In Europas Fußball stehen die ersten Entscheidungen an
Bis Weihnachten gibt es im Fußball nur ein Vorgeplänkel oder das Bemühen um eine gute Weichenstellung. Im neuen Jahr geht es erst richtig los, im Frühjahr werden die Titel vergeben, heißt es allgemein. In Europas Fußball stehen jetzt schon die ersten Entscheidungen an, denn in den Spieltagen in dieser und der nächsten Woche geht es um das Weiterkommen in Champions League und Europa League. Die Bundesliga tritt für einige Vereine hierzulande zunächst in den Hintergrund. Die Conference League hat ihre Ligenspiele schon absolviert, da geht es erst im Februar weiter, Mainz ist bereits im Achtelfinale im März.
Die beste Ausgangsposition von allen deutschen Klubs hat Bayern München als Zweiter in der Champions League, die ersten acht Teams qualifizieren sich direkt für das Achtelfinale. Ein Sieg am Mittwoch über Belgiens Meister Union Saint-Gilloise müsste reichen. Auch Borussia Dortmund (Platz 10) schielt noch nach oben, muss aber am Dienstag bei Tabellennachbar Tottenham (11.) antreten und hat am letzten Spieltag, an dem alle am Mittwoch, 28. Januar (21 Uhr) spielen, Inter Mailand (6.) zu Gast. Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt kämpfen noch um den Einzug in die Play-Offs, dazu reicht Platz 24. Bayer ist derzeit oberhalb der Grenze (20.), die Eintracht mit gerade mal vier Pünktchen darunter (Platz 30). Ein Sieg bei Qarabag Agdam (22.) ist also Pflicht, dann kommt Tottenham. Der Trainerwechsel (dazu später mehr) war sicherlich nicht die beste Vorbereitung. Bayer hat es leichter, in Piräus (29.) und gegen Villarreal (35.) sollten die Weichen auf Weiterkommen gestellt werden.
Für die Bayern, die ja die Bundesliga dominieren, ist die Champions League sicherlich der wichtigste Wettbewerb für den Rest der Saison. Hier muss sich die Mannschaft wirklich beweisen, hier gab es mit dem 1:3 bei Tabellenführer Arsenal auch die einzige Niederlage. Auf den ersten Blick sollte Saint-Gilloise keine allzu hohe Hürde darstellen, aber Vorsicht, die Belgier sind auswärtsstark, haben in allen vier Spielen in Deutschland nie verloren! Die Bayern treffen auf einen neuen Gegner (der 72. in der CL), haben gegen zehn von elf Premierengegnern gewonnen, sind seit langer Zeit zu Hause ungeschlagen und wollen ein Jubiläum feiern: Den 250. Sieg in der CL, nur Real Madrid hat mit 308 mehr. Trainer Vincent Kompany hat in der Bundesliga einige Stars immer wieder geschont, in der CL ist die Bestbesetzung angesagt.
Ein Novum gibt es allerdings: Erstmals wird die Südtribüne in der Allianz-Arena leer sein. Die Bayern Ultras haben gegen Sporting Lissabon die Bewährung der UEFA verwirkt und wieder Pyros gezündet. Die Zündelei hat also Konsequenzen, kostet nicht nur viel Geld, sondern der Verband sperrte die Blöcke 114 und 115, der Verein aus Sicherheitsgründen dann die ganze Südtribüne, rund 9000 Fans müssen draußen bleiben. Bayern-Boss Jan-Christian Dreesen ist auf die Fans sauer: „Das Verhalten ist inakzeptabel, ich hatte damals Angst, dass das Spiel abgebrochen wird. Ein Teil der Fans hat seine eigene Definition von Recht, es ist aber nicht das richtige Recht, es gibt Regeln, die einzuhalten sind.“ Leider ist es so, dass es die unbelehrbaren Anhänger nicht interessiert, überall in der Bundesliga brannten auch am Wochenende die Pyros, es kam zu vielen Spielverzögerungen, Gesundheitsgefährdend für die Spieler bei eisiger Kälte. Auch DFL und DFB müssen endlich durchgreifen und notfalls Teile der Tribünen sperren!
In der Europa League hat der SC Freiburg eine ähnlich gute Ausgangslage wie die Bayern in der CL, als Fünfter ist man auf dem Weg ins Achtelfinale, dazu sollte am Donnerstag ein Sieg gegen Tel Aviv (35.) möglich sein. Der VfB Stuttgart befindet sich an der Grenze (9.), eine Weichenstellung gibt es beim punktgleichen Tabellennachbarn AS Rom (10.).
Frankfurt zog die Notbremse
Auch wenn die Champions League im Mittelpunkt steht, die Bundesliga bleibt die wichtigste Aufgabe für die Vereine. Freilich, das internationale Geschäft ist für viele das Ziel, die Meisterschaft überlässt man fast freiwillig den Bayern. Wenn die Ziele aber gefährdet sind, ziehen die Klubs die Notbremse, ob im Abstiegskampf oder wenn der Erfolg ausbleibt. So hat der einst gefeierte Dino Toppmöller jetzt die Härte des Geschäfts erlebt, nach schwachen Auftritten und fehlenden Siege gab Eintracht Frankfurt am Sonntag die Trennung vom 45-jährigen Trainer bekannt, der auf den Spuren von Vater Klaus wandelte und es sogar länger aushielt. Toppmöller kam aus der Assistentenrolle in München und überzeugte als Cheftrainer und führte Frankfurt erstmals über die Bundesliga in die Champions League. Er wurde auch Leidtragender der Personalpolitik, die besten Spieler wurden mit Gewinn verkauft, aber das klappt nicht auf ewig. Deshalb muss sich Sport-Boss Markus Krösche eine Teilschuld anrechnen lassen. Toppmöller gelang es allerdings nicht, vor allem die Abwehr zu stabilisieren. Das 3:3, jetzt auch in Bremen, wurde fast zum Standardergebnis, vier Spiele lang gab es keinen Sieg und mehr als 39 Gegentreffer hat kein Verein in der BL.Die Ziele des Vereins geraten in Gefahr.
Der Wechsel ist in der CL-Woche äußerst ungünstig, natürlich gibt es gleich Gerüchte, wer Nachfolger werden könnte. Favorit scheint Marco Rose zu sein, der erfolgreich in Leipzig arbeitete, weniger erfolgreich in Dortmund und Gladbach. Es heißt allerdings, er würde gern ins Ausland gehen. Vorerst werden unerfahrende Nachwuchstrainer die Profis anleiten, Dennis Schmitt (32, Trainer der zweiten Mannschaft) und Vereinslegende Alex Meier (43, Trainer der U19).
In Dortmund steht der Trainer nicht zur Debatte, Niko Kovac kann Erfolge vorweisen, aber es ist seltsam, die Borussia ist Zweiter (allerdings elf Punkte Rückstand auf Bayern) und ist in der Champions League gut dabei, nur im Pokal klappte es nicht. Und dennoch wurde man in Dortmund nur selten glücklich, viele Siege gelangen mit Hängen und Würgen, so wirklich überzeugend spielte die Mannschaft nie, zudem gab es immer wieder Ärger mit Spielern. Aber Erfolg heiligt die Mittel, doch sollte man sich nicht darauf verlassen, dass es so bleibt. Erfolge fehlen Bayer Leverkusen, zwei Niederlagen in Folge sind kein guter Start ins neue Jahr. Die Ausfälle konnten nicht verkraftet werden. Ganz anders sieht es bei der TSG Hoffenheim aus, unbeeindruckt von allen Querelen im Klub ist die Mannschaft erfolgreich. Christian Ilzer, auch schon in der Kritik, brachte das Team nach oben, ein Glücksgriff war die Verpflichtung des Niederländers Wouter Burger, der als Ersatz für Anton Stach für gerade mal vier Millionen Euro von Stoke City kam und voll einschlug. Er ist Skorerkönig im Verein und die Leistung lässt sich in der Tabelle ablesen: Rang drei nach dem 1:0-Sieg gegen Bayer! Am Samstag geht es zu einer Art Derby nach Frankfurt…
Die Bayern thronen oben und spielen anscheinend mit ihren Gegnern. Nicht umsonst schlossen sie die Hinrunde mit einem neuen Rekord ab. Leipzig bot dem Rekordmeister eine Halbzeit lang Paroli und hätte höher als 1:0 führen müssen. Das gelang unter anderem deshalb nicht, weil Manuel Neuer bewies, dass er noch nicht zum alten Eisen gehört. Die Wende kam, als Kompany den formstarken Michael Olise einwechselte, der Leipzig buchstäblich aufmischte. Was deutlich wurde: Kane und Olise sind bei den Bayern nicht zu ersetzen. Das glücklichste Gesicht der Welt hatte aber ein anderer: Jamal Musiala feierte für ein paar Minuten sein Comeback und holte sich gleich einen Skorerpunkt.
Auch die Frauen starten wieder
Die Frauen-Bundesliga gönnte sich eine längere Weihnachtspause als die Männer, doch am kommenden Wochenende geht es wieder los. Auch bei den Frauen dominieren bekanntlich die Bayern, aber nicht so überlegen wie die Männer. Zumindest der VfL Wolfsburg bleibt auf Dauer ein ernsthafter Konkurrent, hat aber auch schon sechs Punkte Rückstand nach 14 Spieltagen. Personell hat sich aber bei den Bayern-Mädchen etwas getan. Torjägerin Lea Schüller saß zuletzt öfters auf der Bank und hat die Konsequenzen gezogen und wechselte zu Manchester United. Mittelfeldstar Georgia Stanway gab zudem ihren Abschied im Sommer bekannt. Die Engländerin wurde eine echte Führungsspielerin, mit den derzeit verletzten Lena Oberdorf und Sarah Zadrazil steht aber Ersatz parat, zudem kam bereits jetzt Spaniens Mittelfeldtalent Bernadette Amanti vom CD Tenerife. Als Schüller-Ersatz haben die Münchnerinnen Stürmerin Edna Imade von Real Sociedad zurückgeholt. Imade wurde im Sommer verpflichtet und ausgeliehen, jetzt wird sie bei den Bayern benötigt. Auch sie hat sich in Spanien in den Vordergrund gespielt. Wie stark die Münchnerinnen zurückkommen, kann ausgerechnet der RB Leipzig am Sonntag (18.30 Uhr) testen, die Frauen wollen dabei wohl besser aussehen als die Männer. Die Wölfinnen haben es leichter, starten bei Schlusslicht Jena. Das Schlagerspiel ist das Duell der Verfolger zwischen Frankfurt und Hoffenheim am Sonntag (15.15 Uhr).