschland, quasi als Wahrzeichen. Sinnbildlich lässt sich das auf die deutsche Handball-Nationalmannschaft übertragen, sie hat bei der Europameisterschaft in Dänemark, Schweden und Norwegen einen Berg an starken Gegnern vor sich, die EM wird also ein harter Brocken. Dennoch träumen Bundestrainer Alfred Gislason und seine Schützlinge von einer Medaille. Das Halbfinale gilt als erstes Ziel.

Die deutsche Mannschaft hat das Glück, dass sie selbst bei einem erfolgreichen Turnier das Quartier nicht wechseln muss. Sie wohnt in Silkeborg, 40 km vom Spielort Herning entfernt. Erster Gegner ist am Donnerstag Österreich, wenn man so will, die leichteste Aufgabe, aber nicht zu unterschätzen. In der Vorrunde folgen Serbien (Samstag) und Spanien (Montag, immer 20.30 Uhr, ARD und ZDF übertragen). Die Europameisterschaft hat ihren eigenen Austragungsmodus, anders als bei der WM gibt es kein Viertelfinale. 24 Nationen sind am Start, in der Gruppe gilt es mindestens Zweiter zu werden, um in die Hauptrunde einzuziehen, dann stehen wieder vier Spiele an, gegen den Gegner aus der eigenen Gruppe wird das Ergebnis mitgenommen. Die beiden Gruppenbesten der Hauptrunde ziehen ins Halbfinale ein. In der Hauptrunde drohen aber Duelle mit Weltmeister Dänemark, Europameister Frankreich, Norwegen und Portugal. Ein harter Brocken also. Die Hauptrunde wird vom 22. bis 28. Januar gespielt, die Halbfinals sind am Freitag, 30. Januar, das Finale findet am Sonntag, 1. Februar (18 Uhr) in Herning statt.

Mit den starken Gegnern muss Deutschland leben, „es ist halt eine Europameisterschaft, da gibt es keine leichten Gegner,“ meint der Bundestrainer lapidar. Zum Unterschied einer Weltmeisterschaft fehlen die Exoten. Europameister war Deutschland zuletzt 2016, also vor zehn Jahren, aus dem damaligen Team sind noch die Kieler Andreas Wolff und Rune Dahmke sowie Jannik Kohlbacher (Rhein-Neckar-Löwen) dabei. Frischer ist der Erfolg bei Olympia 2024 in Paris, da gab es Silber und daran will man anschließen, elf Medaillengewinner gehören dem 18er-Kader an. Mit Tom Kiesler, Miro Schluroff, Mathis Häseler (alle Gummersbach) und Matthes Langloff (Berlin) sind auch vier Turnier-Neulinge dabei. Das Durchschnittsalter der DHB-Auswahl beträgt 26 Jahre. Das die Mannschaft gerüstet ist, zeigte sie in den Testspielen, als Vizeweltmeister Kroatien mit 32:29 und 33:27 geschlagen wurde.

Rückhalt des deutschen Teams sind vor allem die beiden Torhüter, Routinier Andreas Wolff (33) und Talent David Späth (23/Rhein-Neckar-Löwen) sind beide Weltklasse. Vor ihnen steht zudem eine starke Abwehr, „ein Bollwerk“ bezeichnet es Kreisläufer Jannik Kohlbacher. Dass es geordnet und erfolgreich nach Vorne geht, dafür soll Spielmacher Jurri Knorr (25) sorgen, der inzwischen beim dänischen Spitzenklub Aalborg sein Geld verdient. Schwächen sind eher im Angriff und bei der Chancenverwertung zu suchen. Wichtig wäre also, dass sich das Team in einen Flow spielen kann, dann geht bekanntlich einiges von allein.

Die Co-Hausherren aus Dänemark sind die Übermannschaft des EM-Feldes, vier WM-Titel in Folge und Olympia-Gold in Paris sprechen für sich. Jetzt wollen sie endlich Europameister werden. „Sie haben seit 20 Jahren kein Heimspiel verloren“, weiß Alfred Gislason voller Bewunderung und attestiert, „wenn alles normal läuft, sind sie nicht zu schlagen“ „Kopf“ der Mannschaft ist Welthandballer Mathias Gidsel (26) von den Füchsen Berlin. Bei denen wird zudem bald Dika Mem spielen, der Star Frankreichs. Was deutlich macht, dass die deutsche Bundesliga ihrem Ruf als beste Liga der Welt immer wieder verteidigt. Da wäre ein Titelgewinn der Nationalmannschaft passend. Neben Dänemark könnten vor allem Titelverteidiger Frankreich, Vizeweltmeister Kroatien (trotz der Niederlagen in den Testspielen), Schweden, Island, Norwegen oder Gruppengegner Spanien den Weg zu einem Medaillengewinn versperren. Die EM ist halt ein harter Brocken.